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Hier geht es um das alles, was den Rocker / Metaller / Goth so bewegt.
von Pillamyd » Samstag 11. Februar 2023, 15:25
Rüdiger Stehle hat geschrieben:Cool, dass dir die Polen von OVER THE UNDER gefallen. Ist ja gar nicht so 100% mein Leib- und Magen-Stil, aber die Band hat echt das gewisse Etwas. Freut mich, dass ich damit nicht alleine dastehe. Wobei das bei uns im Club auch eingeschlagen hat, und da ist keiner wirklich prädestiniert für den Stilmix. Coole Truppe!
Ich dachte zunächst auch an etwas anderes. Vielleicht ist es deshalb so überraschend stark in meinen Ohren. Gerade höre ich einen weiteren Song des neuen Albums "Down". Die 9 Minuten merkt man dem Song trotz des Stils nicht an. Doch der Eindruck hat sich noch einmal verfestigt.
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von Rüdiger Stehle » Montag 27. Februar 2023, 19:37
Ich bin langsam und träge, ich weiß... aber ich hoffe, dass doch noch ein wenig Interesse an weiterer Retrospektive auf 2022 besteht. Ein weiteres großes und eindrucksvolles Werk des vergangenen Jahres war und ist die Nummer 9 in einer bis dato recht makellosen Diskographie, die inzwischen knapp 30 Jahre umfasst. KAMPFAR "Til Klovers Takt"Es gibt ja in Norwegen die grobe Tendenz, dass die Bands von der Westküste gerne den Wikingerthemen frönen, die Bands aus Oslo und Trondheim vornehmlich den Deibeleien, und die Bands aus den Gebirgsgegenden und dem Innland gerne mal dem lokalen Mythen- und Märchenschatz, und diese Tendenz bestätigt auch das neue und neunte Werk der Hemsedal-Veteranen KAMPFAR. Die neute Symphonie der Kampfesväter um Obervater Dolk ist nämlich einmal mehr eine wunderbar schwermütige, grimmige, aber dabei doch sehr melodische und vielseitige Reise in die Mythen der Hardangervidda, der schneebedeckten Berge, der verwunschenen Trollsteige durch die Berge, Wälder und Hochmoore. Basisches Heidentum auf ziemlich klischeefreie Art zelebriert, mal als manischer, schmanischer Tanz unter dem Sternenhimmel, mal als getragene Elegie, mal als voran preschende Hymne. Durch den zweistimmigen Gesang von Dolk und Ask Ty zusätzlich vielseitig, mit durch und durch tollen Texten versehen, sowohl in norwegischer als auch in englischer Sprache. Bei drei Stücken auch mit mittelalterlichen Melodien und Instrumentalparts auf der Hardanger Fiddle, die der Band zusätzlichen Wiedererkennungswert geben. Kampfar gehört zu den echten, alten Originalen der Szene, so dass sich die "klingt wie"-Referenzen an sich verbieten, doch falls es jemand tatsächlich bis hierhin geschafft haben sollte, der KAMPFAR noch gar nicht kennt, dann sei gesagt, dass sowohl die Westküsten-Szene um Bands aus Bergen, Haugesund und Stavanger (wie z.B. Helheim, Einherjer, Enslaved u.a.), als auch andere Bands aus den diversen Gebirstälern (Windir, Vreid u.a.), sowie wegen der trollisch-heidnischen Aura mit Abstrichen sogar frühe ARCKANUM eine ähnliche Zielgruppe bedienen dürften. Wer KAMPFAR bereits kennt und liebt, der sei gewiss, dass er mit dem Takt der Klauen nicht fehl gehen kann. https://www.youtube.com/watch?v=HVc0Gd7nXjo - Lausdans Under Stjernene https://www.youtube.com/watch?v=NqnpLy3yHDs - Urkraft https://www.youtube.com/watch?v=1-IsDSTCYbY - Fandens Trall https://www.youtube.com/watch?v=Q0jWGxKS1ws - Rekviem => Genau so haben wir unsere Demos in Norge auch aufgenommen. Hütte im Wald, Laptop, Stöpsel... 
