Von verborgenen Schätzen und hellen Glanzlichtern... (2015)

Hier geht es um das alles, was den Rocker / Metaller / Goth so bewegt.

Von verborgenen Schätzen und hellen Glanzlichtern... (2015)

Beitragvon Tragic_Idol » Montag 29. Februar 2016, 00:29

So, inspiriert von den anderen Threads hier, einem akuten Überschuss an Zeit und Muße, sowie der Tatsache, dass ich mich sowieso noch einmal der Reihe nach durch meine Highlights des letzten Jahres hören wollte, hier nun meine Top 20 aus 2015 inklusive dem entsprechendem Senf dazu. Geboten wird ein ziemlich bunter Stilmix, das meiste aber eindeutig metalrelevant mit vereinzelten Blicken über den Tellerrand hinaus. ;-)

Platz 20: Panopticon - Autumn Eternal

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Nur ein Jahr nach „Roads To The North“ hat Austin Lunn, arbeitsames Mastermind hinter dem (Cascadian) Black Metal-Projekt Panopticon, in diesem Herbst den Nachfolger „Autumn Eternal“ nachgelegt. Quantität über Qualität also? Nein, soviel schon mal vorweg, nicht im Hause Panopticon.
Aber alles der Reihe nach. Der Einstieg in das Album verläuft gemächlich und verträumt. Das viereinhalb minütige Intro „Tamarack's Gold Returns“ erzeugt mithilfe von akustischen und postrockig angehauchten Gitarren, Streichern und allerhand Samples eine entsprechende dichte Waldatmosphäre, bevor „Into The North Woods“ anschließend ein paar Härtegrade drauflegt. Und wie bitteschön! Auf einmal türmt sich eine regelrechte Wand von einem Riff vor einem auf, galloppierend, majestätisch, schlichtweg episch. Die Reise durch die nördlichen Wälder gipfelt schlussendlich in einem starken Gitarrensolo, ruhige Synthies und Kirchenglocken lassen den Song ausklingen und geben dem Hörer nach dem fulminanten Einstieg erstmal eine kurze Verschnaufpause.
Bereits hier fällt auf: der Sound ist deutlich druckvoller und sauberer als noch auf dem Vorgänger. Eine weitere Änderung liegt darin, dass auf „Autumn Eternal“ die amerikanischen Folk-Einflüsse zurückgefahren wurden. Zwar ist die Melodieführung des Titeltracks und des nachfolgenden „Oaks Ablaze“ teilweise folkig geprägt, einen reinen Bluegrass-Track wie beispielsweise „The Long Road I: One Last Fire“ wird man hier jedoch nicht finden. „Sleep To The Sound Of The Waves Crashing“ wartet anschließnd in der ersten Hälfte mit einer etwas traditionelleren BM-Kante auf, bevor nach einem Bruch in der Songmitte Meeresklänge und pompöse Streicher erklingen. Auf „Pale Ghosts“, dem ansonsten unspektakulärsten Song des Albums findet man zudem noch – zum Songtitel passend – gespenstische Clean Vocals gen Ende.
Mit „A Superior Lament“ wartet kurz vor Schluss jedoch noch mal ein echtes Highlight auf, nicht zuletzt, weil sich Austin Lunn seinen Platz am Mikrofon mit Petri Eskelinen (Rapture) teilt und dieser dem Song wirklich seinen Stempel aufdrückt, insbesondere was die cleanen Vocals angeht. Mit diesen übertrumpft er Lunn nämlich klar. „The Winds Farewell“ beendet das Album dann ähnlich Post-Rock-lastig, wie es begonnen hat und schließt somit den Kreis.
Was lässt sich nun also abschließend feststellen? Durch die oben angesprochenen Änderungen wirkt „Autumn Eternal“ definitiv konventioneller als sein Vorgänger, das "knorrige", was durch die Bluegrass-Einflüsse und die rauhere Produktion auf "Roads To The North" vorhanden war ist fast verflogen. Das Songwriting ist allerdings hier auf sehr hohem Niveau, sodass sich das Problemlos verschmerzen lässt. Autumn Eternal – ewiger Herbst? Wenn Panopticon weiter den Soundtrack dazu liefern, dann gerne!

