FALCONER - Falconer
Mehr über Falconer
- Genre:
- Folk/Melodic Metal
- ∅-Note:
- 9.50
- Label:
- Metal Blade Records
- Release:
- 08.05.2001
- Upon The Grave Of Guilt
- Heresy In Disguise
- Wings Of Serenity
- A Quest For The Crown
- Mindtraveller
- Entering Eternity
- Royal Galley
- Substitutional World
- Lord Of The Blacksmiths
- The Past Still Lives On
- Per Tyrssons Döttrar I Vänge
Ein Vierteljahrhundert später - ein Rückblick auf ein bombastisches Debüt!
Vor einigermaßen genau fünfundzwanzig Jahren erschien das selbstbetitelte Debütalbum von FALCONER, zu diesem Anlass bietet sich ein kleiner Blick zurück doch förmlich an. Denn mit diesem ersten Lebenszeichen begann eine bunte Metalkarriere, die leider vor sechs Jahren ihr wohl endgültiges Ende fand.
Diese erste Inkarnation der Band - es gab im Laufe der Jahre ja doch auch richtungsweisende Wechsel - jedenfalls bestand aus Stefan Weinerhall, Matthias Blad und Karsten Larsson. Während Weinerhall (Gitarre, Bass, Songwriting) und Larsson (Schlagzeug) zuvor mit MITHOTYN und ein paar kleineren Projekten schon einige Erfahrung in der schwedischen Metalszene sammeln konnten, war Sänger Matthias Blad ein völlig unbeschriebenes Blatt. Zumindest in Metal-Kreisen, denn Blad entstammt dem Theater. Was für eine glückliche Fügung, dass sich diese drei zusammenfanden, um eine der faszinierendsten Metalbands der 00er Jahre zu gründen.
"Falconer" ist wohl auch aufgrund der vielen unterschiedlichen Erfahrungen der Beteiligten kein typisches Debüt. Es ist weniger ungestüm und wild und forsch, sondern durchaus bereits sehr durchdacht, mit einer ganz klaren Vision, die auf dem folgenden Album weniger weiterentwickelt, eher fortgeführt wurde. Die Musik besticht schon hier durch wunderbar zarte Melodien, tiefsinnige Lyrics und einen sehr einnehmenden, süchtig machenden Folk-Einschlag. Dabei verfällt FALCONER nie in dudelige Saufmusik, sondern lädt eher dazu ein, Geschichten über Königinnen und Ritter am knisternden Lagerfeuer zu belauschen und aus diesen Schlüsse für die Gegenwart zu ziehen. Auch nach unzähligen Runden, die das Album in den letzten Jahrzehnten bei mir gedreht hat, verliert die Musik nie ihren Charme und ihre Wärme.
Wobei ich mit der Lagerfeuerromantik nun etwas übertreibe. Die Songs werden schon maßstäblich geprägt von der lauten, riffgetriebenen E-Gitarre Weinerhalls und dem punktgenauen Schlagzeug. Beim immer noch widerhallenden Überhit des Albums 'Mindtraveller' kommt der Metal durch die hohe Geschwindigkeit voll zur Geltung. Bei aller theatralischer Verspieltheit des Songs, dazu kann man richtig schön den Kopf durchschütteln. Über dieser Wildnis thront die Stimme Blads, der auf unvergleichliche Weise dazu einlädt, durch Welten zu reisen und Geheimnisse zu lüften. Ja, bitte - wo erwirbt man den Fahrschein? Ein weiterer absoluter Höhepunkt hört auf den Namen 'A Quest For The Crown' und dieser setzt voll auf Folk - das stimmungsvolle Intro, die singenden Gitarren, der Text über ein von Hunger geplagtes Land und die Suche nach der königlichen Krone.
Und dann wäre da noch der harte, schnelle Opener 'Upon The Grave Of Guilt', der zu den herausregendsten Leistungen Blads zählen dürfte und mit seinem Einblick in die menschliche Psyche und das Verdrängen von Schuld auch lyrisch zeitlos bleibt. Das bassgetriebene, walzende 'The Past Still Lives On' gehört ebenfalls zum unsterblichen Liederschatz dieser Band. Manch einer könnte ins Schunkeln geraten, gerade beim Nachspiel zum Refrain, die Erzählerqualität, die Gesang und Songwriting prägt, sollte aber jeden aus seinem Schwanken erwecken und Aufmerksamkeit erregen.
Auch die Botschaft, dass die Geschichte immer wichtig und lebendig bleibt, durch ungelöste Rätsel, Lehren für die Gegenwart oder einfach, weil sie spannende Erzählungen bietet, sollte doch jedem munden, der in der Vergangenheit nach musikalischen Kleinoden gräbt. Zum Schluss gibt's mit 'Per Tyrssons Döttrar I Vänge' noch ein schwedisches Volkslied auf die Ohren, absolut kompetent und mitreißend ins Metallgewand gekleidet und mit schönem Gastgesang von Ulrika Olausson. Wo wir bei Gastbeiträgen sind, das Artwork stammt übrigens vom deutschen Illustrator Jan Meininghaus, der auch allen anderen FALCONER-Alben das Bild spendierte.
So wäre das FALCONER-Debüt beinahe ein klares 10-Punkte-Werk geworden. Wäre? Ja, erstens findet sich mit dem 'Lord Of The Blacksmiths' trotz begnadeter Gesangsleistung doch ein kleinerer Tiefpunkt und zweitens war der direkte Nachfolger "Chapters From A Vale Forlorn" ein Jahr später noch ein ganz kleines bisschen besser. Wer sich noch nicht auf die Reise des Falken begeben hat, der startet bitte unverzüglich und er wähle dieses Album zum Einstieg. Es ist eine Reise, die sich wirklich lohnt. Viel Spaß!
- Note:
- 9.50
- Redakteur:
- Marius Luehring


