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von Holger Andrae » Dienstag 15. Juni 2010, 20:44
enemy-of-reality hat geschrieben:hellknulf616 hat geschrieben:Dreißig Alben in vier Wochen hören UND zu allen eine detaillierte Meinung bilden? - Nope.
Das alte Problem. Wenn das nicht möglich ist, müsste man IMO eben die Anzahl der Alben einschränken. Stattdessen aber zu sagen "Hey, die Benotung ist nur so ein ungefährer Richtwert, dafür haben wir aber auch 47 Alben im SC" ist IMO der falsche Weg. Der SC ist doch eher ein tendenzieller Überblick, also zwangsläufig noch subjektiver, und das naturgemäß vor allem mit Blick auf die nicht bevorzugte Musik. Ungefähr so: Jazz bekäme von mir beispielsweise prinzipiell null Punkte (weil ich ihn nie wieder auflegen würde), aber weil ich denke, dass es durchschnittlich guter Jazz ist, könnte ich mich zu einer 5er Wertung hinreißen lassen - macht im Schnitt 2,5, also 3 Punkte.
Das seh ich komplett anders. Wenn du das in einem Leserreview so handhabst, OK. Wenn du aber Mitglied einer seriösen Redaktion bist, dann müsstest du in diesem Fall als Rezensent bei dem Album auf eine Bewertung verzichten. Wenn es dir nicht möglich ist, eine Scheibe halbwegs fair zu bewerten, dann eben gar nicht. Stell dir z.B. vor, Holger mag keinen Thrash und gibt daher jeder entsprechenden Scheibe maximal 3 Punkte. So funktioniert das einfach nicht. Dass der persönlich Geschmack immer in die Bewertung miteinfließt ist klar - es darf aber keinesfalls so weit gehen, dass er alleine über die Note entscheidet.
schlechtes Beispiel
Wenn ich vier Ohren hätte, könnte ich länger schlafen.
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von enemy-of-reality » Dienstag 15. Juni 2010, 20:45
Danke für die Erklärung, Kubi! Dass ihr diese subjektive Ausrichtung immer wieder kommuniziert, hab ich bisher irgendwie nicht mitbekommen. Egal. Ihr habt euch dafür entschieden, es so handzuhaben und das wird von mir dann natürlich akzeptiert, auch wenn es nicht meiner Auffassung von seriösem Musikjournalismus entspricht. Nix für ungut, Leute. Aber so weiß ich jetzt zumindest, wie ich in Zukunft eure Bewertungen einzuschätzen habe.
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von frankjaeger » Dienstag 15. Juni 2010, 22:39
Auch da gibt es Abstufungen. Ich schaffe es nicht, einer BM Scheibe eine 2 zu geben, auch wenn ich die nie wieder mit der Kneifzangen anfasse, wenn sie denn handwerklich gut ist und mich einfach nur nicht berührt. Das zeigt gerade dieser SC wieder deutlich. Denn 50 Prozent der Platten würde ich als Bierdeckel verwenden. Höchstens. Und dann würde wahrscheinlich das Bier schal Aber man darf subjektiv sein, sogar extrem, und das wird bei uns auch gelegentlich heftig diskutiert. Das muss so sein. Objektivität bei Kunst gibt es nicht, also geben wir es auch gar nicht erst vor.
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von Mr. Know-It-All » Dienstag 15. Juni 2010, 22:50
frankjaeger hat geschrieben:Objektivität bei Kunst gibt es nicht.
Das ist genau der Kern. So eine Bewertung sollte eigentlich immer eine Kombination aus subjektiven Empfindungen und einer Art objektiver Bewertung der Handwerklichkeit, Technik, Produktion etc. sein. @enemy-of-reality: Was ist denn für dich seriöser Musikjournalismus? Eben jene zweitgenannte Bewertung der Spieltechnik?
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von Rüdiger Stehle » Dienstag 15. Juni 2010, 23:53
enemy-of-reality hat geschrieben:Das finde ich jetzt aber interessant. Wie ich gerade geschrieben habe, ist es natürlich völlig normal, dass ein jeder Redakteur bestimmte Stile bevorzugt.
