10 Alben, die mich geprägt haben

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Re: 10 Alben, die mich geprägt haben

Beitragvon Holger Andrae » Freitag 12. Oktober 2012, 16:57

Jhonny hat geschrieben:die Beatles-Best-Offs wurden bisher in 3 von 4 Listen genannt... das ist ne Quote!


Die Beatles habe ich tatsächlich erst in den 90ern erworben. dann gleich im Komplettpaket als 15er-Schuber. Nie bereut. Überhaubt ging mein Blick rückwärts erst mit meiner Arbeit im Tonträgerhandel (also 1990) los. Vorher gab es einfach zu viele aktuelle Geschehnisse, die gehört und entdeckt werden mussten.
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Re: 10 Alben, die mich geprägt haben

Beitragvon firestarter » Freitag 12. Oktober 2012, 16:59

Holger Andrae hat geschrieben:einfach zu viele aktuelle Geschehnisse, die gehört und entdeckt werden mussten.


So geht es mir aktuell, so dass ich kaum dazu komme, meine fehlenden 20 Jahre aufzuarbeiten...
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Re: 10 Alben, die mich geprägt haben

Beitragvon Holger Andrae » Freitag 12. Oktober 2012, 17:20

firestarter hat geschrieben:
Holger Andrae hat geschrieben:einfach zu viele aktuelle Geschehnisse, die gehört und entdeckt werden mussten.


So geht es mir aktuell, so dass ich kaum dazu komme, meine fehlenden 20 Jahre aufzuarbeiten...


Kann ich mir vorstellen.
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Re: 10 Alben, die mich geprägt haben

Beitragvon Havoc » Samstag 13. Oktober 2012, 00:20

UDO LINDENBERG – Panik Panther- Meine allererste CD!

FURY IN THE SLAUGHTERHOUSE – Mono
- Diese Band und speziell dieses Album habe ich damals sehr oft gehört. Ebenfalls wichtig war "Achtung Baby" von U2.

BÖHSE ONKELZ – Heilige Lieder / DIE TOTEN HOSEN – Kauf Mich!
- Jaja…die ebneten den Weg in eine härtere Richtung

TANKARD – Fat, Ugly And Live
- Meine erste richtig harte Metal CD…gekauft im Jahr 1994..der Start! Kurz darauf folgten Amorphis mit „Tales From The Thousand Lakes“.

TYPE O NEGATIVE – Bloody Kisses
- Lief in Jugendzeiten unfassbar oft. Und auch heute ein Klassiker

CRADLE OF FILTH – Dusk And Her Embrace
- Meine erste echte Lieblingsband. Und bis heute ein Fave von mir. Außer Cradle und Black Metal lief ca. 5 Jahre lang nicht viel anderes. Mayhem, Burzum, Darkthrone, Dimmu Borgir, Immortal. Auch Anathema "The Silent Enigma" waren wichtig.

MANOWAR – Warriors Of The World
- 2002 hielt der klassische Heavy Metal unerwartet Einzug. Ausgerechnet durch dieses Album. Komisch, dass ich dieses Genre trotz meiner damaligen Faszination für „Imaginations From The Other Side“ von Blind Guardian so lange ziemlich vernachlässigte. Später folgten auch Underground Alben. Hier war wohl „Gates Of Fire“ von Manilla Road der Türöffner.

DREAM THEATER – Octavarium
Seit 2007 läuft bei mir bekanntlich sehr viel Prog. Dieses Album gab den Anstoß. Und das nur, weil ich die Band kannte und das Album saugünstig irgendwo rum lag und ich dachte…ach was solls. Zudem ein ein Zugang zu schwierigerer Musik war "Viva Emptiness" von Katatonia. Auch wenn ich die heute nicht mehr für so komliziert halte.

