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Hier geht es um das alles, was den Rocker / Metaller / Goth so bewegt.
von Nils Macher » Montag 8. Oktober 2012, 21:28
Siebi hat geschrieben:Gute Stunde, fast durch, das Fazit bleibt gleich, zu wenig oder gar nie nicht meine Musik, die da promotet wird. Wo ist der Metal? Aber das frage ich mich hier und bei anderen Plattformen ebenso. Immer schön open minded sein, der neuzeitliche Metaller braucht Crippled Black Phoenix und Enslaved und was weiß ich noch, weil die sind jetzt hip und hop. Wenn es für einen gut ist, ja, aber nur weil es neu und anders ist? Nein und nochmals nein.
So denn zu Sperbers Wort zum Sonntag. Drollig köstlich, wie der Klischee-Metaller beleuchtet wird. Nicht jede 2/18-Note ist progressiv und Weiterentwicklung heißt nicht, dass man mit Triangel und böse dunklem Gesang und hippem Gelhaarschnitt wahnsinnig fortschrittlich musiziert. Als uncooler Scheuklappenträger, der ich bei Musik gerne bin, musste ich schmunzeln. Denn im Unterschied zum bayerischen Landbauern, der hier benannt und verunglimpft wird, nimmt der Siebi jede Person erstmal ernst, Äußerlichkeiten my ass.
Aber, was Metal-Mirror oder Rock Hard und Co. mir als Metal verkaufen wollen, sorry, da geht mir das traditionalistische Halfordkapperl kilometerweit hoch. Was für ein Schmonzes. Und alles ist so neu und innovativ?!? Schon mal an die eigene Nase gefasst, ihr metallischen Hipster, die Schandmaul für harte Mucke und innovativ, weil ein Streichinstrument eingesetzt wird, halten? Und so ein junger Meister erzählt Dir dann, dass er Metal ist und so, aber bei Priest und Metal Church an einen Pfarrer einer Sekte aus der Urzeit denkt. Mir is' schlecht...
... aber Rob und "Beyond The Realms Of Death" helfen sofort wieder, dass man die Fist raist, sein Bierchen schlürft und einem der Rest dieser so fortschrittlichen Metalindiustrie mit ihren noch fortschrittlicheren Journalisten mal im Mondschein begegnen kann. Prost!
Wäre es dir lieber, wenn der Metal in seiner Entwicklung Ende der 80er stehen geblieben wäre? Auch der Metal hat sich aus etwas entwickelt, ohne "progressive" Bands wie SABBATH, CREAM, ZEPPELIN gäbe es so viele der Konservativ-Truppen nicht.
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von Siebi » Montag 8. Oktober 2012, 21:40
Moment Jhonny, da ist der Unterschied zwischen Musik, die gefällt und dem, was als Metal angeboten wird oder einem Metalfan in einem Mag oder Plattform angeboten wird, gemeint. Denn dadurch, dass es zur Sprache kommt, werde ich damit konfrontiert, höre dann rein, hat aber mir Metal nix zu tun. Aber wie schon gesagt, diese Starrsinnigkeit oder der Wunsch nach Sparten ist alleine mein Problem, aber zumindest finde ich hier und da noch meine schmissigen Metalinseln. Darüber hinaus habe ich in meinem Umfeld noch niemanden darüber anzüglich sprechen gehört, wenn jemand Limp Bizkit hört. Was soll das? Es geht darum, wenn auf einem Metalkonzert man mit weisen Sprüchn von Leuten belegt wird, die das Metaleinmaleins nicht kennen, sich aber wie die Szeneobergurus aufführen und einem erzählen, wie Metal (oder andere Subgenres der U-Musik) funktioniert. Wie gesagt, ich treffe mich gerne in einem Kaff unter freiem Himmel auf einer Wiese, um Metal zu hören. @Nils: Was ist an einer Gruppe wie CBP oder Enslaved oder Stone Sour denn neu? Nenne mir doch mal ein paar fortschrittliche Gruppen, die den klassischen Metal (der in den 80ern geboren wurde) nach vorne gebracht haben? Wo sind Dream Theater progressiv? Das Aneinaderreihen vieler Noten in immenser Geschwindigkeit beherrschten schon Al Di Meola und Mike Oldfield. Im Metal wirklich fortschrittlich waren Rüdigers BM-Bands, da einige Bands wirklich Neues versucht haben, auch wenn es mir nur sehr bedingt zusagt. Es wird immer Entwicklung geben, ich bin aber ein Kind der 80er, man verzeihe. Ach so, Primus-Oberüberfan bin ich auch, hat aber mit Metal nix zu tun, brauch ich dann auch in keinem RH etc., sondern freut mich mindestens 1x wöchentlich in meiner Muckebude, passt, Prost! 
