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Hier geht es um das alles, was den Rocker / Metaller / Goth so bewegt.
von Holger Andrae » Sonntag 29. Oktober 2023, 11:34
Ich dachte, diese Thematik hätten wir schon einmal am Wickel gehabt, finde aber nichts dazu. Daher starte ich jetzt einmal neu. Falls ich - oder im unwahrscheinlichen Fall unsere Suchmaschine - hier nicht genau genug gesucht haben, bitte wahlweise zusammenfügen oder ignorieren.
Bei welchen Bands haben Euch Veränderungen von der Band weg geführt? Seien es Line-Up-Änderung, stilistische Verschiebungen oder sonstwas, völlig egal. Es ist auch gleichgültig, ob ihr zurück zur Band gefunden habt. Es geht mit um die einschneidenden Kerben innerhalb einer Bio/Diskographie.
Mein erstes Beispiel: Tygers Of Pan Tang: Wie sicherlich bereits 1001 Mal geschrieben war "Wild Cat" mein erstes Vinyl und überhaubt der Grund einen Scheibendreher zu kaufen. Diese Platte begleitet mich in meiner musikalisch offenbar simple gestrickten Glückseligkeit seit 40 Jahren und wenn ich sie heute auflege, ist die Begeisterung ungebrochen. Obwohl die Band gar nichts wirklich Bahnbrechendes spielt, ist es das Gesamtpaket, welches mich immer noch euphorisiert. Der stark von ZZTOP beeinflusste Rhythmus in Kombination mit Heavy Rock ist für mich einfach megastark. Zu diesem Bild gehört auch der Gesang von Jess Cox. Als dann das zweite Album erschien, man mit John Sykes einen zweiten Gitarristen an Bord hatte und Jess durch Jon Deverill von Persian Risk ersetzt wurde. Aus musikalisch-objektiver Sicht (haha) betrachtet, wurde die Band dadurch sicherlich aufgewertet, aber ich war erstmal wenig begeistert vom neuen Klangbild der Truppe. Das war mir alles zu sauber, verfiedelt und poliert. Heute mag ich das natürlich alles sehr gern, aber der Favorit bleibt "Wild Cat". Selbst die tolle aktuelle Besetzung darf für mich nicht wirklich Songs von diesem Album spielen, da mir da der Dreck im Sound fehlt. Von daher war ich anno 2000 beim Wacken, wo die Band mit Jess Cox im einteiligen Strampelanzug mitten in der Nacht die ollen Kamellen spielen durfte völlig aus dem Häuschen, obwohl das objektiv natürlich eher semigut war.
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von Pillamyd » Sonntag 29. Oktober 2023, 12:29
In meiner Sammlung möchte ich eigentlich immer komplett bleiben und ich finde solche Phasen meistens dann so spannend, dass ich Alben, die einen vermeintlichen Knick in der Wahrnehmung einführen, trotz allem recht spannend finde für die Entwicklung der Band und ihre Diskographie. Es handelt sich aber in den meisten Fällen immer um die gleichen Faktoren. Nämlich irgendeine vermeintliche Erfolgsformel auf die Spitze zu treiben. Wiederum weniger, wenn Bands etwas Neues einfließen lassen. Dafür bin ich dann zu neugierig und dann ist es für mich ein Mehrwert, sich damit gedanklich auseinanderzusetzen. Trotzdem gibt es ein paar Bands, die ich hier nennen kann...
