Alben, für die es nie zu spät ist.

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Re: Alben, für die es nie zu spät ist.

Beitragvon Martin van der Laan » Montag 22. Juni 2015, 23:18

Holger Andrae hat geschrieben:Daher zolle ich den ganzen neuen Generation einen Heidennrespekt, wenn sie so eifrig in der Vergangenheit hören und kaufen. das sind ja heute mal eben knappe vier Jahrzehnte.

Das ist ein sehr interessanter Punkt. Plakativ gesagt: Wenn wir alten Säcke hier heute Alben von z.B. 1985 anpreisen, dann ist das zunächst mal so als hätte uns damals jemand etwas aus dem Jahre 1956 angepriesen. Natürlich entwickeln sich Gesellschaften und damit auch musikalische Phänomene nicht linear (Nachkriegszeit bis in die 1980er war Zeitraffer gegenüber der Zeitgeschichte, die ich persönlich bewusst miterlebe), sondern manchmal sogar zyklisch, aber vergessen sollte man diesen Aspekt auf keinen Fall. Mir ist er jedenfalls sehr präsent. Zum eigentlich Thema des Threads, den ich auch sehr spannend finde, muss ich erstmal länger nachdenken. Das liegt vor allem daran, weil ich viel andere, alte Musik höre, daher müsste ich hier eigentlich bin vornehmlich mit Beethoven und Brahms kommen oder alten Jazz-Platten. Tue ich aber nicht, weil hier natürlich der Rock/Metal-Horizont gilt. Und ich muss die vordergründige Feststellung weg wischen, dass ich logischerweise Alben wie die ersten drei LED ZEPPELIN oder das BLACK SABBATH-Debüt erst viel später kennen lernen konnte. Aber zu persönlichen Lieblingsalben haben die sich eigentlich allesamt nicht entwickelt, weil mir einfach der unmittelbare persönliche Bezug fehlt. Das ist mehr eine Art historische Liebe, eine ehrfürchtige Anerkennung für die Pioniere und Vorkämpfer des Heavy Metal. Ich muss wirklich mal in mich gehen, ob es so etwas wie hier gefragt ist, innerhalb des Hard Rock/Metal für mich überhaupt gibt. Ganz spontan habe ich zu allererst an "Ma Kelly's Greasy Spoon" von STATUS QUO gedacht, das Debüt-Album dieser Band, das noch sehr wenig mit dem Dorffest-Boogie-Rock zu tun hatte, für den die Band später berühmt geworden ist. Oder an THE KINKS und CHEAP TRICK oder frühe ALICE COOPER-Sachen. Aber da kann ich kaum ein bestimmtes Studio-Album nennen, das diese Liebe begründet hätte. Auch wenn die Aussage hier nicht populär sein wird, aber bei lange aktiven Bands reicht mir in Sachen Vergangenheit oftmals eine wirkliche gute Best Of-Kollektion. Was z.B. verhindert hat, dass ich reihenweise alte RUSH-Alben gekauft habe, ist eine wirklich schöne Dreifach-LP mit den ausführlichen Highlights der frühen Jahre, die ich irgendwann vor vielen Jahren (kurz vor oder kurz nach "Roll The Bones") mal in Holland erstanden habe. Am ehesten passt zu diesem Thread für mich vielleicht noch das legendäre ANGEL WITCH-Debüt, dass ich erst ganz am Ende der 1990er so richtig für mich entdeckt habe.
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Re: Alben, für die es nie zu spät ist.

Beitragvon Peter Kubaschk » Dienstag 23. Juni 2015, 05:26

Rüdiger Stehle hat geschrieben:Grob gesagt sollte es also ein Album sein, das ich 1998 oder gar erst 2003 oder noch später kennengelernt habe, das aber vor 1988 eventuell gar von 1978 erschienen sein sollte. Zum Lieblingsalbum braucht's halt schon einiges. Also ich verstehe darunter einen Kandidaten für die Alltime-Top-100 und nicht "nur" für die Jahrescharts.


Nun ja, wenn du es heute entdeckt hast, könnte es auch von 2004 sein.
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Re: Alben, für die es nie zu spät ist.

Beitragvon Peter Kubaschk » Dienstag 23. Juni 2015, 05:35

Chavo89 hat geschrieben:Ich bin ja gerade erst 25 und kann also noch nicht mitreden. Aber ich halte ab sofort meine Ohren auf! :grins:


Na ja, nicht in den letzten Wochen ein Album aus den 90ern oder früher entdeckt, dass dich richtig umgehauen hat?
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Re: Alben, für die es nie zu spät ist.

