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von Holger Andrae » Dienstag 10. Januar 2023, 01:50
Rüdiger Stehle hat geschrieben: UNDERTOW "Bipolar"Eine weitere Band, die leider viel zu wenig Beachtung findet, obwohl sie immer abliefert, ist UNDERTOW von der Schwäbischen Alb. Ihr Mix aus Doom, Sludgecore, Heavy Rawk und Groove Thrash ist vielleicht anno 2022 nicht mehr das heiße stilistische Eisen, das es vor 25 Jahren war, als die Band gegründet wurde, aber das ist gerade mal völlig wurstegal. Thomas, Joschi & ihre Mitstreiter haben einfach Spirit und einen langen Atem, und mit El Puerto haben sie auch ein cooles Label im Rücken, so dass etwas mehr Aufmerksamkeit eigentlich nichts im Wege stehen sollt. "Bipolar" ist wie schon seine acht Vorgängeralben ein sehr intensiver, gefühlvoller Trip in menschliche Gefühls- und Bewusstseinswelten, der die Schwere des Gemüts ebenso intensiv bebildert wie das Schweben des Geistes. Marternde, schwermütige, zermalmende Parts wechseln sich dramaturgisch sehr gelungen mit ätherischen, schwelgerischen Passagen ab, und so wird das Albumkonzept sehr greifbar. Dabei könnte man nun die Karten der Referenzbands spielen, doch ich denke, dass man hiermit UNDERTOW nicht wirklich gerecht würde. Klar, hier erinnert man mal an CROWBAR, dort mal an DOWN, an PANTERA, an C.O.C., an DESPAIR, an GURD, an BLACK LABEL SOCIETY, aber all das macht UNDERTOW nicht vollständig aus, denn bei aller Schwermut, die hier thematisch und musikalisch aufgearbeitet wird, und bei aller musikalischer Heaviness hat die Band doch immer dieses besondere Leuchten und Strahlen, das auf den Hörer positiv wirkt, das sich in den Leadmelodien der Gitarren zeigt, in einigen clean gesungen Passagen, in einem spacigen, eskapistischen Element, das immer wieder zwischen den dräuenden Riffwänden hindurch blitzt, in einem Schuss Gothic hier, einer doomigen Erhabenheit dort. Dabei streift die Band auch immer wieder leicht balladeske Momente mit Singer-Songwriter-Touch, einen Hauch Southern Blues und Folk, wie etwa bei 'I Remain'. Tolle Platte! Hier die Hörproben, die wunderbar zeigen, wie vielseitig die Stimmungen sind: https://www.youtube.com/watch?v=eKkB7PtDJo8 - 'On Fire' https://www.youtube.com/watch?v=oLGzvqArPJo - 'Shadows' https://www.youtube.com/watch?v=mRzJgkv_QcQ - 'I Remain' Ach ja, und unser Tobi Dahs hat dazu ein wirklich tolles Review geschrieben, das mir aus der Seele spricht: https://www.powermetal.de/review/review ... 39198.html
Irgendwann hatte ich schon mal in irgendeine UNDERTOW hinein gelauscht und hatte das als ganz cool in Erinnerung. Bei Begriffen wie Sludge und/oder Core bin ich allerdings genau so schnell wieder weg wie bei Pantera-Vergleichen. Aber die drei verlinkten Songs zeigen eine sehr facettenreiche Band, die Musik mit Tiefgang spielt und die einen tollen Sänger in ihren Reihen hat. 'I Remain' ist schon mal eine erstklassige Ballade ohne Kitsch. Toll!
