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Hier geht es um das alles, was den Rocker / Metaller / Goth so bewegt.
von Dead_Guy » Montag 1. Juni 2026, 15:08
 Wormlust - The Feral Wisdom Nach dem mir nahe gelegt wurde mich hier musikalisch einzubringen möchte ich das nun in Form eines eigenen Threads tun, in dem ich unregelmäßig Scheiben vorstelle dir gut reingehen. Und anfangen möchte ich mit diesem oftmals übersehenen Kleinod der isländischen BM-Szene. Ich bin seit jeher ein großer Fan der Musik die von dieser Insel kommt und gerade im schwarzen Sektor sorgt eine überschaubare Anzahl an Personen, die sich gegenseitig kreativ anspornen und immer wieder in neuen Konstellationen diese in Musik verarbeiten für eine enorme Menge an hochklassigen Releases und einen stringenten Stil. Dieser zeichnet sich einerseits durch Dissonanzen wie man sie aus Frankreich und deren modernen Vertretern gewohnt ist anderseits durch fanatische Schwärze die aus der orthodoxen schwedischen Schule stammt aus. Dieses Einmannprojekt ist aber ein gutes Stück weit anders und dieses Album klingt einerseits isländisch und doch irgendwie nicht. Dissonant sind die vier Stücke zwar, aber die drückende Finsternis weicht einer abweisenden Kälte und fiebrigen Wahn, der aus massiven psychedelischen Einflüssen gespeist wird und das ganze in eine psychotische Richtung treibt. Schrill, impulsiv und sprunghaft sind die treffendsten Adjektive für das Songwritting, nichts wirkt wie durch lange Hand geplant, stattdessen greift alles instinktiv ineinander und hat mehr von Jam-Sessions als von durchkomponierter Musik. Inmitten dieses vertonten Fiebertraumes finden sich immer wieder Andeutungen von Melancholie und Erhabenheit, besonders in den längeren Ambient-Passagen, die tatsächlich spannend anzuhören und keine drögen Fingerübungen am Keyboard sind. Ein durch und durch kaputtes Gewitter was man geboten bekommt, was zwar thematisch gar nichts mit Lovecraft zu tun hat, stimmungstechnisch dem aber ganz nahe kommt was ich empfinde, wenn ich Geschichten wie ''Colour Out Of Space'' oder ''Mountains Of Madness'' lese.
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von Rüdiger Stehle » Montag 1. Juni 2026, 15:23
Eine schöne Sache, dass du einen eigenen Thread anstößt. Ich höre mal hinein, sobald ich zu Hause wieder Internet habe. Also hoffentlich am Mittwoch oder Donnerstag. Wenn früher, dann früher. Ísland klingt erstmal vielversprechend, orthodoxe Schwedenschule auch. Dissonanz ist kein K.O.-Kriterium, auch wenn es immer eine Gratwanderung für mich ist. Bei manchen Bands packt es mich, bei manchen ist es mir zu anstrengend. Das hängt oft davon ab, ob ich auch Hooks finde, die mich mitnehmen. Bin gespannt.
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von Dead_Guy » Montag 1. Juni 2026, 15:25
Kurze Warnung: Hooks sind Fehlanzeige, gibt hier und da Momente die sowas wie Eingängigkeit andeuten, aber mehr nicht.
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von Rüdiger Stehle » Dienstag 2. Juni 2026, 00:31
So, bin dann zum Feierabend nochmal im Schützenheim aufgeschlagen und lausche nun der Wurmlust mit sechs Augen und zwölf Sternen. Als ich Metal-Archives aufschlug, erschrak ich kurz, denn da stand nur "all instruments" und "drums". Nichts von "vocals". Da hatte ich einen Augenblick lang Angst, dass mich ein Intrumentalalbum erwarten könnte. Das wäre nämlich eine zusätzliche Herausforderung, weil mir meistens der Gesang als Schlüssel zu einem Werke dient.
Doch glücklicherweise dauert es nur wenige Minuten, bis jemand schreien möchte. Sehr fein. Gerade das Gesangsoeuvre von verhalt bis übersteuert ist markant und intensiv. Einen Tick mehr Artikuliertheit würde ich schätzen, weil ich die isländische Sprache sehr verehre und den Texten auch gerne beim hören zu folgen versuchte. Ist aber kein Makel. Hat man ja im Black Metal durchaus regelmäßig.
Deine Beschreibung traf es erstmal sehr gut. Dissonanter Black Metal, dodekaphonische Momente, Deathspell Omega als Referenz leuchtet ein. Vielleicht auch Svartidauði, Blut Aus Nord oder Dødsengel. Doch die psychedelische Komponente bringt auch was für Fans von Oranssi Pazuzu mit.
