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von Rüdiger Stehle » Montag 23. Juni 2014, 01:18
... ja, so nennt mein Wichtel das Oeuvre meines Samplers, der in ein in Grautönen gehaltenes Aquarell-Artwork gehüllt ist, das eine Hütte im Wald zeigt. Der Wichtel hofft, dass mich die kargen und trostlosen Klangwelten nicht zu sehr langweilen mögen, und dass sich vielleicht sogar eine Band finden möge, die er mir näher bringen kann. Nun, ich bin mir zwar ziemlich sicher, dass das gelingen wird, doch warten wir mal ab. Karg und trostlos klingt für den Black Metaller in mir ja schon mal nicht verkehrt, und auch das Intro... ja, das Intro verheißt Gutes...
1. ??? - 'The Highland Widow's Lament' - 1'59" Möwengeschrei, Brandung und ein tuckernder Motor leiten einen Shanty ein. Gesungen in Scots, begleitet von flächig agierender Pipe. "Without a penny in my purse to buy a meal for me..." lässt auf das schottische Traditional 'The Highland Widow's Lament' schließen. Die Sängerin kenne ich natürlich nicht. Toll gesungen, tolles Lied, tolle Atmosphäre. Super!
2. ??? - 'Nine Forgotten Names' - 8'30" Und hier ist dann aber Schluss mit Romantik. Es regiert sofort aus dem Stand heraus der schwarze Stahl. Zunächst erdrückend, brachial. Nach dem Intro wirkt es direkt wie eine Attacke von ENDSTILLE oder MARDUK, doch diese Kollegen sind es meines Erachtens nicht, die hier über uns herein brechen. Das erste Hauptriff ist stoisch. Nach anderthalb Minuten gibt es das erste merkliche Break, dann wird der Song groovig und strukturierter. Der Gesang bis dato leider nicht wirklich verständlich, so dass ich noch keine Idee habe, wer hier werkeln dürft. Dann wird's ab ca. 2:30 episch, schleppend. Doch, das gefällt. Bei 3:45 dann Spoken Word, mehr oder weniger, beschwörend, dräuend, mantrisch, hypnotisch. Sehr guter Song, der wohl, wenn ich es richtig verstanden habe, 'Nine Forgotten Names' heißt. Die Band kenne ich nicht, da bin ich mir sehr sicher.
3. VHÖL - 'Plastic Shaman' - 5'48" Wir bleiben in Schwarzheimsgard. Etwas old-schooliger und vom Schlagzeug her rumpeliger. Die Gitarre flirrt fein im Tremolo herum. Der Sänger erinnert stark an Nocturno Culto, ist es aber natürlich nicht. Dann setzt zum Refrain eine Sängerin ein, die mir ebenfalls bekannt vorkommt. Wir haben hier sehr viel Black Metal im Mix, aber auch klassisch-metallische Versatzstücke und ein wenig abgedrehten Punk. Wäre definitiv etwas für Meister Fenriz, und irgendwann, irgendwie klickt es dann, und der Rezensent erinnert sich beim Lead um ca. 4'00" herum, daran, welche abgedrehten Kalifornianer auch mal ein BM-Projekt an den Start brachten, nachdem schon die Stammbands UNHOLY CADAVER und HAMMERS OF MISFORTUNE schon in der Frühzeit durchaus BM-Roots hatten. Der Song heißt 'Plastic Shaman' und ist von VHÖL, was ich dann eben über Metal Archives heraus gefunden habe. Hatte ich bisher nicht auf dem Schirm, und das werde ich mir dann wohl angeln müssen.
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von Rüdiger Stehle » Montag 23. Juni 2014, 01:20
Ach ja, keltischer Folk, blacker Stahl, Schrägies aus Hippieland, da tippe ich vorläufig mal auf den Zeremonienmeister Graf Zahl als Wichtelgeist. Wird anhand der weiteren Stücke überprüft werden. Demnächst mehr!
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von Eike » Montag 23. Juni 2014, 01:56
Liest sich ganz so, als habest Du damit Recht, Rabe! Ich würde hier auch auf Graf Zahl setzen.
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von 123_7 » Montag 23. Juni 2014, 22:09
Seit wann hab ich ne Affinität für keltischen Folk?