PORCUPINE TREE – Fear Of A Blank Planet
Dieses Werk hat mich dann ebenfalls völlig weggeblasen und war wohl mein Einstieg in den Progrock. „Ghost Reveries“ von Opeth sollte auch noch erwähnt werden, da es irgendwie fast alles vereinte was ich so mochte. Vielleicht bis heute mein Lieblingsalbum überhaupt.
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Re: 10 Alben, die mich geprägt haben

Beitragvon Jesus » Mittwoch 12. Dezember 2012, 21:30

Puh, da musste sich mein käselöchriges Gedächtnis ganz schön bemühen. Aber ein paar Meilensteine blieben hängen:

Erstes selbstgekauftes Album: "Smash" von THE OFFSPRING. Das Video von 'Self Esteem' lief damals auf dem frisch von mir entdeckten MTV. Derartige Musik oder überhaupt Musiksender an sich gab es jenseits des eisernen zerbröselten Vorhangs nicht zu hören bzw. zu sehen. 1994 war eine ganz neue Welt für mich! Mehr als ein Fernseher! Keine Revolutionen mit erschossenen Diktatoren! Luxus! Rockmusik frei Haus! Der Wahnsinn :grins:

Erstes gehörtes härteres Metal-Album: Da ich von Hause aus bereits mit Mainstream-Metal/Hard Rock wie Deep Purple, Metallica, Black Sabbath und Konsorten sozialisiert wurde, tat sich erst mit diesem von meinem Nachbarn ausgeliehenen Album eine komplett neue Welt auf: SEPULTURAs "Arise". Ebenfalls ausgeliehen hatte ich mir "Decade of Aggression" von SLAYER und war völlig fasziniert, wie böse Musik klingen kann! Man kann sagen, diese beiden Scheiben haben meine Suche nach härterer, extremerer Musik geprägt. Auch ausgeliehen hatte ich das fünfte Album von EXODUS. Das mit dem hässlichen Cover. Habe schon wieder vergessen, wie das heißt. Fand ich schon damals scheiße. Das dürfte 1995 gewesen sein.

Als ein Bekannter seine beachtliche CD-Sammlung auflöste ("Ich bin zu erwachsen dafür und meine Frau braucht den Platz für ihre Schuhe/Parfums/Potpourri/Dildos"), fiel mir "Through Silver in Blood" von NEUROSIS in die Hände und zeigte mir, dass man Musik nicht nach strengen Mustern von Strophe-Refrain spielen muss. Das war wohl 1998.

Mein erstes selbstgekauftes Metal-Album war "Coma of Souls" von KREATOR. Ja, verdammt true, gell? Das war so der unvermeidliche Schritt von in Richtung fieserer Thrash. Nachdem ich von Hause aus mit "Master of Puppets" beschallt wurde und mich am frisch kopierten "Decade of Aggression" erfreute und durch das Gekloppe von "Arise" abgehärtet war, schien mir nach einer kleinen Recherche Kreator die logische Konsequenz. Was für ein aggressiver Gesang! 1996 vielleicht?

Wie viele waren das jetzt? 5?

Ähm... mein erstes selbstgekauftes Black-Metal-Album war EMPERORs "Anthems to the Welkin at Dusk". Zuvor hatte mich der Freund einer Mitschülerin bereits mit Black Metal angesteckt und mir Kopien von allen möglichen BM-Scheiben gemacht. Von Klassikern wie MAYHEM und SATYRICON (das Video von 'Mother North' hinterließ einen bleibenden Eindruck) über obskuren Stoff wie "The Satanist's Dream" von GOSPEL OF THE HORNS bis hin zu Schrott wie "The Nightsk Majesty" von PAGAN WINTER und "Das Schwert unserer Ahnen" von ANDRAS. Hilfe, war das ein Murks. Dies geschah anno 1997. Zählt das als ein Album? Also nur die "Anthems"? Macht erst 6, nicht wahr?

Vielleicht fallen mir später noch 4 weitere ein.
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Re: 10 Alben, die mich geprägt haben

Beitragvon Holger Andrae » Mittwoch 12. Dezember 2012, 22:55

Schön, wenn es hier weitere Beiträge geben würde.
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Re: 10 Alben, die mich geprägt haben

Beitragvon Martin Schneider » Donnerstag 13. Dezember 2012, 15:52

QUEEN "Greatest Hits I"
QUEEN "Greatest Hits II"
QUEEN "Made In Heaven"
DEEP PURPLE "In Rock"
DEEP PURPLE "Machine Head"
CYPRESS HILL "Skull & Bones"
MANOWAR "Louder Than Hell"
FALCONER "Falconer"
IRON FIRE "On The Edge"
DEATH ANGEL "Act III"


Ich bin ja in einem musikgeschmacktechnisch vorzüglichem Haushalt aufgewachsen (zumindest vätersicherseits). Mein Vater hörte seit jeher viel QUEEN, ALICE COOPER, DEEP PURPLE, THE WHO, WHITESNAKE, LED ZEPPELIN usw.

