Schwarze Federn 2016

Hier geht es um das alles, was den Rocker / Metaller / Goth so bewegt.

Re: Schwarze Federn 2016

Beitragvon Holger Andrae » Sonntag 29. Januar 2017, 23:58

Rüdiger Stehle hat geschrieben:Des Siebis Wunsch ist dem Raben Order. Daher will ich auch einmal versuchen, mich dran zu machen, so eine kleine Retrospektive meiner Eindrücke aus dem Jahr 2016 hier stehen zu lassen. Mit den Top-20-Alben will ich dann auch mal von 20 rückwärts anfangen. Vielleicht gibt's dann noch ein paar Boni dazu, mal schauen, was die Zeit zulässt...

Die besten Alben - Platz 20


FLOTSAM & JETSAM "Flotsam & Jetsam"
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Was die Foltsis die letzten Jahre über veranstaltet haben, war ja doch eine gewisse Achterbahnfahrt. Erst kam ganz unerwartet ein brachiales, sehr modernes Wuchtmonster namens "The Cold", das polarisierte und die Fangemeinde spaltete, für mich jedoch die beste Arizona-Scheibe seit vielen Jahren war. Dann rappelte es mal im Karton und ein völlig neues Line-up zeichnete für "Ugly Noise" verantwortlich; deutlich ruhiger, deutlich beschaulicher, ansatzweise auch alternativer, ja insgesamt doch ein wenig durchwachsen. Die Zwischendurch-Neueinspielung von "No Place" lassen wir mal außen vor, kommt dann 2016 die neue Scheibe, und - oh Wunder - wieder ist alles anders... Das Line-up, der Sound, das Songwriting. Zwar klingt das Ding wieder absolut aktuell und druckvoll, aber doch irgendwie wieder klassischer. Vielleicht heißt die Scheibe auch wie die Band, weil die Band meint, sich hier wieder selbst gefunden zu haben. Ich denke, näher wird sie ihrem eigenen Frühwerk heute nicht mehr kommen können. Gesanglich topp, die Gitarren knistern und braten, der Sound drückt, bleibt aber lebendig, und auch wenn hier mal ein wenig und dort auch mal ein wenig mehr Maiden geworshipped wird, ist das eine geile Platte, die einfach immer Laune macht. Vielleicht ist die Band auch deshalb heute so spannend, weil man einfach nie vorher sagen kann, wie genau die neue Scheibe klingen wird, es ihr aber trotzdem fast immer gelingt, tolle Songs in frische Kleider zu stecken.


Da in ich komplett bei Dir. Ein extrem starkes Album, welches bei mir ein kleines Flotzi-Revival ausgelöst hat. Bombenteil.
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Re: Schwarze Federn 2016

Beitragvon Holger Andrae » Montag 30. Januar 2017, 00:06

Rüdiger Stehle hat geschrieben:Die besten Alben - Platz 19

MAYFAIR "My Ghosts Inside"
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Durch meinen Freund Thommy (Salisbury) kenne ich MAYFAIR ja nun doch schon eine ganze Weile, seit geraumer Zeit auch den lieben René (Gitarrist der Band) vom SMB und vielen Gigs (speziell beim KIT). Obwohl die Band progressiv und eigenwillig, bisweilen durchaus auch skurril und verschwurbelt ist, gelingt es ihr, auch eine im positiven Sinne poppige Griffigkeit in ihre Hooks und Refrains zu bekommen, die dich als Hörer packen kann. Trotz vieler Kontakte mit der Musik in unseren Chartstreffen etc..., und obwohl ich die alten drei Scheiben auch schon lange habe, hat's aber doch nie so ganz für die Liste der Lieblingsbands gereicht. Das hat sich nun im vergangenen Jahr geändert. Dreimal habe ich MAYFAIR, die ich vor 2016 nie live gesehen hatte, nun live erleben dürfen. In ihrer Heimatstadt Feldkirch in Vorarlberg (mit ANACRUSIS' Kenn Nardi), in Ludwigsburg (mit MANILLA ROAD) und schließlich auch in München beim von Thomas organisierten Headlinergig. Dadurch hat mich das sympathische Quartett nun doch vollends geknackt, und ich würd mal sagen, dass es zu einer Lieblingsband wirklich nicht mehr weit ist. So erschließen sich mir nun auch die beiden neueren Alben auf eine ganz andere, tiefere Weise, und in "My Ghosts Inside" bin ich durchaus ein wenig verknallt. Herrlich emotional gesungen, völlig eigenwillig gespielt, lyrisch mit viel Hingabe und Tiefgang; das Ding geht weit unter die Haut und ist mit Volltreffern gespickt. Gerade auch die Sachen mit deutschen Lyrics sind super, und das ist fast schon die Königsdisziplin, denn wie viele richtig tolle deutsch gesungene Bands im Metalsektor gibt's denn, die clean, melodisch und schön singen, statt zu schreien, kreischen, grölen, knödeln oder shouten? Eben, kaum welche!


