Eure letzten Live-Erlebnisse

Hier geht es um das alles, was den Rocker / Metaller / Goth so bewegt.

Re: Eure letzten Live-Erlebnisse

Beitragvon Rüdiger Stehle » Samstag 2. April 2016, 21:47

Thommy, nachdem wir uns ja telefonisch mehrfach verpasst hatten: Ich konnte nicht mit, weil ich gestern Rundenwettkampf hatte. Freitag ist der denkbar schlechteste Tag für Konzerte für mich. Vielleicht geh ich dann nach Augsburg.
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Re: Eure letzten Live-Erlebnisse

Beitragvon Permafrost » Dienstag 5. April 2016, 11:26

IRON FORCE FESTIVAL

Nachdem Frozen und mir das Immortal Sphere abhanden kommen ist, unser jährliches Alpenkulissefestival in einer Turnhalle, hat er mich auf die Erstausgabe des Iron Force Festival in Stans aufmerksam gemacht. Vor nicht minder beindruckenden Alpen in einem kleinen Lokal mit 2 meiner Lieblingsbands, versprach es ein würdiger Nachfolger zu werden.

AXXELERATOR
Kam natürlich ein wenig zu spät, wegen Stau auf der Autobahn. Axxelerator kommen aus der Nähe von Luzern, also gleich um die Ecke, und spielen Thrash. Die Band erschien mir ein wenig unerfahren oder bewegte sich einfach nicht gerne auf der Bühne. Überraschend viele Leute waren um 15:00 schon vor der Bühne im Lokal (der Senkel). Was mir schon auffiel, war dass die Soundqualität nicht umwerfend war, den Sänger verstand/hörte ich praktisch nie. Der gespielte Thrash war ein wenig langweilig, vielleicht zu langsam, wenig schnelle Passagen, eher schon atmosphärisch mit langen Zeiten ohne Text? Hat mich nicht so umgehauen, aber das Bandlogo auf der Flagge sah Tiptop aus. :dafuer:

LIQUID STEEL
Aus Innsbruck kommend spielte diese Band mit total Gegenteiliger Bühnenperformance im Vergleich zu Axxelerator mehr als anständigen Heavy Metal. Ihre Schweizer Konzertpremiere ist sicherlich gelungen und die Band hat sich durchgehend gefreut hier spielen zu dürfen. Soundqualität war hier schon besser, der Sänger war mir ein wenig zu abwechslungsreich mit seinem Singsang aber ansonsten hat mich die Band recht beindruckt. Hier und da etwas verbessern und die werden noch zu einem Supergeheimtipp. :dafuer: :dafuer:

COMANIAC
Jaja, Frozen findet die ja so super. Am Samstag zum letzten Mal mit dem aktuellen Gitarrist und Drummer. Daher mit extra viel Emotionen und Power auf der Bühne. So muss eine Bühnenperformance aussehen. Da wird gebrüllt da werden Fäuste geballt und Grimassen gerissen. Passend dazu energievollen Thrash, der mir aber nicht so gut gefällt wie dem Herr Frozen. Top Leistung aber. Mittlerweile war die Halle auch voll! :dafuer: :dafuer:

BLACK DIAMONDS
Hard Rock aus der Schweiz. Dachte zuerst warum diese Band hier spielt, aber mir wurde schnell klar, dass es sehr viele Supporter in der Menge hatte und alle einen Riesenspass hatten. Sehr gut gespielter Hard Rock muss ich sagen, da ich sonst meisten gar nicht hinhöre.^^ Einen Teil des Auftrittes habe ich aber verpasst, da ich das Auto umparkieren musste. :dafuer: :dafuer:

SIN STARLETT
Mein erstes Highlight des Tages. Die Band hats einfach voll drauf. Der Obelixhosentragende Sänger kann singen, und wie. Er sieht zwar total verhängt aus auf der Bühne aber seine Liveperformance übertrifft die auf dem Album um einiges. Hier wird mitgesungen und mitsoliert im Publikum. Alle Bandmitglieder (bis auf den Bassisten der immer ein wenig apathisch wirkt beim Spielen, vorher und nacher aber nicht) waren voll dabei und spielten sich in einen Rausch. Jedes Konzert von Sin Starlett ist ein Genuss, klasse Performance. Freue mich schon auf die offizielle Albumreleaseparty am 7. Mai. :dafuer: :dafuer: :dafuer:

HAIRDRYER
Auch diese Band hat trotz 80s Rock die Leute total mitgerissen. Das war eine Riesenparty. Schneidende Synths vom Keyboard, Riesenföhn auf der Bühne, der Papier und Rauch schiesst. Topmotivierte Bandmitglieder. Hat mich total begeistert und die Musik höre ich mir jetzt immer noch an. Manchmal braucht es anscheinend als Erstberührung einen Liveauftritt, ansonsten hätte ich mir das vermutlich nie angehört. Da sich der Zeitplan aber schon von Beginn an verzögert hatte, dachten die Organisatoren man könne der Band einige Minuten abzwicken und einen Song weniger spielen lassen. Das Publikum entschied aber lautstark dagegen. Der Lichttechniker hat daraufhin die Lichter abgeschalten und man musste im dunklen Spielen, zum Glück leben wir nun im Zeitalter der Smartphones und die Leute haben mit ihren Handytaschenlampen die Bühne beleuchtet. Der Soundtechniker unterstütze die Band und hat das Mischpult trotz Securityleute bis zum Ende des Songs verteidigt und wurde dann aber abgefühhrt und nach draussen eskortiert. Schade, dass dies passiert ist. :dafuer: :dafuer: :dafuer:

DUST BOLT
Ja bist du blöde, die hauen mich kaputt. Meine zweites Highlight des Abends aus Deutschland angereist. Das erste Mal auf der Bühne seit dem Studioaufenthalt. Natürlich 30min Verzögerung, weil es diverse technische Probleme gab (mit dem alten Soundtechniker wäre das sicher nicht passiert, höhö). Obwohl die Verzögerung für die Band nervig war, hat man dann nach Beginn der Stampf und Trampelshow nichts mehr davon gespürt. Unglaublich viel Energie und Power in der Performance, da wurde man gleich mitgerissen. So richtig in die Fresse Thrash war was. Die ersten Moshpits und circlepits mit dem Gitarristen in der Mitte enstanden. Live hören sich die Lieder aber ein wenig allzu ähnlich an, liegt vielleicht an der Soundqualität in diesem Schuppen. Aber der Auftritt war top, ich war begeistert und sehe mir die liebend gerne wieder an. :dafuer: :dafuer: :dafuer:

EVIL INVADERS und FINAL CRUSADE habe ich nicht mehr angesehen, da ich nach Dust Bolt ging. Von der Musik her hätte mir Evil Invaders aber sicher noch gefallen mit ihrem Tempo, dem hohen Sänger. Final Crusade muss ich mir noch anhören.

Die Organisation abseits vom Bühnengeschehen war eigentlich tadellos. Essen und Trinken war wie zu erwarten an einem Konzert, nicht wirklich Gourmet aber essbar und bezahlbar. Die Stände schienen auch relativ gut besucht und die Bands waren immer unter den Leuten zu finden.

Fazit: Gelungene Premiere des IRON FORCE Festivals. Werde sicher wieder gehen, wenn das Lineup stimmt und ich Zeit habe. Für einen Eintrittspreis von 29CHF (35CHF Abendkasse) kann und darf man da gar nicht reklamieren. Danke an Frozen für die Einladung!! :grins: :dafuer:
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Re: Eure letzten Live-Erlebnisse

Beitragvon Frozen » Donnerstag 7. April 2016, 11:14

Permafrost hat geschrieben:SIN STARLETT
Mein erstes Highlight des Tages. Die Band hats einfach voll drauf. Der Obelixhosentragende Sänger kann singen, und wie. Er sieht zwar total verhängt aus auf der Bühne aber seine Liveperformance übertrifft die auf dem Album um einiges. Hier wird mitgesungen und mitsoliert im Publikum. Alle Bandmitglieder (bis auf den Bassisten der immer ein wenig apathisch wirkt beim Spielen, vorher und nacher aber nicht) waren voll dabei und spielten sich in einen Rausch. Jedes Konzert von Sin Starlett ist ein Genuss, klasse Performance. Freue mich schon auf die offizielle Albumreleaseparty am 7. Mai. :dafuer: :dafuer: :dafuer:


This! Also ganz besonders This, aber auch sonst bin ich mit der Zusammenfassung absolut einverstanden.

Bei AXXELERATOR war das Songwriting etwas monoton, zu oft wurden einfach nur achtel und sechzehntel geschrammelt, das reicht halt einfach nicht. Aber die Jungs sind eben auch noch jung.