Zuerst blieben da aber nur QUEEN (konnte ich mit drei schon alle Songs mitsingen) und DEEP PURPLE hängen, wobei ich letztere dann für einige Jahre kaum noch hörte. Natürlich begann ich dann, ganz jugendlicher, natürlich andere Musik zu hören- Hip Hop/Rap. Ja, ich schäme mich dessen sehr. Wobei ich sagen muss NAS, TUPAC oder LL COOL J waren zumindest nicht ganz so schlimm aus heutiger Sicht.

Auf den "Pfad der Tugend" zurück brachte mich CYPRESS HILL mit ihren "Skull & Bones"-Album, welches deutliche Hardcore-Anleihen hatte. Die Härte faszinierte mich und so lief die Scheibe bei mir rauf und runter. Darüber sprach ich dann mit einem Schulfreund und der meinte, wenn ich auf harte Musik stehen würde, dann würde er mir mal was mitbringen: Am nächsten Tag hatte ich dann "Louder Than Hell" von MANOWAR in den Händen- und war total begeistert- zwei Wochen später dann "On The Edge" von IRON FIRE (Himmel wie ich 'Forever Evil' liebe). Das war so zwischen 2000 und 2001 gewesen sein. Der Freund hörte heute übrigens House-Musik :grins:

Meine Begeisterung für FALCONER festigte meine Vorliebe endgültig und brachte mich auch hier zu powermetal.de. Die spielten nämlich damals auf der "Night Of Power" und so kam ich mit dem Magazin in Berührung und war ein paar Wochen später Freier Mitarbeiter hier.

Ein weiterer großer Einschnitt war der Tod meines Großvaters. Nicht dass mich der sehr geschockt hätte (er hatte zu niemandem ein besonders gutes Verhältnis), aber beim Auflösen des Haushaltes fanden wir eine Kasette: Auf Seite A war DEATH ANGELs "Act III" und auf Seite B ANNIHILATORS "Never, Neverland". Die fand ich nach einigem Anhören dann auch ganz stark und bin so auch ein wenig weg vom Power Metal zu anderen Metal-Sparten gekommen. Übrigens haben wir bis heute keine Ahnung wie die Kasette da hinkam. sonst haben wir nur Volksmusik gefunden...
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Re: 10 Alben, die mich geprägt haben

Beitragvon Jhonny » Donnerstag 13. Dezember 2012, 19:50

Alles lesenswert und interessant!
Von Cypress Hill zu Manowar ist ein spannender Sprung ;-)
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Re: 10 Alben, die mich geprägt haben

Beitragvon Martin Schneider » Donnerstag 13. Dezember 2012, 21:59

Wobei das Album von CYPRESS HILL als Alternative Hip-Hop, Crossover (Rap-Rock) und Hardcore Rap bezeichnet wird (zumindest bei wikipedia). Muss das morgen echt mal wieder ins Auto nehmen, ob es noch was taugt.
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Re: 10 Alben, die mich geprägt haben

Beitragvon Eike » Freitag 14. Dezember 2012, 18:50

Hm, ja nun, die zehn prägendsten Musikalben also. Die Anzahl ist natürlich ziemlich willkürlich, da irgendwo einen Schnitt zwischen prägender und weniger prägend zu ziehen, keine einfache Aufgabe, und jede Lösung unbefriedigend. "Welches ihrer Kinder würden sie vor dem Ertrinken retten, während die anderen untergehen?" - ähem, nein danke. Keine schöne Frage. Aber eine interessante? Sie Schurke!