Coldplay: Eine Band die recht zeitnah zum Release des Albums "X&Y" in meinen Fokus gerückt ist. Ich finde das Album immer noch sehr atemberaubend. Weil hier unglaublich viel Liebe zum Detail reingesteckt wurden. Darüber hinaus finde ich die Produktion atemberaubend. In einer Art und Weise, wie man sich heutige Pop Produktionen wünschen würde. Diese Transparenz im Sound ohne leer zu klingen. Bis dahin habe ich mich dann rückwärts durch die Diskographie gearbeitet. Und das ist immer cool gewesen, aber an "X&Y" kam nichts vorbei. Die ganzen Kritiker habe ich nicht verstanden. Klingen die Produkitonen vor besagten Album doch etwas muffig in meiner Wahrnehmung, war auf "X&Y" zusätzlich zu dem atemberaubenden Arrangements vor allem die frische direkt zu spüren. Die Band hat sich seitdem immer weiterentwicklet. Ein gutes Album ist dazwischen noch erschienen ("Ghost Stories"). Spätestens aber ab "A Head Full Of Dreams" war ich dann raus. Weil die Produktion einen wesentlichen Anteil genommen hat, die Songs nicht mehr zwingend waren und das eingetreten ist, was ich weiter oben vermutet hatte. Es klingt alles unfassbar leer. Seitdem konnten sie mich nie wieder so abholen, wie 2005.
Crippled Black Phoenix: Theoretisch hat sich bei der Band nie großartig viel verändert. Melancholisch bis in den Himmel. Ausladend ohne Ende. Sehr deep in allen bereichen. Ab der "Bronze" fand ich da aber nichts mehr zwingend. Alles fühlte sich ab da sehr zäh an und einfach viel zu lang. Das konnte ich einfach nicht mehr nachvollziehen und irgendwann hat die Aufmerksamkeitsspanne für die Art von Musik nicht mehr ausgereicht. Der ständige Besetzungswechsel hat mich ebenfalls überfordert. Einen Song wie "Hold On (So Goodbye To All Of That)" gab es nie wieder. Leider.
Ghost: Meine anfängliche Begeisterung für "Impera" hielt nicht lange an. Das was viele schon nach der "Prequelle" befürchtet haben, trat plötzlich ein Album später bei mir auf. Kurzweilige Songs, die erst einen Effekt hatten, aber schnell langweilig wurden. Das hat sich wahnsinnig schnell abgenutzt. Der Verschleiß war hoch. Heute müsste ich einen Blick auf die Tracklist werfen um zu schauen, was mir denn da gefallen hat. Die Band hat sich zum ersten Mal gefühlt wiederholt. So empfinde ich das leider. Das nächste Album wird sicherlich in die Wandlung sammern, aber sicherlich nicht mit dieser Vorfreude. Das hat mir ziemlich vieles weggenommen und die Alben laufen kaum noch. Weil auch die Angst da ist, dass die Alben die ich eigentlich mochte, dann irgendwann bei mir in die gleiche Kerbe schlagen.
Immortal: Bei den Alben die ab 2000 erschienen sind, war ich noch in anderen musikalischen Feldern unterwegs. Aber die Band habe relativ schnell kennengelernt. Und die ein oder andere Empfehlung, nachdem ich die "At The Hearts Of Winter" und die Frühphase kennengelernt habe, ging dann eben zu "Damned In Black" über "Sons Of Northern Darkness". Und ich fand das erschreckend schwach. Die stampfigen Parts von "At The Hearts Of Winter" wurden auf die Spitze getrieben und konnten da überhaupt nicht mehr mithalten. Seitdem, kann mich die Band nicht mehr überzeugen. Mit keinem Album.
Kreator: Mit "Phantom Antichrist" hat die Band ihren zweiten Frühling erlebt und da konnte ich noch gut mitgehen. Habe einige Lieder sehr gemocht. Aber fünf Jahre später war die Enttäuschung rießig. Wieder hat man das Erfolgsrezept auf die Spitze getrieben und das klang einfach nach so viel weniger. So dass es mir auch tatsächlich den Hörgenuss von "Phantom Antichrist" etwas vermasselt hat. Ab da wünsche ich mir die alten Kreator zurück. Hinzu kommt, das habe ich schon öfters erwähnt, habe ich das Gefühl der Mille schreibt erst einen Refrain um den Song außenrum zu gestalten. Aber der Fokus muss immer der Refrain sein. Die ich dann leider Gottes dann auch überhaupt nicht gelungen finde. Trotzdem besitze ich das letzte Album, weil "Hate Über Alles" einen guten Eindruck hinterlassen hat. Aber konstant toll, fand ich das Album bei aller liebe auch nicht.
