Musik und Emotion

Hier geht es um das alles, was den Rocker / Metaller / Goth so bewegt.

Re: Musik und Emotion

Beitragvon firestarter » Donnerstag 30. Dezember 2010, 13:05

salisbury hat geschrieben:Wie kommt die Musik in Dein Hirn und wie schafft sie es, sich dort festzubeißen. Und warum schafft das andere Musik nicht. Gibt es da irgendeinen gemeinsamen Nenner? Irgendeine...Formel?


Natürlich gibt es Theorien darüber, wie welche Eindrücke mit Emotionen verknüpft und abgespeichert werden, so dass später, beim erneuten Hören der Klänge bestimmte Gefühle entstehen. Ein Teilbereich der Musikpsychologie befasst sich damit und erklärt z.B. die neuropsychologischen Grundlagen und Zusammenhänge.
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Re: Musik und Emotion

Beitragvon Eike » Donnerstag 30. Dezember 2010, 14:01

firestarter hat geschrieben:Mann, Mann, Mann, was ist der Thread in die Hose gegangen....


Gefühle sind nicht verhandelbar. Von daher war von vorneherein klar, dass dieser Thread entweder zu einem autistischen Abladen von Befindlichkeiten mit gelegentlichen drögen Kommentaren wie "kenne ich, ist bei mir genauso" oder "interessant, bei mir aber ganz anders" oder aber zu einer weiteren fruchtlosen Diskussion geraten würde. Was anderes war gar nicht zu erwarten, dementsprechend ist mir völlig unklar, was hier "in die Hose gegangen" sein soll.
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Re: Musik und Emotion

Beitragvon 123_7 » Donnerstag 30. Dezember 2010, 14:04

Dass man mittlerweile sogar schon die Emotionen, die einzig Variable und das einzig Insteressante in dieser durchstrukturierten und entmystifizerten Musikwelt, mit bodenlosen Diskussion seiner Magie berauben muss, ist mir eigentlich noch unklarer. Manche Dinge will ich gar nicht wissen, weil sonst rauben sie mir die letzte Freude und Unberechenbarkeit an Musik.
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Re: Musik und Emotion

Beitragvon hellknulf616 » Donnerstag 30. Dezember 2010, 14:08

Aber ich glaube, der wichtigste Punkt bei allen ist doch: Was verbinde ich persönlich mit einer Band, einem Song, einer Scheibe?

Das ist ein interessanter Punkt, ist bei mir aber ganz anders (hallo Eike!). Da sind viele dieser mit bestimmten Phasen verknüpften Scheiben im absoluten Emotionsloch gelandet. Die bewegen mich jenseits flacher Nostalgie kein Stück mehr, vielleicht, weil man sich als Mensch samt Empfindungen eben einfach entwickelt. Der Unterschied zwischen Reflex und Emotion ist da vielleicht bedeutsam - früher war ich schon Reflexmetaller (was im Endeffekt Metal ist), heute entsteht emotionale Bindung oder zumindest Vertrautheit erst über die Zusammenschau möglichst vieler Aspekte eines Werkes.

Emotional am längsten verbunden fühle ich mich LAKE OF TEARS und PARADISE LOST, vielleicht noch PRIMORDIAL. Das jedoch nicht aufgrund der mit ihnen verbundenen Situationen, sondern mit Blick auf das "Ideal", das ich bei diesen Bands vermute, eine Grundstimmung oder Grundausrichtung im emotionalen Bestandteil dieser Bandgeschichten, die mir zusagt. Ich hatte jedenfalls immer das Gefühl, dass diese Bands einen Teil von mir ausdrücken, Gedanken in ähnlicher Art und Weise formulieren.
Faustrecken und Mitsingen klappt zwar auf Parties oder Konzerten mitunter noch automatisch, aber wirklich emotional involviert bin ich da eher als Metaller (auch ein wichtiger Aspekt: emotionale Konditionierung in Gruppen), weniger als Persönlichkeit. Das letzte Mal inbrünstig mitgesungen habe ich bei PARADISE LOST - da aber auch die neuen Stücke, die noch gar keinen speziellen oder persönlichen Kontext hatten.