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von Holger Andrae » Dienstag 10. Januar 2023, 02:00
Rüdiger Stehle hat geschrieben:Ich mache dann einfach mal weiter mit einer weiteren Überraschung im Newcomer-Segment, weil ich es gerade recht erfrischend finde, dass mir einige junge Band früher einfallen, wenn es um meine Jahreshighlights geht, als die alten, etablierten Recken. FIREPHOENIX "Firephoenix"FIREPHOENIX ist eine noch sehr junge und ganz frische, 2019 gegründete Band aus Göppingen, die vor ein paar Monaten ihr selbstbetiteltes Debütalbum als Eigenpressung vorgelegt hat. Auf dem Schirm hatte ich sie schon eine Weile, weil ihr Gitarrist Nick Berger auch schon für Stormwitch und Palace in die Saiten gegriffen hat. So richtig in den Fokus geraten sind die Jungs allerdings dadurch, dass sie bei unserem "Gas Gäba!"-Festival im September dankenswerter Weise sehr kurzfristig für eine krankheitsbedingt abgesagte Band eingesprungen sind. Das Faszinierende an der Sache war und ist, dass die bis dahin quasi völlig unbekannte Band mit ihrer Spielfreude, ihrer spielerischen Klasse und mit ihren eingängigen, hymnischen Songs das Publikum aus dem Stand heraus komplett überzeugt hat, und wirklich viele unserer Gäste am Ende überzeugt waren, dass FIREPHOENIX ihre Band des Tages gewesen ist. Diese Livequalität sehe ich auch, und ich finde auch, dass sie auf Platte verdammt überzeugend eingefangen wurde, obwohl das Debütalbum eine Eigenpressung ist. Was ist geboten? Nun, sehr melodischer, kräftig nach vorne preschender, leicht speediger Power Metal mit Einflüssen aus der NWoBHM, Danish Dynamite und dem Teutonenstahl. Besondere Stärke sind die zweistimmigen Leadgitarren von Nick und Frontmann André Grabner, der zudem ein überzeugendes, voluminöses Goldkehlchen in mittleren Tonlagen zu bieten hat. Die Rhythmusfraktion ist sehr tight und auch im Albummix ist der Bass sehr präsent und schön verspielt gestaltet. Vor allem Blitzkrieg, frühe Pretty Maids, Diamond Head, das sind so die ersten Referenzen, die mir einfallen, aber auch Accept, Judas Priest, Paradox oder Perzonal War. Die Bandhymne ist ein völliger Ohrwurm, und bei Weitem nicht der einzige auf der Scheibe. Markante Hooks sind neben dem Gitarrenfeuerwerk eine echte Stärke der Band. Hörproben: https://www.youtube.com/watch?v=EI6nx8htTVc - 'Firephoenix' https://www.youtube.com/watch?v=oXPcvJEFOfk - 'Lost In Life'
Diese Band kenne ich tatsächlich nichtmal namentlich. Klingt gut. Die Bandhymne ist mir aber insgesamt zu weich und rund produziert. Da fehlt mir ein Tube Dreck unterm Lungenflügel. 'Lost In Life' hat mehr Schmackes und gefällt mir daher besser. Die NWoBHM-Parallelen höre ich aufgrund des Klangbildes erstmal nicht so sehr, aber Laune macht das trotzdem.
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von Holger Andrae » Dienstag 10. Januar 2023, 02:09
Rüdiger Stehle hat geschrieben:Es wären nicht meine Federn, wenn sie nicht auch ein wenig schwarz wären, oder? Daher nun ein Stilwechsel, ein Wechsel des Bekanntheitsgrades und ein Wechsel auf der Landkarte, erstmals in diesem Thread weg aus Deutschland, ein gutes Stück gen Osten: DRUDKH "Всі Належать Ночі (All Belong To The Night)"Ein durchaus großes Interesse an Black Metal aus der Ukraine habe ich ja schon seit langer Zeit, doch mit der Omnipräsenz des Krieges in unserem medialen Alltag hat sich dieses Interesse nochmals ein gutes Stück verstärkt, zumal auch einige Bands