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von Rüdiger Stehle » Freitag 7. April 2023, 12:37
Interessiert es noch jemanden, wenn ich hier noch ein bisschen weiter mache? Die folgende Nummer ist eher umstritten. Der Person des Bandleaders wegen, aber auch der Musik wegen. Doch mich kann der gute Mann dann doch immer noch berühren: ABBATH "Dread Reaver"Das dritte, zählt man die "I" mit, das vierte Soloalbum von ex-IMMORTAL-Frontikone Abbath Doom Occulta alias Olve Eikemo, und ewig drehen dieselben Diskussionspunkte ihre Runden: Wäre er besser bei Immortal geblieben, wäre Immortal mit ihm besser, taugt seine Solo-Mucke, sind beide Seiten ob der Peinlichkeiten der Auseinandersetzung "raus", kriegt Abbath ob seiner gesundheitlichen Probleme noch was auf die Reihe? Nun, die Diskussionen jucken mich am Ende nicht die Bohne und ich ergreife auch keine Partei, sondern freue mich auf neuen Stoff von Abbath ebenso wie auf neuen Stoff von Demonaz. 2023 kommt eine neue Immortal, und 2022 war eben Abbath dran, mit "Dread Reaver", und das Album ist ein gutes, das letztlich wunderbar die drei Dinge miteinander vereint, die Abbath musikalisch definieren. Motörhead, Bathory und natürlich Immortal, wobei die letztere Band gar nicht mal die prägendste in dem Dreiklang der Einflüsse des Albums ist, auch wenn sie natürlich durch die Stimme und etwa bei 'Dream Cull' auch durch die flächigen, hallbeladenen Riffs immer wieder durchschlagen. Davon abgesehen ist aber "Dread Reaver" eher rockig, meist im mittleren Tempo verortet und hat dadurch eine ganze Menge Motör'n'Rock'n'Roll im Blut, speziell bei 'The Book Of Breath', und selbst wenn die Gitarren mal flirren dürfen, ändert sich am getragenen Grundgerüst und Gesangsduktus nicht viel, wobei auch hier Ausnahmen die Regel bestätigen, so dass nämlich das rasende, punkige 'Myrrmidon' auch auf frühe BATHORY-Demos gepasst hätte. Mehr Einzelheiten hab ich im Review aufgezählt: https://www.powermetal.de/review/review ... 38795.htmlHier die Hörproben: 'Dream Cull' - https://www.youtube.com/watch?v=Kq6CTdDVARk'The Book Of Breath' - https://www.youtube.com/watch?v=5YcAJWFRhxI'Dread Reaver' - https://www.youtube.com/watch?v=AUZlWtHcY6A
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von Pillamyd » Freitag 7. April 2023, 13:03
Rüdiger Stehle hat geschrieben:Interessiert es noch jemanden, wenn ich hier noch ein bisschen weiter mache?
Von meiner Seite aus, hat so etwas immer die Aufmerksamkeit. Also ein klares Ja von mir Kampfar: Ja, verdammich! Das ich das bei der Band einfach nicht auf die Kette bekomme, mir die neuen Veröffentlichungen zu holen, ärgert mich immer wieder aufs neue. "Lausdans Under Stjernene", zeigt wie man majestätischen Black Metal vortragen kann. Gefällt mir unheimlich gut. Weiter höre ich mal nicht rein, weil ich mir das Album gerne in Gänze geben würde. Abbath: Ich komme mit seinen Solo Sachen einfach nicht klar. Vielleicht liegt es an der eher rockigen Ausrichtung. Diese Ausrichtung war noch nie so ganz mein Fall. Zumindest nicht, wenn es so eine Präsenz hat. Hinzukommt, dass mir das Gekrächze immer weniger gefällt. Wobei ich schon sagen muss das "Dream Cull" schon was an sich hat. Aber ich weiß nicht, ob mir das über die gesamte Laufzeit irgendwas gibt. Stand jetzt: eher nicht.
