The Raven's Random Relics

Hier geht es um das alles, was den Rocker / Metaller / Goth so bewegt.

The Raven's Random Relics

Beitragvon Rüdiger Stehle » Montag 14. August 2023, 19:13

Nachdem Pillamyd und Holg hier neue listige Threads mit feinen Empfehlungen eröffnet haben, die Zeit zum Gedeihen haben sollten, hatte und habe ich tatsächlich auch Lust darauf bekommen, etwas in der Art zu machen. Meine Top-100 habe ich ja hier bereits serviert, und ich möchte die an sich weder neu erstellen noch Plätze 101-200 dazu erstellen.

Was will ich dann?

Stabreimen, natürlich.

Nun, ich glaube, dass ich einfach eine relativ bunte Auswahl von Sachen herauskramen will, die ich selbst trotz bestechender Klasse eher stiefmütterlich behandelt habe, in den letzten Jahren, und die auch nicht unbedingt jedem von euch direkt einfallen, wenn ihr an mich und meine Präferenzen denkt. Also kein Cirith Ungol, kein Helloween, kein Manowar, kein Mayhem und kein Cruachan, nicht meine Top-100, weder die alten noch neue, sondern einfach ein paar Sammlungsperlen, die viele nicht mehr oder nurmehr selten auf dem Schirm haben, ich selbst eingeschlossen.

Leiten lasse ich mich einstweilen tatsächlich von der Musiksammler-Jukebox, und die klicke ich so lange, bis sie mir was ausspuckt, das in diese Kategorie passt. Also wird hier weder ein typischer Klassiker aus Rabenhausen auftauchen, noch die auch nicht ganz seltenen Exponate meiner Sammlung, die unterm Strich und ehrlich gesagt doch ein bisschen durchschnittlich und lediglich nice to have sind. Es sollte schon ein bisschen was ganz Besonderes um die Alben sein, sowohl objektiv als auch subjektiv, nichts von der Stange, aber eben auch nicht das Offensichtliche.

Seid ihr dabei?

Wenn ja, dann kommt heute im Laufe des Abends ein erstes Exponat.

Wenn nicht, dann auch. ;-)

Wie auch Holg und Pillamyd werde ich euch nicht überfluten, sondern mir selbst und euch Zeit lassen, zum Aussuchen, Vorstellen, Reinhören, Kommentieren. Soll kein olympisches Konzept werden, sondern einfach was für die Muße, wenn ich Lust habe, ein bisschen zu Stöbern und Revue passieren zu lassen, und wenn jemand dabei ist, wenn er Lust hat, sich darauf einzulassen und was zu entdecken.
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Re: The Raven's Random Relics

Beitragvon Holger Andrae » Montag 14. August 2023, 20:29

Sensationelle Idee!
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Re: The Raven's Random Relics

Beitragvon Jhonny » Montag 14. August 2023, 20:53

Holger Andrae hat geschrieben:Sensationelle Idee!


:dafuer:

ich bin auch gespannt!
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Re: The Raven's Random Relics

Beitragvon Rüdiger Stehle » Montag 14. August 2023, 21:23

So, hier nochmal kurz die Kriterien, auf die ich mich mit mir selbst geeinigt habe:

1) Das Album sollte 9/10 oder besser bei mir abschneiden.
2) Das Album stammt nicht von einer meiner altbekannten und erwartbaren Lieblingsbands.
3) Das Album ist seit vielen Jahren auch bei mir nicht mehr gelaufen.

Und damit geht es dann auch direkt los:



Das erste Album, das ich euch für diesen Thread ausgesucht habe, ist seinerzeit - anno 1998 - ein kleiner Hype gewesen, doch sowohl die Band als auch das Album sind auch recht schnell wieder aus den Schlagzeilen und von den Titelseiten verschwunden, und seit gut 15 Jahren hört man nurmehr wenig von den Jungs, auch wenn die Band formell nicht aufgelöst ist. Doch eins nach dem anderen:

Nach einem Demo und einem im Black-Metal-Untergrund sehr willkommenen Debütalbum auf dem absolut weltberühmten Essex-Label Mordgrimm, streckte ein schwäbischer Genregigant seine Fühler nach den Herren aus, der sich aus dem Umfeld bereits kurz zuvor eine weit bekanntere Truppe geangelt hatte, die sich nach einer isländischen Felsformation benannt hat. Hier jedoch geht es um ein sehr blaues Album:

COVENANT "Nexus Polaris"

Bild.

