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von Havoc » Dienstag 2. Juni 2026, 16:43
salisbury hat geschrieben:Ich glaube, Dead Guy hat schon recht in der Feststellung, dass ältere/etablierte Bands tendentiell wohlwollender wahrgenommen werden. Das mag sein. Aber ich finde, man könnte den Spieß auch umdrehen. Der Gedanke kam mir letztens als ich die "Berserker" von Amon Amarth laufen ließ. Für viele (selbst Fans) ist das halt wieder ein obertypisches AA-Album, welches eher nix Neues bietet. Und es gilt auch eher als eines der schwächeren der Band. Ich glaube aber, dass wenn man AA gar nicht kennen würde...und das Album dann quasi anonym in einem Soundcheck vertreten wäre...es würde ordentlich abräumen und vermutlich auf dem Treppchen landen. Nur so ein Gedanke. Was ich damit sagen will. Die großen alten Recken sind nicht umsonst da wo sie sind. Und - ich hoffe ich trete niemandem hier zu nahe - aber bei einigen von uns alten Säcken ist mittlerweile das wieder entdecken lieber als das neu entdecken. Aber ich bin sehr glücklich damit und offenbar geht es einigen Kollegen hier ähnlich.
Das geht mir auf jeden Fall so. Man ist halt auch einfach Fan von bestimmten Bands. Da interessiert einen ein neues Album einfach mehr als das irgendeines Newcomers. Und alte Sachen sind ja auch noch zu entdecken. Und alles kaufen und kennen kann man ja eh nicht. Und selbst, wenn man mal enttäuscht wird, will man den Weg dennoch weiter verfolgen und kauft auch das nächste Album wieder. Wie beim Sport halt. Wenn mein Verein verliert, dann schaue ich trotzdem das nächste Spiel und bin weiterhin Fan. Bin aber ähnlich wie Rüdiger auch ein sehr treuer Charakter. Wenn auch vielleicht nicht ganz so krass. 
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Havoc
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von salisbury » Dienstag 2. Juni 2026, 20:21
Havoc hat geschrieben: Die großen alten Recken sind nicht umsonst da wo sie sind.
Diese Erkenntnis wird je älter ich werde und je mehr Musik meine Hirnwindungen durchlaufen hat immer deutlicher und schillernder. Trotzdem möchte ich gerne ausnutzen, dass Dead Guy bei uns ist. Kannst Du mir aus deinem Fundus etwas empfehlen? Sagen wir mal: es soll schon ein Stückweit weg von etablierten Sounds und Schemata sein, eine gute Frauenstimme haben (kein Schreien oder Growlen, das funktioniert nur äußerst selten), und wenn die Gitarre Ausrufezeichen setzt, macht das auch was her. Bei einem Treffer kaufe ich dann die CD.
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von Dead_Guy » Dienstag 2. Juni 2026, 21:10
Aus dem Stehgreif fallen mir u.a. Deathbell mit "A Nocturnal Crossing", Brutus (die Belgier) mit "Nest" und Goat mit "World Music" ein.
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von Holger Andrae » Dienstag 2. Juni 2026, 21:11
So finden wir doch eher wieder zueinander. Sehr schön. Ich kann es als Demotape-Hörer und Freund von hermdsärmeligen Schrammel-Thrash schon verstehen, wie man die Frage nach einer gleichmäßigen Bewertung von etablierten und weniger etablierten Bands stellt. Im Gegensatz zu geschätzten Raben, betreibe ich kaum Nibelungentreue und bewerte die Großen meist sogar härter als Newcomer. Klar, vermeintlichen Favoriten werden ausgiebiger gehört, weil man eine treffsichere Analyse abliefern möchte und keinen rosa-verblümten Schnell-Euphorie-Schuss. Da ich selbst auch einige Jahre am SC aktiv beteiligt war und nicht nur - wie aktuell - diesen mit Fränky zusammenstelle, verstehe ich Dein Problem mit Musikstilen, die man nicht mag. Ich muss allerdings auch sagen, dass ich hier nicht selten auch Überraschungen erlebt habe. Man muss da nur offen genug ran gehen. Sicher, gewisse Vorurteile bleiben immer und wer behauptet bei so einem emotionalen Thema keine zu haben, der lügt schlichtweg. Ich werde schauen, dass ich auch in Deinem neuen Thread an paar Ohren investiere, denn Dein Geschmack ist sicherlich voller Überraschungen für mich, da ich einen Großteil der Bandnamen nur bei Dir lese. Zwar schrecken mich Band- und Albentitel, wie auch die Artworks zumeist erstmal ab, aber wer weiß, was da akustisch hinter steckt. Vielleicht die neuen jungen Wilden, die mich komplett anmachen. Spannend.
