Das Feuchtbiotop 2.0

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Re: Das Feuchtbiotop 2.0

Beitragvon Teichfrosch » Montag 29. August 2011, 15:27

Jesus hat geschrieben:Wird man nach dem eigenen Musikgeschmack gefragt, so antwortet man doch mit dem, was man mag. Man sagt nicht "ich mag dieses Genre nicht, aber jenes Genre da finde ich okay, auch wenn es nicht höre".


Deshalb frage ich ja auch nicht wie man es selbst definiert sondern wie sich 'der Geschmack' sozusagen 'an sich' definiert. Geschmäcker entwickeln sich ja, ich selbst kann von mir sagen dass ich über die Jahre meinen Geschmack auch darüber entwickelt habe indem ich ausgegrenzt habe was mir nicht gefiel und diesen Bereich dann nicht weiter verfolgt habe.
Auch deinen Geschmack kann man nicht nur mit "Er mag Dröhn-, Fußpilz-, Schrammel- und Pandarenmusik" beschreiben, genauso wichtig ist eben auch zu erwähnen: "Er hasst Jodel-, Bierzelt-, Weichmuschimusik und Hansi Hinterseer."

Allerdings tendiere ich auch eher zur positiven Aussage, also dazu dass sich Geschmack eher über ein- als ausgrenzen definiert. Andere Leute bleiben allerdings vielleicht eher bei genau dem hängen was sie als einziges nicht auf den Tod nicht ausstehen können.

Genau deswegen wird mir ja so übel, wenn ich Jodelschlager höre. Da bekomme ich es mit der Angst zu tun, dass plötzlich hinter mir Joey DeMaio und Tobias Sammet auftauchen und "true surprise buttsecks of steel!" schreien...


Klingt ein wenig masochistisch ... :grins:
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Re: Das Feuchtbiotop 2.0

Beitragvon Jhonny » Montag 29. August 2011, 16:30

Jesus hat geschrieben:Zum Glück ist meine Mama das schwarze Schaf der Familie und arbeitete fürs Finanzamt ;)
Die künstlerisch begabten Familienmitglieder leben alle in Städten, fernab von den Metal und Hardrock hörenden Inzuchtopfern und Berufsproleten der Dörfer.



zumindest schein ich das nicht als einziger so zu sehen: Metal ist eher Land- als Stadtmusik.
Ich kannte jedenfalls kaum Dörfer, wo NICHT die mehrzahl der Jugendlichen Metal-Fans waren.
In der Stadt waren sie dafür nicht cool genug, um in noble Discos oder auf HipHop- und Dance-Partys zu kommen.
So wars zumindest vor 6, 7 Jahren in Oberfranken :grins:
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Re: Das Feuchtbiotop 2.0

Beitragvon Jesus » Montag 29. August 2011, 16:59

Jhonny hat geschrieben:Metal ist eher Land- als Stadtmusik.


Den Eindruck habe ich auch manchmal.

Jhonny hat geschrieben:Ich kannte jedenfalls kaum Dörfer, wo NICHT die mehrzahl der Jugendlichen Metal-Fans waren.


Die Jugendlichen? Nicht bei mir. Die standen alle auf Chartmucke. Die alten grauhaarigen bierbäuchigen Säcke hörten bzw. hören immer noch allesamt auf AC/DC, Iron Maiden, Motörhead, Saxon, Sodom, Metallica, Judas Priest, Rose Tattoo, Ozzy, Black Sabbath usw.

Von den Jugendlichen hatte kein Einziger irgendwas gehört, was härter als Green Day war.
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Re: Das Feuchtbiotop 2.0

Beitragvon Martin van der Laan » Montag 29. August 2011, 17:10

Teichfrosch hat geschrieben:Klingt ja fast so als würde das nicht zusammen funktionieren. Dabei hörst du doch selber Alkoholfahnenmetal und Schwurbeljazz. :)


Ähem... das habe ich schon einige Male zu erklären versucht... ohne großen Erfolg offenbar. Das passt nicht zusammen! Das sind zwei unterschiedliche Welten, die mit unterschiedlichen Sinnen wahr genommen und mit unterschiedlichen Maßstäben gemessen werden.
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Re: Das Feuchtbiotop 2.0

Beitragvon Jhonny » Montag 29. August 2011, 18:31

Jesus hat geschrieben:
Jhonny hat geschrieben:Metal ist eher Land- als Stadtmusik.


Den Eindruck habe ich auch manchmal.

Jhonny hat geschrieben:Ich kannte jedenfalls kaum Dörfer, wo NICHT die mehrzahl der Jugendlichen Metal-Fans waren.


Die Jugendlichen? Nicht bei mir. Die standen alle auf Chartmucke. Die alten grauhaarigen bierbäuchigen Säcke hörten bzw. hören immer noch allesamt auf AC/DC, Iron Maiden, Motörhead, Saxon, Sodom, Metallica, Judas Priest, Rose Tattoo, Ozzy, Black Sabbath usw.

Von den Jugendlichen hatte kein Einziger irgendwas gehört, was härter als Green Day war.


