Horizonterweiterung, oder: Eure ultimativen Songempfehlungen

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Re: Horizonterweiterung, oder: Eure ultimativen Songempfehlu

Beitragvon Timon Krause » Freitag 1. Dezember 2023, 22:46

So, mangels Zeit bin ich hier noch nicht zum Antworten gekommen, nehme mir aber fest vor, jede eurer Horizonterweiterungsempfehlungen anzuhören!
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Re: Horizonterweiterung, oder: Eure ultimativen Songempfehlu

Beitragvon Timon Krause » Freitag 1. Dezember 2023, 22:51

1. RAINBOW - Stargazer:
Ja, natürlich habe ich RAINBOW vor langer Zeit gehört. Aber mit einer so ultimativen Empfehlungen - "einer der besten Songs überhaupt" - bin ich doch aufmerksamer dabei. Ich finde das Teil ziemlich erfrischend, auch wenn ich mich an diesen sehr bodenständigen Sound erst wieder gewöhnen muss (da ist allerdings beim Schlagzeug so ein seltsamer Effekt zu hören, wenn die Becken gespielt werden, oder täuscht das?). Gesanglich cool, weniger nervig als ich es in Erinnerung habe. ;) Interessant finde ich, dass das Stück trotz der Länge von über 8 Minuten echt nicht langweilig wird. Mir taugt das sehr ausladende Solo übrigens! Schöner Einstieg, Holg!
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Re: Horizonterweiterung, oder: Eure ultimativen Songempfehlu

Beitragvon Holger Andrae » Freitag 1. Dezember 2023, 22:55

Timon Krause hat geschrieben:1. RAINBOW - Stargazer:
Ja, natürlich habe ich RAINBOW vor langer Zeit gehört. Aber mit einer so ultimativen Empfehlungen - "einer der besten Songs überhaupt" - bin ich doch aufmerksamer dabei. Ich finde das Teil ziemlich erfrischend, auch wenn ich mich an diesen sehr bodenständigen Sound erst wieder gewöhnen muss (da ist allerdings beim Schlagzeug so ein seltsamer Effekt zu hören, wenn die Becken gespielt werden, oder täuscht das?). Gesanglich cool, weniger nervig als ich es in Erinnerung habe. ;) Interessant finde ich, dass das Stück trotz der Länge von über 8 Minuten echt nicht langweilig wird. Mir taugt das sehr ausladende Solo übrigens! Schöner Einstieg, Holg!

Was ich auch kürzlich wahrgenommen habe, wie die Gitarre tatsächlich den Text begleitet. Wenn der Magier fällt, spielt Blackmore auch genau das. Ziemlich cool, finde ich.
Der Effekt auf dem Schlagzeug heißt Cozy "fucking" Powell :)
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Re: Horizonterweiterung, oder: Eure ultimativen Songempfehlu

Beitragvon Pillamyd » Freitag 1. Dezember 2023, 23:02

Ich fand deine Songauswahl sehr spannend und für mich war da auch wirklich vieles neues dabei. Selbst wenn mir nicht alles zugesagt hat, war es doch erfrischend. Man bekommt einen wirklich tiefen Einblick, auch wenn das auf den ersten Blick nicht so erscheint.

Ich bin sehr gespannt auf deine Meinung zu der Songauswahl von Holger und mir. Ich lese sowas einfach sehr gerne :)
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Re: Horizonterweiterung, oder: Eure ultimativen Songempfehlu

Beitragvon Timon Krause » Freitag 1. Dezember 2023, 23:03

PSYCHOTIC WALTZ - Butterfly
Den Einstieg finde ich zum Dahinschmelzen. Und dann wird's relativ schnell etwas verschroben / schräg. Aber das soll so, wa? ^^ Der hektische Teil mit der chillenden Gitarre darüber (ab ca. Minute 3) ist schon ziemlich cool. Ich glaube, ich weiß wieso man den abgedrehten Gesang mögen kann, mich stresst er allerdings eher. Sind da Drogen im Spiel gewesen? Was ich bei PSYCHOTIC WALTZ nur schwer zu fassen kriege, ist der eindeutig vorhandene Spannungsbogen. Ist auch bei 'Butterfly' so. Instrumental, vor allem ab Minute 7, mag ich das dennoch.
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Re: Horizonterweiterung, oder: Eure ultimativen Songempfehlu

