Schlicht und nur mit einem handschriftlichen Vermerk flatterte gestern mein Wichtelsampler hinein, dafür was für ein vielversprechender Titel: "Back To Rock - History Lesson I" Cool, so eine Geschichtsstunde kann ein Greenhorn wie ich nur zu gut gebrauchen. Mal sehen, ob ich überhaupt irgendetwas kenne …
1. Mit einem Urschrei und Geballer überfällt mich der erste Track: Von Classic Rock keine Spur, dafür intensiver Göteborg-Melodeath (Dark Tranquility?) mit akustischem Zwischenspiel und geilem Gitarrensolo, insgesamt sehr heftig, aber ohne stringente Struktur. Trotzdem geile, nicht allzu generische Nummer - auch wenn sie eine völlig falsche Erwartung von dem Kommenden weckt.
2. Das Kontrastprogramm folgt auf den Fuß: Ruhig, akustisch und leicht folkig, mit einem freundlichen Sänger und pfeifenden Flöten (zumindest glaube ich, es sind Flöten) im Hintergund, klingt dieser Track nach etwas, das meine Eltern hören würden. Klar, sind ja auch die guten alten Jethro Tull mit "Mother Goose", wenn mich nicht alles täuscht.
3. Jetzt wird's richtig alt, 60er, 70er? Leicht folkiger Lagerfeuer-Pop, der zum Mitklatschen einlädt, gutgelaunter Refrain, der wie "peow peow peow peow" oder so klingt. Fragt nicht warum, aber die munteren Akustik-Gitarren und die Gesamtmelodie erinnern mich irgendwie an "Walking On Sunshine", auch wenn es das offensichtlich nicht ist.
4. Ohh, schön, ein akustisches Schlaflied im positiven Sinne: sanft und abgehoben, wie eine kristalline Decke über die Realität. Die sich überlagernden Stimmen tragen zum verträumten Ambiente bei. Ein Song, in den man sich kuscheln möchte, der aber gleichzeitig eine melancholische Stimmung verbreitet. Erste wahnwitzige Assoziation: Simon&Garfunkel, auch wenn es dazu fast zu modern klingt. Oder doch? "Scarborough Fair"?
5. Auch wenn mir das ruhige Zeugs gut gefallen hat, bin ich doch erleichtert: Endlich wird wieder gerockt! Aggressiv walzende Riffs kündigen sägend finsteren Oldschool-Death an, der ab 1:00 richtig abgeht. Dämonisches Growling vermischt mit Sprechpartien, brutale Blast-Eruptionen, satte Heavyness ... was begehrt das Metaller-Herz mehr? Mortification! "Death Requiem", glaube ich.
6. Zu dieser lockeren Melodie will man sofort mit dem Fuß mitwippen. Klassischer Rock mit Power-Metal-Attitüde, unterstrichen von den angenehm pathetischen Vocals. Kommt mir wieder auf eine "Keine Ahnung"-Weise bekannt vor. "Another star" und "far away" sind die Schlüsselwörter. Cooles Gitarrensolo!
7. Erst dachte ich, schon wieder so eine brave nostalgische Akustik-Nummer. Aber hey, das kenne ich! Ein lässiger Sänger meint mit voller Ernsthaftigkeit etwas von "fuck you softly, hump you sweetly", das Geniale daran ist seine gefühlvolle Stimme - Tenacious D entlockt mir immer wieder ein Grinsen. Cooles Lied.
8. Der sehr verwaschene Sound dieses leicht rock'n'rolligen Songs lässt entweder auf etwas sehr Antikes oder eine Live-Aufnahme schließen, oder beides. Die Produktion tut allerdings der Stimmung des Songs keinen Abbruch, schnell, treibend und positiv. "It's so easy to say"... für mich nicht, da ich trotz penetranten Bekanntheitsgefühls den Song nicht benennen kann.
9. Prog-powermetallige Riffs á la Symphony X, dann wechselt sich in diesem seltsam verspielten Hybrid Growling mit pathethischem, abgehobenem Gesang. Progressive Achterbahnfahrt der Gefühle, typisch Into Eternity mit einem eingängigem Song - wie aus dem mitreißenden Refrain klar wird, handelt es sich um "Embraced By Desolation".