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von salisbury » Montag 23. Juni 2014, 22:13
Ich hatte glaub auch VHÖL auf meinem letzten Wichtelsampler. An diesen schrägen Namen eriner ich mich, an die Mucke nu weniger. Ausser dass sie schräg und karg war. Graf, Du bist entlarft!
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von Rüdiger Stehle » Montag 23. Juni 2014, 22:15
123_7 hat geschrieben:Seit wann hab ich ne Affinität für keltischen Folk?
Nun ja, also jetzt vielleicht nicht für Fiddle-a-doo-Folk, aber schon für folkloristische Melancholie und Mystik, oder nicht?
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von 123_7 » Montag 23. Juni 2014, 22:37
salisbury hat geschrieben:Ich hatte glaub auch VHÖL auf meinem letzten Wichtelsampler. An diesen schrägen Namen eriner ich mich, an die Mucke nu weniger. Ausser dass sie schräg und karg war. Graf, Du bist entlarft!
Thunderlaan mag die auch! Rüdiger Stehle hat geschrieben:123_7 hat geschrieben:Seit wann hab ich ne Affinität für keltischen Folk?
Nun ja, also jetzt vielleicht nicht für Fiddle-a-doo-Folk, aber schon für folkloristische Melancholie und Mystik, oder nicht?
Das sehr wohl. Wobei ich das irgendwie nie konkret mit keltischem Folk assoziiert habe. Aber vermutlich gibt es davon viele Facetten und auch durchaus eine, die diesem Verständnis nahe kommt.
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von Rüdiger Stehle » Dienstag 24. Juni 2014, 01:14
Nun, mir deucht, als habe der Wichtelmeister ganz bewusst Songs gesucht, die ich nicht erkennen werde. Das tröstet mich ungemein, denn mit dem Erkennen habe ich gerade echte Schwierigkeiten.
4. ??? - '???' - 6'44" Wieder Black Metal, den ich ein Stückchen weit in der HELHEIM-Schiene so irgendwo zwischen "Yersinia Pestis" und "Kaoskult" verorten würde. Flächige Gitarrenarrangements, sehr präsenter, schneidender und druckvoller Gitarrensound. Den Gesang verstehe ich leider kaum bis gar nicht, so dass ich nur schwer einen Anhalt finde. Man hört vor allem bei ca. 3'30" herum auch einen sehr feinen Bass. Danach folgt eine Atmosphären-Passage mit lange ausklingenden Akkorden, und ein wenig Spiel am Jammerhaken. Dann fallen die heftigen Gitarren fast Dropdown-artig ein, wildes Gescreame dazu. Sehr wuchtig, das alles! Dann ein Ausklang mit blechern scheppernder Perkussion.
5. ??? - '???' - 8'17" Aha, jetzt kommt der Stilwechsel. Schon das Klangbild macht klar, dass jetzt Doom kommt. Der findet sich irgendwo im Dreieck zwischen Maryland, Solstice und Trouble. Episch und elegisch, aber nicht allzu true-metallisch, jedoch durchaus auch kompatibel für die True-Doom-Fraktion. Der Sänger ist eher hoch und spitz. Jo, der würde hervorragend zu Solstice passen. Am Ende singt er "No more time, no more breath" - Kenne ich nicht; mag ich aber und das passt auf jeden Fall ins Beuteschema, auch wenn ich die letzten Monate eher nicht ganz so doomig unterwegs bin, wie ich es schon mal war. Das Riff ab ca. 4:15 ist der Hammer. Tolle Akkordfolge!