Beitragvon Holger Andrae » Freitag 1. Dezember 2023, 23:10

Timon Krause hat geschrieben:PSYCHOTIC WALTZ - Butterfly
Den Einstieg finde ich zum Dahinschmelzen. Und dann wird's relativ schnell etwas verschroben / schräg. Aber das soll so, wa? ^^ Der hektische Teil mit der chillenden Gitarre darüber (ab ca. Minute 3) ist schon ziemlich cool. Ich glaube, ich weiß wieso man den abgedrehten Gesang mögen kann, mich stresst er allerdings eher. Sind da Drogen im Spiel gewesen? Was ich bei PSYCHOTIC WALTZ nur schwer zu fassen kriege, ist der eindeutig vorhandene Spannungsbogen. Ist auch bei 'Butterfly' so. Instrumental, vor allem ab Minute 7, mag ich das dennoch.

Drogen? Öh ...
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Re: Horizonterweiterung, oder: Eure ultimativen Songempfehlu

Beitragvon Kenneth Thiessen » Samstag 2. Dezember 2023, 01:55

So, hier kurz meine Songvorschläge:

Wie der ein oder andere möglicherweise an dem, was ich so im "Was hört ihr gerade"-Thread poste, gemerkt hat, bewegen sich meine Hörgewohnheiten zurzeit vorwiegend irgendwo zwischen Brutal Death Metal und War Metal/Bestial Black Metal. Klar höre ich zwischendurch auch mal anderes. Aber diese beiden Genres würde ich uneingeschränkt als meine beiden Lieblingsgenres bezeichnen, da mich hier halt nicht nur einzelne Bands interessieren, sondern ich auch großen Gefallen an jeder x-beliebigen Band haben kann, die einfach die bekannten Charakteristika des Stils wenig innovativ, aber von der Sache her gut, umsetzt.

Für den Brutal Death Metal wähle ich eine Band, die mich wie wenig andere, immer wieder begeistern kann. Hierbei handelt es sich um DEEDS OF FLESH, hier mit dem Song 'Infecting Them With Falsehood' - https://www.youtube.com/watch?v=Hl6z4t9 ... lesh-Topic
Von den ganzen Tempowechseln, der irrwitzigen allgemeinen Geschwindigkeit über den Wechsel von tiefen Growls und gequälten Schreien, die den „Refrain“ gekonnt in Szene setzen, ist das für mich Perfektion.

Im War Metal greife ich dann auf meine Lieblingsband innerhalb des Genres zurück - nämlich REVENGE.
Hier sei der Song ‚Annihilate Or Serve‘ genannt (https://youtu.be/H2sy62o227I?feature=shared), der für mich irgendwie neben purer Aggression, Energie und Willen auch absolut abstoßend klingt. Merkt man besonders wenn die Zeile „We will conquer..“ intoniert wird. Daneben können an dieser Stelle auch die Songs 'Blood Of My Blood', 'Heathen Hammer', Final Doctrine - Push Forward', 'Oath Violator' von REVENGE genannt werden, die alle in ähnlicher Weise, die genannten Attribute, die ich der Band für mich zuschreibe, zeigen.

Edit: Durch die anderen Songs bin ich noch nicht durch, 'Stargazer' kenn ich aber ziemlich gut. Jahrhundertsong, wenn nicht sogar Jahrtausendsong. Aber davor kommt für mich tatsächlich sogar 'A Light In The Black'. Dieses Hardrock-Epos finde ich dann tatsächlich sogar noch besser. Aber das nimmt sich nicht viel und ist beides auf absolut höchstem Niveau.
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Re: Horizonterweiterung, oder: Eure ultimativen Songempfehlu

Beitragvon Rüdiger Stehle » Samstag 2. Dezember 2023, 14:25

Timon Krause hat geschrieben:Ich würde gerne ein wenig musikalische Horizonterweiterung betreiben, und wenn beispielsweise Rüdiger hier ein paar Titel nennt, die er absolut als wegweisend, Genre-definierend oder für ihn selbst als zeitlose Black-Metal-Wegbegleiter nennen könnte, würde ich über meinen Schatten springen und ein Ohr riskieren.

Obwohl ich mit am direktesten angesprochen war, kommt erst jetzt eine Antwort. Das liegt weder am Desinteresse noch an zu wenig Kandidaten, als vielmehr an wenig Zeit und Muße und vor allem im Gegenteil - viel zu vielen Kandidaten. Haben schon die "ultimative Alben"-Listen in der Regel eine dreistellige Anzahl am Empfehlungen, so ist das mit Songs naturgemäß eher noch schlimmer. Da könnte man ein Buch dazu schreiben...