Aye! Das bedeutet im Umkehrschluss natürlich auch, dass es Stile gibt, die dem Rezensenten nicht so liegen. Bei dir ist das (unter anderem?) eben die Art Musik, die PERIPHERY spielt.
Richtig. Natürlich erwartet man aber nun von einem Journalisten, dass er diese persönliche Abneigung zu Seite schiebt (ganz wird das natürlich nicht funktionieren; aber so gut wie möglich halt) und versucht, die Musik möglichst objekltiv zu bewerten.
NEIN! Natürlich erwartet man genau das von einem Soundchecker bei PM.de nicht, weil wir stets artikulieren und betonen, dass unsere Noten rein subjektiv sind und lediglich die Übereinstimmung des Albums mit unserem Geschmack beschreiben. Ein Review ist etwas anderes: Dort soll die Rezension neben dem subjektiven Werturteil auch ein breites objektives, deskriptives Element haben. Die Note an sich ist aber auch hier rein subjektiv, sprich ich kann theoretisch ein Album als Perle des Stils loben, aber trotzdem damit schließen, dass ich den Stil aber so daneben finde, dass ich nicht über 2,5 Punkte raus komme. Die Frage ist dann nicht, ob die 2,5 Punkte seriös sind, sondern vielmehr die Frage, ob ich als Stilhasser geeignet wäre, das Review zu schreiben und zu beurteilen, ob das Album wirklich eine Perle des Stils ist. Deshalb versuchen wir natürlich für die Einzelrezensionen einen dem Stil gegenüber aufgeschlossenen Kollegen zu finden. Gerade dadurch ist aber dessen Note genauso subjektiv. Eine Note für Kunst ist immer rein subjektiv, und wer etwas anderes behauptet ist ein Gaukler. Du musst die Soundcheck-Note so sehen: Oliver als Genreanhänger gibt der Periphery 8 Punkte -> Genrefans dürfen aufhorchen! Rüdiger als Genreskeptiker gibt ihr 3 Punkte -> Wer einen ähnlichen Geschmack hat wie Rüdiger, der muss nicht damit rechnen, dass Periphery ausnahmsweise auch Genreskeptiker begeistern wird Der Soundcheck dient dazu, eine breite Übersicht darüber zu geben, wer mit welchem Geschmack sich möglicherweise für eine bestimmte Scheibe interessieren könnte. Die Botschaft meiner 3 Punkte für Periphery ist daher schlicht und ergreifend, dass Leute, die sehr ähnliche stilistische Vorlieben haben wie ich, sich nicht groß damit befassen brauchen. Damit ist die Note letztlich noch nicht einmal eine Bewertung der Qualität der Scheibe, was immer die Qualität einer Scheibe sein mag, sondern nur ein Gradmesser für die Schnittmenge der Scheibe mit meinem Geschmack, die vorliegend bei maximal 30% liegt. Das hast du deiner Aussage nach getan. Du hast dabei allerdings "nichts für diesen Stil besonders herausragendes" entdeckt. Weder im positiven, noch im negativen Sinne, zumindest deute ich deine Aussage so. Wenn dem aber tatsächlich so sein sollte, dann stellt sich natürlich die Frage, warum du nur 3 Punkte vergibst. Die stehen bei euch nämlich für ein "ganz übles Album" Und mit einem solchen scheinen wir es hier, wenn ich deine Worte richtig interpretiere, ja keinesfalls zu tun zu haben.
Es ist ein Stil, der mich grundsätzlich nervt und den ich um nichts in der Welt freiwillig hören möchte, wenn er nichts hat, was mich persönlich ganz ausnahmsweise dazu bringen würde, speziell diese Band oder dieses Album als von der Stil-Norm positive Abweichung wahrzunehmen. Es ist selbstverständlich nach technisch-handwerklichen Maßstäben kein "ganz übles Album", aber subjektiv ein Album, das ich ganz übel finde, weil diverse Stilelemente so dermaßen nerven, dass der Finger definitiv zwanghaft zur Skip-Taste hin gezogen wird. Die drei Punkte, also haarscharf vorbei an der nächst höheren Notenstufe gibt es entsprechend der Notenbeschreibung für das solide Handwerk, das ich der Band keinesfalls absprechen möchte. Kurz gesagt: 3,0 Punkte ist die maximale Note die ich hier geben kann, weil das Album keinerlei positive Reaktion bei mir auslöst und mir ausschließlich auf die Nerven geht. Es ist für mich die korrekte Note für dieses Album.