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von Jhonny » Montag 8. Oktober 2012, 21:45
Nils Macher hat geschrieben:Wäre es dir lieber, wenn der Metal in seiner Entwicklung Ende der 80er stehen geblieben wäre? Auch der Metal hat sich aus etwas entwickelt, ohne "progressive" Bands wie SABBATH, CREAM, ZEPPELIN gäbe es so viele der Konservativ-Truppen nicht.
Ich bin zwar nicht der Siebi, geh aber trotzdem drauf ein Nach Ende der 80er kamen zwar noch ein paar spannende Varianten auf und mit dem Black Metal Norwegens und dem britischen Doom-Death von Paradise Lost, My Dying Bride oder den nicht ganz so britischen Tiamat - aber ansonsten... kann ich über weite Strecken mit einem musikalischen Ist-Zustand um 1990 herum ganz gut leben. Nur wenige Bands schaffen es für mich, moderneres mit Metal zu verbinden und trotzdem diesen Metal-Spirit zu transportieren. Primordial, Slough Feg, Blind Guardian, Dream Theater, Nevermore, Machine Head - das ist starker Metal und trotzdem nicht in 1988 gefangen. Aber vieles, was sich seitdem so mit Metal gekreutz hat, oder was "progressive Errungenschaften der Musikgeschichte" sind - klingt für mich verzichtbar. Ist bei E-Musik übrigens genauso - irgendwo in der Romantik ist die letzte für mich wirklich spannende Hochphase, danach kamen zwar noch einzelne tolle Sachen (Carl Orff und natürlich diverse Soundtracks), aber mit "moderner" E-Musik kann ich mich nicht anfreunden. Genauso wenig wie mit "modernem Metal" a la neuere In Flames, Post-Metal, Post-Mathcore, Korn, Industrial, vielem Gothic-Zeugs, Avantgarde Metal usw.
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von Holger Andrae » Montag 8. Oktober 2012, 21:47
Ich denke mal, dass das vom herzigen Siebi in fröhlich-garstigen Buchstabenreihen formulierte Problem nicht ganz unberechtigt ist. Es werden bereits seit den 90ern Bands in Metalmagazinen unterstützt, die dort nur sind, weil eine Promotion-Firma oder ein Label nicht weiß,wie und wo man diese Bands sonst unterbringen soll. Und da die (sonst gern als engstirnig bezeichneten) Metalhörer ja offen für alles sind, was Stromgitarren beinhaltet und was die Haare offen trägt, kommt es dann eben in die Metalmags. Ich kann diese Meinung schon verstehen.
Mich stört es nicht, weil ich über diesen Weg bereits an diverse tolle Bands geraten bin, die ich sonst wohl nicht entdeckt hätte.
Etwas ärgerlich wird es nur, wenn die Publikationen ihren eigentlichen Auftrag aus den Augen verlieren und anstatt leckere Newcomer zu unterstützen, die tatsächlich die Musik spielen, die im Heftnamen auftaucht, nur noch das ablichten, was automatisch über die Promofirmen rein kommt.
Wenn ich vier Ohren hätte, könnte ich länger schlafen.