Trotzdem will ich mal ein paar Exempel statuieren:

Epic Metal / Doom Metal:

CIRITH UNGOL "Chaos Rising"
=> Für mich ein Song wie Donnerhall. Hat mir nicht nur die Band erschlossen und lief als ich so 17 oder 18 war manchmal zwei Tage in Dauerschleife, sondern er hat mir auch seit inzwischen 30 Jahren immer und immer wieder dazu verholfen, weitere Rekruten für die Swelling Legions of The Tower of Fire zu finden und die Anzahl der CU-Fans zu mehren. Er hat einfach alles, was die Band ausmacht, was epischen Heavy Metal der alten Schule ausmacht, er hat Doom und Dirge, Grandour and Despair, den für mich originellsten Sänger aller Zeiten, und apokalyptische Poesie vom Allerallerfeinsten, dazu eine toncineastische Dramatik der besonderen Güte und Leads und Basslicks aus dem Traumland. Für mich tatsächlich "the single best song of all times and ages":
https://www.youtube.com/watch?v=ZyGmDUlQJSg

MANILLA ROAD "Dreams Of Eschaton"
=> Hier gilt im wesentlichen sehr ähnliches wie für den vorgenannten Song, nur dass diese Band halt auf völlig andere Weise eigenständig ist, dabei aber zu einem guten Teil trotzdem die gleichen Emotionen und die gleiche Zielgruppe anspricht. Mark The Shark Shelton (R.I.P.) war einer der größten Poeten, originellsten Sänger und spannendsten Gitarristen im Epic Metal zugleich, und er verbindet die apokalyptischen Mythen zahlloser Kulturen mit lovecraftscher Mystik und jeder Menge trotziger und gleichwohl positiver Energie. Seine Träume vom Ende der Welt sind daher gleichermaßen dräuend wie eben doch nicht hoffnungslos:
https://www.youtube.com/watch?v=CPAYS-jMyVc

CANDLEMASS "Samarithan"
=> Ein Song der einfach die ganze sakrale und epische Erhabenheit perfekt auf den Punkt bringt, die Doom Metal haben kann. Göttlich gesungen vom Vibratomeister mit der Mönchskutte, wunderschöner (biblisch inspirierter und philanthropischer) Text. Man hört die Engel buchstäblich:
https://www.youtube.com/watch?v=vcOdzutQyYE



Black Metal:

DISSECTION "Maha Kali"
=> Da ich bekanntermaßen weit mehr der Fan der norwegischen BM-Schule bin als der schwedischen mag diese prominente Nennung in mehrerlei Hinsicht überraschen. Zum einen der Geographie wegen, zum anderen der Band wegen, weil ich gar nicht so der Überfan von Dissection bin, und zuletzt auch des Songs und des Albums wegen, weil es an sich der poppigste Song vom rein formal betrachtet mainstreamigsten Album der Band ist, das bei vielen Old Schoolern gar nicht so mega gut angekommen ist. Trotzdem und gerade deswegen: Für mich ist "Reinkaos" eines der finstersten und bösesten Alben der Geschichte, und bei aller bestechenden Klasse von "The Somberlain" und "Storm Of The Light's Bane" ganz am Ende und unterm Strich vielleicht doch die Essenz von Nödtveidts musikalischer und ideologischer Persona auf den Punkt gebracht. Also wirklich in jedem Wortsinne auf den Schlusspunkt. Manche möchten es vielleicht dem aus nachvollziehbaren Gründen umstrittenen Jon Nödtveidt auch nicht gönnen, sich mit einem Fanal verabschiedet zu haben. Um zu begreifen, was ich meine, sollte man mit Nödtveidts Vita (und Mors) vertraut sein und den Text lesen. Das ist verstörend. Rein formell musikalisch ist man dafür gar nicht so weit von alten IN FLAMES weg, und das macht es noch verstörender. Zur inhaltlichen Exegese habe ich irre viel im Dissection-Thread geschrieben. Bei Interesse gerne dort anknüpfen.
https://www.youtube.com/watch?v=ScrjaDAi7QM