Nun ja, manchmal heißt es pragmatisch sein. Einfach die Klausel "Alle Angaben ohne Gewähr oder Anspruch auf Richtigkeit" davorgeklatscht, und dann auf ins Gefecht:


RVNNING WILD "First Years Of Piracy"

Eine Songsammlung mit bereits vorher veröffentlichten Titeln ist das, kurz auch Sampler genannt. Für die Nichtanglisten unter uns: Ein Muster. Nicht wie beim Schottenrock, sondern wie beim Tapetenkauf [oder im alten Radiojingle "Musterhausküchenfachgeschäft" *dudel*]. "First Years Of Piracy" bietet allerdings keine schottisch gemusterten Tapetenstückchen, sondern gut abgelagerte Songs aus der Hamburger Frühzeit teutonischer Metalltonkunst. "Rock 'n' Rolf" Kasparek hat im letzten Vierteljahrhundert gefühlte Trillionen Bandmitglieder verheizt, und so schwierig wie sein Charakter gescholten wird, so einfach sind seine Songs. Faust hoch, Haupt kreisen lassen, Haare schütteln! Mein Einstieg in die Welt stromverstärkter Gitarrenschläge erfolgte in erster Instanz hierüber [rückblickend ein Wunder, dass das Urteil damals nicht lautete: To be hung, drawn and quartered ;-)]. Nicht zuletzt durch die auf "First Years Of Piracy" vertretenen Songs nahme eine musikalische Liebe ihren Lauf, die seither allenfalls hier und da zeitweise ein wenig fleckig wurde, in all den Jahren jedoch nie wirklich durchgerostet ist.


JUDAS PRIEST "Metal Works 73 ° 93"

Noch so ein Bandsampler. Nachdem "First Years Of Piracy" nebst anderem Material der Wildgewordenen plus diversem Kram der Judaspriester mir vom Großen Bruder eines Freundes auf Kassette überspielt worden waren, diese Musik in meinem Laufwerk aber trotz des erfolgten Kopierens einfach nicht sterben wollte [Musikindustrielle sind und bleiben nunmal schlechte Propheten], sollte dann irgendwann mal was Höchstoffizielles ins heimische CD-Regal. Sony hatte sich die Rechte an diversem JUDAS PRIEST-Material der letzten Jahrzehnte unter den Nagel gerissen bzw. gewähren lassen, und warf da zeitlich passend dieses Polycarbonatscheibendoppel mit diversen Zitaten der Bandmitglieder im Beipackheftchen auf den Markt, zu welchem ich dann auch immer wieder gerne und fleißig gegriffen habe, während die JUDAS PRIESTer in den nächsten Jährchen aufgrund musikerüblicher Differenzen getrennte Wege gingen. J. P. ist eine durch ihre lange Karriere höchst vielfältig klingende Band, die Zeitströmungen gekonnt aufgriff und ihren eigenen Bandsound integrierte, ohne zwischen ihren Veröffentlichungen an Wiedererkennungswert einzubüßen. Das dürfte auch ihren langanhaltenden Erfolg erklären. Von Rock über Hardrock bis in diverse Spielarten des Metal ist da so einiges vertreten, die größten Erfolge der Band fielen jedoch mehr oder weniger mit der NWoBHM zusammen, auch wenn die Band für diese stilistisch nicht besonders repräsentativ ist.

[Statt der jahrzehnteumspannenden "Metal Works" hätten hier genausogut einige andere Rock/Hardrock/Metal-Klassiker wie das hochmelodische IRON MAIDEN-Album "Seventh Son Of A Seventh Son" oder der genreprägende DEEP PURPLE-Klassiker "In Rock" stehen können, die mehr oder weniger zeitnah ihren Weg in mein MC- bzw. CD-Regal fanden und meinen Geschmackssinn hinsichtlich der musica saxea et metallica deutlich verfeinerten, ebenso ein obskurer Live-Sampler von QUEEN - meine erste CD überhaupt - oder auch die deutlich später hinzukommende Glam-Rock-Oper und Allzeitklassiker "The Rise And Fall Of Ziggy Stardust And The Spiders From Mars" von DAVID BOWIE, der sogar manchem Gothic- und Black Metal-Freak den genrewildernden Glücksglanz in die Augen treiben kann... - aber es soll hier ja lediglich auf zehn Tonträger näher eingegangen werden...]