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von salisbury » Dienstag 2. Juni 2026, 21:18
Dead_Guy hat geschrieben:Aus dem Stehgreif fallen mir u.a. Deathbell mit "A Nocturnal Crossing", Brutus (die Belgier) mit "Nest" und Goat mit "World Music" ein.
Das sind drei mehr als mir einfallen würden. Gib mir ein bischen Zeit, ich horch rein. Ach ja: Danke! Ach ja #2: vielleicht sollten wir den Thread wieder für den Soundcheck freigeben, haha 
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von kingdiamond » Mittwoch 3. Juni 2026, 02:08
salisbury hat geschrieben:Kannst Du mir aus deinem Fundus etwas empfehlen? Sagen wir mal: es soll schon ein Stückweit weg von etablierten Sounds und Schemata sein, eine gute Frauenstimme haben (kein Schreien oder Growlen, das funktioniert nur äußerst selten), und wenn die Gitarre Ausrufezeichen setzt, macht das auch was her.
Ich war zwar nicht gefragt, aber falls du sie nicht eh schon kennst, könnten dir folgende 2 Alben durchaus gefallen: OK GOODNIGHT - The Fox And The Bird MEER - Wheels Within Wheels (gemischter Gesang) …Reviews sind auch bei euch vorhanden. 
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von Havoc » Donnerstag 4. Juni 2026, 08:48
Rüdiger Stehle hat geschrieben:Noten sind immer obsolet, wenn du sie nicht im Kontext von Rezension und Rezensent liest. Das ist der Punkt. Sie dienen für mich ausschließlich dem Spielchen des Soundchecks. Davon abgesehen sind sie komplett sinnlos, wenn du den Rezensenten nicht einschätzen kannst.
Das stimmt wohl. Wobei ich ja auch zugeben muss, dass ich das PM-Notenschema nicht so richtig mag. Das ist mir etwas zu sehr differenziert. Ich habe es da lieber etwas einfacher. So wie beim RockHard. 1-3 Mies 4-6 Teilweise hörbar 7-8 Gut 9-10 Spitze Wobei sich wahrscheinlich auch nichts ändern würde an meinen Noten, egal nach welchem Schema ich da vorgehe. Bei mir ist es sowieso ein reines Gefühlsding. Eigentlich brauche ich gar keine Skala. Das beste was geht ist 100%. Ich kann dann auch ohne Skala ziemlich genau einschätzen, wie gut ich ein Album nun finde. Die Bewertung orientiert sich schon ein wenig an Klassikern, aber noch mehr an der eigenen Bandgeschichte und den aktuellen Erwartugen die man so noch an eine Band hat. Es dann letzten Endes genau in Prozent (wie bei z.B. bei metal-archives) abzubilden geht mir dann aber ein Stück zu weit. Ich mag die 10-Punkte Bewertung in 0,5er Schritten am liebsten. Gerade höre ich das Debüt von Meshuggah. Die wäre gefühlt gerade wohl so 86..87%...sie schielt also in Richtung 9...aber ich denke, dass ich auch mit Blick auf die Diskografie der Band...dann doch bei der 8,5 bleibe. Weiterhin habe ich zuletzt in einem Interview gelesen, dass Fenriz gesagt hat, dass Musik ja kein Wettbewerb sei und er deswegen auch die Darkthrone Alben nicht wirklich bewerten oder reihen kann. Das stimmt natürlich auch. Früher fiel mir das auch noch leichter. Mittlerweile finde ich das auch echt schwierig. Das erstellen von Listen macht zwar Spaß, aber die Abwägung zwischen oft echt sehr unterschiedlichen Alben die alle ihren gewissen Reiz haben fällt mir auch immer schwieriger.
