Ich lasse es grad nebenher laufen. Hm, aufs erste Hören würde ich schon die neuere Variante bevorzugen. Etwas mehr Druck,etwas weniger Hall, aber trotzdem keineswegs überproduziert.
Wie geht's dir (oder anderen) damit?
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Horizonterweiterung, oder: Eure ultimativen SongempfehlungenRe: Horizonterweiterung, oder: Eure ultimativen SongempfehluIch lasse es grad nebenher laufen. Hm, aufs erste Hören würde ich schon die neuere Variante bevorzugen. Etwas mehr Druck,etwas weniger Hall, aber trotzdem keineswegs überproduziert.
Wie geht's dir (oder anderen) damit? "Es gibt keine Gesetze, die das Verhalten der Menschen regeln. Alles obliegt letztlich der moralischen Entscheidung des Individuums." (Olof Palme).
Re: Horizonterweiterung, oder: Eure ultimativen SongempfehluIch bevorzuge immer die Originalaufnahme. "No Place For Disgrace" ist so wie ich es kennengelernt habe perfekt. Ich mag den Hall, ich mag die Old School Gangshouts. Ich mag diesen 80er Klang, weil er so viel Spirit versprüht, welches man nachfühlen kann, wenn Zeitzeugen von dieser Zeit sprechen. Vor allem dann wenn man die Alben auch so kennengelernt hat. So bin ich zum Fan geworden, da brauche ich persönlich keine Neuaufnahme.
Ist aber nicht so schlimm, wie die Neuaufnahme von zum Beispiel "Bonded By Blood".
Re: Horizonterweiterung, oder: Eure ultimativen SongempfehluMich stört bei dieser Neuaufnahme eher das verschleppte Tempo als der zeitgemäße Klang. Aber es gibt da sowohl viel grusleigere Verschlimmbesserungen. "Let There Be Blood" von Exodus wäre da wohl auch mein Vorzeigebeispiel. Und das ausgerechnet bei meiner Lieblings-Thrash-Band.
Positive Beispiele: Testament "First Strike Is Deadly" oder Anthrax, wobei mich da natürlich in erster Linie der Gesang komplett begeistert, weil die Turbine im Bush vermurkst wurde. Wenn ich vier Ohren hätte, könnte ich länger schlafen.
Re: Horizonterweiterung, oder: Eure ultimativen SongempfehluEs gibt also verschiedene Blickwinkel, wie man vielleicht erkennt.
Re: Horizonterweiterung, oder: Eure ultimativen Songempfehlu
Das ist bei Musik ja eigentlich immer so. Wenn ich vier Ohren hätte, könnte ich länger schlafen.
Re: Horizonterweiterung, oder: Eure ultimativen SongempfehluSicher.
Aber jemand der damals dabei war, sieht das eben auch anders bzw. hat andere Kritikpunkte, als jemand, der die Band 20 Jahre nachdem Debüt kennengelernt hat. Da kann halt noch der Faktor angebracht werden, wie ich es getan habe, dass es für mich auch ein bestimmte Ausstrahlung hat, die Erzählungen "nachvollziehbar" zu machen und ich mich dahingehend richtig fallen lassen zu können. Ich liebe Dokumentationen wie die von "Sodom" oder "Thrash Altenessen" unfassbar gerne und immer wenn ich das anschauen (mindestens einmal im Jahr), wünschte ich mir dass damals miterlebt zu haben. Ich meine damit die Szene. Darum glaube ich soweit nachvollziehen zu können, warum einen die Musik damals bewegt hat, wenn ich sie eben höre. Mit diesem, wie ich finde, mit teils charmanten aber auch unfassbar guten Produktionen, die mir um einiges lieber sind, als glatte, klinisch/künstlichen Produktionen der heutigen Zeit. Wenn dann Timon beschreibt, dass er mit 80er Produktionen meistens so seine Probleme hat und dass ihm die neue Version besser gefällt, weil mehr Druck und weniger Hall stattfindet versuche ich über diesen Weg zu erklären, was und vor allem warum das so eine Wirkung hat. Das kann eine Neuaufnahme niemals. Oder wie du eben angebracht hast, dass das verschleppte Tempo überwiegt als die zeitgemäße Produktion. Ich bin da bei dir, natürlich. Es geht also nicht nur aus Prinzip darum, dass Neuaufnahmen immer scheiße sind. Es gibt vielschichtige Meinugen dazu. Folglich kann ich Timon in soweit verstehen, dass er einfach in einer anderen Klangwelt unterwegs ist. Der Zugang zur Musik ist da natürlich immer vielschichtig. Ich dachte nur, dass sei auch interessant.