Die Rede ist natürlich von Nuclear Blast, und die Acolyten aus dem Dimmu-Borgir-Umfeld, die 1998 von Essex nach Donzdorf wechselten, waren die Herren von COVENANT, zu jener Zeit bereits recht prominent besetzt mit Mitgliedern von Dimmu Borgir, Mayhem, Arcturus, Troll und anderen. Nun werdet ihr euch vielleicht fragen, was daran nun so besonders ist, bei diesen Referenzen und der Herkunft aus dem norwegischen Schwarzmetall, dass das Album "Nexus Polaris" die Kriterien dieses Threads erfüllt. Ich denke, dass es hier in diesem Jahrtausend noch nicht oft im Player war und vermutlich seit 2008 überhaupt nicht mehr, was eine ziemlich Schande ist, wenn ich gerade so den dritten Durchlauf am Stück hinter mich bringe. Ich glaube, dass ich einmal noch einen Song vom Album verwichtelt habe, aber das dürfte wohl auch 2008 gewesen sein, oder unwesentlich später.

Nun, besprächen wir hier das Debüt "In Times Before The Light", dann wärt ihr Spot on, denn das würde perfekt in einen Thread zu den Black-Metal-Perlen der zweiten Reihe passen. Doch der Zweitling war mir persönlich gerade damals eigentlich viel zu kommerziell, viel zu gehypt und viel zu melodisch-bombastisch, um meine Gier nach rohem, schwarzem Stahl zu befriedigen. Außerdem kam rasch aus rechtlichen Gründen die Umbenennung in THE KOVENANT, dann eine Marilyn-Manson-Optik und Industrial-Einflüsse und viel Elektronik und Geloope, so dass der Ofen dann bei mir vorläufig ganz aus war.

Diese Scheibe hier ist jedoch gleichwohl etwas ganz Besonderes, wie ich finde, denn sie trifft genau ins Lindenblatt mit ihrem einzigartigen und unnachahmlichen Mix aus kommerziellem, poppigem Appeal und sphärischer, majestätischer Kälte. Sie ist transparent und sauber produziert, aber nicht steril und laut. Sarah Jezebel Deva stellt ihren wunderbaren Sopran Nagashs grimmigem, aber sehr gut verständlichen Rezitativ gegenüber, Sverds Keyboards zeichnen spacige, Sci-Fi-Klanglandschaften, und Hellhammer am Schlagwerk zieht wirklich alle Register und zeigt, dass er eben so viel mehr kann als Blasten und Ballern, was heute jeder weiß, der seine Prog- und Jazz-Projekte kennt, was damals aber noch nicht so allgemein bekannt war. Auch die Gitarrenfront mit Astennu und Blackheart ist weit vom flirrenden Norsecore entfernt und präsentiert jede Menge neoklassisch inspirierte Leadgitarrenarbeit.

So entsteht eine bestechende Crossover-Scheibe total eigener Art, die ich noch heute für ein absolutes Referenzwerk der Neunziger halte, das viel zu wenig Beachtung findet. Wenn man sein Herz für den Sound öffnen mag und kann, dann findet man tolles Sci-Fi-Storytelling, instrumentale, kompositorische und produktionstechnische Finesse, ein untrügliches Gespür für fesselnde Melodien und unterm Strich ein Werk, das weit mehr opulentes Musiktheater ist als Black Metal. Aus meiner Sicht ein Tipp für Menschen, die etwa Arcturus gerne haben, oder Amorphis, oder Winds, oder Waltari, oder Voyager, oder Nocturnus, oder Sigh, oder die sich vorstellen können, dass ein konzeptioneller Ansatz wie bei Ayreon oder Star One auch vor einem - maximal dezenten - Black-Metal-Hintergrund eine sehr spannende Sache sein könnte. Ein fabulöses, für die Zeit natürlich symptomatisches Artwork und ein Szpajdel-Logo tun ihr Übriges, um auch augenfällig zu sein.

Ein Album, das so viel mehr ist, als ein vergessener kleine Bruder von Dimmu Borgir und Cradle of Filth, und auf seine Weise für mich daher in eine Reihe mit anderen artverwandten typischen Neunziger-Dark-Metal-Highlights gehört mit etwa "Passage", "Wolfheart", "Icon" oder "Wildhoney".