LIQUID STEEL sind natürlich genau mein Stil, eigentlich. Auch hier sicher noch Potential nach oben, die eine Gitarre und der Sänger waren nur schwer zu hören, einmal haben sie eine Gitarrenharmonie nicht ganz so harmonisch gespielt, was mir doch ein kleines Grinsen abverlangte, aber es war schon ein überzeugender Auftritt. Versimpelt gesagt: Eine hiesige Band der Sorte Skull Fist.

COMANIAC mag ich sehr, nicht nur weil ich einige der Mitglieder gut kenne. So war es auch schön, Doom nochmal auf der Bühne zu sehen, war sein letztes Konzert an der Axt. Aber das passt. Später dieses Jahr soll, mit neuem Lineup und unvergleichlicher Energie, ein neues Album eingespielt werden. Hält es die Qualität der ersten Scheibe dürften Comaniac bald schon auf internationalen Festivals der Marke Iron Force weit oben im Billing stehen. Und inzwischen stimmt auch die Soundqualität.

BLACK DIAMONDS klingen so richtig schön nach 70er, ich habe sie erst kurz vorher gesehen, ich würde sagen, im besseren Soundgewand als hier. Ich werde wohl kein Hardcore Fan werden, aber als Auflockerung eines solchen Festes... Kann man sich geben.

Und SIN STARLETT waren für mich das unanfechtbare Highlight. Allein schon die Soli der mehrheitlich neuen Songs waren es wert, und dabei hätte ich in der Setliste doch andere Songs noch lieber gesehen. Rund 500 Leute, bis zuhinterst mit erhobenen Fäusten und sehr lauten Zugabeforderungen, die nicht drin lagen. Ich seh immer wieder, wie sie an die deutschen Traditionsfeste geschrieben werden. Mit dem sehr starken neuen Album und SOLCHEN Livegigs habe ich keine Zweifel, dass sie auch im Norden ganz gross abräumen werden. Wenn die Veranstalter das jetzt noch bezweifeln, schlafen sie.

Bei HAIR DRYER kann ich mich auch fast komplett anschliessen. Das machte ungemein Laune, die riesige Föhnkanone mit Trockeneis und Konfetti war ein super Touch, und auch hier waren die Zugaberufe mehr als verdient. Den folgenden Knatsch kann ich mir nur damit erklären, dass die Kommunikation im Team nicht ganz stimmte und man am Ende Zeit aufholen wollte, der man von Anfang an rund 10 Minuten hinterherhinkte, genau die 10 Minuten, die Hair Dryer trotz längerem Set erst vergassen zu spielen und dann als Zugabe spielen wollten. Ich sage immer, an Festivals muss man nach hinten offen planen, und die Bands bleiben auf der Bühne, so lange das Publikum und die Band noch wollen. Ich hasse geplante Zugaben und will selbst beim Opener nach einem überzeugenden Gig noch einen draufgesetzt sehen. Dass da heutzutage aber auch immer alles schon durchgeplant ist, egal wie es dann kommt, kackt mich etwas an. Aber: Scheinbar wurde das Ganze dann am selben Abend noch beigelegt und es gibt kein böses Blut zwischen den Parteien.

DUST BOLT kündigten gross an, die Halle niederreissen zu wollen, und nichts anderes haben sie geliefert. Ich stimme erneut zu, live sind die Songs weniger abwechslungsreich als auf der Scheibe, aber die Haare flogen trotzdem wie wild durch die Gegend. So geht Livethrash. Ich wusste allerdings schon, warum ich nur drei Wochen nach meiner OP bei dieser Band schön hinten geblieben bin ^^

Auch ich bin danach gegangen - es ging einfach nicht mehr. Ich nähere mich den 100%, und wäre das Festival dieses Wochenede statt letztes, wäre ich wohl mit dem ÖV gegangen und bis um 5 Uhr morgens geblieben.

Evil Invaders, kann ich mir sehr gut vorstellen, haben nahtlos an Dust Bolt angeschlossen, eine tolle Liveband. Und Final Crusade sind auch ganz geiler, traditioneller Metal, haben auch ein paar schnellere Songs, dürfte Perma durchaus auch gefallen. Sie sind aber wirklich überall anzutreffen, weswegen ich sie nicht IMMER sehen muss.

