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Hier geht es um das alles, was den Rocker / Metaller / Goth so bewegt.
von Siebi » Mittwoch 22. Juni 2016, 10:20
Thema Authentizität und wie Musiker heute Geld verdienen aus dem neuen RH. Als Bsp. die BTB-Sängerin, die Veranstaltungsmanagerin studiert. Sie würde auch Schlager oder Techno machen. Jedoch gibt es derzeit im Metal Geld zu verdienen. Generell sind die Antworten der Musiker in dem Special teilweise erschreckend, wie "toll" das Musikgeschäft läuft, um Genosse Flossensauger sinngemäß zu ziteieren. Genau das, was mir ein Spezl von Koch Media seit Jahren bestätigt, nicht nur im Music business. 
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Siebi
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von Eike » Mittwoch 22. Juni 2016, 10:47
Klar, Metal und Hip-Hop sind die Bereiche, in denen Fanatiker am tiefsten in die Tasche greifen, um übertriebene Box-Sets und anderen Merch, der mit der Musik nur am Rande zu tun hat (von Wein bis Sneakers, und das ist bloß die Spitze des Eisbergs...) Monate vor VÖ blind vorzubestellen. Ein Geschäftsmann wäre doch saublöd, nicht genau da einzusteigen, wo man den Leuten einfach ALLES andrehen kann. Der traditionelle, ehemalige "Pop"-Sektor hingegen ist quasi tot. Da wird höchstens mal ne Single gedownloadet oder einmal pro Jahr irgendeine " Stimmungshits"-Compilation gekauft.
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Eike
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von salisbury » Mittwoch 22. Juni 2016, 12:08
Ich geh mit den meisten Dingen, die ihr - vor allem Siebi -sagt, konform. Keine Ahnung um was wir uns immer streiten  . Ich empfinde halt das ganze Gelaber um "Authenzität" und "Ehrlichkeit" als große PR-Kampagne, auf die Bands und Presse bereitwillig und völlig unkritisch draufstürzen. Alle Bands bekommen diesen Sticker. Auch Dorian von BLUES PILLS hat mir letztens im Gespräche ne Breitseite von mitgegeben. Klar, offenbar scheint es dem Käufer ein besseres Gefühl zu geben, wenn er vermittelt bekommt, sein hart verdientes Geld für etwas besonderes ehrliches, leidenschaftiches auszugeben. Vielleicht fällt mir das ja deswegen so auf, weil ich selber dieses Gefühl nicht brauche. Ich verlass mich 100 % auf meine Ohren. Aber ich versteh den Siebi mittlerweile so, dass für ihn auch nix anderes wichtig ist: Darum bleib ich weiterhin bei gefällt - misfällt - wurscht. 
Als Bsp. die BTB-Sängerin, die Veranstaltungsmanagerin studiert. Sie würde auch Schlager oder Techno machen. Jedoch gibt es derzeit im Metal Geld zu verdienen.
Für mich stellt das nicht das geringste Problem dar. Sie macht das, wofür sie sich entschieden hat, zumindest nach meiner Beurteilung, ausgesprochen gut. Sie vermittelt mir das Gefühl, dass sie das, was sie tut, sogar sehr gerne und sehr professionell tut. Sowas begeistert mich. Ich bin froh, dass sie sich für Metal entschieden hat. Ich bin froh, dass man damit offenbar genug Geld verdienen kann. Ich wünsche mir, dass sie noch sehr viel mehr damit verdient! Ich bin immer froh, wenn man gute Leute für das begeistern kann, was einen selbst begeistert. Als Schlagersängerin wär sie mir nicht aufgefallen. Das wäre schade. Dumm, dass ich mir für meinen Flug heute ein DEAF FOREVER-Heft und kein ROCK HARD gekauft habe. 
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von Siebi » Mittwoch 22. Juni 2016, 13:24
Werten will ich die Aussage der Dame nicht, es ist ihr Ding. Wenn sie als Künstler mit gewisser Musik Geld verdient, warum nicht, solange sie dahinter stehen kann. Ich höre bzw. kaufe kein BtB-Produkt, weil es nicht meine Musik ist, kratzt mich nicht. Die "Ehrlichkeits"-Diskussion will ich nicht mehr führen, denn da halte ich viele Künstler für fragwürdig, vor allem einige meiner Lieblinge. Warum? Die jucken mich. Was mich nicht juckt, ja mei, mach zu.