Megadeth: Irgendwann zwischen "Thirteen" und "Super Collider" ging mir Mustaine mit seinen Äußerungen so dermaßen auf den Sack, dass ich mich heute noch Frage, wie er damit durchgekommen ist. Musikalisch war das aber auch eine Talfahrt zu der Zeit. Komischerweise konnte ich "Dystopia" nicht widerstehen. Stark Scheibe. Mit der aktuellen habe ich wieder so meine Probleme. Wenn ich genauer überlege schwankt die Qualität einfach seit Jahren massiv. Und die Melodien die seit "United Abomination" einen großen Platz einnehmen, ähneln sich immer mehr.
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von frankjaeger » Sonntag 29. Oktober 2023, 16:11
Na ja, hier ist natürlich QUEENSRYCHE ganz vorne dabei mit "Hear In The Now Frontier" und dem Blödsinn, den man forthin ablieferte.
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von Jakob » Sonntag 29. Oktober 2023, 16:22
Spontan fallen mir da zwei Bands ein: 1. RHAPSODY OF FIRE Mit dem Weggang von Mastermind/Gitarrist Luca Turilli war es schon nicht mehr das Gleiche, aber spätestens mit dem Wechsel von Sänger Fabio Lione zu Giacomo Voli konnte ich die Band nicht mehr hören und höre sie seit dem auch nicht mehr (wobei das Debüt mit Voli noch ganz ok war). Viel zu glatt poliert und durchschnittlich. Zum Glück gabs ja aber mit TURILLI'S RHAPSODY und dann mit TURILLI/LIONE RHAPSODY genug (bessere) Alternativen.
2. DREAM THEATER Wie schon häufiger ausgeführt, konnte mich die Band seit Portnoys Weggang nicht mehr überzeugen. Live fehlte der Frontmann, auf Platte der Spirit. Umso mehr freue ich mich auf das neue Kapitel der Band.
Was beide Bands spannender Weise verbindet: Sowohl Voli bei ROF als auch Mangini bei DT sind die technisch versierteren Musiker. Zwei Beispiele dafür, dass Charakter über Technik steht.
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von Jens Wilkens » Sonntag 29. Oktober 2023, 16:34
Bei QUEENSRYCHE ist für mich schon "Empire" ein echter Abstieg gegenüber den Göttergaben davor.
Auch wenn ich "Restless Breed" heute ganz gerne mag, kann das Album nicht einmal ansatzweise an "Fire Down Under" heranreichen.
Bei METALLICA ist es das schwarze Album, das ich damals schon nicht mehr kaufen wollte.
Bei KING DIAMOND würde ich schon "The Eye" nennen, auch wenn es noch gut hörbar ist. Die Alben davor habe ich zwanzig Mal häufiger gehört.
Bei MAIDEN markiert "Somewhere In Time" diese Kerbe.
Von ICED EARTH kann ich überhaupt nur das Debüt hören.
Auch wenn es noch starke Songs gibt, würde ich bei METAL CHURCH schon "The Human Factor" als schwächer als die Alben davor einordnen.
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von Holger Andrae » Sonntag 29. Oktober 2023, 16:47
Queensryche ist ja quasi Konsens, was dieses Thema angeht. Wobei die Kerbe bei mir nach der "Promised Land" ist. Das Album finde ich zum Beispiel auch deutlich (!) besser als "Empire", weil es einfach wieder spannender war und für mich einen möglichen Weg der Band aufgezeigt. Dass man danach zuerst musikalisch und dann auch auf anderen Ebene in einem Sumpfloch verschwinden musste, ist für mich bis heute unverständlich. Wie übrigens auch der Umstand, dass jetzt wieder alle Geoff Tate solo toll finden.