Es war das erste Iron Force. Die Nische ist bei uns verwaist, wir haben kein KIT, kein HOA, kein Metal Assault. Und immer wieder sagte ich, dass das aufziehbar ist, wenn die Organisatoren Ahnung vom Traditionsuntergrund, national UND international, und eine gute Location haben. Und westlich von Zürich sind. Alles stimmt, und prompt war der Laden sehr, sehr gut gefüllt, und wir reden da schon von etwas der Grössenordnung, wo es sonst Sabaton braucht für einen Ausverkauf. Wir haben nun ein solches Fest. Ich hoffe auf eine zweite Ausgabe, vielleicht dann sogar zweitägig? Für das erste Mal jedenfalls kann ich so gut wie keine Kritik anbringen. Meine drei Daumen gehen nicht an einzelne Bands, sondern an das ganze Festival. Wenn die grösste Kritik das fehlen guten Bieres ist, wo ihnen die Hände gebunden waren, dann war es geil.
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2. VISIGOTH - The Revenant King
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Re: Eure letzten Live-Erlebnisse

Beitragvon Raphael Paebst » Samstag 9. April 2016, 11:13

Gestern war ich mal wieder in Wiesbaden im Schlachthof bei PENTAGRAM und es war, wie immer, sehr unterhaltsam. Herr Liebling erzählte viel, verstanden hat ihn vermutlich niemand, gesanglich war er echt top in Form und die Setlist überraschte mit doch sehr vielen Songs vom letzten Album, man zog sich nicht auf ein reines Best-Of-Programm zurück. Die Vorband MONDO DRAG war leider etwas belanglos und schaffte es nicht, den verorgelten 70er Rock wirklich zwingend auf die Bühne zu bringen. War aber insgesamt ein schöner Abend und PENTAGRAM schau ich mir einfach immer gern an.
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Re: Eure letzten Live-Erlebnisse

Beitragvon Tragic_Idol » Mittwoch 20. April 2016, 17:35

So, letztes Wochenende war ich auf dem Roadburn (war auch der Grund, warum ich nicht zum Konzert vom Blautier kommen konnte, an dieser Stelle nochmal ein fettes Sorry!) und hab auf der langen Rückfahrt das ganze nochmal Revue passieren lassen - vielleicht interessiert es hier ja jemanden:

Mittwoch:

Los gings für mich dieses Jahr schon am Mittwochabend, als im (vollgepackten) Cul De Sac zum traditionellen Roadburn Hardrock Hideout geladen wurde. Dort machten Bang! Den Anfang, welche hier auch gleichzeitig ihre allererste Show in Europa überhaupt spielten, über 40 Jahre nach der Bandgründung. Und die betagten Herren hatten sichtlich Spaß an der Sache! Die Spielfreude war ansteckend, die lässigen Songs, die den Geist der 70er atmeten, stark - alles in allem also ein Auftakt nach Maß!

The Skull konnten im Anschluss das hohe Niveau nicht ganz halten, zwar spielte die Gitarrenfraktion gut auf und war ein würdiger Ersatz für das Trouble-Gitarrenduo, jedoch erwischte Sänger Eric Wagner keinen besonders guten Tag, wirkte etwas hüftsteif und alles andere als gut bei Stimme. Auch war es sicher nicht unbedingt vorteilhaft, die "Psalm 9"-Nummern gleich zu Beginn des Sets ("Bastards Will Pay" sogar als Opener!) zu verbraten, danach war meiner Meinung nach etwas die Luft raus.

Nach der leichten Enttäuschung gings aber dann auch gleich mit einer der positiven Überraschungen des Festivals weiter: Jucifer. Das Duo produzierte absolut kompromisslose Noise-Wände, in die sich gelegentlich ein doomiges Riff verirrte, die "Sängerin" und Gitarristin gab richtig hässliche Laute von sich und der Drummer ist stellenweise regelrecht an seinem Drumkit ausgerastet. Definitiv nicht Musik für Jedermann, mich hats aber voll mitgerissen.

Donnerstag:

Der Donnerstag startete für mich dann gleich mit einem großen Namen: Cult Of Luna, welche "Somewhere Along The Highway" in voller Länge spielten. Dementsprechend war auch der Zuspruch der Zuschauer riesig und das 013 schon um 15:30 Uhr gut gefüllt. Und was sollte eigentlich schon schief gehen? Genau, nichts. In der Live-Darbietung wirkte das Album intensiver als auf Platte, so dass schon nach "Marching To The Heartbeats" und "Finland" die Gänsehaut meterdick war. Auch der Einsatz der Bühnenbeleuchtung hat (wie von der Band gewohnt) perfekt gepasst und Ansagen hätten hier sowieso nicht gepasst. Ein Opener mit Headliner-Geschmack.

