Eike hat geschrieben:Eigentlich nur um das Drumherum, die Musik ist hier eher egal.
Genau genommen seid ihr noch nicht mal mehr beim Drumherum, sondern inmitten irgendwelcher sozio-kulto-philosophischen Projektionen.
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Atlantean KodexRe: Atlantean Kodex
Genau genommen seid ihr noch nicht mal mehr beim Drumherum, sondern inmitten irgendwelcher sozio-kulto-philosophischen Projektionen.
Re: Atlantean KodexIch finde die Frage, wie Traditionsbewusstsein bzw. bestimmte Bilder von Traditionen und unterschiedliche Werthaltungen, die sich an diesen Traditionen und Traditionsbildern festmachen, auf die Musik und auf das Musikempfinden auswirken, nunmal äußerst interessant. Seit ich über Musik zu schreiben begonnen habe, sie also - in meinem Fall ohne jegliche musikwissenschaftliche Kenntnisse - erstmals auch analysieren musste, um sie im zweiten Schritt dann überhaupt erst genauer beschreiben zu können als mit einem schlichten "gefällt" oder "gefällt nicht", einem rein subjektiv-absoluten, pauschalen "wirkt im Gesamtklang auf mich" so oder so, merke ich zunehmend, wie sich diese vorgeschalteten Wahrnehmungsfilter und -brenngläser des Beschreibens, des Suchen nach Vergleichbarem - und damit eben nicht mehr nur nach meinem individuellen Empfindungs- und Erfahrungshorizont, sondern auch nach kulturellen Prägungen und Traditionen - auf mich und mein Verhältnis zur Musik auswirken; und zwar nicht nur, indem sie es mir (hoffentlich) leichter machen, Dritten zu vermitteln, warum und wie Musik auf mich so wirkt, wie sie auf mich wirkt, und ihnen dabei zu ermöglichen, aus dem ganzen Geschreibsel Rückschlüsse auf ihr eigenes Musikempfinden bei gleicher Beschallung zu ziehen; sondern ich merke auch, wie sich dadurch meine eigene Musikwahrnehmung ändert - wie sich einerseits durch das während meiner Suche nach einem Vermittlungsrahmen zwangsläufig aufgeschnappte Wissen um das kulturelle und philosophische "Drumherum" der Musik manchmal meine eigene Musikempfindung emotional vertiefen kann, und wie andererseits die sich mitunter schon gewohnheitsmäßig zuschaltende und zum Hören in Echtzeit parallel laufende "Analytische Verstehenwollen-Maschine" in meinem Kopf manchmal eine tiefere Empfindung verhindert. Das ist eine ganz seltsame Ambivalenz. Warum gewinnt die eine Musik für mich durch das ganze assoziative Brimborium an sich ganzheitlich-gesamtkunstwerkhaft entfaltender Tiefe, während ich die andere Musik gerade dadurch nur noch verkopft und nicht mehr als ganzheitliche Erfahrung zum insgesamt darin Versinken wahrnehmen kann? Mitentscheidend ist dabei wohl auch: Was ist es, was bei mir die Leidenschaft entfacht? Wenn das Konzept um ein Album noch so toll durchdacht ist, aber mit meiner Identität in keinem Zusammenhang steht, dann höre ich lieber nur den reinen Klang, statt mich mit zusätzlichen Eindrücken zu überfrachten. Wenn mich ein Klang von sich aus schon unheimlich fesselt, aber dabei etwas mysteriöses an sich hat, dann reizt mich das vielleicht irgendwann doch, mich mit dem dahinter zu beschäftigen, was ihn inspiriert haben könnte, und dann kann mein Empfinden beim späteren Wiederhören dadurch tiefer werden. Umgekehrt können mich künstlerisch ansprechende Motive oder auch einfach mich interessierende Themen, die Teil eines ansprechenden Rahmenkonzepts sind, mich dazu bringen, mit einer anderen Erwartung geduldiger, konzentrierter oder auch offener hinzuhören, als das der zufällig gehörte reine Ton schaffen würde. Je älter ich werde und je mehr Musik ich kennenlerne, um so öfter denke ich über all das Drumherum nach, weil dieser ganze Assoziationswust immer umfangreicher wird und sich dabei immer mehr Anknüpfungspunkte und Querverbindungen auftun und sich darüber natürlich auch Traditionslinien erschließen und zu immer neuen Projektionen einladen. Einen Gutteil davon vergisst man eh wieder, und mit der anderen im Hinterkopf wird dann weiter gepflegt abgeschädelt.
![]() Music is the only religion that delivers the goods.
(Frank Zappa * 21.12.1940 - 4.12.1993)
Re: Atlantean KodexPuh, das ist für mich Verkopfung von Emotionen. So möchte ich Musik gar nicht hören / wahrnehmen, oder besser gesagt nicht mehr hören / wahrnehmen.