Beitragvon Jhonny » Dienstag 23. Juni 2015, 08:45

Holger Andrae hat geschrieben:Dann kam Anfang der 90er JETHRO TULL. Zuerst mit "Aqualung". Schon sehr gut, aber auch ein bisschen arg staubig. Es folgte "Songs From The Wood" und ich war komplett gefesselt. Die Kombination aus Folk, Rock, mit diesen grandiosen Texten (ich habe sogar ein komplettes, gebundenes Buch mit allen Texten und Anmerkungen geholt) und diesem erfrischenden Spielwitz, ist bis heute beinahe ungeschlagen.

THIN LIZZY. Außer den Hits, der 'Life' und "Thunder & Lightning" kannte ich bis Anfang der 90er nicht sehrv iel von dieser tollen Band. Dann "Black Rose" geholt und gleich die Magie gespürt. Warmer Klang, ein ungeheuerliches Gespür für Harmonien und ein grandioses Zusammenspiel von Text und Stimme.

ASHBURY "Endless Skies" (1983). Erst vor wenigen Jahren entdeckt und sofort bis über beide Ohren verliebt.


Hier bin ich dabei. Ashbury wird in meiner neuen Top 100 sein, Thin Lizzy kenne ich erst seit wenigen Jahren, meine Metal-Sozialisisation begann aber vor 13 Jahren. Die Alben ab 76 sind Kandidaten für meine Alltime-Fave-Listen.
Jethro Tull (v.a. Songs From The Wood, Roots To Branches, To Old For Rock 'n' Roll, Heavy Horses) wurden auch einer meiner Faves, wobei ich Aqualung doch schon recht früh kannte.


Bei Rush z.B. waren einzelne Alben erst recht spät in meiner Sammlung, trotzdem finde ich die Band grandios.

Erwähnen würde ich noch Sanctuary mit ihren beiden Klassikern, dazu auch Marduk (Those Of The Unlight).
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Re: Alben, für die es nie zu spät ist.

Beitragvon Jakob » Dienstag 23. Juni 2015, 09:56

Eine der wichtigsten Scheiben in meiner Sammlung ist "S&M" (1999) von METALLICA. Denn durch das Album habe ich mir die gesamten Frühwerke ("Kill 'em All" bis "Metallica") angeschafft (bis dahin besaß ich nur "Load", "Reload" und "Garage Inc.") und kam richtig auf den Metal-Geschmack.
Ganz wichtig in meiner musikalischen Sozialisation waren dann 2005 die Re-Releases von den ATHEIST-Alben "Piece Of Time" (1990), "Unquestionable Presence" (1991) und "Elements" (1993). Insbesondere die ersten beiden Alben waren ne Offenbarung, das war Musik, wie ich sie lange gesucht hatte: Thrash, Prog und Wahnsinn.
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Re: Alben, für die es nie zu spät ist.

Beitragvon Drumtier » Dienstag 23. Juni 2015, 20:39

Jakob hat geschrieben:Ganz wichtig in meiner musikalischen Sozialisation waren dann 2005 die Re-Releases von den ATHEIST-Alben "Piece Of Time" (1990), "Unquestionable Presence" (1991) und "Elements" (1993). Insbesondere die ersten beiden Alben waren ne Offenbarung, das war Musik, wie ich sie lange gesucht hatte: Thrash, Prog und Wahnsinn.

Was war denn deine musikalische Sozialisation bis dahin? ATHEIST ist natürlich schon recht speziell, aber was kanntest denn von ähnlichen Bands wie CYNIC, DEATH oder meinetwegen auch PESTILENCE?

Zu meiner Situation, da gehts mir wie Chavo, dass in die erste Kategorie der Alben, die ich erst spät nach ihrer Veröffentlichung kennenlernte, so ziemlich alle "wirklichen" Metalalben fallen, die ich nach meiner NuMetal-Einstiegsphase kennenlernte. Ich werde meine Überlegungen daher auf die zweite Kategorie der Alben beschränken, die ich erst spät nach meinem Einstieg in die Metalwelt kennenlernte, mit der zusätzlichen Einschränkungen auf Alben in meiner näheren musikalischen Umgebung, da Kubi wohl nicht so Beispiele meinte, wie mein Kennenlernen von Bands wie NEVERMORE oder FATES WARNING, außerhalb meines üblichen Spektrums.

