Watain

Re: Watain

Beitragvon Jesus » Freitag 14. Oktober 2011, 17:40

Rüdiger Stehle hat geschrieben:Weißt du, ich glaube jetzt nicht, dass WATAIN da irgendwas irgendwo unnatürlich hinein zwingen, sondern dass sie einfach durchscheinen lassen, was sie in ihrer Jugend beeinflusst hat.


Selbst wenn dem so sein sollte, muss ich es doch noch lange nicht mögen. Wenn ich mal Black Metal spielen sollte und dort Elemente von DIE PRINZEN verarbeite, würde das auch nicht jedem gefallen. Hey, ich war jung!

Rüdiger Stehle hat geschrieben:Der Kniff gelingt nicht, weil die Folgerung völlig unlogisch ist. Ich habe mit keinem Wort gesagt, dass Metal sich nicht entwickeln darf oder keine fremden und neuen Einflüsse verwenden darf. Das Gegenteil ist der Fall. Nur wenn du den Metal an sich als Atavismus siehst, den es zu tilgen gilt, dann ist das Ergebnis halt kein Metal mehr. Wenn ich aus dem Gin Tonic den Gin nehme, dann ist es auch kein Gin Tonic mehr, sondern halt Tonic. Ändere das Mischungsverhältnis, versuche zusätzliche Zutaten, dann kann es ein Gin Tonic bleiben. Ein Lemon Gin Tonic, ein Gin Tonic mit Olive, ein Gin Tonic mit Eis, ein Gin Tonic mit Bier. Das mag nicht alles gut schmecken, aber es ist alles Gin Tonic. Wenn du aber den Gin heraus nimmst, dann halt nimmer.
;-)


Und wenn ich den Gin weg- und stattdessen wesentlich besseren Singlemalt reinkippe? Ist Metal an sich nur der Alkohol im Gin? Was ist, wenn ich den Alkohol mag, aber den Gin nicht? Nee, es gibt hier einfach zu viele Möglichkeiten, diesen Vergleich ad absurdum zu führen ;)
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Re: Watain

Beitragvon Rüdiger Stehle » Freitag 14. Oktober 2011, 17:51

Jesus hat geschrieben:
Rüdiger Stehle hat geschrieben:Weißt du, ich glaube jetzt nicht, dass WATAIN da irgendwas irgendwo unnatürlich hinein zwingen, sondern dass sie einfach durchscheinen lassen, was sie in ihrer Jugend beeinflusst hat.


Selbst wenn dem so sein sollte, muss ich es doch noch lange nicht mögen. Wenn ich mal Black Metal spielen sollte und dort Elemente von DIE PRINZEN verarbeite, würde das auch nicht jedem gefallen. Hey, ich war jung!

Nun ist der Black Metal aber ein Kind des Metal. Es ist normal, dass man das heraushört. Ein Kind der Prinzen ist er nicht.

Rüdiger Stehle hat geschrieben:Der Kniff gelingt nicht, weil die Folgerung völlig unlogisch ist. Ich habe mit keinem Wort gesagt, dass Metal sich nicht entwickeln darf oder keine fremden und neuen Einflüsse verwenden darf. Das Gegenteil ist der Fall. Nur wenn du den Metal an sich als Atavismus siehst, den es zu tilgen gilt, dann ist das Ergebnis halt kein Metal mehr. Wenn ich aus dem Gin Tonic den Gin nehme, dann ist es auch kein Gin Tonic mehr, sondern halt Tonic. Ändere das Mischungsverhältnis, versuche zusätzliche Zutaten, dann kann es ein Gin Tonic bleiben. Ein Lemon Gin Tonic, ein Gin Tonic mit Olive, ein Gin Tonic mit Eis, ein Gin Tonic mit Bier. Das mag nicht alles gut schmecken, aber es ist alles Gin Tonic. Wenn du aber den Gin heraus nimmst, dann halt nimmer.
;-)

Und wenn ich den Gin weg- und stattdessen wesentlich besseren Singlemalt reinkippe? Ist Metal an sich nur der Alkohol im Gin? Was ist, wenn ich den Alkohol mag, aber den Gin nicht? Nee, es gibt hier einfach zu viele Möglichkeiten, diesen Vergleich ad absurdum zu führen ;)

Dann mag es dir besser schmecken, aber es ist kein Gin Tonic mehr. Sondern Malt Tonic.