6. VIRUS - 'The Black Flux' - 6'28" Wieder Doom, dieses Mal aber in einem moderneren Klangbild mit massiveren Gitarren, klarerer Produktion, stoischerem, kälterem Rhythmus. Der lange instrumentale Anfang lässt auch eine gewisse Postrock-Note aufkeimen. Ab der zweiten Minute wird's dann etwas lebhafter, der Bass spielt recht groovend, das Stück wird sehr rhythmisch, die Klanglandschaften bewegen sich in voivodische Dimensionen. Hier würde ich dann nimmer von Doom sprechen. Ab ca. 2'40" kommt dann endlich Gesang dazu - ich hatte schon Angst, dass keiner mehr käme. Mittlere Tonlage, mehr gesprochen als gesungen. Aber klar und charismatisch. Nicht zu viele Worte... Den Sänger kenne ich, verdammt... die Soundscape-Gitarren, das zurückhaltend verfrickelte. Jau, ich weiß es, ich weiß es... VED BUENS ENDE, aber die sind's natürlich nicht. Okay, gut, Carl-Michael Eide ist ja jetzt (also schon seit 14 Jahren, was?) bei einer Band namens VIRUS, und die werkelt hier. Habe ich bisher nicht auf dem Schirm gehabt, aber ja, das ist wirklich gut. Wird vorgemerkt.
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von Rüdiger Stehle » Dienstag 24. Juni 2014, 01:38
7. ??? - '???' - 6'04" Der Song ist dreieinhalb Minuten lang ein A-Gitarren-Instrumental, bis dann ein folkig-metallischer Einschlag dazu kommt. Pagan Metal könnte man es nennen. Aber eher die klischeefreie Variante davon. Der Sänger keift, die Gitarren glänzen mit melodischen Leads.Ich fühle mich ein wenig an die verträumteren Sachen von Suidakra, sowie an die weniger schunkeligen Sachen von Waylander erinnert. Aber ich habe keine Ahnung, mit wem wir es zu tun haben. Das Stück klingt wieder akustisch gezupft aus. Schöner Song.
8. ??? - '???' - 8'46" Hier begegnen wir erst einmal längere Zeit reduzierten Sphärenklängen und warten auf Hawkwind oder deren ex-Astronaut Nik Turner. Fiep, Waber, Swoooooshh... Nach anderthalb Minuten kommt durch eine Art Pulsieren so etwas wie Dynamik auf. Ab zwei Minuten dann eine Gitarre mit massigen, wuchtigen Akkorden, die lang ausklingen, dazu eine Art Spieluhr. Perkussion mit einzelnen, massiven Schlägen tritt hinzu, bevor wir wieder ins Spacige geraten. Eine flüsternde Stimme regt sich gegen 3:00 und erzählt uns: "A glow rises from the darkness Like the first light of dawn Breaking through the veil of night" - Sehr Trance-artig, erinnert das Ganze von der Stimmung her ein wenig an TIAMAT, aber auch Einflüsse aus Black Metal, Doom und Ambient sind spürbar. Die Band kenne ich einmal mehr - natürlich - nicht, aber das gefällt mir in der Tat sehr sehr gut!
9. ??? - '???' - 7'34" Einmal mehr werden wir akustisch eingeführt. Ein Saiteninstrument klingt, wieder bewegen wir uns in keltisch oder angelsächsisch folkigem Gewässer: "there lived a lady by the north sea shore" - Der Akzent klingt dieses Mal eher Englisch als Schottisch (wie beim Opener). Finde ich toll, aber ich kenne den Interpreten nicht. Sehr melancholisch, und doch erhaben, von der Stimmung her nicht unähnlich dem "Lied der Zwerge" aus dem Hobbit oder "Rains of Castamere" aus Game Of Thrones. Ganz tolles Stück!
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von Rüdiger Stehle » Dienstag 24. Juni 2014, 01:41
So, nach alledem bleibe ich dabei, dass der Wichtel eigentlich nur Fabian sein kann. Die Mischung passt einfach perfekt. Es ist vieles dabei, das ein Schürfen unter der Oberfläche erfordert, und das dem Metalinteressieren nicht einfach so von alleine zuspringt. Die Mischung aus Folk, Doom, Black und Ambient - und zwar vieles in der melancholisch-romantischen Spielart - ja, das passt einfach zu Count Count.
Ein sehr schöner Sampler, tolle, berührende Songs, und bestimmt das eine oder andere, was auf die Vormerk- oder Einkaufsliste kommen wird, auch wenn ich immer noch damit hadere, in transmetallischen Bereichen wirklich sammlerisch einzusteigen. Eigentlich will ich das nicht wirklich, aber mal sehen... Gerade die folkigen Stücke am Anfang und am Ende sind einfach super!
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