VENOM "Metal Punk" - oder auch: TWOAFKA [the work of art formerly known as] "Calm Before The Storm"

Irgendso'ne obskure Nachpressung aus den music business-Wirren der Neunziger Jahre fand während eines Bayern- [oder war es Franken? Separatisten mögen mich ob dieser Gedächtnislücke steinigen...] -Urlaubs über die Supermarktkette "Müller" ihren Weg in meine Musiksammlung, nachdem ein Viele-Bands-vereint-unter-der-Flagge-des-Schwermetalls-Sampler namens "Heavy Metal Killers" mich mit dem Song 'Welcome To Hell' vertraut gemacht hatte, in den die VENOMinösen eine Frauenstimme meinen Taufspruch säuseln ließen. Jenes Sprüchlein war zwar nicht der Kaufgrund, aber irgendwie erscheint mir das jetzt trotzdem erwähnenswert. Und sei es nur, um die trockene Vorstellung hochunterhaltsamer Musik durch tiefenöde Anekdoten etwas aufzulockern. Die britische Band VENOM machte den Begriff "Black Metal" einst populär, ihr Langzeitmitglied Conrad "Cronos" Lant sieht die ganze Chose glücklicherweise jedoch weniger verbissen als so mancher skandinavische Panda. Dynamisch scheppernde Songs über allerlei Okkultes und dazu ein Schlagzeug, das lustig die Treppe hinabpurzelt; damit hat "Calm Before The Storm" meinen [keinesfalls nur humoristischen] Sinn für "kaputte Musik" deutlich geschärft und steht somit am Anbeginn meiner Würdigung dessen in den unterschiedlichsten Genres.


TORI AMOS "Under The Pink"

Meinem Geschwisterlein werde ich immer verbunden bleiben, ganz allgemein gesprochen, speziell musikalisch jedoch vornehmlich durch sein mich-Heranführen an den oben kurz erwähnten DAVID BOWIE mit seinem Spinnenepos sowie an das komplett anders klingende aber keineswegs weniger grandiose und kunstvolle TORI AMOS-Album "Under The Pink". Mit diesem begann dann auch eine tiefe, nach wie vor anhaltende, zweite musikalische Liebe zu nahezu sämtlichen Werken der Künstlerin [ihre übrigen werde ich auch nicht von der Bettkante stoßen... :-) ]. Höchst klavierös, höchst stimmvoluminös, höchst fantastös!


TIAMAT "Wildhoney"

Gothic was my third love... So mehr oder weniger. "Wildhoney" ist nicht repräsentativ für das Genre, aber repräsentativ ist das Album eigentlich für gar nichts. Nichtmal für die Band TIAMAT. Vielleicht aber trotzdem ihr bekanntestes Album. Psychodelisch ist es - irgendwie. Und düster - irgendwie. Und irgendwie auch - gemütlich. Ein Album zum Schwelgen. Ein Meilenstein in der Chronologie meiner liebsten musikalischen Fundsachen. Wunderschön. Einem damaligen Mitschüler sei ewiger Dank dafür!


BONE THUGS ~N~ HARMONY "East 1999 Eternal"

Hip Hop betritt die Bühne meines musikalischen Horizonts. Das lässt sich freilich nicht allein an diesem Album festmachen. Aber dies war die erste CD des Genres, die ich käuflich erstand. Die Single 'Crossroads' hatte es mir angetan. Ein zuvor ungehört hochmelodischer flow, dazu weitgehend entspannte Beats - dennoch nicht der damals übliche und irgendwann fast totgenudelte G-Funk-Sound, sondern einfach etwas anderes, zunächst geradezu mysteriös anmutendes. Im Booklet so ein apokalyptischer fantasy warrior look und ein okkultes ouija board. Das zweite Album der vom ehemaligen N.W.A. ("nigga wit attitude") Easy E geförderten Clevelander brachte ihnen den Durchbruch - nicht nur in mein Gehörzentrum.


TOM WAITS "Bone Machine"

And now to something completely different... - again. An American singer/songwriter - again. Diesmal allerdings von ganz anderer Art als die gute Tori. Der gute Tom macht's mitunter schon mal auf die richtig kaputte Weise. Dank VENOM ;-) kein Problem mehr für mich, als eine gute Freundin mir die erste gebrannte CD meines Lebens überreicht. [Und wieder schafft es die Kopiererei - allem Prophezeien und Lamentieren einschlägiger Musikgeschäftscharaktermasken zum Trotze - nicht, die darauf getragene Musik noch kaputter zu kriegen als sie ohnehin schon tönt. Seltsam, aber so steht es geschrieben...] - Blues, Folk, Spoken word, Story telling, allerlei Experimentelles und Alternativmusikalisches, eine kleine aber feine Rocklegendenkooperation (in Form eines herrlich schief und versoffen tönenden Gassenheulers mit Keith Richards), der Anlass zu von Punklegenden gezolltem Tribut [Ja, die RAMONES coverten Toms 'I don't wanna grow up'.] - "Bone Machine" lässt im Anschluss die TOM WAITS-Alben fast wie am Fließband aus den Presswerken in mein Heim ziehen. Gut so! [Mehr oder weniger parallel dazu öffnet sich mein Horizont auch gegenüber dem "richtigen" Blues.]