DARKTHRONE "Transilvanian Hunger"
=> Der Soundtrack zum Destillieren der Essenz des musikalischen Bösen. Alles was je an Metal dunkel, böse, nihilistisch, finster, sinister, wahnhaft und verzweifelt war auf einen einzigen Punkt verdichtet. Das Kondensat schwarzen Stahls. Flirrendes, mantrisches Riff, völlig unproduzierter Nekro-Sound, wahnhaftes, grollendes Knurren in Vollendung. Für mich das perfekte Sinnbild der bis heute und immerdar letzten großen musikalischen Revolution die innerhalb des Metals geschah, ohne aus ihm auszubrechen, sondern eben dadurch, in zu verdichten, zur läutern, zu veredeln. Die Supernova schlechthin, nicht nur am Nordhimmel, sondern in der Welt des Stahls, und sie blendet mich bis heute.
https://www.youtube.com/watch?v=SBwu83RR6ZU

MAYHEM "The Freezing Moon" (Version "Live in Leipzig" mit Dead)
=> Der Ausgangspunkt der zweiten BM-Welle, die antrat, die Welt in Asche zu kehren. Es ergibt sich aus diesem Song perfekt, in welchem Maß jugendliche Rebellion, kaputtes Mindset, kreative Energie, Hass, Verzweiflung, Allmachtfantasie zur selben Zeit am selben Ort in den Hirnen einer ganzen Clique Einzug halten mussten, um das auszulösen und zu perpetuieren, was sicherlich eines der nachhaltigsten und wegweisendsten Phänomene der Popkultur der letzten 50 Jahre ist. Das hier ist der Anfang und wenn auch an handwerklicher Kunst sicher überschaubar, so doch an kreativem Impuls, verzehrender und mitreißender Energie bis heute unerreicht.
https://www.youtube.com/watch?v=7YFH0xHg5aI


Ich könnte so noch ein paar Stunden weiter machen, ohne eine Sekunde aus dem Schwärmen heraus zu kommen, aber ich will hier erst einmal einen kleinen Punkt machen.

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Re: Horizonterweiterung, oder: Eure ultimativen Songempfehlu

Beitragvon Rüdiger Stehle » Samstag 2. Dezember 2023, 14:58

Kenneth Thiessen hat geschrieben:So, hier kurz meine Songvorschläge:

Wie der ein oder andere möglicherweise an dem, was ich so im "Was hört ihr gerade"-Thread poste, gemerkt hat, bewegen sich meine Hörgewohnheiten zurzeit vorwiegend irgendwo zwischen Brutal Death Metal und War Metal/Bestial Black Metal. Klar höre ich zwischendurch auch mal anderes. Aber diese beiden Genres würde ich uneingeschränkt als meine beiden Lieblingsgenres bezeichnen, da mich hier halt nicht nur einzelne Bands interessieren, sondern ich auch großen Gefallen an jeder x-beliebigen Band haben kann, die einfach die bekannten Charakteristika des Stils wenig innovativ, aber von der Sache her gut, umsetzt.

Ich liebe ja Death Metal und vor allem Black Metal ebenfalls sehr, doch rein formell und generisch gesprochen, sind speziell die von dir genannten Sub-Sub-Genres nicht unbedingt meine favorisierten Unterschubladen, obwohl ich schon auch zu den Leuten gehöre, die vernünftig gemachten aber unoriginellen Death Metal und Black Metal nahezu immer wenigstens zu schätzen wissen. Trotzdem, wenn ich dann innerhalb dieser tollen Genres speziell selektieren muss, dann geht die Tendenz - eben weil ich ein massiv gesangsfixierter Hörer bin - immer eher zu jenen Bands, die einen originell, unverkennbaren, und im idealfall auch sauber artikulierenden Sänger haben, bei dem man zumindest beim Mitlesen die Lyrics verstehen kann. Deshalb ist gerade der Brutal Death oft eher in der dritten Reihe der Präferenz in Sachen extremer Metal. Das liegt nicht an der Härte, nicht an der Extremität, sondern wirklich nur daran, dass ich es gerne artikuliert habe, weil ich finde, dass die Bedeutung der Texte bei kompletter Unverständlichkeit weniger gut herüber kommt.

Doch jetzt kommt der Twist:

Für den Brutal Death Metal wähle ich eine Band, die mich wie wenig andere, immer wieder begeistern kann. Hierbei handelt es sich um DEEDS OF FLESH, hier mit dem Song 'Infecting Them With Falsehood' - https://www.youtube.com/watch?v=Hl6z4t9 ... lesh-Topic
Von den ganzen Tempowechseln, der irrwitzigen allgemeinen Geschwindigkeit über den Wechsel von tiefen Growls und gequälten Schreien, die den „Refrain“ gekonnt in Szene setzen, ist das für mich Perfektion.