Wow! Das freut mich ungemein, dass diese fantastische Band bei Dir jetzt auch so hoch im Kurs steht. Absoluter Rabenprog, weil Prog im Wortsinn. Die Band erfindet sich jedes Mal neu und klingt trotzdem immer typisch. Man vergleiche nur "Behind" mit diesem Album hier.
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Re: Schwarze Federn 2016

Beitragvon Holger Andrae » Montag 30. Januar 2017, 00:11

Rüdiger Stehle hat geschrieben:Die besten Alben - Platz 18

HELLHOUND "Nothing Left"
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Als die Band "aktuell" war, lief die unter meinem Radar durch. Drei Demos in den Achtzigern? Vor meiner Zeit. Die Compilation aus den Neunzigern? Übersehen. Erst die zweite Anthology von Stormspell anno 2008 bekam ich dann, Frank sei Dank, in die Finger, und ja, das konnte überzeugen. Nach der zähen Veröffentlichungsfolge rechnete dann wohl keiner mehr damit, dass es von den Kaliforniern irgendwann mal ein richtiges Studioalbum geben würde, und das sind ja dann immer die Momente, die mich besonders reizen und besonders gerne mal richtig für sich einnehmen: Wenn eine Band, mit der man gar nicht (mehr) gerechnet hat, aus dem nichts heraus, voll zuschlägt. So gelingt es den Jungs aus der südlichen Bay Area mit ihrem Sound, wirklich gute Laune zu verbreiten, ist er doch irgendwie anders, als der typische Stil der Gegend. Ein gutes Stück mehr Speed und Power als reiner Thrash, trotzdem anspruchsvoll und messerscharf in der Gitarrenarbeit. Als Einflüsse oder Vergleichsgrößen würde ich frühe METALLICA, VICIOUS RUMORS, aber auch europäischen Speed-Metal wie frühe RAGE und etwas NWoBHM der SATAN/PARIAH/BLITZKRIEG-Schule nennen. Leider Gottes wird die Scheibe aufgrund der geringen Bekanntheit der Band und der dürftigen Promotion auch nur marginal zur Kenntnis genommen werden, doch ich finde sie richtig toll!

Hier bin ich der Spielverderbe. Ich habe die Band in den 80ern geliebt. Die beiden Demos waren/sind der Hammer. Dieses neue Teil hier habe ich immer mal wieder angehört - angestiftet durch Siebiphorie - aber mehr als "ganz gut" ist da leider nie hängen geblieben. Irgendwie fehlt mir der Crunch.
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Re: Schwarze Federn 2016

Beitragvon Rüdiger Stehle » Montag 30. Januar 2017, 00:23

Holger Andrae hat geschrieben:Hier bin ich der Spielverderbe. Ich habe die Band in den 80ern geliebt. Die beiden Demos waren/sind der Hammer. Dieses neue Teil hier habe ich immer mal wieder angehört - angestiftet durch Siebiphorie - aber mehr als "ganz gut" ist da leider nie hängen geblieben. Irgendwie fehlt mir der Crunch.

Das ist wohl dann das, was ich meine, wenn ich die Band auf diesem Werk durchaus auch ein Stück weit in die Nähe von RAGE rücke. Es ist nicht durch die Bank thrashig-crunchy, sondern hat durchaus auch einen gewissen geschmeidigen late-80s-Teuton-Speed-Touch, wie ich finde.
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Re: Schwarze Federn 2016

Beitragvon Holger Andrae » Montag 30. Januar 2017, 00:26

Rüdiger Stehle hat geschrieben:
Holger Andrae hat geschrieben:Hier bin ich der Spielverderbe. Ich habe die Band in den 80ern geliebt. Die beiden Demos waren/sind der Hammer. Dieses neue Teil hier habe ich immer mal wieder angehört - angestiftet durch Siebiphorie - aber mehr als "ganz gut" ist da leider nie hängen geblieben. Irgendwie fehlt mir der Crunch.

Das ist wohl dann das, was ich meine, wenn ich die Band auf diesem Werk durchaus auch ein Stück weit in die Nähe von RAGE rücke. Es ist nicht durch die Bank thrashig-crunchy, sondern hat durchaus auch einen gewissen gescheidigen late-80s-Teuton-Speed-Touch, wie ich finde.

Jau, passt. Die Begeisterung für RAGE nach "Reflections Of A Shadow" habe ich nie verstanden.
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Re: Schwarze Federn 2016

Beitragvon Rüdiger Stehle » Montag 30. Januar 2017, 17:20

Und dann im Nachschlag zu Omen und Anthrax gleich nochmal was richtig Kontroverses, das außer FDU und mir vielleicht nur die Musiker selbst mögen. Kubi schon mal nicht...