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Re: Von verborgenen Schätzen und hellen Glanzlichtern... (20

Beitragvon Pillamyd » Dienstag 1. März 2016, 23:54

Yeah!
Sehr schön, dass auch du die Zeit aufbringst deine Top 20 hier vorzustellen. Ich bin gespannt ;-)

Panopticon | Autumn Eternal
Kenne ich nicht. Liest sich aber alles sehr interessant. Einige Wörter lassen mich kurz zusammenzucken. Wie zum Beispiel "postrockig". Irgendwie kann ich damit immer weniger anfangen. Allerdings lassen mich die "amerikanischen Folk-Einflüsse" wieder aufhorchen. Auch wenn das, wie du sagst, auf diesem Album stark zurückggefahren wurde, macht es die Band im Gesamten wieder sehr interessant. Was auffällt ist der wirklich saubere und klare Klang. Man erkennt auf den ersten Blick sofort einige tolle Melodien wie z.B. in "Oaks Ablaze" die mir total zusagen. Zum Ende hin erzeugt das Lied sogar bei mir eine Gänsehaut. Sehr emotional, sehr getragen, sehr dynamisch und trotzdem "stürmisch". Das hat auf jeden Fall was. Toller Einstieg... :dafuer:
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Re: Von verborgenen Schätzen und hellen Glanzlichtern... (20

Beitragvon Tragic_Idol » Donnerstag 3. März 2016, 20:05

Oh toll, freut mich, dass ich da schon gleich dein Interesse wecken konnte! :) Der nächste Platz wird hier wahrscheinlich mehr Leuten was sagen, wenn ich mich recht erinnere, war das Album sogar im Soundcheck überraschend gut platziert.

Platz 19: Ahab - The Boats Of The Glen Carrig

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Als Ahab letzten Sommer das Cover zum neuen Album „The Boats Of The Glen Carrig“ veröffentlichten, wurden einige pessimistische Stimmen laut. In der Tat wollte die bunte und helle Farbgebung nicht so wirklich zum bisher praktizierten, finsteren Stil der Band passen und erinnerte stattdessen eher an das Cover der letzten Mastodon. Ahab goes Stoner Rock? Nein, davon ist „The Boats Of The Glen Carrig“ weit entfernt. Allerdings wird die Abkehr von der „reinen Lehre“ des Funeral Dooms, welche auch schon auf dem Vorgänger „The Giant“ spürbar war, hier noch deutlicher beschritten.

Das textliche Konzept basiert laut Aussage der Band auf William Hope Hodgsons gleichnamigen Roman. Auch wenn einem (wie dem Banause, der die Zeilen hier schreibt) das Buch bisher noch nichts gesagt hat, so schaffen es Ahab in den ersten beiden Tracks sehr schön, durch den Wechsel von ruhigen, melancholischen Parts inklusive Cleangesang und harten, doomigen Riffs, dass vor dem geistigen Auge des Hörers Bilder einer schiffbrüchigen Crew entstehen, zwischen Hoffnungslosem Treiben auf dem Meer und harschem Wellengang.
Der kürzeste Song des Albums „Like Red Foam (The Great Storm)“ stellt die größte Überraschung der Platte dar, eine für Ahab-Verhältnisse schnelle und – im Vergleich zum bisherigen Schaffen der Band - fast schon stürmische Nummer. Mit „The Weedmen“ folgt anschließend im Gegenzug der langsamste und längste Song der Platte, welcher allerdings auch von kurzen, unmetallischen Momenten durchzogen ist. „To Mourn Job“ folgt einem ähnlichen Schema wie die ersten beiden Nummern, markiert jedoch mit besonders klagenden Cleanvocals den emotionalen Höhepunkt des Albums. Die Digipack-Version hat zudem noch mit „The Light In The Weed (Mary Madison)“ einen relativ unmetallischen Song parat, welcher komplett mit Klargesang auskommt und das Album perfekt abschließt. Schade, dass dieser Song offenbar nicht auf allen Versionen des Albums drauf ist, ideal ins Konzept würde er auf jeden Fall passen.