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von Rüdiger Stehle » Freitag 7. April 2023, 13:17
Eine gewisse Reserviertheit den Abbath-Soloalben kann ich tatsächlich verstehen, muss ich zugeben. Es ist in seiner rockigen Eingängigkeit doch irgendwo sperrig. Schwer zu beschreiben. Khold, Tulus, neuere Satyricon und Darkthrone sind ja durchaus auch rockig, aber auf eine andere Art und Weise, die mir per se auch näher steht. Wenn es dann aber länger läuft, dann finde ich mich doch wieder zurecht bei Abbath. Was ich aber auch bemerkenswert finde, ist, dass Abbath bei Immortal studiotechnisch doch ersetzbar war, dergestalt, dass das Fehlen seiner doch sehr charismatischen Stimme "Northern Chaos Gods" kein bisschen abgewertet hat. Da bin ich echt gespannt auf die Neue, die ja bald kommt.
Kampfar indes ist wirklich eine Band ohne Fehl und Tadel.
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von Havoc » Freitag 7. April 2023, 15:29
Rüdiger Stehle hat geschrieben:Was ich aber auch bemerkenswert finde, ist, dass Abbath bei Immortal studiotechnisch doch ersetzbar war, dergestalt, dass das Fehlen seiner doch sehr charismatischen Stimme "Northern Chaos Gods" kein bisschen abgewertet hat. So ganz unterschreiben würde ich das nicht. Das Fehlen seiner Stimme hat das Album vielleicht nicht direkt abgewertet, da es echt auch ohne ihn sehr stark ist. Dennoch wäre es mit ihm ggf. doch noch ein Quäntchen besser. Oder anders gesagt...ich vermisse sein charismatisches Geknurre dann doch ein kleinwenig. Mit seinen Soloalben habe ich bisher aber noch nicht angefangen, da mich diese Motörhead-Art dann nicht direkt so anfixt. Die kommende neue Immortal-Scheibe interessiert mich da dann doch mehr, auch ohne Abbath. Kampfar indes ist wirklich eine Band ohne Fehl und Tadel.
Hier könnte ich mich vielleicht auch mal mit beschäftigen. Kenne die Band vom Namen her schon ewig...es war auch mal ein Song auf irgendeinem Sampler. Habe aber einfach nie mit der Band angefangen. Mal sehn.
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von Jakob » Samstag 8. April 2023, 09:51
Apropos Abbath/Immortal: In Zuge des bevorstehenden Immortal-Albums habe ich mal wieder seit längerem "At The Heart Of Winter" "Damned In Black" und "Sons Of Northern Darkness" gehört und dabei erneut festgestellt, dass die Alben einen enormen Einfluss auf mich hatten und haben, die liefen früher rauf und runter und haben auch heute nichts an Stärke verloren (ich habe die Diskografie rückwärts kennengelernt, erst Sons, dann Damned und danach Winter). Vor allem Horghs Schlagzeugspiel hatte mich vor 20 Jahren umgehauen (ich finds immer noch groß!). Interessanterweise konnte mich seit dem kein anderes Immortal-Album mehr derartig überzeugen.
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von Havoc » Samstag 8. April 2023, 17:31
Jakob hat geschrieben:In Zuge des bevorstehenden Immortal-Albums habe ich mal wieder seit längerem "At The Heart Of Winter" "Damned In Black" und "Sons Of Northern Darkness" gehört und dabei erneut festgestellt, dass die Alben einen enormen Einfluss auf mich hatten und haben, die liefen früher rauf und runter und haben auch heute nichts an Stärke verloren (ich habe die Diskografie rückwärts kennengelernt, erst Sons, dann Damned und danach Winter). Vor allem Horghs Schlagzeugspiel hatte mich vor 20 Jahren umgehauen (ich finds immer noch groß!). Interessanterweise konnte mich seit dem kein anderes Immortal-Album mehr derartig überzeugen.
Ja. Dieses Trio ist phänomenal gut. Laufen mir heute noch genauso gut rein wie vor 20 Jahren. Die älteren Werke der Band habe ich indes immer noch nicht. Wobei die meiner Kenntnis nach noch deutlich räudiger und unmelodischer sein dürften. Die 2009er "All Shall Fall" finde ich zudem noch echt stark.