Was für meine eigene Bindung dagegen vergleichsweise unwichtig ist, ist die (vermutete) Emotionalität der Künstler: Das Herzblut der Musiker ist mir weitestgehend egal, da ich das a) nicht anhand einer Aufnahme oder eines Konzertes beurteilen kann, und b) nicht notwendig alle vermeintlich emotional aufgeladenen Alben gut finden kann. Ska berührt mich nicht, da kann Herzblut bis zum Anschlag drin stecken. Hendrix kam im Fernsehen sehr idealistisch rüber - vielleicht waren es aber auch nur die Drogen. Auf der anderen Seite kann allgemein als seelenlos verschrieene Musik durchaus mein Gefühlsspektrum, oder einen Ausschnitt davon, widerspiegeln - dann ist mir völlig egal, ob es berechnend ist oder nicht. Es kann schließlich niemand beweisen, dass Berechnung nicht irgendwann zu Magie führt.
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Re: Musik und Emotion

Beitragvon firestarter » Donnerstag 30. Dezember 2010, 14:20

Eike hat geschrieben:dementsprechend ist mir völlig unklar, was hier "in die Hose gegangen" sein soll.


Ich finde das Thema hat etwas sehr Persönliches, dem hier aber in einigen Posts nicht Rechnung getragen wird. Auch wenn das sicher ganz normale Internet-Foren "Kultur" ist, störe ich mich an sowas immer noch. Und Fabians hat schon Recht - das Thema wird durch bodenlose Diskussionen irgendwie seiner Magie beraubt.
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Re: Musik und Emotion

Beitragvon salisbury » Donnerstag 30. Dezember 2010, 15:00

Der Begriff "Magie" ist für mich als Naturwissenschaftler irgenndwie nicht richtig greifbar. Auch wenn ich glaube zu wissen, was ihr meint.

Die initiale Frage war doch "was muß Musik für Euch habe, damit sie Euch emotional berührt". Und einiges, was ich hier lese, finde ich sehr interessant. Es ist sehr natürlich sehr persönlich und wer die Frage hier gewissenhaft beantwortet, MUSS etwas von sich preisgeben. Ja. Und noch was. Hier schreiben viele Musikjournalisten, die ich auch sehr ernst nehme und respektiere. Ich finde, daß einer, der über Musk schreibt, sich mit der Frage auseinandersetzen MUSS! Er muss in der Lage sein, auszudrücken, wie und warum Musik ihn bewegt und vielmehr noch, er muss in der Lage sein, diejenigen, die genauso empfinden KÖNNTEN, wie er, zu erreichen und anszusprechen.
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Re: Musik und Emotion

Beitragvon Eike » Donnerstag 30. Dezember 2010, 21:07

Klar, nur habe ich da noch keine Weltformel gefunden, nichts was sich generalisieren und auf die rigorose Maßgabe, was Musik haben "muss", reduzieren ließe. Das wird im konkreten Einzelfall durch- und überdacht, soweit, dass es für eine Beschreibung nebst Erklärungsansatz reicht; aber abstrakt irgendwelche Lehrgebäude oder Ideologien draus abzuleiten, das halte ich für ziemlich unsinnig. Beim Betrachten eines Kunstwerks geht es mir um das spezifische, einzigartige dieses einen Werks, nicht um eine Nachbauanleitung für Kopisten - dafür gibt es Notenblätter und Akkordtabellen und Gesangslehrer und Instrumentalworkshops. Und wenn ich mich nicht mehr überraschen lassen könnte durch immer wieder unvorhergesehene Musikwahrnehmung und -erfahrung würde ich wohl zumindest aufhören, neue Musik zu hören, oder gar mein kalkulierbar durchkategorisiertes, mechanisch-langweiliges Roboterdasein gleich beenden.
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Re: Musik und Emotion

Beitragvon Rüdiger Stehle » Freitag 31. Dezember 2010, 00:47

Ich finde nicht, dass der Thread in die Hose gegangen ist. Es gibt doch einige interessante Aussagen zum Thema. Spannend ist ja auch nicht die Weltformel. Die gibt es nicht, die werden wir auch nicht finden. Spannend ist für mich zu lesen, was anderen hier oder da die entscheidende Brücke baut, eben diese Band oder jenes Lied besonders emotional zu finden.