Das ist grandios gut! Trotzdem der Gesang für mich teilweise - die Pigsqueals - etwas drüber ist, passt das für mich hier. Musikalisch ist das eine faszinierende Achterbahnfahrt, und auch der Mix der verschiedenen Gesangsstile ist echt klasse umgesetzt. Dazu auch toll produziert. Nicht zu ballerig, nicht zu laut, nicht zu transparent, aber trotzdem differenziert genug um zu offenbaren was da wirklich abgeht und wie gut das gemacht ist.

Im War Metal greife ich dann auf meine Lieblingsband innerhalb des Genres zurück - nämlich REVENGE.
Hier sei der Song ‚Annihilate Or Serve‘ genannt (https://youtu.be/H2sy62o227I?feature=shared), der für mich irgendwie neben purer Aggression, Energie und Willen auch absolut abstoßend klingt. Merkt man besonders wenn die Zeile „We will conquer..“ intoniert wird. Daneben können an dieser Stelle auch die Songs 'Blood Of My Blood', 'Heathen Hammer', Final Doctrine - Push Forward', 'Oath Violator' von REVENGE genannt werden, die alle in ähnlicher Weise, die genannten Attribute, die ich der Band für mich zuschreibe, zeigen.

REVENGE kenne ich ja schon ewig, und wie oben schon gesagt, habe ich den Black Metal auch gerne etwas strukturierter und atmosphärischer. Einfach weil bei mir persönlich die Düsternis und die Ernsthaftigkeit besser ankommt, wenn mit Stimmungen und vor allem mit Lyrik und Ausdruck gespielt wird. Bestial Black Metal oder War Metal kennt halt oft nur den Zustand AN und AUS, aber keinen Zustand dazwischen. Das macht es dann nicht zu hart für meinen Geschmack. Ich kann das super anhören. Aber es nimmt ihm oft ein bisschen Tiefe. Wobei erneut zu sagen ist, dass das, was J.READ da abzieht, schon verschärft kaputt ist und auch für das Genre eben richtig gut, denn er schafft es innert des unfassbar eng gesteckten stilistischen Rahmens des Genres dann am Ende doch ein Maximum an Diversität herauszuarbeiten. Ich müsste beizeiten mal mit REVENGE weitermachen, denke ich.
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Re: Horizonterweiterung, oder: Eure ultimativen Songempfehlu

Beitragvon Kenneth Thiessen » Samstag 2. Dezember 2023, 16:45

Rüdiger Stehle hat geschrieben:
Für den Brutal Death Metal wähle ich eine Band, die mich wie wenig andere, immer wieder begeistern kann. Hierbei handelt es sich um DEEDS OF FLESH, hier mit dem Song 'Infecting Them With Falsehood' - https://www.youtube.com/watch?v=Hl6z4t9 ... lesh-Topic
Von den ganzen Tempowechseln, der irrwitzigen allgemeinen Geschwindigkeit über den Wechsel von tiefen Growls und gequälten Schreien, die den „Refrain“ gekonnt in Szene setzen, ist das für mich Perfektion.

Das ist grandios gut! Trotzdem der Gesang für mich teilweise - die Pigsqueals - etwas drüber ist, passt das für mich hier. Musikalisch ist das eine faszinierende Achterbahnfahrt, und auch der Mix der verschiedenen Gesangsstile ist echt klasse umgesetzt. Dazu auch toll produziert. Nicht zu ballerig, nicht zu laut, nicht zu transparent, aber trotzdem differenziert genug um zu offenbaren was da wirklich abgeht und wie gut das gemacht ist.