??
gerade die Jugendlichen standen bei uns alle auf Death und Black Metal - oder eben auf Maiden und AC/DC.
Natürlich gabs auch viele Altrocker, aber das war ja kein Nachteil :grins:

Nur so den "intellektuelleren" harten Bereich mit irgendwelchem Nicht-Frickel-Prog, den hat man den Kunststudenten in der Stadt überlassen bei uns...
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Re: Das Feuchtbiotop 2.0

Beitragvon Jesus » Montag 29. August 2011, 18:56

In meinem "letzten" Heimatdörfchen - welches ich ja immer noch gern besuche, weil dort meine Eltern leben - weiß niemand, was Death oder Black Metal ist. Außer vielleicht die ganz jungen Hüpfer, mit denen ich nichts zu tun habe. Aber alle von 20 Jahren aufwärts sind unmetallisch hoch zehn. Von den Altrockern abgesehen, aber für die ist das alles eh nur Hard Rock. Offenbar waren die Kids in Oberfranken einfach cooler ;)
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Re: Das Feuchtbiotop 2.0

Beitragvon Falkner » Montag 29. August 2011, 19:22

Meine Eindrücke decken sich da größtenteils mit denen vom Wuschelheiland. Bis auf den Paarhufersex. Bei uns pinkelt höchstens mal jemand an die Theke. Oder die Rechten versammeln sich im Kreis auf der anliegenden Wiese und rufen einander 'Sieg Heil' zu, stilecht mit Hitlergruß natürlich.
Ich kann jeden verstehen, der es lieber mit Hipstern in der Stadt aufnimmt. :schade:
The four most over-rated things in life are champagne, lobster, anal sex and picnics.
- Christopher Hitchens
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Re: Das Feuchtbiotop 2.0

Beitragvon Jesus » Montag 29. August 2011, 19:29

Die Rechten versammeln sich bei uns immer wieder gern zu den Dorffesten im Sommer. Das führt dann unweigerlich zu Schlägereien. So dämlich einige - naja, eigentlich die meisten - unserer "Jugendlichen" (sprich: Anfang 30, arbeitslos, ledig, leben bei Mami, gepimpter Golf) auch sein mögen, so haben sie immerhin genug Eier in der viel zu tief hängenden Hose, um den Glatzen (sprich: Anfang 30, arbeitslos, ledig, leben bei Mami, gepimpter Golf mit ONKELZ-Heckscheibenaufkleber) ordentlich ein paar auf die Fresse zu geben. Das Gleichgewicht der Kräfte.
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Re: Das Feuchtbiotop 2.0

Beitragvon Teichfrosch » Montag 29. August 2011, 19:36

Da hab ichs ja richtig gut erwischt - ich bin zwar auch auf dem Land aufgewachsen, allerdings erstens allgemein in einer ziemlich urban durchsetzten Zone, und zweitens im erweiterten Dunstkreis von Köln. Da hatte ich alle Vorteile des Landes und war trotzdem schnell in der Stadt. Da hat aber auch keiner Metal gehört, weder die Jungen noch die Alten... den Stil hab ich mir eigentlich ziemlich alleine erarbeitet, und so habe ich auch gegen bestimmte Stile keine Abneigung per se. Hab auch im Freundeskreis niemanden der einen auch nur ähnlichen Musikgeschmack hat was harte Musik angeht, manche hören ein wenig Prog und Rock, dafür hören sehr viele Metalcore, wieder ein paar Hiphop und andere Hardrock wie AC/DC, aber Extreme Metal? Sludge? Fußpilz? Einschlaf? Heavy Metal? Drone? Hardcore? Doom? Kenn ich hier niemanden. Ist natürlich schade, so habe ich niemanden mit dem ich Babies braten, Kreuze umdrehen und Kirchen in Brand stecken kann :(

Erfahrungen mit Rechten hab ich komischerweise fast garkeine. Eine latente Ausländerphobie gibt es denke ich überall (und beileibe nicht nur in Deutschland), aber einen richtigen Neonazi hab ich erst einmal getroffen hier im Großraum Köln. Dafür gibt es umso mehr Leute von der Antifa, und die spinnen genauso. Links- oder Rechtsextrem, ist mir alles suspekt.
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Re: Das Feuchtbiotop 2.0

Beitragvon Jhonny » Dienstag 30. August 2011, 00:10

In anderen Teilen Bayerns habe ich schnell erlebt, dass es anders sein kann, aber in Oberfranken war das "damals" (vor 5 bis 8 Jahren) echt so.
Dorf = Metal.

Die 15jährigen kannten die obskursten, neuesten Death Metal Combos, oder aber irgendwelche Norwegischen Frühneunziger Wald-Pandas.

Und ich mit meinem Interesse für Manilla Road und Rush war vielen zu soft - noch dazu mit meinen recht früh schon kurzen und gepflegten Haaren :D

In meinem Freundeskreis gab es damals viele Metaler. Heute nicht mehr gaanz so viele, aber doch noch ne Reihe.
Und damit meine ich wirklich auch den der Entwicklung des Metal und seinen alten Spielarten Interessierte, also keine reinen Bullet-For-My-Valentine-ist-Metal-Hörer.

Rechte gabs dagegen kaum. Klar hat der ein oder andere mal ne Meinung gehabt, die ich als etwas bedenklich einstufen würde - meist aber mit zumindest teilweise nachvollziehbaren Vorgeschichten, und immer ohne automatisch daraus folgende Volksverhetzung, Gewalt, Beschimpfungen oder ähnliches.
Einen reinrassigen Neonazi, der aus Prinzip bestimmte Völker verabscheut und sie aus dem Land raushaben will, einfach nur wegen der Abstammung, der das noch dazu gewalttätig auslebt, so einen habe ich, glaub ich, noch nie persönlich kennen gelernt.
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