Mit „The Boats Of The Glen Carrig“ setzen Ahab noch stärker auf Laut/Leise-Kontraste, als noch auf „The Giant“ und schaffen es dabei sogar (für Doom-Verhältnisse) relativ eingängig zu klingen, zumindest in meinen Ohren hat die Scheibe in kürzester Zeit gezündet. Funeral Doom-Puristen mögen sich hier zwar endgültig abwenden, ich bin aber gespannt, wohin die Entwicklung der Band noch führt!

Anspieltipps:
The Thing That Made Search
Like Red Foam (The Great Storm)
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Re: Von verborgenen Schätzen und hellen Glanzlichtern... (20

Beitragvon frankjaeger » Donnerstag 3. März 2016, 20:45

Stimmt, die gute Platzierung hat mich auch überrascht :grins:

Gutes Album, aber mir gefällt der Gesang nicht.
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Re: Von verborgenen Schätzen und hellen Glanzlichtern... (20

Beitragvon Jhonny » Donnerstag 3. März 2016, 23:34

Ich mag alle AHAB Alben, auch die neue, das Artwork ist aus meiner Sicht großartig. Aber ich liebe die Band nicht.
Es ist wie bei BRAINSTORM - immer gut, nie überragend. Aber ich bin natürlich auch nicht der Fanclubvorsitzende des Funeral Dooms :grins:
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Re: Von verborgenen Schätzen und hellen Glanzlichtern... (20

Beitragvon Havoc » Donnerstag 3. März 2016, 23:50

das Artwork ist aus meiner Sicht großartig.


Das Bild ansich ist total cool. Aber ich bin mir nicht sicher ob das zu einer Band wie AHAB wirklich passt.
Es könnte auch das neue Werbeplakat zu "Nemo Is Back" sein.

Aber ich bin natürlich auch nicht der Fanclubvorsitzende des Funeral Dooms


Wer ist das denn? :P
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Re: Von verborgenen Schätzen und hellen Glanzlichtern... (20

Beitragvon Chavo89 » Freitag 4. März 2016, 17:17

Ich fürchte, das wird kein Thread für mich. Nimm's mir nicht übel, werter Ersteller. Aber wenn ich schon den Schriftzug von PANOPTICON sehe, läuft mir ein kalter Schauer über den Rücken. Das Hineinhören verwandelt den Schauer in eine Flut. Spielen da drei Bands gleichzeitig gegeneinander? Das will so gar nicht zusammen passen in meinem Kopf. Wo der Sound hier sauber sein soll, ist die Frage. Das ist doch extrem verwaschen, alles spielt sich im Hintergrund ab, ich kann nicht folgen. Naja, und der Sänger gefällt mir natürlich ml so gar nicht. :grins: Zwischendurch blitzt mal eine hübsche Gitarrenmelodie auf, die wird aber schnell wieder vergraben. Immerhin ist das Cover schön.

AHAB habe ich schon mal anprobiert, meine ich mich zu erinnern. Passte mir damals nicht. Auch heute nicht. Ich mag's ja auch gerne mal langsam, aber bei "The Thing That Made Search" schlafen mir die Füße nicht nur ein, sie fallen direkt ins Koma. Ist bestimmt tierisch gefühlvoll und ein Dranbleiben lohnt sich womöglich, aber ich ertrag's nicht. Liegt auch unter anderem mal wieder am Gesang.
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Re: Von verborgenen Schätzen und hellen Glanzlichtern... (20

Beitragvon Schaf » Freitag 4. März 2016, 19:19

Havoc hat geschrieben:Wer ist das denn? :P


In diesem Forum bin das wohl ich.
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Re: Von verborgenen Schätzen und hellen Glanzlichtern... (20