Dass es das retrospektive Schicksal nicht so gut mit der Band meinte, liegt sicher am bereits oben angerissenen Zwang zur Umbenennung, daran, dass NBs Interesse an der Band scheinbar langsam nachließ, auch wenn man den Deal über drei Alben erfüllte, aber sicher auch daran, dass die beiden Nachfolger "Aenimatronic" und "Ceti" nicht mehr diese bestechende Qualität halten konnten, die "Nexus Polaris" abgeliefert hat. Teils auch hörenswert, aber nichts mehr, was in diesem Thread auftauchen wird.

Es gibt auch eine unter dem neuen Namen THE KOVENANT erschienene Neuauflage dieses Albums mit anderem Logo, die aber musikalisch identisch ist.

Hörproben:

'The Sulphur Feast' - https://www.youtube.com/watch?v=xI20ku-29zs
'Bizarre Cosmic Industries' - https://www.youtube.com/watch?v=4G2DrkEOE38
'Planetarium' - https://www.youtube.com/watch?v=87wwfmJlpCE
'Chariots Of Thunder' - https://www.youtube.com/watch?v=0jzAO8qC8R8
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Re: The Raven's Random Relics

Beitragvon kingdiamond » Montag 14. August 2023, 21:24

Klingt spannend! :dafuer:

…und klingt so, als würde ich max. 1% der CDs kennen… ;-)
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Re: The Raven's Random Relics

Beitragvon Rüdiger Stehle » Montag 14. August 2023, 21:27

Nah, die erste ist an sich schon was, das man kennen könnte.
;-)
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Re: The Raven's Random Relics

Beitragvon Holger Andrae » Montag 14. August 2023, 21:39

Das fängt ja schon mal toll an!
Zeit, dieses Album mal wieder aufzulegen, auch wenn ich nur eine Promo davon besitze. 8-)
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Re: The Raven's Random Relics

Beitragvon Rüdiger Stehle » Montag 14. August 2023, 21:42

Holger Andrae hat geschrieben:Das fängt ja schon mal toll an!
Zeit, dieses Album mal wieder aufzulegen, auch wenn ich nur eine Promo davon besitze. 8-)


:blumen:

Sehr cool. Irgendwie hatte ich gehofft, dass dir das doch gefallen könnte. Es hat doch so vieles und so gut Umgesetztes, das aus dem Black-Metal-Standard ausbricht, dass es durchaus ein Türenöffner sein kann. Freut mich, dass du Spaß dran hast.
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Re: The Raven's Random Relics

Beitragvon Holger Andrae » Montag 14. August 2023, 21:45

Rüdiger Stehle hat geschrieben:
Holger Andrae hat geschrieben:Das fängt ja schon mal toll an!
Zeit, dieses Album mal wieder aufzulegen, auch wenn ich nur eine Promo davon besitze. 8-)


:blumen:

Sehr cool. Irgendwie hatte ich gehofft, dass dir das doch gefallen könnte. Es hat doch so vieles und so gut Umgesetztes, das aus dem Black-Metal-Standard ausbricht, dass es durchaus ein Türenöffner sein kann. Freut mich, dass du Spaß dran hast.


Ich besitze sogar ein späteres Album als the Band bereits mit "K" unterwegs war. Das war aber gar nicht meins. "Nexus Polaris" gefiel mir damals, weil es so cripsy clear produziert war und durch sehr viele Layers so wunderbar vielschichtig und auch hektisch klang.
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Re: The Raven's Random Relics

Beitragvon Rüdiger Stehle » Montag 14. August 2023, 21:49

Aye. Das war auch mein Gedanke, warum ich dachte, es könnte dir gefallen. Ist ja immer eine Gratwanderung zwischen gut produziert und überproduziert, und ich finde, dass das hier grandios gelungen ist. Das ist so irre transparent gehalten, du hörst jede Feinheit, und der Mix ist komplett ausgewogen. Wie Sverds Orgel und die Leadgitarren da neben Hellhammers perfekt akzentuierten Drums trotzdem brillieren können... das muss man erst einmal so hinkriegen.

Ja, später lässt es stark nach. Ich mag einige Songs der beiden letzten Alben, aber kein Vergleich zu dieser Wundertüte hier.
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