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von Nils Macher » Montag 8. Oktober 2012, 21:50
Ich habe nicht behauptet, dass jede deiner genannten Bands "progressiv" in dem Sinne ist, dass sie mit jedem Album etwas noch nie dagewesenes darbieten. Darum geht es mir auch gar nicht. Aber bei dir sind ENSLAVED anscheinend kein Metal mehr? Wieso, weil sie nicht klingen wie VENOM?
Über den Fokus lässt sich beim MM sicherlich streiten, ich bin auch kein großer Fan von so einigem, was da gefeatured wird. Muss ich aber auch nicht, geht mir beim RH, bei Powermetal.de ähnlich.
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von Holger Andrae » Montag 8. Oktober 2012, 21:56
Nils, das war jetzt keine expilzite Kritik am Metal Mirror.
Wenn ich vier Ohren hätte, könnte ich länger schlafen.
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von Nils Macher » Montag 8. Oktober 2012, 22:01
Das habe ich schon verstanden, aber auch gegen explizite Kritik habe ich nichts. Ich kann die Einstellung zu gewissen Spielarten nur schwer nachvollziehen, aber das ist vermutlich eine Sache des Altersunterschieds.
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von Siebi » Montag 8. Oktober 2012, 22:14
Gut, Enslaved ist nicht der Metal wie ich ihn verstehe. Bei Metal denke ich an griffige Hooks, Melodien, Würze, räudige Gitarrensalven, high screaming Eunuchenjodler oder ausdrucksstarken Gesang und ein Tempo, das spritzig nach vorne prescht, ansonsten haben wir Doom, sei es mit dem Beiwort Metal oder Rock. Bei Enslaved schlafen mir alle Gesichtszüge ein, wie auch bei neueren Katatonia oder Paradise Lost, ist für mich kein (klassischer) Metal, wie ich ihn höre oder verstehe. Wenn Metal so ist, dass ein tiefes E angestimmt wird und ein Sänger darüber oder noch böser, darunter, grunzt, na gut, dann höre ich anders. Bei Between The Buried And Me frage ich mich, was die sagen oder rüberbringen wollen. Egal, empfinde ich nicht als das, mit dem ich aufgewachsen bin. Gib mir Skull Fist, Screamer, Slingbalde, Kryptos und ich bin glücklich. Solange es solche Bands gibt, freut es mich. Jetzt fällt mir einer ein, den ich für fortschrittlich halte, weil er fernab von Konventionen Musik macht: Devin Townsend, sehr beeindruckender Musiker, dessen Werk mich fasziniert. Metal? Vielleicht in Teilen, aber sonst: Nö. Und was ist mnir das? Völlig piepegal. Mir geht es um etwas ganz anderes, siehe Holgers Beitrag: Holger Andrae hat geschrieben:... Es werden bereits seit den 90ern Bands in Metalmagazinen unterstützt, die dort nur sind, weil eine Promotion-Firma oder ein Label nicht weiß,wie und wo man diese Bands sonst unterbringen soll. Und da die (sonst gern als engstirnig bezeichneten) Metalhörer ja offen für alles sind, was Stromgitarren beinhaltet und was die Haare offen trägt, kommt es dann eben in die Metalmags....
Etwas ärgerlich wird es nur, wenn die Publikationen ihren eigentlichen Auftrag aus den Augen verlieren und anstatt leckere Newcomer zu unterstützen, die tatsächlich die Musik spielen, die im Heftnamen auftaucht, nur noch das ablichten, was automatisch über die Promofirmen rein kommt.
So ist es und darum schreibt der Siebi auch nix mehr groß, außer man bittet ihn nett. Wo ist eigentlich die Festering Saliva-Promo? ...bin dann kurz weg. 
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von Rüdiger Stehle » Montag 8. Oktober 2012, 22:51
@ Siebi: Im Prinzip bin ich ganz bei dir. Außer in Sachen ENSLAVED, die natürlich schon Metal sind, und auch weltbewegend neu waren... allerdings schon in den frühen Neunzigern. Wobei du das ja sogar eingeräumt hast, mit deiner kleinen Verneigung vor "Rüdigers Black Metallern". Heutzutage mag ich die Band vermutlich auch eher trotz als wegen ihrer 70er-Psychedelik-Anwandlungen.