Um den Tatsachen ins Auge zu blicken: Du magst einfach Metal nicht. Du magst halt manche Metalbands. Aber nicht, weil sie Metalbands sind, sondern obwohl sie Metalbands sind. Und je weniger man das hört, umso besser für dich.

EDIT: Muss weg, sorry.
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Re: Watain

Beitragvon Jesus » Freitag 14. Oktober 2011, 17:54

Andersherum wird ein Schuh draus: Ich mag Metal. Nur manche Metalstile nicht. Besonders nicht solche, die nicht heavy sind. Ich mag Black Metal. Und je mehr Black Metal er ist und je weniger er von den nicht gemochten Metalstilen enthält, umso besser gefällt er mir.
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Re: Watain

Beitragvon enemy-of-reality » Freitag 14. Oktober 2011, 20:21

Rüdiger Stehle hat geschrieben:Auch stimmt es nicht, dass der Black Metal als "Gegenbewegung" zum immer poppiger werdenden Schlagermetal der 80er entstanden sei. Sagt mir doch mal, welche poppigen Schlagermetaller von 1980, 1981 und 1982 euch so einfallen. Iron Maiden und Judas Priest, oder was?

Ähem, ja, Judas Priest mit "You've Got Another Thing Coming" z.B.

Ich weiß nicht, ob ich's jetzt wirklich als "Gegenbewegung" bezeichnen würde, aber der BM wollte halt böser, räudiger, undergroundiger sein als der "normale" Metal und sich somit von diesem abgrenzen.
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Re: Watain

Beitragvon Jesus » Freitag 14. Oktober 2011, 20:40

Endlich kriege ich mal ein kleines bisschen Rückendeckung hier :D
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Re: Watain

Beitragvon Jhonny » Freitag 14. Oktober 2011, 23:55

Jesus hat geschrieben:
Peter Kubaschk hat geschrieben:Davon abgesehen ist die "Hair"-These auch sachlich falsch. Um nicht zu sagen: "an den Haaren herbeigezogen". Als SLAYER, METALLICA & co. anfingen, haben BON JOVI, POISON oder CINDERELLA noch gar nicht existiert.


Paul Baloff hat doch schon damals gegen die "Poser" gewettert und ihnen den Tod angedroht. Nur weil die 3 genannten Bands noch nicht existierten, bedeutet das nicht, dass es damals keinen Weichspüler-Trend gab. Auf "Kill 'em All" werden doch auch irgendwelche Poser geschlachtet, wenn mich jetzt nicht alles täuscht.


Manowar wettern auch schon früh gegen Poser... und wenn das mal keine Show-Band ist...
Bei allem Respekt: Die 80er, v.a. die NWoBHM und der frühe US-Metal sind genauso böse und heavy wie Black Sabbath in den 70ern.
Nicht so doomig-verdrogt, aber definitiv nicht schlagerlastig.
Eine Band, die sich auf frühe Manowar, Metal Church, Raven, Tank oder Hades beruft beweist nicht nur herausragenden Geschmack, sondern steht auch auf richtig harte, wilde Musik.

"Bridge Of Death" von Manowar bleibt derweil immer noch mehr Black Metal als viele Pandabären es ja wurden.

Jesus hat geschrieben:Zudem war der Hair-Trend nur ein Beispiel. Die "großen" Bands wurden ja auch immer poppiger und massentauglicher und im Gegenzug entwickelten sich Thrash, Death und Black.


Accept? Wurden schlechter - aber poppiger?
Iron Maiden? Erst 1990 ernsthaft poppiger... auch wenn das manchen 86 sicher anders vorkam.
Saxon? Tatsächlich ab 85 poppiger... Punkt für dich. Wobei - Metallica und Slayer hatten da schon jeweils 2 Alben draußen - kann also keine Reaktion sein.
Judas Priest - außer Point Of Entry fand ich die Ende der 80er eher härter.
Savatage? Erst 89 oder gar 91.

Wenn man sich ernsthaft in das Metallica-Debüt reinhört, oder in 90% des US-Thrash, dann ist das keine abweisende Reaktion auf NWoBHM und US-Metal, sondern bewusste Steigerung mit klaren Bekenntnisen zu den Wurzeln.
Wenn ich frühe Sodom und Kreator höre, dann werden Venom und Motörhead nicht abgelehnt, sondern fast schon verehrt.
Darkthrone = Celtic Frost und Sodom Huldigung.