Nach dieser Machtdemonstration gings zum ersten Mal ins Extase, einer weiteren Bar in Tilburg, welche etwas größer als das Cul De Sac ist, ebenfalls nur wenige Gehminuten vom 013 entfernt liegt und dieses Jahr die Stage01 ersetzt. Dort warteten Hangman's Chair auf mich, deren melancholisches Doom/Stoner-Gemisch hierzulande leider immernoch nur ein Geheimtipp ist. Zu Unrecht, denn das letzte Album "This Is Not Meant To Be Positive" kann verdammt viel. Auf diesem lag auch der Schwerpunkt der Setlist des Roadburn-Auftrittes, bei dem allerdings die Vocals erstmal im Mix etwas untergingen, so dass Zuschauer, die mit der Musik weniger vertraut waren, die Genialität hinter Gesangslinien wie in "Dripping Low" wohl nur erahnen konnten. Später wurde dies allerdings besser und die Leidenschaft der Band hat den Makel eh wieder wett gemacht.

Hexvessel auf der Main Stage konnte ich danach leider nur zur Hälfte sehen, es stand nämlich kurz danach schon zeitiges Positionieren für Oranssi Pazuzu im Het Patronaat auf dem Plan. Die Eindrücke: Nummern wie "Earth Over Us" oder "Transparent Eyeball" wirken live noch positiver und den kleinen Stilbruch, den die Band mit der letzten Platte vollzogen hat, merkt man live kaum, da das ältere Material dann rocklastiger wirkt. Hätte gerne mehr davon gesehen!

Aber die Aussicht darauf, Nummern von "Värähtejiä", meinem bisherigen Album des Jahres, live zu erleben war zu verlockend. Es hat sich gelohnt, wenn ich mich recht erinnere, gabs sogar nur Songs der Neuen zu hören. Um noch besser in der Musik abtauchen zu können (und weil man von meinem Platz im proppenvollen Patronaat nicht viel von der Stage sehen konnte) waren meine Augen meist geschlossen und das schwarze Loch hat mich regelrecht vereinnahmt. Erst der Blick auf die Uhr riss mich heraus, Converge waren in ein paar Minuten mit dem "Jane Doe"-Set an der Reihe, bei der ich das brutale Eröffnungsduo "Concubine/Fault And Fracture" auf keinen Fall verpassen wollte!

Als ich vor der Main Stage angelangt bin, wurde auch schon das ikonische Albumcover auf der Leinwand eingeblendet und Jacob Bannon eröffnete mit einem "Okay Roadburn, let's do this" die Darbietung eines der härtesten, chaotischten und intensivsten Alben überhaupt. Pausen zwischen den Songs musste man ihm wohl zugestehen, bei dem krassen Laufpensum, was der an den Tag gelegt hat. Bewegung gabs auch vor der Bühne reichlich, in den vorderen Reihen taten sich gar Pits auf (beim Roadburn eher eine Seltenheit, es sollte dieses Jahr allerdings nicht das letzte Mal sein). Bei den letzten vier Songs kam noch Cave Ins Stephen Brodsky dazu und spätestens beim Titeltrack war bei mir alles aus. Geil.

Zwischen Converge und Paradise Lost gings noch auf einen Abstecher zu The Body in den Green Room rüber, deren Musik Jucifer in Punkto Hässlichkeit Konkurrenz machte.

Bei Paradise Lost kann ich einfach nicht so recht objektiv bleiben - zu wichtig war die Band für die bisherige Entwicklung meines Musikgeschmacks. Allerdings, der Ruf als schwächere Liveband kommt nicht von irgendwo her und auch ich habe schon einen schwächeren Gig erlebt. Zum Glück war das heute anders! Trotz des Unterkühlten, was man bei der Band ja schon gewohnt ist, merkte man, dass die Herren richtig Bock auf die alten Kamellen hatten und ich, als jemand der die "Gothic" abgöttisch liebt, habe jede Sekunde der ersten Hälfte genossen. Die zweite Hälfte fiel leicht ab, gegen "Gothic" komplett kann das "Alltägliche" einfach nicht ganz mithalten. Die einzige Überraschung war "Pity The Sadness", vom Debüt gabs nichts zu hören.