Verhältnismäßig spät kennengelernt habe ich zB das Triumvirat aus DEATH, CYNIC und ATHEIST, 10-15 Jahre nach meinem Einstieg in die (Death) Metalwelt warens nicht, aber je nachdem wohl schon ca 5, also relativ lange, dafür, dass es doch einige der größten Namen in dem Genre sind. Andere relativ große Namen, die ich lange ignoriert hab, waren DYING FETUS, MISERY INDEX oder besonders ORIGIN, bei denen ich mit NILE und CRYPTOPSY das Gefühl hatte im Bereich des extremen Tech Death gut versorgt zu sein und keine neu gehypte Band in diese Sphären vordringen lassen wollte. Ähnlich war das auch bei NECROPHAGIST, einer Band die von allen und jedem als ultimative Vorzeigebands gepriesen wurde und wird, aber das kleine Drumtier will seinen eigenen Weg gehen und keinen alten, inaktiven Bands nachlaufen, wenn das kleine Drumtier doch viel bessere Sachen kennt. War dann auch 5-6 Jahre nach meiner DM-Sozialisation, dass das Drumtier etwas größer wurde und doch noch ausprobierte, was es denn damit auf sich hat. Und dann ziemlich weggeblasen wurde, also bis auf die Dauer von 10-15 Jahren trifft das den Kern des Threads wohl am ehesten.

Bei allen anderen Bands, die mir so in dem Zusammenhang eingefallen wären, fällt mir einfach auf, dass ich zwar in der subjektiven Erinnerung manche Bands und Subgenres schon ewig mag, aber die Eintragedaten bei musiksammler.de widerlegen mich. Alle anderen Subgenres bis auf Death Metal eignen sich bei mir ganz einfach nicht für solche Threads, weil ich meistens bis auf einige wenige Alben noch nicht genug kannte um so manche vermeintliche Spätentdeckungen auch als solche würdigen zu können.
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Re: Alben, für die es nie zu spät ist.

Beitragvon Schaf » Dienstag 23. Juni 2015, 20:50

Ähnlich wie Marius würde ich mich fast schon als "zu jung" und damit meine musikalische Sozialisation als nicht abgeschlossen einschätzen. Ich lerne doch ständig neue gute Musik kennen! Das Alter eines Albums sagt doch nichts darüber aus, wie sehr ich mich dafür begeistern kann.

Entschuldigt, wenn ich nichts zum Thread beigetragen habe, aber mir kam das Thema etwas seltsam vor. Wie gesagt, wahrscheinlich erscheine ich mir selbst noch zu jung und begeisterungsfähig.

Oder kürzer: Für ein gutes Album ist es nie zu spät ;)
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Re: Alben, für die es nie zu spät ist.

Beitragvon Martin van der Laan » Dienstag 23. Juni 2015, 21:32

Mir ist noch ein Album eingefallen: "License To Kill" von MALICE, erschienen 1987, habe ich erst vor zehn Jahre als Ganzes für mich entdeckt. Das Teil ist ganz knapp an meiner TOP100 vorbei geschrammt. Ich hatte vorher nur den Opener 'Sinister Double' auf so einem selbst gebauten Sampler (tatsächlich noch auf Cassette!!). Fand ich immer schon total klasse; trotzdem habe ich das Album erst so viel später nach gekauft und lieben gelernt. Das Debüt "In the Beginning..." von 1985 habe ich natürlich inzwischen auch (mal auf einer Plattenbörse auf Vinyl ergattert!), ist sicher keinen Deut schlechter!! Irgendwie bin ich bei der Band ständig hintendran... das Comeback-Album "New Breed of the Godz" mit Neueinspielungen und neuen Songs fehlt mir auch noch. Hat das eigentlich jemand, ist das gut? Ich meine außer Peter, der hier das Review geschrieben hat und das Teil ganz okay fand, soweit ich mich erinnere.
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Re: Alben, für die es nie zu spät ist.

Beitragvon Jakob » Dienstag 23. Juni 2015, 21:39

@Drumtier: Von den Bands kannte ich nix, ich weiß auch nicht mehr genau, warum ich auf ATHEIST aufmerksam wurde. War wohl ne Mischung aus Cover und Werbeparolen auf dem Sticker. Bis dahin habe ich (nach Punk, Grunge und Nu Metal) viel Thrash (alte METALLICA, KREATOR, DESTRUCTION) und Prog (DREAM THEATER, TRANSATLANTIC) gehört. Und ATHEIST boten für mich die perfekte Symbiose. Ich bin allerdings auch noch keine 30, also so groß ist mein Horizont dbzgl noch nicht ;-) So viele Metal-Alben aus den 80ern habe ich entsprechend noch nicht aber doch viel mehr als aus den 70ern ;-)
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Re: Alben, für die es nie zu spät ist.

Beitragvon Jhonny » Mittwoch 24. Juni 2015, 08:34

Schaf hat geschrieben:Ähnlich wie Marius würde ich mich fast schon als "zu jung" und damit meine musikalische Sozialisation als nicht abgeschlossen einschätzen. Ich lerne doch ständig neue gute Musik kennen!


Das geht uns doch hoffentlich allen so :)
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