Zum Geschäft, was Eike anführt. Natürlich wird ein Angestellter einer Plattenfirma oder Promo-Agentur darauf bedacht sein, dass Produkt Musik bestmöglichst zu verkaufen. Ist legitim, er handlet gemäß seiner Rolle. Springt jemand auf den fahrenden Zug auf, ist auch dies legitim, jeder soll das machen, was er meint. Wessen Brot ich nehm, dessen Lied ich sing, auch in meiner täglchen Arbeit ist dies nicht anders.
Wenn ich mir aber für dumm verkauft vorkomme, werde ich meine Empfindung nach außen tragen, gern auch demjenigen persönlich. Siehe VÖ-Politik mancher Labels in verschiedenen Formaten mit Bonus hier und Malus da. Oder die Rainbow-/MOR-Shows der Fa. Shooter, siehe meine Beiträge im SMB.
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von Eike » Mittwoch 22. Juni 2016, 17:56
Was letztlich zählt für mich:
Ist das Gefühl, das diese Musik in MIR auslöst, in diesem Moment wirklich ehrlich empfunden; oder lasse ich mich bloß gerade davon ablenken und mitreißen, weil irgendwelche Knöpfe auf meiner Gefühlsklaviatur gedrückt werden, die ich irgendwann mal mit diesem Stil verbunden habe, oder weil ich mich da mit dem Kopf in irgendwas reinfühlen WILL, bloß um "es zu verstehen"?
Davon hängt nämlich noch am ehesten ab, ob das was für mich sein könnte, auf das ich vielleicht auch langfristig immer wieder zurückgreifen werde, etwas das mit mir mitwachsen könnte; oder ob ich mir bloß vormache, dass ich da noch reinwachsen werde, weil mir irgendwelche Versatzstücke das suggerieren.
Ich glaube ja, dass das meiste, was irgendwer (ob als Fan oder Kritiker) von Authentizität schreibt (zumindest, ohne mit dem Künstler persönlich vertraut zu sein oder sich über Jahre hinweg durch zig Interviews gewühlt zu haben), ganz einfach die Projektion der eigenen Gefühlswelt und Weltbilder auf den jeweils anderen ist. Ganz einfach, weil da sonst in aller Regel jede andere Grundlage fehlt, wenn aus dem Bauch heraus geurteilt wird "nehme ich XYZ ab" (oder halt auch nicht).
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von Holger Andrae » Mittwoch 22. Juni 2016, 18:43
Um noch mal auf das leidige Thema "Authentizität" zu kommen. Ich glaube, dass wir ollen Käutze einfach mit diesem Heavy Metal aufgewachsen sind, zu einer Zeit, zu der keiner auf die Idee gekommen wäre, ein Band würde dies aus kommerziellen Gedanken anfangen. Naiv und blauäugig natürlich. Ich erinnere mich noch als "Ride The Lightning" erschien und nicht wenige von einem "Ausverkauf" sprachen, weil es nicht mehr die ganze Zeit voll auf die Glocke war. Habe ich damals nicht verstanden, heute könnte ich vielleicht einer dieser Thesenaufsteller sein. Es ist, wie Eike schön gesagt hat, eine Sache des Gefühls. Voivod hat sich andauernd verändert und hat sich für mich trotzdem immer authentisch angefühlt. Wenn ich mitbekomme, dass eine Band ihren Stil zu einem bestimmten Zeitpunkt in eine sich gerade gut verkaufende Stilrichtung verändert, bin ich skeptisch. Es spielen bei mir aber auch andere Dinge mit in so eine Meinungsbildung mit hinein. Auftreten der Musiker, Aussagen in Interviews, pipapo ... Schön für jeden, der die Musik für sich allein gut oder schlecht finden kann, dies gelingt mir nicht immer, ganz einfach, weil mir das Thema zu wichtig ist. Jeder möchte seine Brötchen irgendwi verdienen und wenn man deswegen ein paar Kompromisse eingehen muss, kann ich das verstehen. Ob ich es dann noch kaufen möchte, ist ja meine Entscheidung. Wenn man es mal etwas abstrakter betrachten möchte, könnte man ja sogar sagen, dass jeder, der Musiker wird, um damit erfolgreich zu sein, in dem Moment, in dem er nicht alles dafür tut, nicht mehr authentisch ist. Ah . so fühlen sich blaue Gedanken an.