Zum Ausklang des Donnerstags gabs dann noch Black Mountain, welche mit ihrem Psych-Rock aber nicht über ein "ganz nett" hinauskamen.

Freitag:

Eigentlich wollte ich mit dem gemeinsamen Auftritt von Hexvessel und Arktau Eos in den Freitag starten, was jedoch flach fällt, da ich mich bei mehreren Bier am Campingplatz verquatsche. Gut, Planänderung, dann gings eben erst mit Diamanda Galás los.

Auf das Konzert war ich ziemlich gespannt, auch wenn ich mich bisher nicht wirklich mit dem Schaffen der Dame auseinandergesetzt habe. Der Beginn war dann auch so sperrig wie erwartet, mit der Zeit hatte ich allerdings das Gefühl, die Musik würde zugänglicher werden und es kristallisierten sich gar herrliche Pianoballaden heraus - natürlich immer mit dem kranken Touch, den ihr Gesangsorgan sicherstellte. Besonders toll: "Let My People Go", welches ja im letzten Jahr von Our Survival Depends On Us so meisterlich gecovert wurde, war eine der beiden Zugaben. Bemerkenswert auch wie ruhig es in der Halle war, was auch von Frau Galás humorvoll honoriert wurde: "You have such great attention spans and I don't even have a drummer!"

Vor dem Patronaat war dir Schlange zu Steve Von Till viel zu lange, also war das nächste Vorhaben nach einer Stärkung Night Viper, doch auch daraus wurde nichts - im Extase reihten sich die Leute schon bis in den Gang. Somit standen Repulsion als nächstes auf der Tagesordnung. An dem recht stumpfen Eiter-DM-Punk-Gemisch hatte ich dann auch meine hellste Freude. Zudem es mit "The Hammer" sogar noch ein Motörhead-Cover gab

Mit With The Dead dagegen musste ich erstmal warm werden, vielleicht lag es an der überraschend zurückhaltenden Livepräsenz der Herren um Kurator Lee Dorrian. Schlussendlich wurde es aber doch noch was mit mir und deren Doom, welcher mich etwas an eine Mischung aus den Cathedral-Alben Nummero eins und drei erinnerte. Untermalt wurde das Geschehen auf der Bühne übrigens recht treffend mit allerhand finsteren Bildern auf der Leinwand.

Gegen das Gezeigte bei G.I.S.M., waren die Friedhöfe und co. bei WTD aber der reinste Kindergarten, ich habe selten so etwas skurriles und hirnrissiges gesehen und mir fehlen immernoch etwas die Worte. Zur Band, die (mit Ausnahme von Vocalist Sakevi) aussah wie eine heruntergekommene Anime-Version von Mötley Crüe hats aber auf eine seltsame Art und Weise gepasst. Aber genug der Äußerlichkeiten, das war nämlich der reinste Abriss! Was zum Beispiel bei "Endless Blockades For The Pussyfooter", "(Tere Their) Syphilitic Vaginas To Pieces" oder "Nih Nightmare" im Publikum abging war unfassbar und die Band präsentierte sich trotz über einem Jahrzehnt ohne Gig sehr gut eingespielt.

Nach G.I.S.M. gings zu Bliksem rüber, einem Tipp den ich von einem Belgier auf dem Campingplatz erhalten habe. Volltreffer! Heavy Metal mit saustarker Frontfrau und sehr abwechslungsreichen Songs, mal speedig-thrashig, mal fast schon doomig. Zum Abschluss gabs ein Janis Joplin-Cover welches in einer kleinen Jamsession mündete.

Von Pentagram kenne ich eigentlich viel zu wenig. Auch live habe ich die Band vorher noch nie erlebt, am Freitag wars das erste Mal. Die Doom-Lehrstunde hat mir sehr getaugt, gerade auch wegen Bobbys irrer Bühnenpräsenz.