Glücklicherweise übertreibt es DEEDS OF FLESH mit den Pigsqueals nicht so, wie viele Bands des Genres das heutzutage machen. Das eine oder andere Album aus dem Genre haben mir gerade diese Vocals schon kaputt gemacht. Daneben stimme ich dir eigentlich in allen Punkten zu. Freut mich auch sehr, dass du die Produktion positiv benennst. Denn meiner Meinung nach gibt es wenige Genres im Metal, die mehr an der modernen und sterilen Produktion kranken, wie es der Brutal Death Metal tut, da in diesem Genre die Versuchung sich beispielsweise ein Plastikschlagzeug zu holen und da die schnellsten Blastbeats reinzuhämmern, noch größer ist als sonst. Natürlich will man, dass das fertige Album "fett" klingt. Aber da schießen viele übers Ziel hinaus.
Zu der Band selbst: Die ersten drei Alben plus die EP "Gradually Melted" gehören zum Besten, was im Genre gemacht wurde. Auf einer Stufe sehe ich zwar DISGORGE mit "Cranial Impalement", INVERACITY mit "Circle Of Perversion" oder GORGASM mit "Bleeding Profusely", aber drüber geht für mich nichts.
Falls du da bei DEEDS OF FLESH noch etwas vertiefen möchtest, würde ich dir die "Path Of The Weakening" ans Herz legen. Das ist atmosphärisch ein sehr stimmiges Werk. Möglicherweise durch das Artwork bedingt, hat das ganze einen frostigen Touch und ist vom Songwriting her absolut packend. Da fräsen sich die "Melodien", die das Album bietet, auch direkt in die Gehörgänge, will sagen, dass es für ein Brutal Death Metal-Album recht eingängig ist und gut reinläuft.

Rüdiger Stehle hat geschrieben:
Im War Metal greife ich dann auf meine Lieblingsband innerhalb des Genres zurück - nämlich REVENGE.
Hier sei der Song ‚Annihilate Or Serve‘ genannt (https://youtu.be/H2sy62o227I?feature=shared), der für mich irgendwie neben purer Aggression, Energie und Willen auch absolut abstoßend klingt. Merkt man besonders wenn die Zeile „We will conquer..“ intoniert wird. Daneben können an dieser Stelle auch die Songs 'Blood Of My Blood', 'Heathen Hammer', Final Doctrine - Push Forward', 'Oath Violator' von REVENGE genannt werden, die alle in ähnlicher Weise, die genannten Attribute, die ich der Band für mich zuschreibe, zeigen.

REVENGE kenne ich ja schon ewig, und wie oben schon gesagt, habe ich den Black Metal auch gerne etwas strukturierter und atmosphärischer. Einfach weil bei mir persönlich die Düsternis und die Ernsthaftigkeit besser ankommt, wenn mit Stimmungen und vor allem mit Lyrik und Ausdruck gespielt wird. Bestial Black Metal oder War Metal kennt halt oft nur den Zustand AN und AUS, aber keinen Zustand dazwischen. Das macht es dann nicht zu hart für meinen Geschmack. Ich kann das super anhören. Aber es nimmt ihm oft ein bisschen Tiefe. Wobei erneut zu sagen ist, dass das, was J.READ da abzieht, schon verschärft kaputt ist und auch für das Genre eben richtig gut, denn er schafft es innert des unfassbar eng gesteckten stilistischen Rahmens des Genres dann am Ende doch ein Maximum an Diversität herauszuarbeiten. Ich müsste beizeiten mal mit REVENGE weitermachen, denke ich.


Deine Meinung zu REVENGE kenne ich schon aus deiner Rezension "Victory.Intolerance.Mastery". Dennoch schön, die hier nochmal zu lesen. Den Punkt der fehlenden Atmosphäre kann ich schon nachvollziehen. Es gibt halt wenig bis keine melodischen Spannungsbögen oder ähnliches, die dem Song die von dir angesprochene Düsternis geben würden, die ja beispielsweise in dem von dir genannten Beispiel des 'Freezing Moon' ja absolut vorherrschend ist. Klar, gehört beides stilistisch zum Black Metal, aber da will ich ansonsten ungerne vergleichen, da ja bei MAYHEM und REVENGE unterschiedliche Ziele verfolgt werden. Und deshalb brauche ich gerade diese Düsternis bei Bands wie REVENGE, DIOCLETIAN, BLACK WITCHERY usw. absolut nicht, da ich hier die absolute animalische Gewalt sehr schätze, während ich ja, wie die meisten Wissen, auch klassischen norwegischen, schwedischen, finnischen oder amerikanischen Black Metal sehr schätze, der dann düster, mystisch, klirrend-kalt oder frostig sein darf.
Um bei REVENGE weiterzumachen, würde ich dir entweder "Triumph.Genocide.Antichrist" oder "Infiltration.Downfall.Death" empfehlen, da bei beiden das Songwriting einerseits ziemlich schlüssig und gut nachvollziehbar ist, da gerade beim zweiteren der Teil der Midtempo-Breaks noch einmal erhöht wurde und so einige Riffs eingebaut sind, die im Kontext des Genres ein Gefühl gewisser Epik vermitteln.

Vielen Dank übrigens für den ausführlichen Kommentar zu meinen beiden Vorschlägen.
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