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von enemy-of-reality » Mittwoch 16. Juni 2010, 00:08
enemy-of-reality hat geschrieben:....auch wenn es nicht meiner Auffassung von seriösem Musikjournalismus entspricht.....
Diese Aussage möchte ich zurücknehmen, hab mich da wohl etwas in der Wortwahl vergriffen. No offense meant, guys! Was ich zum Ausdruck bringen wollte, dürfte aber eigentlich klar sein, nämlich dass meiner Auffassung nach die Bewertungen im Rahmen eines Soundchecks / Richterskala / etc. nicht rein subjektiv sondern, ganz im Gegenteil, eben möglichst objektiv ausfallen sollten. Und damit ist hoffentlich auch deine Frage beantwortet, Mr. Know-It-All.
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von Rüdiger Stehle » Mittwoch 16. Juni 2010, 00:28
enemy-of-reality hat geschrieben:Diese Aussage möchte ich zurücknehmen, hab mich da wohl etwas in der Wortwahl vergriffen. No offense meant, guys!
No offense taken! Was ich zum Ausdruck bringen wollte, dürfte aber eigentlich klar sein, nämlich dass meiner Auffassung nach die Bewertungen im Rahmen eines Soundchecks / Richterskala / etc. nicht rein subjektiv sondern, ganz im Gegenteil, eben möglichst objektiv ausfallen sollten.
Schau, und genau mit diesem Ansatz wollten wir bei Einführung unserer Noten und unseres Soundchecks völlig bewusst brechen. Wir wollen euch nicht vorgaukeln, beurteilen zu können, ob ein Album "objektiv" gut ist, oder in der Lage zu sein, mit einer Ziffer den künstlerischen Wert eines Albums zusammenfassen zu können. Wir sind Musikliebhaber mit einem ganz individuellen Geschmack, wie jeder von euch auch. In einem Review können wir sehr wohl trennen, was objektive Beschreibung und was subjektive Bewertung ist. Das können wir in einer Note nicht, daher haben wir uns entschieden, die Note als ausschließlich subjektives Werturteil zu nutzen. So sind unsere Noten definiert, und genau so wollen wir sie verstanden wissen. Wenn Frank der Watain 6 Punkte gibt, dann sind das 6 Punkte eines Schwarzmetallophobikers, die für den Watain-Fan kaum mehr wert haben als 6 Punkte von Dieter Bohlen. Das selbe gilt für 5 Punkte von mir für ein neues Album von Anathema. Das ist sicher nicht schlecht, ein Anathema-Fan mag subjektive Fan-10-Punkte vergeben; für mich ist es gut gemacht, kaum störend, aber trotzdem sterbenslangweilig. Würden wir "objektiv" bewerten - und objektiv sind ja an sich nur handwerkliche Fragen - dann müsste jedes Album im Schnitt zwischen 8 und 10 Punkten haben, weil die Wahrscheinlichkeit, dass eines der Alben in unserem Soundcheck wirklich "objektiv" messbare (also handwerkliche) Schwächen hat, doch sehr gering ist. Daher der glatte Schnitt: Kein wischi-waschi halb-subjektiv und bemüht-objektiv, sondern ausschließlich subjektiv. Gerade, weil unserer Meinung nach "seriöse" Musikkritik nur möglich ist, wenn der Kritiker sich zur völligen Subjektivität seines Urteils bekennt. Alles andere ist vermessen. EDIT / NACHTRAG: Nicht unerwähnt bleiben soll, wie schon im vorigen Beitrag angedeutet, dass zum "seriösen" Musikjournalismus natürlich auch Objektivität gehört. Allerdings ist der Platz für Objektiv nach meiner Ansicht die Rezension, die einen objektiven (beschreibenden) Teil hat. Der nimmt bei meinen Rezensionen in der Regel 60-90% des Textes ein, in dem ich versuche, dem Leser beschreibend den Stil zu vermitteln, den eine Band spielt, und heraus zu finden, welche Zielgruppe die Band ansprechen könnte. Die restlichen 10-40% sind der subjektive Teil, in dem ich versuche darzustellen, wie mir das Album ganz persönlich gefällt, welche Wirkung es auf mich hat. Dieser (kleinere) Teil der Besprechung bestimmt allein die Note, und der Soundcheck ist letztlich allein die tabellarische Übersicht über die subjektiven Eindrücke. Für die objektive, "musikjournalistisch seriöse" Arbeit müsst ihr die Rezensionen und die Gruppentherapien bemühen.