Re: Horizonterweiterung, oder: Eure ultimativen SongempfehluIch wollte Deinen Kommentar nicht mir meiner flappsigen Reaktion abwerten, Pille. Sorry.
Ich freue mich natürlich über jeden Spätgeborenen, der sich sich so knietief in die alten Sachen hinein versinkt wie Du es tust. Das lese ich wirklich sehr, sehr gerne. Ich schaue solche Sachen auch sehr gern, obwohl ich ein mikroskopischer Teil eben jener Szenerie war. A trip down memory lane. "Murder In The Front Row" ist da der ultimative Kick für mich, weil ich mich aus irgendeinem komischen Grund da immer sehr wohl gefühlt habe, obwohl ich selbst nie dort war. Die Musiker, die ich von dort ein klitzekleines bisschen kenne, sind allesamt außergewöhnlich nett und zumeist auch anders als Amis aus anderen Gegenden. You guess, what I mean?! Ich merke in einer Stadt wie Hamburg, dass es da seit Jahren eine neue Szene gibt, von der ich beinahe gar nichts weiß. Ich merke das auf Konzerten, wo man manchmal niemanden mehr kennt, obwohl es brechend voll ist. Da ist nicht nur musikalisch ein neues Netzwerk entstanden. Sowohl im Bereich NWOTHM wie auch Prog/Djent. Timons Ohren zeigen sehr gut, wie man von Außen unterbewusst eine gewisse Klangästhetik eingetrichtert bekommt, die ein Wohlfühl-Gefühl auslöst und die auch Standards setzt. Ich fand in den 80ern auch einiges aus den 70ern komplett uncool, auch klanglich. Wenn ich vier Ohren hätte, könnte ich länger schlafen.
Re: Horizonterweiterung, oder: Eure ultimativen Songempfehlu
Das ist spannend. Seitdem ich mitbekommen habe, was bei mir in der Stadt geht und was da aufgebaut wurde über die Jahre, ist es immer wieder cool, die gleichen Leute auf diesen Konzerten zu sehen und dann auch mit ein paar immer wieder ins Gespräch zu kommen. Allgemein gesprochen, ist es halt immer toll zu sehen wie beständig das geworden ist. Auch außerhalb. Das freut mich immer wieder tierisch.
Re: Horizonterweiterung, oder: Eure ultimativen SongempfehluVoller Verachtung, kaltblütig, schroff, brutal, abgewrackt und angepisst, verschleppt und beinahe stolpernd im Groove: So geht Death Metal, der mit einem Auge gen Crustpunk und mit einem gen Doom schielt: 'Under the Surface' von MORGOTH ist genreuntypisch und deswegen ganz großartig.
Bestialisch, dräuend, beinahe doomig in der Grundstimmung, dabei aber doch zackig und trocken drein prügelnd, dabei immer wieder mit schwärendem Grunzen und beschwörendem Krächzgesang versehen, so zelebriert BORGIA in 'Extasis' brutalen, modrig langsamen Death Metal mit apokalyptischer Schlagseite, der großes Ohrenkino bietet. Knochentrocken, schleppend, pechschwarz, einsam, weltschmerzig, peinvoll, schreckensstarr und todessehnsüchtig ist 'Light Crisis' von FUNERALIUM zwar alles andere als leichte Kost, dabei aber doch von zwingender Stimmungsmalerei geprägt und ein Meisterwerk sondergleichen im Funeral Doom. Zwischen Post-Rock und Psych-Rock, zwichen Slowcore und Drone Doom mäandert 'Hung From The Moon' von EARTH auf verträumt glitzernden, sommerwüstennächtlich hypnotischen Wegen und lädt zum Meditieren ein, besticht und bezaubert mit lediglich leichten Nuancen und beinahe unmerklichen Verschiebungen. Elegant, synkopisch, variantenreich, swingend, perlend, kühl, traumtänzerisch und leichtfüßig, virtuos an allen Ecken und Enden, dabei hochmelodisch und verspielt, jedoch stets um ein und das selbe Thema seine Pirouetten drehend: 'Blue Monk' von THELONIOUS MONK bleibt im Jazz unübertroffen klar in seiner mäandernden Linie. Music is the only religion that delivers the goods.