Wenn ich vier Ohren hätte, könnte ich länger schlafen.
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von Siebi » Mittwoch 22. Juni 2016, 18:47
Gute Beiträge von Eike und Holger, sehe ich ähnlich.
Dazu fällt stets auf, das neue Album ist bei jeder Band das beste und manche Dinge werden später relativiert oder komplett negiert. Habe ich noch nie verstanden. Ein Album ist immer Zeitzeuge einer Entwicklungsstufe einer Band. Heißt das nun, dass der Künstler nur zum jeweils aktuellen Zeitpunkt authentisch agierte?
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von Eike » Mittwoch 22. Juni 2016, 18:59
Authentisch kann man doch immer nur als Mensch in dem jeweiligen Zeitpunkt sein - man könnte auch sagen: Mit sich im Reinen und in Gedanken, Gefühl und Handlung ganz in diesem Moment aufgehend, ohne selbst empfundenen Zwiespalt; wenn nach außen getragene Rolle und Selbstwahrnehmung in eins fallen. Ein Werk der (bildenden) Kunst an sich KANN streng genommen gar nicht authentisch sein - weil es zwar in einem Prozess entstanden ist, während dessen die Kunstschaffende(n) mehr oder weniger authentisch lebend daran gearbeitet hat/haben, danach dann aber eben einfach bloß DA ist. Ich verstehe ja noch, wenn jemand über eine "(als) authentisch(empfunden)e Darbietung" spricht; aber was bitteschön soll denn "ein authentisches Album" sein? Wird damit nicht magisch-esoterisch etwas personifiziert, das es so gar nicht gibt/geben kann?
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von Holger Andrae » Mittwoch 22. Juni 2016, 19:02
Siebi hat geschrieben:Gute Beiträge von Eike und Holger, sehe ich ähnlich.
Dazu fällt stets auf, das neue Album ist bei jeder Band das beste und manche Dinge werden später relativiert oder komplett negiert. Habe ich noch nie verstanden. Ein Album ist immer Zeitzeuge einer Entwicklungsstufe einer Band. Heißt das nun, dass der Künstler nur zum jeweils aktuellen Zeitpunkt authentisch agierte?
Zum Thema "neues Album = bestes Album": Da ist man als fanverbrillter Schreiberling natürlich manchmal auch einfach in einem rosarot verbrähmten Gemütszustand während man privilegiert in das brandheiße Album einer einstmaligen Lieblingsband hinein hören darf. Zum Glück bin ich heuer eher skeptisch und finde viele Sachen erstmal nur "nett", um dann bei längerer Verköstigung festzustellen, dass es doch ganz brauchbar ist.
Wenn ich vier Ohren hätte, könnte ich länger schlafen.
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von Siebi » Mittwoch 22. Juni 2016, 19:12
Holger Andrae hat geschrieben:Siebi hat geschrieben:Gute Beiträge von Eike und Holger, sehe ich ähnlich.
Dazu fällt stets auf, das neue Album ist bei jeder Band das beste und manche Dinge werden später relativiert oder komplett negiert. Habe ich noch nie verstanden. Ein Album ist immer Zeitzeuge einer Entwicklungsstufe einer Band. Heißt das nun, dass der Künstler nur zum jeweils aktuellen Zeitpunkt authentisch agierte?
Zum Thema "neues Album = bestes Album": Da ist man als fanverbrillter Schreiberling natürlich manchmal auch einfach in einem rosarot verbrähmten Gemütszustand während man privilegiert in das brandheiße Album einer einstmaligen Lieblingsband hinein hören darf. Zum Glück bin ich heuer eher skeptisch und finde viele Sachen erstmal nur "nett", um dann bei längerer Verköstigung festzustellen, dass es doch ganz brauchbar ist.
Sagte der Vektorianer und verschwand flugs redux im Terminal. 
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