Running Wild

Re: Running Wild

Beitragvon Rüdiger Stehle » Freitag 7. Mai 2021, 00:05

Es kommen mal wieder gute Zeiten auf die Fanboys unter uns zu. Marcel kauft sich die Single-Box und promotet diese weidlich auf YouTube, was dem Rolf und seinen Buben einen unheimlichen Popularitätsschub verleihen wird, so dass tausende Fans schon jetzt bis in den Herbst hinein mit den Hufen scharren, was denn da wohl als neues Studioalbum kommen möge; die Hufschmiede werden daher auch bald güldnen Zeiten entgegen gehen; und hier in Rabenhausen findet mal wieder die "Death Or Glory" ihren Weg in den Player. Zeit war es.

Running Wild war zwar nicht die zweite Metalband, die ich kennen gelernt habe, aber sehr wohl die zweite, die ich zu sammeln angefangen habe, nachdem Manowar dann mal komplett war. "Death Or Glory" war dabei eines der ersten Alben, die ich mir gekauft habe. Muss 1990 oder 1991 gewesen sein. Zusammen mit der "First Years of Piracy". Jau. RW war für meine Jugend prägend wie sonst nur Manowar und Helloween. Ganz groß. Immer noch. Pure Liebe für diese Band, dieses Album und den ollen Käptn.

Freue mich sehr auf das neue Album.

Die von Marcel empfohlene Box habe ich mir gekniffen, da der Inhalt (bis auf die Münze!) komplett im Regal steht, from the old days. Aber wer's nicht hat, kann sich das gerne überlegen. Die Singles haben bei RW immer coole Bonustracks gehabt, das Livealbum und die Rerecording-Compilation sind auch stark... kann man machen.

P.S.:
Es ist falsch, wenn der RuWi-Faden fast ein Jahr lang schlummert.
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Re: Running Wild

Beitragvon Pillamyd » Freitag 7. Mai 2021, 00:18

Von den ganzen großen deutschen Bands sympathisiere ich mit Running Wild tatsächlich am meisten. Es gibt keinen Song den ich gehört habe, den ich noch nicht gemocht habe. Überwiegend natürlich von dem alten Kram. Die neueren Sachen kenne ich da gar nicht.

Mit den Re-Releases liebäugle ich ja schon seitdem sie draußen sind. Aber geschafft habe ich es bis jetzt noch nicht. Wird aber sicherlich kommen.
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Re: Running Wild

Beitragvon Rüdiger Stehle » Freitag 7. Mai 2021, 00:30

Ich hab mir die Studioalben als Rereleases alle nochmal zugelegt. Die waren da mal beim Saturn im Sonderangebot und da konnte ich nicht widerstehen, wegen der Linernotes und so. Haben auch Bonustracks und alles, falls man die Original-Singles etc... nicht hat. Doch, das lohnt sich schon.

Bei RW gibt's ja zwei große Zäsuren. Einmal nach der "Branded And Exiled", wo viele Fans der ersten Stunde nicht mit an Bord der Piratenkogge gehen wollten, um "Under Jolly Roger" zu segeln, weil sie das Image-Ding doof fanden. Und dann nach der "The Rivalry" als das Bandkonzept endgültig (?) zerbrach und RW zum Rolf-Soloprojekt wurde, Drumcomputer-Vorwürfe wichtiger wurden als die Musik etc...

Sprich, mit der "Victory" war die Band dann bei vielen älteren Fans endgültig durch. Ich kann durchaus verstehen, warum das so ist, wobei ich das Problem persönlich nie so gravierend gefunden habe. Natürlich, auch ich finde die Alben ab 2000 merklich schwächer als alles zuvor, aber sie sind immer noch RW und jedes Album hat auch ein paar sehr feine Songs mit drauf. Tiefpunkt war dann die "Shadowmaker", die sich nicht so recht entscheiden konnte, ob sie RW-Comeback oder die Fortsetzung von Rolfis Glamrockprojekten TOXIC TASTE und GIANT X sein wollte. Mit "Resilient" und vor allem "Rapid Foray" ging es dann wieder ein gutes Stück bergauf, so dass ich vom kommenden Werk durchaus was erwarte.