(Frank Zappa * 21.12.1940 - 4.12.1993)
Re: Horizonterweiterung, oder: Eure ultimativen SongempfehluHistorisch zwar nicht der erste Track dieser Art, aber doch einer der besten, zeigt 'Saturday Night Fish Fry' dass der Jump Blues nicht bloß ins Ressort von Jazz, Swing und Rhythm 'n' Blues fiel, sondern eben auch den Rock 'n' Roll, den Riff-Rock und auch den Rap vorantrieb, wie kaum ein anderes Genre. 1949 war es zwar auch schon wieder über ein Jahrzehnt her, dass erste Schritte in diese Richtung unternommen worden waren, aber so vielseitig gut wie LOUIS JORDAN & HIS TYMPANY FIVE sind eben nicht viele Acts gewesen, und dieses heiße Geschoss hier sagt mir aus deren beachtlichem Repertoire noch einmal ganz besonders zu. Die nahezu epische Länge (immerhin 2 Single-Seiten!) verstreicht so wie im Flug. Oder etwa nicht?
Gesang vom Allerfeinsten, fast schon alternativrockig TOOLsches Geriffe, nach Thrash müffelndes Schlagzeug, und dann doch wieder eine fast swingende Atmosphäre, dazu ein Spannungsaufbau, wie er progressiver kaum sein könnte: DEADSOUL TRIBE verbindet zart mit hart auf eine ebenso schweißtreibende wie meditative Weise, derart düster und hypnotisch surren sie heran, die Fliegen des Beelzebub, dass einem ganz schwarz vor Augen werden kann davon. Kaum etwas ist derart intensiv im Progressive Metal wie 'Flies'. Zu schnell, um Doom zu sein, aber die Atmosphäre ist irgendwie ähnlich, und auch die progressiv rockenden Hektiker von RIVERSIDE aus Polen dürfen assoziiert werden. Der Stamm der toten Seelen nannte jedoch Wien seine Heimat. Progressive Metal der abgefahrenen Art stampedet das urige MASTODON mit 'Capillarian Crest' in die Gehörgänge: Pate stehen hier Post-Hardcore und eine technisch verfrickelte Mischung aus Stoner Rock-Riffs und Thrash Metal-Geballer, gefiltert durch eine gewisse Sludge-Ästhetik, aber eben alles auf Speed getrimmt. Geschwinde Breakbeats, jede Menge selbt eingespielte Samples, irre Rhythmik und abgefahren verfremdete Sounds bündelt SQUAREPUSHER zu seiner ganz eigenen progressiven Drum 'n' Bass-Spielart, von der schreibenden Zunft mal als Drill 'n' Bass und mal als Intelligent Dance Music bezeichnet. Unterkühlt, aber doch irgendwie psychedelisch - verstrahlter als ein schief eingestellter Industrielaser. 'Boneville Occident' treibt auf die kreative Spitze, was allzuoft als generische Monotonie verschrieen ist: Electro Music. Zum Abschluss noch etwas Slowcore, denn was SAVOY GRAND mit 'Recovery Positions' abzieht ist eine wirklich einzigartige Show der gediegen zelebrierten Langsamkeit, die nichtsdestotrotz ein Feuerwerk an Emotionen in den Orbit schießt, bloß eben in Zeitlupe. Der Effekt: Traurig schön! Music is the only religion that delivers the goods.
(Frank Zappa * 21.12.1940 - 4.12.1993)
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