LIFE OF AGONY "Soul Searching Sun"

L.O.A. ist eine Band, deren Songs mir sinnbildlich von innen unter die Schädeldecke tätowiert sind, zumindest die Songs von "Ugly" [nach "River Runs Red" dem letzten Album mit noch erkennbaren Wurzeln im New York Hardcore] und dem nachfolgenden, meisterhaften Wurf mit deutlicher Bandsounderweiterung richtung Alternative Rock. Prägend ohne Ende: die leidenschaftliche Stimme von Keith Caputo und die, mal treibenden, mal schwelgerischen, E-Gitarrenakkorde, welche im Zusammenspiel mit einer niemals langweilenden Rhythmusgruppe endgültig die Früchte jener Saat in meinen persönlichen Rock-Olymp heben, die bereits durch Bands wie SOUNDGARDEN, PEARL JAM und LiVE sowie die extrem unterschiedlichen NIRVANA-Alben "Bleach" sowie "MTV Unplugged Live In New York" gelegt war. Mit dem Caputo-Solo-Album "Dies Laughing" folgt wenig später eine weitere Ohren-Öffnung in Richtung gut gemachten [nicht nur und viel zu selten AOR-Radio-] Pop.


SQUAREPUSHER "Go Plastic"

Noch ein Meilenstein, der fast schon einer Kehrtwende gleichkommt: Tom Jenkinson alias SQUAREPUSHER katapultiert mich anno 2001 [oder war's 2002 ?] mit "Go Plastic" zeitweilig in eine andere musikalische Umlaufbahn - bisweilen deutlich schräger und kaputter als weiland TOM WAITS oder noch früher VENOM. Synapsenpingpong: Scheinbar wirr aneinandergereihte, teils völlig abgespacete, dann wieder hektische oder gar zahnarztbohrermäßig klingende, mehrfach gebrochene Beat-Collagen aus abgehackten Jazzgitarrenakkorden und jede Menge Elektronik wirken ihr bewusstseinserweiterndes Werk. Zuvor hatte ich aus dem "Techno"-Bereich kaum mehr als SNAPs 'Rhythm Is A Dancer' & den ein oder anderen track der CHEMICAL BROTHERS nicht nur gehört, sondern auch gemocht. Ähnlich verwirrend und musikbewusstseinserweiternd war für mich zu jener Zeit nur noch TOOLs "Lateralus", aber das ist eine völlig andere Kiste.


OPETH "Damnation"

In etwa zeitgleich trat OPETH in mein Leben [mehrere Monate vorher den Bandnamen erstmals rühmend erwähnt gehört, Monate später ein erstes ihrer Werke dann tatsächlich besorgt], doch so faszinierend ein ruppig-romantisches Düsterwerk wie "Blackwater Park" bereits beim musikalischen Erstkontakt für mich war, brauchte es doch deutlich zärtlicheres Material, um mich zum Einlass in die eigene CD-Sammlung zu verführen. Da sich die Death/Prog-Band mit "Damnation" erstmals an durchweg balladesken Artrocksongs [oder wie auch immer man diese tiefromantischen, doch niemals kitschigen Klangmalereien fachmännisch bezeichnen mag] versuchte, ist diese Verführung schließlich doch noch erfolgt.


Wie auch immer die musikalische Reise weitergeht, wie auch immer eine solche Zehner-Auswahl in Zukunft aussehen wird: Nichts ist für die Ewigkeit, außer vielleicht der Wert der Musik an und für sich. Hin und wieder lohnt es sich dennoch, innezuhalten und zurückzuschauen, was einem den bisherigen Weg gewiesen hat. Und irgendwie ist es auch ein Vergnügen, hier zu stöbern, wie das bei anderen lief.
Music is the only religion that delivers the goods.
(Frank Zappa * 21.12.1940 - 4.12.1993)
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