Das beste am Freitag kam aber definitiv zum Schluss: die Úlfsmessa! Eine eineinhalbstündige Show, performt von Mitgliedern der Bands Misþyrming, Naðra, Grafir und NYIÞ, welche sich einen Scheiss um Genregrenzen gekümmert haben. Natürlich war Black Metal das Fundament, aber darin wurden unter anderem Post-Punkige Grooves, melancholische Gitarren a la Sólstafir, Ambient-Parts, gegen Mitte hin gar schwerfälliges Industrial-Drumming, sowie der Einsatz einer Trompete verbaut. Wow! Zeitweise mussten da zudem echt zehn oder elf Musiker auf der Bühne gewesen sein. In jeder Hinscht ein denkwürdiger Abschluss des Tages!

Samstag:

Auch am Samstag bin ich später in den Tag gestartet als geplant, aber seis drum. Um 16:20 standen Chaos Echoes auf dem Plan und ich konnte noch einen Platz im hinteren Extase-Bereich ergattern. Um mich herum waren die Leute allerdings etwas sehr gesprächig, was dem Death Metal, der um Psychedelic Rock und Ambient angereichert wurde und der dadurch fast schon eine introspektive Note erhielt, nicht besonders gut getan hat. Der Band kann man aber nichts vorwerfen, die lieferten einen guten, atmosphärischen Gig ab. Seltsamerweise musste ich machmal an eine todesmetallisierte Version neuerer Sólstafir denken.

Bevor es dann an die ganz dicken Festival-Highlights ging, noch ein kurzer Abstecher zu Astrosoniq im Green Room, welche jammige, Krautrock-beeinflusste Musik spielten und deren Sänger wohl mit riesiger Sonnenbrille und hochgekrempeltem weißen Hemd outfittechnisch zu den Exoten zählte.

Dann war mit Tau Cross wohl eine der Bands an der Reihe, auf die ich mich am stärksten gefreut habe. Soviel mal vorweg – die Erwartungen wurden keineswegs enttäuscht. Zu Beginn allerdings sorgte die Band durchaus für Verwirrung. Rob „The Baron“ Miller betrat zu „Fire In The Sky“ komplett vermummt und maskiert die Bühne und verharrte erstmal den kompletten Song stoisch in dieser Position. Die Frage, ob das jetzt so weiter laufen würde, wurde aber dann schnell mit einem klaren „Nein“ beantwortet, der ehemalige Amebix-Fronter legte die Verkleidung ab und präsentierte sich sogar ziemlich aktiv auf der Bühne. Ab da war es dann ein einziger Triumphzug, sogar die wenigen unspektakuläre Songs wie „The Lie“ wuchsen auf Überlebensgröße an und „Hangman's Hyll“, „We Control The Fear“ oder „Lazarus“ gehören sowieso zum Besten was letztes Jahr auf CD gebannt wurde. Unglaublich und als zusätzliches Schmankerl meinte ich sogar noch zwei unveröffentlichte Songs gehört zu haben, die herrlich zum Material des Debütalbums passten.

Nach einer kurzen Lektion, die mir demonstrierte, wie sehr ich dieses Misthyrming-Album eigentlich doch brauche, dann Converge mit der „Blood Moon“-Show. Wie angekündigt, wurde der Fokus auf die langsameren, fast schon doomigeren Nummer der Band gelegt, was perfekt funktionierte. Besonders ab der Mitte des Sets reihe sich dann für mich Highlight an Highlight, mit „Coral Blue“ mein Lieblingssong der „All We Love...“, ein sensationelles Cover von The Cures „Disintegration“, „Cruel Bloom“ mit Steve Von Till und Chelsea Wolfe, sowie „Wreched World“, bei dem Frau Wolfe dann komplett die Vocals übernahm.

Amenra gingen sogar noch einen Schritt weiter als Converge, und lieferten am Samstag dann einen Akustik-Gig ab, instrumental komplett stripped-down und auf der Bühne im Kreis zueinander gewandt sitzend. Sehr bedrückende Angelegenheit, die mich aber definitiv berührt hat. In einer kleineren Location wäre das vielleicht noch intensiver geworden, allerdings hätte man das ob des großen Zuschauerzuspruchs definitiv nicht bringen können. Besonderes Highlight: ein stockfinsteres Cover von Tools „Parabol“.

Ja und dann, dann folgte die Band, welche ich schon in den Wochen vor dem Roadburn kaum mehr erwarten konnte, nämlich Neurosis – für mich das erste mal überhaupt, dass ich sie live erlebe. Ob die extrem hohen Erwartungen am Samstag dann auch erfüllt wurden? Sie wurden um Längen übertroffen. Unfassbar intensiv, laut, mächtig, emotional, zerstörerisch, wobei ich das eigentlich mit Worten nicht beschreiben kann. Dabei war der Anfang des „Through Silver In Blood“-Titeltracks sogar noch etwas größer als der Rest, da Steve Von Till und Scott Kelly Jason Roeder noch mit zusätzlichem Drumming unterstützten. Eines der besten Konzerte die ich bisher erlebt habe!