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von Rüdiger Stehle » Sonntag 9. April 2023, 11:03
Geographisch und stilistisch mal ein paar Schritte weg von der norwegischen Küste über die Nordsee gen Südwest: TOKYO BLADE "Fury"Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich überzeugt davon war, das Album hier vorzustellen, und das aus verschiedenen Gründen: Beim nicht unbedingt allzu hübschen Artwork fängt es an, das einem kurz die Frage aufdrängt, ob die deutlich populäreren Landsleute, Altersgenossen und Genrebrüder mit ihrem Album "Senjutsu" eine Inspiration waren. Die Frage schwebt aber nur Sekunden über den Kopf ehe man sich der Tatsache besinnt, dass wir es hier mit TOKYO BLADE zu tun haben, und hier naturgemäß schon seit den Achtzigern Samurais auf den Artworks herum turnten. Das weitere Problem mit "Fury" ist, dass es ewig brauchte, um wirklich zu zünden, obwohl wir es an sich nicht mit besonders ungewöhnlichen Klängen zu tun haben, sondern mit recht typischem, härteren NWoBHM-Stoff. Die schnelleren Songs, wie das Anfangstriple zünden sofort, wenn die Band allerdings das Tempo etwas herausnimmt, gerät sie manchmal in einen zäheren Groove, der erst einmal verdaut sein will. Und eine letzte Hürde gibt es auch noch, die überwunden sein will, wenn man mit "Fury" seine Freude haben möchte, und das ist, dass Sänger Alan Marsh über weite Strecken des Albums einen bizarren Effekt auf der Stimme hat, der ein Stück weit tönt, als sänge er ständig durch eine Flüstertüte. Und dann noch die letzte Problematik: Das Album ist mit 15 Songs und 80 Minuten Spielzeit bis zum Anschlag vollgepackt, so dass es durchaus ein paar Filler gibt. Aber was die andere Band mit dem Samurai kann, das kann TOKYO BLADE schon lange. Ja, das sind nun ein paar Stolperfallen, und doch steht das Ding hier in meiner Liste. Warum? Nun, ich habe erwähnt, dass die ersten drei Songs Volltreffer sind? Bissig, zupackend, Vollgas voran wie das tolle 'I Am Unbroken'. Und natürlich bleibt es dabei nicht, denn Andy Boulton sorgt mit seinem tollen Gitarrenspiel immer und immer wieder für große Freude, und die vielseitige Kompositionsweise sorgt dafür, dass es nicht langweilig wird. Es werden etwa bei 'Cold Light Of Day' mal neoklassische Elemente aufgegriffen, bei 'We Fall Down' der alte "Ring a Ring o' Rosie"-Reim. Weitere Highlights sind beispielsweise das stark von THIN LIZZY inspirierte 'Heart Of Darkness', das fiese 'Kill Me 'Till I'm Dead' oder der tolle Rausschmeißer 'When The Bullets Fly', der auch einen Hauch des Flairs der grünen Insel abbekommen haben dürfte. So bleibt am Ende doch eine ziemlich spannende, vielseitige Scheibe, die zwar ihre Untiefen hat, die es dem Seemann schwer machen, den heimischen Hafen zu erreichen, doch es warten reiche Belohnungen, wenn man die Reise meistert. 'I Am Unbroken' - https://www.youtube.com/watch?v=MSrCMj_Vb8E'Heart Of Darkness' - https://www.youtube.com/watch?v=T2ZyXa-swzw'Kill Me 'Till Me I'm Dead' - https://www.youtube.com/watch?v=V8XzKK8tdRs'When The Bullets Fly' - https://www.youtube.com/watch?v=h-WQLCMIe6M
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von Pillamyd » Donnerstag 13. April 2023, 09:56
Ziemlich spannend was du da schreibst.
Ich höre gerade I Am Unbroken und das ist schon ziemlich spritzig. Das Anfangsriff ist super. Der Sänger legt eine beachtliche Leistung hin. Ziemlich rasanter Gesang.
Zu mehr schaff ich es gerade nicht. Aber da werde ich dran bleiben. Danke für die Vorstellung!
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