Das Ding ist: Bei RW fehlt gar nicht so viel, um wieder "back in business" zu sein und auch wieder einige alte Fans ins Boot zurück zu holen. Ein wenig externer Input könnte da Wunder wirken. Etwas mehr Wert auf einen organischen Sound (siehe Helloween), ein vernünftiges Band-Miteinander in Sachen Songwriting (siehe Helloween), und ein bisschen mehr Liebe zum Detail und zum Werk (siehe Helloween), und hier könnte noch mal eine alte Hamburger Institution ein richtig großes Comeback hinlegen.
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Re: Running Wild

Beitragvon Eike » Freitag 7. Mai 2021, 00:38

Ich fand ja schon die "Black Hand Inn" eher durchwachsen. Geiles Cover-Artwork, aber als Album fehlte etwas der Flow der Songs, das Ding klang stilistisch bereits leicht zerrissen, die Stücke teils zu lang mit zu wenig Schwung drin, dann diese komischen Verschwörungs- und Alien-Epen zwischen den Piratensongs, die Drachenreiter und vor allem den Wendy-Pferdchen-Song fand ich schon gut, aber generell krankte da auch schon der Sound, der recht steril und plastikmäßig daherkam für ein Metalalbum, insbesondere das Schlagzeug war auch da schon weitgehend zum Takthalter verkommen. Böse könnte man sagen, dass der nächste Schritt zum Metronom, Clicktrack, Drumcomputer, Whatever da schon angelegt war...
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Re: Running Wild

Beitragvon Rüdiger Stehle » Freitag 7. Mai 2021, 00:45

Ja, so eine Minizäsur liegt da auch vor, da hast du schon recht. Mir hat die "Black Hand Inn" auch einen Tick weniger gut gefallen als die "Pile of Skulls" (die meine persönliche Nummer 1 im RW-Kosmos ist). Ich möchte es nicht unbedingt am Drummer fest machen, aber Jörg Michael hat ja schon ein bisschen den Ruf ein menschlicher Drumcomputer zu sein (wenn der Auftraggeber das so will). Viele mögen aber die "Black Hand Inn" noch mehr als den Vorgänger, so dass ich das nicht als größeren Bruch der Kontinuität ansehe. So schlüssig wie auf "Pile of Skulls" fand ich RW als Gesamtkunstwerk danach aber tatsächlich auch nie mehr.
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Re: Running Wild

Beitragvon Eike » Freitag 7. Mai 2021, 02:50

Das ist halt genau das Ding: Gesamtkunstwerk; "Pile of Skulls" klingt aus einem Guss, das alte Kanonenrohr. Ich kann verstehen, dass es für Piratenmetalfans den Zenith darstellt. Genauso kann ich verstehen, wenn Leute das wildere Frühwerk mehr schätzen. Menschen sind Menschen, nichts muss da logisch sein, schon gar nicht Geschmäcker, und ich gönne allen, die das so empfinden, ihre helle Freude an "Black Hand Inn". Aber der Begriff eines Gesamtkunstwerks passt da für mich eben nicht zu. Und weil auch ich ein menschlich unlogischer Eumel bin, packt mich halt immer das Befremden, wenn jemand ausgerechnet die Flossenkaschemme als prächtigstes Aushängeschild des schädelbeflaggten Teutonenmetals anführt. Auch wenn es für mich nicht das beste Album ist, könnte ich so eine Aussage über "Death or Glory" dennoch eher nachvollziehen. In der inneren Schlüssigkeit als Album liegt der Seehund begraben. Bei der Prankenschänke stimmt einfach die Karte nicht; das X markiert nicht die Schatztruhe, die alles zusammenhält, sondern allenfalls einen Portweinkeller mit ganz unterschiedlichen Jahrgängen darin.
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Re: Running Wild