Die schiefen Sixties-Psych-Vibes im Einstieg zur teuflischen Säure sind bemerkenswert, danach trifft Trance auf Armageddon, zur gleichen Zeit. Ein bisschen frühe Fleurety zischen durchs Hirn. Die Lovecraft-Assoziation kann ich sogar nachvollziehen. Eine Manifestation des namenlosen Grauens wohnt manchen Passagen durchaus inne, sowohl den ruhigen, bedrückenden, ambientigen als auch den rasenden, wahnsinnigen. 'Djöflasýra' hat beides, gerade das spacige Mittelstück regiert das Wahngebirge. Ähnlich auf dem insgesamt getrageneren, basslastigeren, end-spacigen, bisweilen noisigen Altar des Meisters. Und der letzte Song, der "draußen" heißt, klingt auch "draußen". Odyssee ins Weltall, irgendwie, ehe nach drei Minuten dann auch mal der Metal hereinschaut. Hier kann ich dann auch die von dir genannte Orthodox-BM-Referenz nachvollziehen. Cooles Bassgeblubber im Hintergrund.
Auf jeden Fall sehr spannende Musik. Verlangt mir Konzentration ab. Nichts für mal eben zwischendurch.
Am Rande:
Ich hab durchaus auch einigen Ísland-Kram zu Hause, den ich sehr schätze. Svartidauði, Misþyrming, Sinmara, um die spezielle aktuelle BM-Szene zu erwähnen. Almyrkvi und Auðn würden mich bei Gelegenheit auch mal interessieren. Daneben hab ich noch ein paar ältere Isländer am Start: Natürlich Sólstafir, Myrk, Strigaskor Nr. 42, Fortíð, Potentiam. Und noch ein paar mit weniger BM-Berührpunkten, wie Skálmöld, XIII oder natürlich - old school - Drýsill. Und sogar Sigur Rós sagt mir zu, oder auch der "Malmhaus"-Soundtrack von Pétur Ben um die Frontfrau der fiktiven One-Woman-Band Svarthamar. Ísland ríkir!
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von Dead_Guy » Dienstag 2. Juni 2026, 08:59
Die Qualitäten der isländischen Musik ist auch deshalb so hoch weil man da wohl früh in Kontakt mit Musik kommt und das musizieren gefördert wird, hab ich so vernommen. Das ich für die Szene eine besondere Schwäche habe und pers. über die 90er Sachen einordne liegt halt am jungen Alter, da ich diese zusammen mit den aktuellen Bands aus Polen um Mgla, Blaze Of Perdition usw. und der Cascadian Szene aktiv miterlebt habe und ich somit auch Sachen habe bei der ich von vornerein euphorischer gestimmt bin. Neben deinen genannten möchte ich noch Skaphe (die ein Collab-Album) mit Wormlust am Start haben) und Rebirth Of Nefast in den Raum werfen, zuletzt begeistert haben mich Sol AN Varma (ein Projekt wo sich die ganzen bekannten Gesichter der aktuellen Szene für einen Gig auf dem Roadburn zusammengetan haben und wo man das Material glücklicherweise auf Tonträger gebannt hat) und Altari und deren Album Kröflueldar, was die obligatorischen Deathspell Omega Einflüsse mit voivodeskem sowie Gothic der Marke neuere Secrets Of The Moon kreuzt, dabei aber grundsätzlich im mittleren Tempo bleibt und erstaunlich eingängig ist.
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von Rüdiger Stehle » Dienstag 2. Juni 2026, 09:53
Ja, die Voivod-Assoziation hatte ich auch. Ísland ist allgemein kulturell ein sehr förderndes und ressourcenreiches Land. Hohe Quote an Kunstschaffenden, höchste Quote an "Literacy", allgemein hohes Bildungsniveau gerade an der musischen und sprachlichen Front. Und natürlich auch die Einflüsse von Landschaft, Sprache und Mythologie auf die einzelnen Kultursegmente. Das alles macht isländische Kultur für mich absolut faszinierend. Ich liebe auch isländische Serien und Filme. Leider war ich noch nie dort.
Wie du selbst schreibst, hat deine besondere Affinität zu der Szene sicher auch biographische Gründe. Das ist ja bei uns allen so. Ich habe halt die erste Hälfte der Neunziger als meine BM-Feuertaufe erlebt und bin damals voll in diesem Sound und Spirit versunken, wohingegen dann in der zweiten Hälfte der Neunziger bereits eine gewisse Übersättigung eintrat und ich dann erstmal lange Jahre wieder mehr in den traditionellen Metal, Hardrock, Doom der 1970er und 1980er wanderte, weil einfach die neuen BM-Bands wie die Pilze aus dem Boden schossen und keiner mehr Schritt halten konnte.