Re: Atlantean KodexAch, das heißt ja nicht, dass ich den meisten Fällen nicht doch einfach meinen eigenen Film fahre oder einfach nur zuhöre. Aber dass einem irgendwann beispielsweise die Bluestradition in BLACK SABBATH auffällt, bleibt einfach nicht aus, wenn man erstmal angefangen hat, bei Musik nicht nur selbstvergessen im momentanen Klang aufzugehen. In der Regel sind es einfach banale Kleinigkeiten, die mir beim Hören ein- oder auffallen. Irgendwelche Aha-Momente, die die Emotion deswegen ja nicht zum Verstummen bringen, sondern bloß hin und wieder kurz dazwischen flackern. Das ist kein permanenter Reflexionszwang und in der Regel auch nichts Unangenehmes, andernfalls hätte ich hier auch spätestens nach einem halben Jahr wieder gekündigt. Außerdem habe ich so schon Sachen kennengelernt, von denen ich sonst wohl nichts mitbekommen hätte. Höchstens bei Musik, die sich mir auf den ersten Hör nicht emotional erschließt, setzt jetzt eher so ein Drübernachdenken oder Michselbstbeobachten beim Hören ein als früher noch. Bevor ich hier anfing plätscherte das dann eher im Hintergrund durch, ohne dass ich wirklich Notiz davon nahm. Das hat sich schon etwas geändert, sodass ich etwa auf Parties eher mal auf die Hintergrundbeschallung achte, als ich das früher getan hätte. Aber auch das kann ja gelegentlich bereichernd sein.
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Re: Atlantean KodexIch kann das schon nachempfinden.
Bei mir hat sich in den letzten Jahren eine Hörgewohnheit wieder eingeschlichen, die sehr regressive Tendenzen offenbart. Ich höre Musik, speziell Metal, noch spezieller Thrash, mittlerweile wieder eher wie mit 16 - direkte Leitung zwischen Gehörgang und Schritt sozusagen - und ich empfinde das als quasi ich-synton.
Re: Atlantean KodexEs wäre ja auch schlimm, wenn man aus dieser Fähigkeit zum "naiven Hören" irgendwann komplett herauswachsen würde.
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Re: Atlantean KodexIch empfinde das weniger als Fähigkeit, denn als Bedürfnis.
Re: Atlantean KodexEin Bedürnis, das hemmungslos ausgelebt wird. Mindestens ein mal pro Monat packt es mich so, dass ich zu irgendwelcher Musik wild durch die Bude spacke. Jeder Mensch sollte ein Stück weit Kindskopf bleiben. Wer sich das nicht bewahrt und auch zugesteht, ist mir echt suspekt.
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(Frank Zappa * 21.12.1940 - 4.12.1993)
Re: Atlantean Kodex
Das habe ich am Wochenende auch mal wieder gemacht. Allerdings zum ersten Mal in meinem Leben zu einem eigenen Song... ![]() alias Hugin der Rabe.
Ravnen fra steinfjellet. Háv. 38
Re: Atlantean KodexNachdem ich den Muskelkater vom Kopfschütteln während und nach dem Lesen dieses Analysierthreads wieder los bin, senfe ich jetzt in meiner naiv-dümmlichen, in schlechten Satzbauten verfassten, Art, auch noch ein wenig Klumpatsch ab.
Es ist doch ganz erstaunlich, wieso gerade diese völlig unbekannte Band, die vor einigen Jahren mal ein Demo aufgenommen hat und auch live nicht gerade überpräsent war, so viel Staub aufwirbelt. Wäre das das Debütalbum einer anderen unbekannten Band, über die man nicht vorher bereits etliche Interviews gelesen hat (wieso gibt die Band überhaupt so viele Interviews? Jetzt schon?), käme man ja gar nicht auf die Frage nach dem Zurückbleiben hinter vermeintlich eigenen elitären Ansprüchen. Auch wenn ich mit Manuels Ansicht nicht konform gehe und ich in seinen Augen so ein "Allesgutfinder" bin, verstehe ich doch sein Anliegen und sein Sichtweise. Rüdiger hat es blendend erklärt. Es geht um Traditionen, um Etikettenschwindel. In den 90ern wurde uns Last Crack, Tribe After Tribe, Thought Industry und wie sie alle hießen als "Heavy Metal" verkauft, weil sowohl die Presse, wie auch die Labels schlichtweg nicht in der Lage waren, Grenzen zu sprengen und auf augetretenen Pfaden iher Maschinerie verwärts treiben wollten. Da kann man als Hörer schon mal den Überblick verlieren, ob das denn nun noch "Heavy Metal" ist und ob ich das jetzt gut finden "darf". Mir war das damals schon völlig wumpe, ich fand das halt "gute Musik". Eventuell werden aber neue musikalische Strömungen, die eine Tendenz in richtung Rock plus etwas Undefinierbarem haben, gern mal dem Metal Publikum hingeworfen, weil gerade dieses Publikum so begeisterungsfähig sein kann. Wer weiß. - es gab neue Postings während ich hier herum sülze : Ich packe auch hin und wieder die Luftgitarre aus und gehe zu alten Scheiben ein bisschen ab (meine Frau amüsiert sich immer köstlich) Wenn ich vier Ohren hätte, könnte ich länger schlafen.
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