und Labels von dorten Teile des Erlöses ihrer Werke spenden wollten. Doch hier geht's nicht primär um den fürchterlichen Krieg, sondern um die Musik, und die stammt in diesem Fall aus Kharkiw. DRUDKH gehört zweifelsohne zu den führenden Black-Metal-Bands der Ukraine, ist seit gut zwanzig Jahren am Start, und mit "Всі Належать Ночі (All Belong To The Night)" legte die Band vergangenes Jahr ihr zwölftes Studioalbum vor. Das Nachtalbum hat vier Tracks mit durchschnittlich zehn Minuten Spielzeit, und das ist bereits ein klarer Fingerzeig in die stilistische Richtung, welche die Urkainer einschlagen. Seit jeher, mag man sagen, denn atmosphärischer, eskapistischer, mantrischer Black Metal war es schon immer, der DRUDKH ausgezeichnet hat. Ganz oben unter den musikalischen Einflüssen steht, wie immer bei Bands dieser Spielart, natürlich Burzum, doch würde man auch den Ukrainern nicht gerecht, würde man sie darauf reduzieren, denn natürlich findet sich viel mehr und auch vieles anders als beim Begründer der Spielart. Das fängt schon damit an, dass DRUDKH an allen Fronten viel verspielter, viel produzierter, viel progressiver, viel technischer agiert. Die Band präsentiert nicht die ungestüme, wahnhafte Verzweiflung die seinerzeit Burzum auszeichnete, sondern sie zelebriert reife, durchdachte, ausgefeilte Musik. Zu den stilprägenden, flirrenden Strumming-Gitarrenriffs, kommt ein unheimlich präsentes, verspieltes Bassspiel, ein natürlich klingender, teils triballastiger Drumsound und Drumbeat, schwelgerische, ätherische Leadgitarren, auch mal rockige, mal folkige Riffs, welche für einen mantrischen Groove sorgen. Immer wieder werden auch folkloristische Chöre eingesetzt, allerdings nicht fröhlich oder schunkelbar, sondern ernst und würdevoll, etwa zur Vertonung der Gedichte von Lyrikern des ukrainischen Frühlings des ersten Drittels des 20. Jahrhunderts wie Yakiv Savchenko, Stepan Ben und Antin Pavlyuk, die allesamt unter Stalin 1937 vom NKWD deportiert und ermordet wurden. Alle Lyrics dieses Albums und generell sehr viele Texte im Schaffen von DRUDKH sind Vertonungen alter ukrainischer Lyriker. Durch und durch melancholischer Stoff zwischen bitterer Härte, grimmiger Kälte und romantischer Anmut; musikalisch und produktionstechnisch recht vollendet dargeboten und sicherlich einer der aktuellen Standards für Freunde des melancholisch-atmosphärischen Black Metals. Hörproben: https://www.youtube.com/watch?v=U9CcjznLS54 - 'November' https://www.youtube.com/watch?v=CCSgsTC7vE4 - 'The Nocturnal One'
Das ist Musik, die ich nicht verstehe.
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von Rüdiger Stehle » Dienstag 10. Januar 2023, 02:36
Schön, dass du an Bord bist, Holg, und vielen Dank für deine Anmerkungen.
Dass dir der Onkel Schaufler nicht ganz so viel gibt, kommt nicht allzu überraschend, und dass der weitgehend entrOckte Black Metal der Ukrainer auch nicht ganz deine Baustelle ist, ebensowenig.
Dass dir Undertow allerdings trotz der eher nicht deinem Gusto entsprechenden Referenzen und Einflüsse durchaus zusagt, wundert mich nun gar nicht so sehr, denn sie haben eben auch die doomige Note und eine recht tiefe Emotionalität, die nicht in Wall of Sound und Aggro-Machismo ersäuft.
Auch das die jungen Bands Spitfire und Firephoenix zusagen, freut mich natürlich sehr. Waren ja beide auch bei unserem Festival zugange und liegen mir daher nicht nur rein musikalisch am Herzen, sondern auch persönlich.