10. Proggig-verspielt und mit vielen Synthies ausgeschmückt schraubt sich die Dramatik höher. Sehr charismatische, fast opernhafte Stimme mit viel Emotion und Schmerz, wie ich sie nur von Eric Clayton kenne; eine durchdringende Stimmung, die Savior Machine zu verbreiten weiß und die sofort berührt. Der Refrain räumt jeden Zweifel aus: "Enter the Idol!" Ich muss sagen, der Sampler hat ein Stadium erreicht, das mir ausgesprochen gut gefällt.
11. Juhu, noch etwas, das ein Glöckchen zum Klingeln bringt. Flotter, traditioneller Power Metal kommt oldschoolig und episch daher. Die Gitarrenarbeit und die einprägsamen Lyrics lassen keinen Zweifel: Hier jagen Jag Panzer den "Shadow Thief".
12. „Summer skies and lullabies…“ Ein kurzes Stück, das jedoch die Atmosphäre mit seinen bedächtigen Akkorden erfüllt. Ein sehnsüchtiger Song von Abschied und Erinnerungen an vergangene Liebe, schön sanft und melnancholisch mit einer unverwechselbaren Stimme: „Photographs and Memories“ lädt zum Träumen ein. „But we sure had a good time …“
13. Leichtfüßig hüpft es nun in die 80er: Party-Attitüde mit Synthie-Bläsern im Hintergrund, einfache Melodien, gesungen von einem charismatischen Sänger, der zum Mitsingen einlädt. Ich hätte mit einer schnellen, unverbindlichen Nummer gerechnet, aber der Song steigert sich immer mehr, in der sechsten Minute kommen fast soulige Frauenvocals hinzu. So entpuppt sich das Stück als nicht enden wollende Hymne, der das Etikett „Pathos“ zu verpassen eigentlich zu hart wäre. Neun Minuten pures Hollywood.
14. Wieder etwas Progressives und doch Traditionelles. Vibrierende Gitarren, stampfender Rhythmus. Ohh, diese Atmosphäre und vor allem diese Vocals sind unverkennbar Manilla Road, heavy und psychedelisch zugleich, mit einer Hommage an Lovecraft in den fantasylastigen Lyrics. Ah, ist das nicht „Return Of The Old Ones“?
15. Zu diesem lockeren Lagerfeuer-Rock lässt es sich in die 80er tanzen und über saftige Wiesen hüpfen. Die Keyboard- und Saxophonfetzen im Hintergrund lassen den Song klingen wie der Soundtrack irgendeiner alten Serie, treibend durch das "run-run-run" - ist das nicht Toto? Mit einem langgezogenen sphärischen Ton gleitet "Manuela Run" in den nächsten Track hinüber.
16. Ein nahtloser Übergang, zumal dieser Song mit atmosphärischen Spielereien beginnt, ehe er sich als ein weiterer typischer 80er-Song entpuppt, der leichtes Disco-Flair verbreitet. Die Vocals kommen mir bekannt vor. Insgesamt aber nichts herausragendes, eben weil so „typisch“. Ganz abgesehen davon, dass mir das alles viel zu fröhlich ist. "Dreams" von Van Halen - es gibt bessere Songs.
17. Etwas heavier geht es weiter, rock’n’rolliger Hardrock mit einem coolen Sänger und einer ebensolchen Stimmung. Ich kann nicht anders, zu diesem Solo muss man einfach die Luftgitarre zücken. Einfach ein typischer Rocksong, der bekannt vorkommt.
18. Zum Schluss wird’s frecher: leicht poppiger Punk, ebenfalls mit einem Hauch von Rock’n’Roll, der mit seiner rotzigen Attitüde nicht kalt lässt. Rebellisch und treibend, dieser Track macht Feuer unterm Hintern. Ein richtig cooler Rausschmeißer. No no no no, come on, man!
Schön, ein Sampler mit alten Hits. Für meinen Geschmack könnte es durchaus noch etwas metallischer zugehen, wie in Track 1 und 5, aber auch die akustischen Sachen fand ich sehr schön. Wer könnte mir diese sehr interessante Geschichtsstunde zusammengestellt haben? Dieser Jemand scheint Manilla Road und christische Musik (Mortification, Savior Machine) zu mögen. Jhonny vielleicht?


Frank könnte ich mir auch noch vorstellen... Kubi?
Coole Mischung!