Sonntag:

Am Sonntag fiel dann für mich auch mit Mirrors For Psychic Warfare der Startschuss. Was zunächst nach einer Ambient-mäßigen Version der ruhigen Neurosis-Momente klang, hat sich dann immer mehr in Richtung tiefe Drones verschoben, was den eigenen Körper ja fast schon zum vibrieren gebracht hat. So wirklich wusste ich nicht wie mir geschiet, fands aber echt klasse.

Zum herunterkommen war der Floyd-beeinflusste Prog/Doom-Metal von Green Carnation dann auf jeden Fall die richtige Wahl, schöne Musik!

„Schön“ waren Blind Idiot God zwar nicht wirklich, aber dafür hatten die eine der geilsten Rhytmussektionen des Festivals. Am Anfang klangs fast noch eher nach frühen Swans, später wurden die Songs immer psychedelischer, man konnte fast schon Reggae und Dub-Rhytmik ausmachen. Einzigartig! In der Umbaupause davor liefen übrigens The Angelic Process, großes Lob , wer auch immer dafür verantwortlich war.

Mit Jakob und Ectstatic Vision, die ich in Auszügen erlebt habe, gabs dann nochmal leichtere Kost, bevor mit Amenra (diesmal mit E-Gitarren) ein besondes harter Brocken auf dem Programm stand. Komplett erdrückend und mit gigantischem Backdrop ausgestattet, ich war zufrieden.

Zu Neurosis kann ich eigentlich an diesem Punkt wieder das gleiche schreiben, wie auch schon zu deren Auftritt am Vortag – diesmal haben mir der Einstieg mit „To Crawl Under One's Skin“ und „Locust Star“, sowie das Ende mit „The Doorway“ am besten gefallen. Ein besseres Ende kann es für so ein Festival nicht geben, für mich war nämlich nach Neurosis dann auch schon Schluss. Der Zug fuhr schon früh morgens ab und ich war mit den Kräften ziemlich am Ende. Schade um Death Alley, nach den euphorischen Berichten über deren ersten Auftritt am Roadburn-Wochenende hätte ich die gerne noch erlebt, ich hoffe da wird bald anderweitig die Chance kommen.

Der Entschluss ist auf jeden Fall da: Ich will nächstes Jahr wieder aufs Roadburn. Hoffe nur, dass das Geld mitspielt, da hab ich noch etwas Sorgen.
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Re: Eure letzten Live-Erlebnisse

Beitragvon Rüdiger Stehle » Freitag 22. April 2016, 13:52

Mir deucht du hättest die beste Band des Festivals verpasst...
:-(
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Re: Eure letzten Live-Erlebnisse

Beitragvon Schaf » Freitag 22. April 2016, 14:01

Da musst du dich verlesen haben. Er hat doch Neurosis, Cult of Luna, Converge und Diamanda Galás gesehen.
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Re: Eure letzten Live-Erlebnisse

Beitragvon Rüdiger Stehle » Freitag 22. April 2016, 14:40

Ja, Neurosis hab ich auch schon mal gehört, aber nein, ich hab nicht verlesen, denn Kenn Nardi ist nicht erwähnt, und der war zumindest letzten Freitag in Feldkirch hammergut.
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Re: Eure letzten Live-Erlebnisse

Beitragvon Tragic_Idol » Freitag 22. April 2016, 14:45

Kenn Nardi hat sich leider mit einem der beiden Neurosis-Sets überschnitten. Ich bin nächste Woche beim KIT, von daher war das für mich kein großer Gewissenskonflikt, auch wenn ich "Screams And Whispers" von Anacrusis innigst liebe. ;-)
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Re: Eure letzten Live-Erlebnisse

Beitragvon Holger Andrae » Freitag 22. April 2016, 20:22

Rüdiger Stehle hat geschrieben:Mir deucht du hättest die beste Band des Festivals verpasst...
:-(

Da deuche ich mit.
Vor allem, weil die Setlist am Roadburn ungleich der am KIT sein wird.
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