Die besten Alben - Platz 15

MASTER'S HAMMER "Formulæ"
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Die schrägen Tschechen um Frontmagier Franta Štorm spielen in der selben Liga wie die ungarischen Tormentor. Entweder man ist ob der völligen Beklopptheit ganz hin und weg, oder man läuft ob derselben auf und davon. Geboten wird ein kruder Mix aus Black Metal, Industrial, Electronica und Ambient; durchaus in jeder Hinsicht nicht ganz drogenunverdächtig (das - tolle - Artwork mag hierzu Bände sprechen). Dazu ein auf Tschechisch murmelndes und knurrendes Vokalorgan, das auch nicht jedermanns Sache sein darf, meine dafür umso mehr, denn unverkennbar ist er allemal, der alte Typograf aus Böhmen. Wer also Lust auf eine Mischung des Bizarrsten aus Tormentor, Mayhem, Aborym, Laibach und Rammstein mit einem guten Schuss Drum'n'Bass, Industrial und Verschrobenheit hat, oder halt auf Master's Hammer wie man sie kennt und liebt oder hasst, der ist bei den Formeln goldrichtig; alle anderen suchen sich was anderes. AC/DC vielleicht...
;-)

https://www.youtube.com/watch?v=HJgqM0W68fE
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Re: Schwarze Federn 2016

Beitragvon Eike » Montag 30. Januar 2017, 17:54

Wenn das alles so toll klingt wie das obige Hörbeispiel, werde ich mir das irgendwann noch holen müssen.
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Re: Schwarze Federn 2016

Beitragvon Rüdiger Stehle » Montag 30. Januar 2017, 18:22

Eike hat geschrieben:Wenn das alles so toll klingt wie das obige Hörbeispiel, werde ich mir das irgendwann noch holen müssen.


Du meinst MASTER'S HAMMER? Jo, das ist im Grunde genommen schon recht repräsentativ für die Herangehensweise der Band, ohne dass ich damit sagen wollte, dass die Band abwechslungsarm wäre, denn das ist sie nicht. Wir haben halt in der Regel ein schwarzmetallisches Grundgerüst, das in frühen Tagen dominant war, später weniger dominant aber fühlbar, dazu kommen dann mal mehr mal minder abstruse Einflüsse aller Art von Marschmusik über Folklore bis hin zu Industrial, Dance, Elektronik, Psychedelik und Trance. Könnte mir gut vorstellen, dass dir einige Sachen der Band gefallen, einfach weil sie recht unkonventionell und ohne Scheu vor "Albernheit" ihr Ding durchzieht und sich dabei nicht zu fein ist, allen Genrekonventionen und deren Schrebergärtnern in die Botanik zu ka...... Für derlei Dinge hast du ja bisweilen eine ähnliche Schwäche - manchmal sogar eine noch ausgeprägtere - als ich. :subber:
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Re: Schwarze Federn 2016

Beitragvon Eike » Montag 30. Januar 2017, 18:25

Vor allem hat das Atmosphäre, Wahnwitz, Unvorhersehbarkeit - und doch innere Schlüssigkeit und einen gewissen kratzbürstigen Groove. Sowas mag ich.
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Re: Schwarze Federn 2016

Beitragvon Rüdiger Stehle » Montag 30. Januar 2017, 18:41

Jo. Das passt, so wie du das in Worte fasst. Freut mich sehr, dass wir hier auf einer Linie sind.

Es gibt ja nicht so wirklich viele Leute, die bei Master's Hammer anspringen, was man ja auch an unserem Dezember-Soundcheck gesehen hat. Das polarisiert halt sehr stark. Bei Marius, Nils und mir rennen die Tschechen sehr offene Türen ein, während unsere sehr geschätzten progressiv-alternativen Häschen im Kollegium vielleicht doch zu konservativ für wirklich abgedrehte, wortsinnprogressive Mucke sind. Witzigerweise bin ich als im Großen und Ganzen doch eher konservativer Metalfan für solche komplett irrsinnigen, wahnwitzigen Sachen dann sehr offen. Ein bisschen paradox, möchte man meinen, aber letztlich sind wir da doch alle ein bisschen vorhersehbar, auch wenn Peter erst nicht verstehen wollte, was gerade ich an MH finde. Für mich ist MH ganz typische Rabenmucke. Ich mag einfach Bands, die komplett anders sind, als alle anderen. Das reizt mich immer besonders. Und das kann auf so vielen Ebenen passieren.

Hier noch ein hübscher, etwas traditioneller ausgerichteter Meisterhammer vom vorletzten Album:

https://www.youtube.com/watch?v=nonm6y0ECIs
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