@ Metal Mirror:
Das soll jetzt keine Kollegenschelte sein oder zum Ausdruck bringen, dass diese Kritik, die ich mit Siebi teile, etwa für unser Magazin nicht gelte. Auch bei uns erscheinen auf der Titelseite oftmals Themen, die für mich im Metal-Kontext grenzwertig sind, aber vorliegende Ausgabe des Metal Mirrors treibt das schon ein Stück weit auf die Spitze.
Ich erwarte ja gar keine so klare Grenzziehung wie Siebi, und es stört mich nicht weiter, wenn in einem Metal-Magazin gelegentlich auch Bands über dem Tellerrand Erwähnung finden. Aber - und das ist bei vorliegender Ausgabe des Metal Mirrors schon extrem krass - wenn ich im Logo "Metal Mirror" stehen habe, und im Untertitel die Floskel "Das journalistische Magazin für Heavy-Metal-Kultur", dann ist es schon extrem frech, wenn die Titelstory STONE SOUR heißt und im Untertitel dann zu allem Überfluss noch PAPA ROACH, SABATON und BLACK LIGHT BURNS folgen. Von den vier Bands auf der Titelseite hat also nur eine einzige mit Heavy Metal zu tun (und selbst das werden manche hier - ich nicht - bestreiten). Das heißt dann entweder, dass man die Leser für dumm verkaufen will, oder dass man versucht, ein "neues" Verständnis von Heavy Metal zu propagieren, das nicht mehr für eine Entwicklung des Genres, sondern für einen Bruch oder eine Ersetzung steht.
Das ist jetzt weder Kritik an der stilistischen Ausrichtung des Magazins, noch hat es etwas damit zu tun, dass ich die Bands nicht mögen würde (die meisten interessieren mich einfach nicht). Es geht auch nicht primär darum, eine Schubladendiskussion zu führen, sondern einfach darum, dass ich eine ganz massive Inkongruenz zwischen dem Titel und dem damit verbundenen Anspruch des Magazins und der sich im Mirror spiegelnden Realität sehe. Mit Verlaub, "Metal Mirror - das journalistische Magazin für Heavy-Metal-Kultur" ist schon eine relativ hochtrabend klingende Selbstbezeichnung, und wenn in einem Magazin, das sich so bezeichnet, das, was man gemeinhin unter Heavy Metal versteht, zur Randnotiz wird, dann wird man diesem Anspruch in meinen Augen nicht gerecht.
Auch das "Wort zum Sonntag" spricht in diesem Kontext irgendwie Bände. Vermutlich soll es selbstironisch klingen, aber letztlich habe ich den Eindruck, dass diese Ironie nicht den Kern verstecken kann, der dahinter steht: Man fühlt sich gar nicht wirklich wohl in seiner Haut als "Metaller". Das ist ja auch in Ordnung. Keiner wird gezwungen, "Metaller" zu sein. Aber die Frage ist halt dann, ob man unbedingt ein Magazin für "Heavy-Metal-Kultur" machen muss, wenn man Metal doch eher als reaktionäre Kultveranstaltung für Bauern, Provinzler und Ewiggestrige sieht. Warum dann nicht ein "Magazin für moderne Rockmusik", in dem man auch ein paar Metalbands bringt, die man cool findet?
alias Hugin der Rabe. Ravnen fra steinfjellet. Háv. 38
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von Nils Macher » Montag 8. Oktober 2012, 22:56
Ja, der Begriff "Metal" wird weiter ausgereizt als nötig. Titelstory sollte eigentlich ENSLAVED werden, wurden aber kurz vor VÖ versetzt. Nicht, dass ich damit die grundsätzliche Ausrichtung korrigieren/schönreden möchte;) Nur um es erwähnt zu haben.
Anhand der konkreten Beispiele von Rüdiger kann ich das auch voll und ganz nachvollziehen.
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