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von kingdiamond » Sonntag 29. Oktober 2023, 17:06
Jens Wilkens hat geschrieben:Bei QUEENSRYCHE ist für mich schon "Empire" ein echter Abstieg gegenüber den Göttergaben davor.
Bei KING DIAMOND würde ich schon "The Eye" nennen, auch wenn es noch gut hörbar ist. Die Alben davor habe ich zwanzig Mal häufiger gehört.
Bei MAIDEN markiert "Somewhere In Time" diese Kerbe.
Von ICED EARTH kann ich überhaupt nur das Debüt hören.
Hui, für diesen Beitrag bin ich wohl einfach „zu jung“. Ich habe MAIDEN z.B. mit der tollen „Brave New World“ kennen gelernt. Aber ja, dann auch eher in die weitere Vergangenheit gehört. Zum KING mit der „Puppet Master“ gekommen. Klar sind nicht alle Alben eine 10/10, aber einen richtigen Bruch erkenne ich hier in der Disko nicht! Ganz neutral gesprochen, hehe Am wenigsten kann ich aber mit der Aussage zu ICED EARTH anfangen. Ich denke, der Konsens liegt hier grob bei der Aussage: die Alben der 90er waren alle stark. Ab der „Horrorshow“ war jedes Album potenziell ein Kandidat die „alten Fans“ zu verlieren. Was ich eigentlich meine, was nicht passt: wenn dich NUR das Debüt erreicht, kann dich die Band eigentlich nicht verloren haben. Du mochtest dann einfach eine Debütscheibe einer für dich „beliebigen“ Band. Die Großtaten folgten erst später. 
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von Jens Wilkens » Sonntag 29. Oktober 2023, 17:19
Wenn wir mal nur von der Musik sprechen, war ICED EARTH für mich keine beliebige Band. Immerhin kenne ich ICED EARTH seit dem Demo, das ich damals in den USA bestellt habe. Die besten Songs sind da schon drauf, aber das Debüt ist natürlich insgesamt sehr, sehr stark und hat eine Bombenproduktion. Kein einziger Song von der hochgelobten "Stormrider" kommt für mich an das Debüt heran. Und das liegt nicht nur am Sänger.
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von kingdiamond » Sonntag 29. Oktober 2023, 17:34
Jens Wilkens hat geschrieben:Wenn wir mal nur von der Musik sprechen, war ICED EARTH für mich keine beliebige Band. Immerhin kenne ich ICED EARTH seit dem Demo, das ich damals in den USA bestellt habe. Die besten Songs sind da schon drauf, aber das Debüt ist natürlich insgesamt sehr, sehr stark und hat eine Bombenproduktion. Kein einziger Song von der hochgelobten "Stormrider" kommt für mich an das Debüt heran. Und das liegt nicht nur am Sänger.
Ja natürlich nur die Musik! Ich hab mit „Großtaten“ nichts anderes gemeint. Ok, danke für die Erklärung. Nehm ich so hin, wenn das für dich als „Phase“ zählt. Ich bin auch hier natürlich über die End90er Werke zur Band gekommen und damals mit der „Days Of Purgatory“ und der „Alive in Athens“ die ganz alten Songs kennen gelernt. Später erst die „Originale“. Ich finde trotzdem, dass bei so einer recht großen Diskographie, dich die eigentlich prägende Phase der Band nicht erreicht hat.
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von Jens Wilkens » Sonntag 29. Oktober 2023, 17:40
Ja, das stimmt. Und das liegt wahrscheinlich am Gesang, der mir auf dem ersten Album einfach am besten gefällt.
Manchmal sind es andere Musiker. Mein Verdacht, den ich von Anfang an hatte, hat sich jetzt bei der aktuellen WYTCH HAZEL bestätigt. Mit dem neuen Schlagzeuger fehlt irgendwie das Salz in der Suppe. Obwohl ich "IV: Sacrament" schon mag, deutet sich eine Kerbe an.
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