Beitragvon Chris Staubach » Samstag 8. Mai 2021, 11:23

Ich war damals in unserem bescheidenen Metalkreis für die Organisation der RW-Scheiben zuständig. Und da ich schon ein echt alter Sack bin, habe ich die LP's auch tatsächlich zum VÖ gekauft. MItte/Ende der Achtziger musste man RW kennen (und eigentlich auch mögen), da die Band so etwas wie deutsches Metal-Kulturgut darstellte und nicht zuletzt durch ihr Image omnipräsent war. Schnitt 1 kam nach "Branded" wegen dem Piratenimage. Ich fand das damals musikalisch gar nicht so schlimm, das Image dagegen ein bisschen albern. Das hat mich aber nicht davon abgehalten, die Scheiben weiter zu kaufen und zu mögen. Ich bin ein Freund bis einschließlich "Blazon Stone" (meine Lieblingsplatte ist und bleibt "Death Or Glory"). Von "Pile" bis einschließlich "Black Hand Inn" (die "Masquerade" geht manchmal auch) finde ich sie noch okay - alles danach habe ich zwar ebenfalls im Regal stehen (da bin ich zu sehr ein Kollektividiot), finde ich jedoch eher schwach bis grausam. Käpt'n Rolf wiederholt sich musikalisch seit spätestens "Black Hand Inn" (Spötter würden sagen, das hat schon viel früher angefangen). Was aber zunächst zumindest in AC/DC- bzw. ACCEPT-Qualität stattfand, hat sich seit mehr als 20 Jahren auf ein drittklassiges Coverband-Niveau herabgespielt. RW werden immer einen Platz in meinem Herzen haben, weil sie eben minimum 6 großartige Alben abgeliefert haben, selbst wenn ich den neueren Werken tatsächlich jegliche Relevanz abspreche. Für mich könnte Rolf weiter seine Kogge im Hafen lassen.

Und ja, Rolf war schon immer ein netter, aber sehr eigenwilliger Diktator, aber seit er keine anderen Meinungen mehr aktzeptiert und zulässt, die Scheiben selbst produziert und noch nicht mal mehr andere Musiker beim Einspielen benötigt, wurde das Piratenschiff von der Krone beschlagnahmt. Da hilft auch kein Cäpt'n-Sparrow-Spruch mehr. Definitiv würden reale Musiker einer Scheibe mehr Dynamik verleihen, was schon einmal ein großer Fortschritt wäre, aber erst die Beteiligung am Songwriting mit neuem Input wäre der Heilige Gral. Das wird jedoch aus rein monetären niemals mehr passieren. Das ist sehr schade, aber das Piratenschiff wird so nicht mehr richtig in See stechen.
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Re: Running Wild

Beitragvon Rüdiger Stehle » Freitag 13. August 2021, 01:36

Hier dann mal der heute premierende neue Song "Diamonds & Pearls":

https://www.youtube.com/watch?v=_fRsuX3KnnI
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Re: Running Wild

Beitragvon Holger Andrae » Freitag 13. August 2021, 08:02

Das ist jetzt keine Katastrophe, aber für mich klingt auch dieser Song wie ein Demo. Gar nicht unbedingt wegen des Sounds, den man auf YT eh nur bedingt bewerten kann. Eher wegen seines extrem gleichförmigen Aufbaus. das ist doch eher eine Pilotspur, auf der man einen Song aubauen kann als ein fertiges Endprodukt. Das meine ich jetzt gar nicht respektlos, sondern eher fragend. Ist es das, was RW-Fans möchten: Songs, in denen Nichts paassiert?
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Re: Running Wild

Beitragvon Rüdiger Stehle » Freitag 13. August 2021, 08:28

Hmm. Interessante Sichtweise. Also in sich selbst sind einzelne Running Wild-Songs ja schon meistens relativ homogen komponiert und in einem sehr klassischen Songschema gehalten. Wenn sich Varianz auf einem Album ergibt, dann in der Regel durch unterschiedliche Songtypen. Das ist m.E. sehr ähnlich wie etwa bei Accept oder bei W.A.S.P. oder U.D.O. Dass es deswegen unfertig klänge oder nichts passieren würde, könnte ich jetzt aber echt nicht sagen. Finde beispielsweise die Momente, in denen man die Zweistimmigkeit der Gitarren hören kann, und das durchaus markante und ausgedehnte Solo recht cool. Die Riffs und die Hooklines sind natürlich sehr typisch für RW, aber nicht über die Maßen selbstkopiert; will sagen, der Song hat schon was Individuelles im RW-Kontext.

Was die von dir erwähnte Einförmigkeitsempfindung auslösen könnte, ist dann tatsächlich das Drumming. Weniger des Sounds wegen, als vielmehr, weil das Tempo halt sehr stoisch ist und rhythmisch kaum variiert wird.

Für mich ein solider Song, der mich nicht zum Ausflippen bringt und mich natürlich auch nicht überrascht, aber mir nun auch keine Angst vor dem Album macht oder die Vorfreude darauf reduzieren würde.
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