HIDAS - A Sense Of Impending Doom
Mehr über Hidas
- Genre:
- Instrumental Doom Metal
- ∅-Note:
- 8.50
- Label:
- Tonzonen Records
- Release:
- 23.01.2026
- Dynger
- Splint
- ASOID
- Vakuum
- Cisza
- The Riddle
Ein sängerloser Strom tiefschwarzer Lava.
Münchens Metalszene war sicher mal lebhafter, größer, vitaler. Doch es gibt sie noch: Bands, die plötzlich da sind und einen einzigartigen musikalischen Beitrag im Gepäck haben. HIDAS ist so eine Band. 2023 gegründet, hat sich das Trio in kürzester Zeit auf den kleineren und mittleren Bühnen der Stadt einen Namen gemacht. Ihr Rezept: wuchtiger, angebluesten Doom, der völlig ohne Gesang auskommt. Nun steht das zweite Album an: "A Sense Of Impending Doom".
Geboten werden sechs Songs, die sich zwar grob im Doom ansiedeln lassen, doch das wäre in der Zuschreibung zu wenig: HIDAS sprengt die Genregrenzen immer wieder gekonnt. Der Opener 'Dynger' fungiert dabei als Ouvertüre und macht sofort klar, wo die Reise hingeht: Hier regiert ein ungenierter Stoner-Doom-Sound. Die Mischung aus eingängigen Riffs und dynamischen Bridges, in denen der Bass auch mal die Führung übernehmen darf, sorgt dafür, dass die mehr als acht Minuten nicht zur Geduldsprobe werden. Dabei erinnert die messerscharfe Interaktion des Trios an die US-Post-Metal-Instanz RUSSIAN CIRCLES. Auch HIDAS versteht es, die Abwesenheit eines Sängers durch eine fast schon orchestrale Dichte der Instrumente zu kompensieren.
Was HIDAS von der breiten Masse der Stoner-Bands abhebt, ist der Mut zum Kontrast. Die Band kann kurz und knackig, wie der groovende Nackenbrecher 'Splint' beweist, aber ihre wahre Stärke finden wir in der Mitte des Albums. Das Duo aus dem Titeltrack 'ASOID' und dem elfeinhalbminütigen Monolithen 'Vakuum' ist der emotionale Ankerpunkt. Besonders letztgenannter Song überrascht mit einem Black-Metal-Ausbruch zu Beginn, der die wohlige Doom-Wärme mit eiskalter Aggression schneidet, nur um dann in einen triumphalen Faust-in-die-Höhe-Part zu münden. Das ist vielseitig, mutig und klingt vor allem verdammt organisch.
Man hört dem Album an, dass diese Songs wohl im Proberaum "erspielt" wurden. Das klingt nicht nach Reißbrett-Konstruktion im heimischen Studio. HIDAS atmet den Spirit der Improvisation und des Momentums. Dass hier geballte Erfahrung am Werk ist, zeigt ein Blick auf die Personalien: Gitarrist Flo Bätz (bekannt durch die eklektische Müncher Kreativ-Explosion LEE HARVEY & THE OSWALDS) bringt sein Gespür für unkonventionelles Songwriting ein. Zusammen mit Bassist Richard Noyn und Drummer Christoph Mühlbauer (beide durch KEMWER bekannt) bildet er eine Einheit, die blind harmoniert.
Genau diese Harmonie führt uns zum "Elefanten im Raum": die instrumentale Ausrichtung. Im Doom-Genre kann das Fehlen von Gesang eine Lücke reißen, die schwer zu füllen ist, wenn man auch auf Keyboards oder eine zweite Lead-Gitarre verzichtet. Das Riff muss hier die gesamte Geschichte erzählen. In dieser Disziplin wandelt HIDAS auf den Spuren der leider aufgelösten Band OMEGA MASSIF, die Münchner füllen die sängerlose Leere mit einer "schwarzen Lava" aus Sound, die den Hörer regelrecht erdrückt.
Während das Debüt "Hidas" noch verspielter und fast schon "ohrwurmartig" mit dieser Herausforderung umging, klingt das neue Material bösartiger, zähflüssiger und atmosphärisch deutlich zwingender. Trotzdem gelingt es HIDAS, Melodien und Hooks zu komponieren, die ein Wiedererkennen erleichtern.
Ob einem eine Stimme fehlt, bleibt am Ende eine Frage des eigenen Geschmacks – ich persönlich schätze markante, kauzige Vocals nach wie vor sehr. Doch wer bereit ist, sich auf diese rein instrumentale Reise einzulassen, wird feststellen: HIDAS hat die eigene Sprache längst gefunden – auch ohne gesungene Worte.
- Note:
- 8.50
- Redakteur:
- Julian Rohrer