Dass es natürlich müßig ist, darüber zu diskutieren, ob jetzt Manowar, AC/DC oder Mayhem emotional sind, sollte ja eh allen klar sein. Die Frage ist doch selbstredend eh, warum wir sie emotional finden oder nicht finden. Da ist es aus meiner Sicht dann aber auch legitim, das etwas drastisch zu beschreiben, wenn man es so empfindet.
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Re: Musik und Emotion

Beitragvon Holger Andrae » Freitag 31. Dezember 2010, 01:20

Aus irgendeinem Grund kann mich melancholische Musik tiefer ergreifen als fröhliche oder positive. Mag vielleicht auch daran liegen, dass Musik bei mir als Stimmungsaufheller (böses Wort) immer ganz hervorragend funktioniert. Sogar Fear Of God oder The God machine, die ja nun wahrlich düstere und eher sogar runter ziehende Musik und Texte haben, beleben mich beim Anhören und verbessern meine Laune grundsätzlich.

Es gibt sogar Songs, bei denen ich während des Anhörens einen Kloß im Hals habe oder sogar welche, bei denen ich längst verflogenen Ärger oder Frust erneut rauslasse, wie in einer Zeitreise. Kopfkino.

Um dies festzustellen, muss ich aber nicht analysieren, dass "unsere" Musik von diesen oder jenen Schichten gehört wird. das hat doch mit meinen Emotionen in dem Moment mal rein gar nichts zu tun. Irgendwann sind wir hier das "Analyse-Forum".
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Re: Musik und Emotion

Beitragvon Rüdiger Stehle » Freitag 31. Dezember 2010, 01:31

Holger Andrae hat geschrieben:Um dies festzustellen, muss ich aber nicht analysieren, dass "unsere" Musik von diesen oder jenen Schichten gehört wird. das hat doch mit meinen Emotionen in dem Moment mal rein gar nichts zu tun. Irgendwann sind wir hier das "Analyse-Forum".

Absolute Zustimmung! Das schöne an Musik ist ja, dass sie völlig unterschiedliche Menschen im gleichen Maße ansprechen kann und ihnen eine gemeinsame Basis verschaffen kann, wenn sie nur in diesem einen, winzigen Punkt ähnlich ticken. Da jucken mich die oft ins Feld geführten "Argumente" nicht die Bohne. Ob Metal nun "working class music" ist, weil die englischen Stahlschmieden und Ruhrpott dieses Klischee bedienen, oder ob es Musik für verschrobene Intellektuelle ist, weil diverse Proggies jenes Klischee erfüllen isch grad mal juckegal. Schön ist ja, dass Menschen aus allen Schichten, simple wie verkopfte Musik toll finden können, weil sie ihnen einfach aus ganz unterschiedlichen Gründen nahe geht.

Aus irgendeinem Grund kann mich melancholische Musik tiefer ergreifen als fröhliche oder positive. Mag vielleicht auch daran liegen, dass Musik bei mir als Stimmungsaufheller (böses Wort) immer ganz hervorragend funktioniert. Sogar Fear Of God oder The God machine, die ja nun wahrlich düstere und eher sogar runter ziehende Musik und Texte haben, beleben mich beim Anhören und verbessern meine Laune grundsätzlich.

Wenn ich nach Emotions-Attributen suche, die als Schlagworte dienen könnten, welche Musik mich mit einer gewissen Regelmäßigkeit direkt ergreift, dann sind es oft - lange nicht immer - Grimmigkeit, Stolz mit einem gewissen Pathos und natürlich auch dunklere Themen wie Verzweiflung und Melancholie. Musik die "nur" fröhlich ist, geht mir selten wirklich nahe, kann mir aber trotzdem sehr viel Spaß machen. Auch auf mich hat Musik immer eher eine aufhellende Wirkung.
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