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von Rüdiger Stehle » Dienstag 10. Januar 2023, 03:32
THE HOUNDS OF HASSELVANDER "Another Dose Of Life"Eine Band und eine Scheibe, die sicherlich auch dafür prädestiniert ist, unter dem Radar der meisten Interessenten durchzuflutschen, obwohl Mastermind und Bandgründer Joe Hasselvander sicherlich eine ziemlich prominente Figur des US-Metal-Undergrounds ist, war er doch bereits in den Siebzigern und frühen Achtzigern mit Doom-Legenden wie PENTAGRAM und DEATH ROW am Start, hatte später dann mit David DeFeis diverse Metalploitation-Projekte wie DEVIL CHILDE und PHANTOM LORD, machte mit Jack Starr gemeinsame Sache auf GUARDIANS OF THE FLAME und BURNING STARR, hatte Live- und Gastengagements auch mit CATHEDRAL und BLUE CHEER, und natürlich war er auch 30 Jahre lang der Drummer der NWoBHM-Legende RAVEN. Größere Meriten lassen sich also schwer finden, und doch gelten seine Soloscheiben und die Werke seiner eigenen Band THE HOUNDS OF HASSELVANDER bestenfalls als Geheimtipps. So findet sich die neue Scheibe "Another Dose Of Life" aktuell noch nicht einmal auf Spotify, Ebay und Amazon. Müsst ihr also direkt beim Label Rock Saviour Records bestellen, das auch Iron Pegasus vertreibt, wenn ihr zuschlagen wollt; und bei YouTube hinein hören. Waren die früheren HOUNDS OF HASSELVANDER-Scheiben eher am Doom Metal und am Heavy Rawk der 1970ern orientiert, so erlebt die Band mit ihrem fünften Studioalbum (daneben gibt es zwei Soloscheiben) eine kleine und auch nur teilweise Kurskorrektur, was nicht zuletzt an ihrem neuen Sänger liegt, den der US-Untergrundmetaller natürlich auch von diversen Bands her kennt, sang er doch unter anderem bereits für ATTACKER, VYNDYKATOR, SLEEPY HOLLOW, SAVIOR FROM ANGER und SCEPTOR. Die Rede ist natürlich von Bob Mitchell, seines Zeichens eher gelernte Sirene als Nölbarde. Aus diesem Grund und auf diese Weise liefert "Another Dose Of Life" einen winzig kleinen Spagat zwischen den natürlich nach wie vor massiv vorhandenen PENTAGRAM-/SABBATH-lastigen 1970er-Doom-Vibes, wie sie etwa 'Soulless Eyes' aufzubieten hat, auf der einen Seite, und 1980er-PRIEST-näheren Stücken, wie etwa 'To The Core' oder 'Walking Tall'. Bob Mitchell gelingen beide Gesangsansätze ziemlich gut, und - was Joey Hasselvander halt immer auszeichnet - die Band präsentiert sich in einem völlig unprätentiösen, räudigen, erdigen, echten Livesound, wie ihn sich der Purist eben so wünscht: Man höre dazu 'Room 38'. HEAVY ROCKIN' RAW! https://www.youtube.com/watch?v=UgQfDLZYmvo - 'Walking Tall' https://www.youtube.com/watch?v=9w6es4Nf3B0 - 'To The Core' https://www.youtube.com/watch?v=Oxt0Bms6Zy8 - 'Soulless Eyes' https://www.youtube.com/watch?v=MG_FcwANMY0 - 'Room 38'
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von Pillamyd » Dienstag 10. Januar 2023, 11:58
Ich, der sich selbst ja immer so einschätzen würde, dass er immer nur an der undergroundigen Oberfläche kratzt, wundert sich gar nicht, dass er es kennt. Obwohl. Nein, eigentlich dämlich, dass ich das nicht kenne. Mag ich doch eine Band wie "Pentagram" oder "Raven" ganz arg.
Deine Beschreibung passt zu dem, was ich hier höre. Wie sollte es auch anders sein, gelle? Aber mir gefällt das. Ziemlich sogar. Das steigert sich auch noch von Song zu Song. "To The Core" hat Gitarren wie ich sie gern öfters hören würde. Die Rock 'N' Roll Attitüde ist auch immer an der Leine bei den Songs, oder? Doch, das ist eine großartige Überraschung in diesem Thread.
Du hast ausversehen, "Soulles Eyes" mit dem "Walking Tall" Song verlinkt.
Metal Archives sagt aber, die Scheibe sei aus 2021?
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von Rüdiger Stehle » Dienstag 10. Januar 2023, 18:04
Den Link habe ich verbessert.
Was das VÖ-Datum angeht, trifft zu, dass auf dem Backcover (c)2021 steht. Ich habe allerdings erst im Mai 2022 von der Scheibe gehört, und da sind auch die Songs auf YouTube eingestellt worden. Da ich auf Musiksammler der einzige Besitzer und Datenverantwortliche bin, hilft das auch nicht weiter.
Von daher lasse ich sie für diese Retrospektive hier mal weiter unter 2022 laufen, auch wenn das disputabel ist.
Schön, dass es dir gefällt, und auch schön, dass meine Beschreibung zum Gehörten passt.
P.S.: Hast du die MORRIGAN übersehen, zurückgestellt, oder nicht gemocht?