Beitragvon Tragic_Idol » Donnerstag 10. März 2016, 21:28

Kein Problem Chavo, freue mich natürlich auch über Rückmeldung wenn die Musik nicht gefällt. ;-)

Platz 18: Grave Pleasures - Dreamcrash

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Rückblende: Als ich im Herbst 2013 das damals aktuelle Oranssi Pazuzu-Album bestellen wollte, fiel mir auf der Svart Records-Website der Hinweis auf Beastmilk auf – eine Band, welche laut eigener Aussage „Apocalyptic Post-Punk“ spielt. Nun gut, da ich damals sowieso mittendrin war, den Post-Punk und 80er Goth-Bereich für mich zu entdecken, kam mir das natürlich gelegen. Und „Love In A Cold World“ lief anschließend regelrecht auf Dauerschleife. Abnutzungserscheinungen: Fehlanzeige. Wenige Monate später sollte das Debüt „Climax“ folgen, der Hitfaktor war durchgänig hoch und das Album schlug überraschend stark sogar in der Metalszene ein. Etwas mehr als ein Jahr später allerdings die Ernüchterung: Die Gründungsmitglieder Kvohst und Goatspeed gehen getrennte Wege, Beastmilk sind Geschichte und Kvohst macht (u. a. Mit Unterstützung von Linnéa Olsson von The Oath und Uno Bruniusson von In Solitude) under dem Namen Grave Pleasures weiter.

Zumindest der erste Song auf „Dreamcrash“, dem ersten Grave Pleasures-Album, sollte Fans von „Climax“ vollends zufriedenstellen. Auf „Utopian Scream“ geht die Band mit ähnlich punkiger Durchschlagskraft zur Sache, wie auch schon bei der Vorgängerband. Die einzige Auffälligkeit ist hier jedoch, der deutlich sauberere Klang im Vergleich zu „Climax“. „New Hip Moon“ mit seinem Megarefrain wäre trotz reduzierter Härte auch auf dem Quasi-Vorgänger nicht deplaziert gewesen, im weiteren Albumverlauf gibt es aber doch einige Überraschungen. Beispielsweise die melancholische Ballade „Crisis“ (Highlight!), oder die locker-flockigen „Lipstick On Your Tombstone“ und „Girl In A Vortex“. Denen gegenüber stehen knackige Punk-beeinflusste Nummern wie „Futureshock“ und „Taste The Void“. Die Hitdichte ist auf jeden Fall erneut sehr hoch, auch nach inzwischen unzähligen Durchläufen wird „Dreamcrash“ nicht langweilig. Lediglich „Worn Threads“ wirkt etwas flach und ob „Crooked Vein“ jetzt wirklich über sechs Minuten lang sein musste, halte ich für zweifelhaft.

Alles in allem haben es Grave Pleasures mit „Dreamcrash“ geschafft, vielseitiger als Beastmilk und vielleicht auch etwas glatter und poppiger zu Werke zu gehen, ohne dass es gleich nach Massenanbiederung klingt. Lediglich ein, zwei Ausfälle sind auf dem Album zu verzeichnen (wohl auf den Druck des Major-Labels zurückzuführen), was dazu führt, dass „Climax“ immernoch leicht die Nase vorne hat. Nichtsdestotrotz ein sehr starkes Album, welches 2015 sehr oft bei mir lief. Der nächste Schritt der Band wird mit Spannung von mir erwartet!

Hörproben:
New Hip Moon
Girl In A Vortex
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Re: Von verborgenen Schätzen und hellen Glanzlichtern... (20

Beitragvon Jhonny » Donnerstag 10. März 2016, 23:43

GRAVE PLEASURES kannte ich bisher nur vom Namen. Da wollte ich eh gerne mal einen Sound dazu kennen. Also mal reinhören. Hui, das gefällt mir ziemlich gut. Ein bisschen Retro Rock, dazu viel 80er, Gothic Sounds, Pop... der Mix passt. Landet auf dem Einkaufszettel!
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