Da habe ich dann eine Zeit lang trotz toller neuer Bands im BM kaum mehr geschafft, als die alten Bands "komplett zu halten" und so taten sich Lücken auf, die ich dann erst 10-15 Jahre später zu schließen begann. Gerade der so 1996/1997 beginnende Boom im deutschen Black Metal kam auch etwas zu spät für mich. In Polen nahm ich noch die erste Garde mit, aber auch hier verlor ich Ende der Neunziger den Anschluss. Da habe ich heute auch viele Lücken geschlossen, aber damals riss es halt erst mal ab. Still working on it.
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von salisbury » Dienstag 2. Juni 2026, 20:29
Ich horch da jetzt auchmal rein, aber ich befürchte nach den ersten Tönen, dass das eher ein einmaliges Erlebnis sein könnte. Let's see...
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von Holger Andrae » Dienstag 2. Juni 2026, 21:51
So, ich bin jetzt auch mal hier abgetaucht. Interessante Melange aus einem klitzekleinen Bisschen Jazz, viel Psychedelic und noch mehr Death Metal. Wie nicht anders so erwarten, bringt mich diese Art der rhythmischen Begleitung aus der Komfortzone. Zu viel Baustelle ist für mich immer undynamisch. Auch wenn ich groovendeen Metal zumeist weniger schätze, dann ist diese Art der Rhythmusgabe komplett nichts für mich. Ähnlich ergeht es mir beim heiser-gutturalen Gesang. Ich versuche zu verstehen, welche Emotion erzeugt werden soll. Nee, leider nichts für mich. Sorry.
Wenn ich vier Ohren hätte, könnte ich länger schlafen.
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von Dead_Guy » Dienstag 2. Juni 2026, 23:00
Irgendwie hätte mich bei dir ein gegenteiliges Fazit mehr erschrocken. Aber cool das du dir es angehört hast. Das nächste ist dann was ruhiges, ganz unironisch.
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von Dead_Guy » Mittwoch 3. Juni 2026, 10:58
 Gorgyra - Hecate Wo andere sich aufs vervollständigen von Banddiskografien spezialisiert habe ich eher einen Sammlerdrang bei einzelnen Labels, Van Records zum Beispiel, aber auch Terratur Possessions oder jüngst I, Voidhanger, alles Labels wo ich aus Prinzip schon mal reinhöre und immer wenn ich was finde auch mitnehme. Und auch außerhalb der Gitarrenmusik habe ich so meine Lieblingslabel, zum Beispiel das Berliner Kleinlabel Detriti Records was sich auf minimalistische Elektro-Musik zwischen Wave, Post-Punk und Ostblock-Ästhetik spezialisiert hat. So waren beispielsweise Molchat Doma, Post-Punk aus Belarus, dort zu Hause bevor sie komplett durch die Decke gegangen sind und jetzt zurecht bei Sacred Bones untergekommen sind. Aber ich schweife ab. Das Berliner Duo hier ist dagegen in anderen Gefilden Zuhause und agiert irgendwo zwischen Wave, Neoklassischer Musik und barocker Romantik. Man hört des Öfteren sehr gut raus das die Band bestens vertraut mit dem Schaffen von Dead Can Dance vertraut ist, gerade beim zweiten Stück ''Athena'' könnte man fast von dreist sprechen, aber es ist auch gut umgesetzt, von daher sehe ich da keinen Anlass zur Kritik. Es gibt aber auch genügend Unterschiede, man ist minimalistischer, die feierliche Stimmung die die Briten häufig inne haben gibt es nicht und alles ist ein wenig abweisender und düsterer. Auf Synthieflächen erklingen altertümliche Instrumente und entweder sphärischer oder exzentrischer Gesang, an vielen Stellen bin ich mir aber auch gar nicht sicher ob das was im Hintergrund stattfindet eine Stimme oder auch das Keyboard ist. An machen Stellen kriegt der Gesang gar einen leichten operetten Touch und wenn in ''Amor Fati'' ein Chor angestimmt wird kommen die Einflüsse aus der Kirchenmusik am deutlichsten zu Tage und sorgen für den barocken Flair der sich neben einer düster-romantischen Stimmung, die auch was vom ursprünglichen Gothic hat, durchs gesamte Album. Musik die sich bei einem schweren Rotwein vorm Kamin am besten macht. Randnotiz: Für CD-Liebhaber ist das Label nichts, da alle Veröffentlichungen entweder auf tape oder Vinyl kommen, diese sind sehr minimalistisch gehalten und kommen meist mit einer speziellen Farbgebung daher und haben so einen Wiedererkennungswert. https://detritirecords.bandcamp.com/alb ... h_rank%3D2
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