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von Rüdiger Stehle » Mittwoch 11. Januar 2023, 21:41
Heute weiter im Text: Nachdem die Liste bereits zwei Bands enthält, die mehr oder minder unter Newcomer laufen, will ich an der Stelle noch einmal (oder mehrmals) nachlegen, denn 2022 haben es überraschend viele jüngere Bands in meine Sammlung geschaft, die meisten von ihnen mit EPs. So auch diese jungen Finnen hier, die uns der hauseigene Sturmreiter angeschleppt hat: MOOLIGHT SORCERY "Piercing Through The Frozen Eternity"Zugegeben, im Zweifel reicht ein winterliches, mystisches Artwork in Blau, Schwarz und Silber nebst passendem schwarzmetallischem Logo ja durchaus mal aus, in mir den Reflex des Habenwollens auszulösen. Wenn es dann auch noch Finnland kommt und im Ruf steht, schnellen, melodischen Black Metal im Stile der Neunziger zu präsentieren, dann umso mehr. Und ja, Stormrider hat da einen Volltreffer geliefert, der sich aber nicht gleich beim ersten Hören entfaltet. Der anfangs recht hintergründig wirkende, heiser-hysterische, verhallte Gesang von Ruttomieli rückt erst ab dem dritten oder vierten Durchlauf in den Fokus und ist zunächst in der Tat eher instrumental wirkendes Accessoire als der Türenöffner. Hat man sich in der kalten Winterlandschaft aber erst einmal eingefunden, dann macht auch der Frontmann seine Punkte. Trumpf der Band ist aber das irre gute, hochmelodische Gitarrenspiel, das sich wirklich gewaschen hat. Dabei bleibt es trotz des typisch finnischen Melodienoverkills irgendwie im ernsthaften, seriösen Bereich, will sagen, man versucht uns hier nicht Stratovarius mit Schreihals als Black Metal zu verkaufen, sondern die zweistimmigen Melodien sind bei aller betörenden Schönheit schon auch noch grimmig, sinister und kalt; die Keyboards sind präsent aber nicht überbordend und werden effektiv klangmalerisch eingesetzt, was die winterliche Stimmung des Minialbums noch verstärkt. Das im Wesentlichen fast durchgängig hohe Tempo verliert sich dabei meist nicht im Blasten, sondern eher im melodischen, doch noch konturenreichen Uptempo, und der eine oder anderer Beat hat auch einen Hauch von Tanzbarkeit. Spannendes Scheibchen, und sehr schön, dass das alte, italienische Kultlabel Avantgarde Music, das uns dereinst "Live In Leipzig" schenkte, hier mal wieder ein richtig heißes Eisen im Feuer hat, das diese Woche eine zweite EP nachlegen möchte, die ich demnächst ordern werde, so ich es nicht schon getan haben sollte... muss ich nachschauen... Ach ja, Referenzbands? Hmm... die Frühphasen von Emperor, Dissection, Limbonic Art. https://www.youtube.com/watch?v=rv-N2SpZs0U - 'For Thy Light Is Ice' https://www.youtube.com/watch?v=WS_mNTEnEhI - 'Wolven Hour'
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von Pillamyd » Mittwoch 11. Januar 2023, 22:48
Rüdiger Stehle hat geschrieben:Zugegeben, im Zweifel reicht ein winterliches, mystisches Artwork in Blau, Schwarz und Silber nebst passendem schwarzmetallischem Logo ja durchaus mal aus, in mir den Reflex des Habenwollens auszulösen.
Ich kenne das auch heute immer noch Ich habe letztens gezählt. Aus Finnland habe ich wohl 19 Tonträger. Aber jetzt mal zu den Songs. "For Thy Light Is Ice" hat wirklich schöne Gitarren. Viel Melodie und ein klimperndes Tasteninstrument. Aber das ist schon sehr ausladen in Richtung des Solo. Ich bin überrascht. Trotzdem gefällt mir dann "Wolven Hour" noch besser, weil er noch ne Spur kantiger daherkommt. Ich bin überrascht. Das werde ich mir merken müssen. Ist das eigentlich eine finnische Eigenart, Black Metal so melodisch zu komponieren?
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von Nils Macher » Mittwoch 11. Januar 2023, 23:06
Pillamyd hat geschrieben:Ist das eigentlich eine finnische Eigenart, Black Metal so melodisch zu komponieren?
Dazu sagt der Finne: Tol Cormpt Norz Norz Norz...
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