EXODUS - Goliath
Mehr über Exodus
- Genre:
- Thrash
- ∅-Note:
- 9.00
- Label:
- Napalm Records
- Release:
- 11.03.2026
- 3111
- Hostis Humani Generis
- The Changing Me
- Promise You This
- Goliath
- Beyond The Event Horizon
- 2 Minutes Hate
- Violence Works
- Summon Of The God Unknown
- The Dirtiest Of The Dozen
Murder in the front row? Murder in every row!
Wer meine Schreibe ein bisschen verfolgt, weiß um meine Begeisterung in Sachen Bay-Area-Thrash. Von daher ist es auch keine große Überraschung, dass ich in Erwartung eines neuen EXODUS-Albums in ziemlich euphorischer Stimmung bin. Auch wenn ich in der jüngeren Vergangenheit mit einigen Alben so meine persönlichen Schwierigkeiten hatte und vor allem, weil ich kein Freund von Sänger Rob Dukes bin, war ich im Vorfeld von "Goliath" aber doch etwas skeptischer als sonst. Nicht nur, weil er mich in der Vergangenheit mehrfach mit seiner Liveperformance beinahe vertreiben konnte, sondern auch, weil ich seinen prolligen Gesangsstil auf Scheibe nicht so prall fand. Ganz schlaue Ohren werden mir jetzt vorhalten, dass auch der selige Paule eher kein Sänger war, aber meine emotionalen Ohren hören da halt Charisma, welches mir beim Dukes meist fehlte.
Als es dann mit '3111' und etwas später mit dem Titelsong 'Goliath' zwei Appetizer im Netz zu hören gab, war ich relativ verwirrt. Der Grund: Beide Nummern wollten so allein nicht für mich funktionieren. Während ich beim ersten noch dachte, es handele sich nicht ohne Grund um den Opener des Albums, waren die gebotenen Klänge des Titelsongs völlig ungewohnt. Besonders erstaunlich für mich war aber ein Umstand: Ich fand den Gesang äußerst cool. Was war denn da passiert?
Nun, etliche Durchläufe des kompletten Albums später, kann ich Euch die simple Antwort auf diese Frage liefern: Rob Dukes singt tatsächlich richtig gut. Aber dies nur gleich als Einleitung, denn bei einem EXODUS-Album geht es für mich in erster Linie immer um Eines: Das Riff-Feuerwerk! Und da muss sich der geneigte Cerealien-Thrasher erneut keinerlei Sorgen machen: Die Herren Holt und Altus riffeln sich die Finger blutig bis der Arzt kommt. Also doch alles beim Alten? So gar nicht!
Auch wenn der Titelsong mit seinem schleppenden Groove, dem Einsatz einer Violine und seinem verstörenden Riffing schon eine kleine Ausnahmestellung in Sachen Andersartigkeit aufweist, besticht "Goliath" durch ungeahntes Facettenreichtum und Hooklines. So kommt ausgerechnet das brutal betitelte 'Violence Works' mit einem ziemlich feisten Funk-Rhythmus aus der Hüfte geschwungen. Okay, wer sich drei Sekunden länger mit der Band beschäftigt hat, weiß, dass vor allem Schlagzeuger Tom Hunting auch PRINCE und ähnliche Interpreten abfeiert, aber diesen Einfluss habe ich bisher noch nie auf einer EXODUS-Scheibe gehört. Thrash-Puristen werden jetzt abweisend mit der Rübe wackeln. Ich hingegen finde es super! Jack Gibson soliert am Bass mit fetten Grooves und auch der bisher eher gewürfelhustete Gesang von Rob Dukes leuchtet hier blitzend auf. Klar, diese aggressive Gesangsmasche passt noch besser zu den rasanten Nackenbrechern, aber auch bin ich tatsächlich sehr angetan von seiner unerwartet starken Leistung.
Ein weiterer Song, den man so von EXODUS noch nicht gehört hat, hört auf den Namen 'The Changing Me'. Schon beim wundervoll melodischen Einlauf der Gitarren erinnert man sich, dass Lee Altus ja von HEATHEN kommt. Dieser wieselflinke Song besticht durch Tempo, Giftigkeit und Melodie zu gleichen Teilen und kann so etwas wie ein Ohrwurm werden, denn der Breitwand-Chorus fräßt sich sofort und für immer ins Kleinhirn. Da ist mir beinahe egal, dass Peter Tätgren hier als Gast zu hören ist. Diese butterweichen Riffangriffe sind einfach so gigantisch, dass ich hier von einem absoluten Kracher sprechen muss!
Im knapp acht-minütigen Epos 'Summon Of The God Unknown' zieht das Quintett dann einmal alle bekannten Register seines Könnens. Auch hier gibt es überraschende Tempo-Drosselungen und auch hier knirschen die Klampfen herrlich martialisch übers Gehör.
Was fehlt? Der typische EXODUS-Stoff. Den gibt es in Form vom ruppigen 'Hostis Humani Genesis', in welchem Rob sich so richtig auskotzt, im gewohnt an AC/DC erinnernden '2 Minutes Hate' und auch im gradlinigen Schlüpferstürmer 'Promise You This' findet der Fan der Band seinen gewohnten Sound. 'Beyond The Event Horizon' legt bei aller Rotzigkeit im Mittelteil mal plötzlich den Rückwärtsgang ein und groovt schwer atmend durchs Gehölz, was etwas irritiert. Der mit einem Text von Überlebenskünstler Tom Hunting verfasste Rausschmeißer 'The Dirtiest Of The Dozen', bezieht sich wohl darauf, dass wir es hier mit dem zwölften Album der Band zu tun haben. Amtlicher Abgang mit viel Tempo und leckeren Hornissen-Riffs.
Bleibt unterm Strich ein überraschendes Album, welches mich nach einer kurzen Eingewöhnungszeit komplett abholen kann und mich nachhaltig begeistert. Ein mutiges Album, denn es wäre relativ einfach gewesen, ein weiteres Thrash-Brett abzuliefern. Damit wäre ich auch irgendwie zufrieden gewesen, wenn Rob Dukes genau so überzeugt hätte. Aber ich weiß nicht, ob das so funktioniert hätte, denn mein Eindruck ist, dass das Album so gut geworden ist, weil es so anders klingt. Da man ja bereits acht weitere Nummern im Kasten hat, ist die Vorfreude auf den Nachfolger noch größer.
- Note:
- 9.00
- Redakteur:
- Holger Andrae