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von Rüdiger Stehle » Donnerstag 4. Juni 2026, 10:15
Der Hintergrund unserer Notendefinitionen ist, dass wir ja ursprünglich ein Magazin ohne Noten waren, weil unsere Überzeugung war, dass Kunst nicht mit Maßstäben gemessen werden sollte, die den Anspruch der Objektivität erheben. Nun sind aber Zahlenskalen etwas, das grundsätzlich der Objektivierung von Eindrücken in geraffter, pointierter Form dient. Um hier unserem subjektivistischen Grundsatz treu zu bleiben, als wir den Soundcheck einführen wollten, haben wir uns darauf geneigt, eben die Notendefinitionen nicht als objektivierend behauptete Qualität der Musik an sich zu fassen, sondern als Maß der Kongruenz zwischen Werk und subjektivem Geschmack sowie Hörgewohnheit des Wertenden. Sie beschreiben im Endeffekt also keinen objektiven Werkwert, sondern die Schnittmenge zwischen Werk und Werter.
alias Hugin der Rabe. Ravnen fra steinfjellet. Háv. 38
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von Havoc » Donnerstag 4. Juni 2026, 11:26
Ah. Ok. Das erklärt eueren Ansatz ganz gut. Kann ich nachvollziehen. Rüdiger Stehle hat geschrieben:Nun sind aber Zahlenskalen etwas, das grundsätzlich der Objektivierung von Eindrücken in geraffter, pointierter Form dient.
Genau das ist es. Nicht mehr und nicht weniger. Ganz ohne Noten fände ich jetzt auch blöd. Man will doch wissen wie gut dem Reszendenten das Album selbst gefällt. Im aktuellen DF-Review ist z.B. auch die neue Einar Solberg mit nur 6 Punkten bewertet. Und zwar von jemandem, der Leprous und Einar mag. Und er beschreibt auch ganz gut, warum ihm das Album nicht so richtig gefällt bzw., dass es bei ihm einfach nicht richtig zündet. Alles nachvollziehbar und völlig ok. Auch wenn ich es völlig anders sehe wie er. Aber so ist das mit Musik. Jeder empfindet sie anders.
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von kingdiamond » Donnerstag 4. Juni 2026, 11:59
Havoc hat geschrieben:das PM-Notenschema nicht so richtig mag. Das ist mir etwas zu sehr differenziert. Ich habe es da lieber etwas einfacher. So wie beim RockHard.
1-3 Mies 4-6 Teilweise hörbar 7-8 Gut 9-10 Spitze
Grundsätzlich mag ich auch eine Einsortierung eines (Werk/Album/Film/Buch was auch immer) auf einer Zahlenskala. Ich für mich gebe ja eine Note erst nach ca. 10 Durchläufen bei Alben, was den Nachteil hat, dass sich alle Noten im Bereich von 7 bis 10 bewegen, da ich sonst ein Album gar nicht so oft hören würde. Ich kann aber die Abstufungen für mich einordnen. Soweit so gut. Ich weiß nicht, ob ich es schonmal geschrieben habe. Mein bester Kumpel macht einen Blog und bewertet die von ihm gehörte Musik (oft auch schon nach 1-2 Durchläufen). Eines der ersten bewerteten Alben war die neue DREAM THEATER, die eine 3/10 von ihm bekam. Da gab es natürlich direkt Redebedarf! Er erklärte mir dann seinen Ansatz, der etwas anders ist: Seine Noten-/Punkte-Skala geht von 0 bis 10. Jedes Album startet per se erstmal mit 5/10 als „Neutralnote“. Davon bewegt sich dann ein Album entweder nach oben oder nach unten weg. Wenn man das weiß, kann man daran recht gut einordnen wie ihm was gefällt. Was ich daran spannend finde ist, dass die Skala auch ausgereizt wird, ohne damit auszudrücken, dass eine 3/10 ein komplett mieses Album ist. Ab einer 7/10 kann ich ihm dann auch andere (bessere?!) Alben einer Band oder ähnliche Musik empfehlen. Fazit: Erklärungen sind wichtig. 
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