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von Eike » Mittwoch 16. Juni 2010, 04:18
enemy-of-reality hat geschrieben:Dass der persönlich Geschmack immer in die Bewertung miteinfließt ist klar - es darf aber keinesfalls so weit gehen, dass er alleine über die Note entscheidet.
Doch. Das ist bei uns sogar grundsätzlich so. Und da sich genau danach auch unsere Notendefinitionen auf /reviews richten, wir daraus also gar keinen Hehl machen, ist das auch völlig legitim. Besprechen kann man halbwegs objektiv, werten aber immer nur subjektiv.
Music is the only religion that delivers the goods. (Frank Zappa * 21.12.1940 - 4.12.1993)
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von hellknulf616 » Mittwoch 16. Juni 2010, 08:23
@ Feind
Ich kann durchaus nachvollziehen, dass du das persönlich nicht schätzt (und das Jazz-Beispiel war sicher etwas scharfkantig), aber meine Auffassung deckt sich im Punkt Soundcheck schon eher mit den über mir beschriebenen. Es ist utopisch, dass irgendeine Gazette, die einen SC veranstaltet, diese Form von Objektivität aufbringt, denn dann müsste jeder Redakteur tief in allen Genres verwurzelt sein und 24 Stunden am Tag mit Neuerscheinungen verbringen, um eine halbwegs adäquate Bewertung abzugeben. Wenn man seinen eigenen Musikgeschmack und das Hörverhalten mal kurz beobachtet (in den Playlists beispielsweise), das Ganze um die älteren Scheiben bereinigt und wirklich nur die Neuerscheinungen zählt, dann kommt man dem damit verbundenen Aufwand vielleicht etwas näher. Für eine fundierte Meinung braucht es einfach Zeit, und seine "eigene" Musik möchte man ja auch noch hören, daher nehme ich den SC als Überblicksveranstaltung mit aufgedrehten Kontrasten hin und nutze ansonsten die erwähnten Reviews zur Orientierung. Das ist aufgrund der genaueren Beschreibung und der meist verfügbaren Myspaceseite immer der ausschlaggebende Faktor.
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von frankjaeger » Mittwoch 16. Juni 2010, 08:49
Nun muss ich allerdings einhaken und sagen, dass ich es mir da nicht ganz so einfach mache. Wenn es allein darum ginge - ob mir ein Stil überhaupt zusagt - ob ich die Scheibe jemals wieder auflegen würde dann hätten ALLE BM Scheiben und 99% aller DM Scheiben zwischen 2 und 3 Punkten. Höchstens. Das allerdings wäre Metal Hammer Niveau, wo Scheiben gerne mal eine 1 und eine 7 parallel kassieren. Bei mir fließt in der Tat ein gewisses Maß an "meine ich dass sie ihren Stil gut machen" und "wie schlimm ist das wirklich" ein und versuche, mir die Scheiben gut zu hören. Sonst könnte WATAIN NIE 6 Punkte haben. Denn: Das Ding kommt mir nicht mehr in den Player. Nicht in diesem Leben. In der Zeit könnte ich ordentliche Musik hören Daher: Vielleicht schlage ich aus der Art, aber solange mir nicht etwas total auf den Senkel geht (wie Korpiklaani), versuche ich die positiven Seiten zu finden, auch von Scheiben, die für meinen Geschmack keine Daseinsberechtigung haben. All die Negura Bungets, Thulcandras oder Graves da draußen könnten sonst im Abo 1 Punkt einfahren, denn die sind für mich genauso relevant wie die nächste Gildo Horn Scheibe.
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