Sowohl Death als auch Black Metal können kaum als Gegnerschaft zu den Wurzeln der 80er gesehen werden.

Ganz im Gegenteil - ein Fenriz verteidigt heutzutage ja nicht nur Punk und Occult Rock aus den 70ern, sondern gerade auch Combos aus der NWoBHM oder dem epischen US-Metal.
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Re: Watain

Beitragvon Eike » Samstag 15. Oktober 2011, 01:03

Wenn man sich ernsthaft in das Metallica-Debüt reinhört, oder in 90% des US-Thrash, dann ist das keine abweisende Reaktion auf NWoBHM und US-Metal, sondern bewusste Steigerung mit klaren Bekenntnisen zu den Wurzeln.
Eben!
Wer seinen Black Metal von solchen Wurzeln reinhalten will, der baut sich seine eigene statische, heile Glaskugelwelt, und wo sowas endet ist doch klar: Im Kitsch.
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Re: Watain

Beitragvon Rüdiger Stehle » Samstag 15. Oktober 2011, 04:30

Jupp, Eike hat Recht. Wenn es andernorts um Black Metal geht, bin ich der Advocatus Diaboli in die andere Richtung. Da gilt es, den Black Metal gegen Angriffe von Achtziger-Metallern zu verteidigen, die darin nur pubertäre Schwächlinge sehen, die sich durch das Mimen des misanthropischen Bösen in philosophischer Rollenspielerei ergehen und weder Metal noch Rock'n'Roll im Blut haben, sondern sich von Oma schwarze Kapuzen nähen lassen und Mamas Kajalstift klauen.

Im Endeffekt ist es einfach diese verdammte Grabenkampf-Mentalität im Metal, die mir gehörig auf den Zeiger geht. Ich begreife das Genre ganzheitlich und verteidige im Wesentlichen auch das ganze Genre, mit allem, was dazu gehört, weil es in jeder Schublade tolle Bands gibt, wenn man sich nur die Mühe macht, danach zu suchen. Ich mag auch nicht alle Bands und finde nicht zu jeder Scheibe meinen Zugang, aber deswegen muss ich doch nicht überall Keile hinein treiben und polemisch ganze Genres oder Zeitalter der Musikgeschichte diskreditieren.

Reicht es nicht, wenn WATAIN "Elemente verarbeiten, die mir normal nicht so taugen", muss man gleich überkommene Atavismen tilgen wollen? Metallische Rassenhygiene, oder was? Sind wir im Krieg? Macht es so viel Spaß, dem Freund traditioneller Klänge wie ein täglich grüßendes Murmeltier unter die Nase zu reiben, dass er "Schlager" und "Mitgrölmusik für Besoffene" hört, die von Mayhem überwunden werden musste?

Und nein, es geht mir ganz sicher nicht darum, andere Meinungen nicht zu respektieren. Niemand muss Stampfmetal mögen, niemand muss Black Metal mögen. Es ist einfach die Frage, wie respektvoll man mit Musik umgeht, die einfach evident eine maßgebende Rolle im Entstehen all dessen gespielt hat, was auch euch heute gut gefällt. Oder mit Musik, die es geschafft hat mit Innovationen die Dürrezeit der 90er in eine neue kreative und extreme Supernova zu verwandeln.

Heavy Metal von 1968 - 2011 ist so etwas Tolles in seiner großartigen Vielfalt, dass ich dieses Schubladendenken und die ganzen Grabenkämpfe einfach nicht verstehen will. Cui bono?

Sorry für den Gänseblümchen-Anfall, aber das musste sein...
:grins:
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Re: Watain

Beitragvon Eike » Samstag 15. Oktober 2011, 04:53

Gänseblümchen-Anfall
Für mehr stil- und generationenübergreifendes Familienbewusstsein im Rockstammbaum, weg vom ätzenden kategorischen Abgrenzungsgestus zwischen den Zweigen, Ästen und Trieben, oder wie?
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Re: Watain

Beitragvon Rüdiger Stehle » Samstag 15. Oktober 2011, 05:19

Eike hat geschrieben:
Gänseblümchen-Anfall
Für mehr stil- und generationenübergreifendes Familienbewusstsein im Rockstammbaum, weg vom ätzenden kategorischen Abgrenzungsgestus zwischen den Zweigen, Ästen und Trieben, oder wie?

Aye. Hippie-Quatsch halt... unblack, unmetal, unglaublich lieb.
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