|
|
Hier geht es um das alles, was den Rocker / Metaller / Goth so bewegt.
von Rüdiger Stehle » Sonntag 4. September 2011, 16:27
Ich fühle mich als formeller Katholik und passionierter Synkretist einfach mal zur Antwort berufen, auch wenn ein "Gläubiger" natürlich etwas anderes ist als ich. Alex hat geschrieben:welche Gruppen hört ihr? Ich selber finde die Stimme von Mac Powell richtig Geil. "Third Day "ist natürlich eher Rockmusik. Ansonsten kenne ich "Tournique", "Bloodgood", "Petra", "Creed", "DC-Talk". "Tournique" ist recht abwechslungsreich, mir aber mitunter zu hart, zu dumpf. Ganz ähnlich sehe ich auch "Creed". "DC-Talk" ist für mich eher Cross-over oder Rock. Der Sound von "Petra" und "Bloodgood" sagt mir aber auf jeden Fall zu.
Aus dem frommen Lager habe ich eine sehr ausgeprägte Leidenschaft für SAINT, für (alte) SAVIOUR MACHINE, für DEADLY BLESSING / FAITH FACTOR, MIRADOR, mit Abstrichen (alte) NARNIA, FAITH, viele Doombands, die zwar nicht dogmatisch christlich sind, aber sehr viele religiöse Konnotationen haben: COUNT RAVEN, PLACE OF SKULLS, TROUBLE, SAINT VITUS und viele, viele mehr. Im christlichen Death/Thrash Metal: aus Deutschland SACRIFICIUM, aus Australien die Szenelegende MORTIFICATION, aus Norwegen EXTOL. Was könnt ihr mir empfehlen?
Alle vorgenannten Bands kann ich bedingungslos empfehlen. Wie erklärt ihr als gläubige Christen euren Geschwistern, dass ihr Metal hört?
Wie gesagt, das mit dem "gläubigen Christen" muss man sehr relativ sehen. Ich bin Mitglied der katholischen Kirche und bin das auch gerne, aber die Fähigkeit an Übersinnliches jeder Art zu glauben geht mir schlicht ab. Daher habe ich keinerlei Rechtfertigungsbedarf. Ich meine aber auch, dass - wenn ich Rechtfertigungsbedarf hätte - wohl die Argumentation über die Theodizee ginge. Das Leben hat viele Facetten und das Böse ist integraler Bestandteil des Guten. Zum einen ist ja Metal nicht per se böse, sondern es handelt sich um strebend sich bemühende Menschen, die ihre Kunst ausüben, welche ihrerseits frei interpretierbar ist. Man kann auch aus einem Lied über den Gehörten für sich positive Kraft ziehen. Es gibt nichts, was nur gut oder nur böse ist. Wichtig ist, was man für sich aus dem Erlebten macht. Gibt es einem Kraft, dann ist es gut. Auch wenn der Aufhänger "böse" klingen mag. Letztlich werden im Metal - in der Musik allgemein - Geschichten erzählt, Rollen gespielt ... Was man aus der Vorlage für sich gewinnt, ist jedem selbst überlassen. Habt ihr schonmal Platten/ CD´s weggeschmiessen?
Nein. Werde ich auch nie tun. Wenn ich Musik höre, will ich Musik von Menschen hören, die von dem überzeugt sind, was sie tun. Ich will ihre Sicht kennen lernen. Wenn ich meine Überzeugung hören wollte, könnte ich Selbstgespräche führen. Gerade die Auseinandersetzung mit dem Fremden, Widersprechenden, Abseitigen, macht das Leben interessant. Ich muss die Überzeugung des Menschen, dessen Musik ich höre, dessen Filme ich sehe, dessen Bücher ich lese nicht teilen, um sie kennen zu lernen und daraus Schlüsse ziehen zu können. Aus diesem Grund ist mir satanische Musik, christliche Musik, atheistische Musik, humanistische Musik usw... zunächst einmal gleich lieb und teuer. Allenfalls gewinne ich den Eindruck, dass Musik mehr Kraft und Faszination haben kann, wenn der Protagonist wirklich an das glaubt, worüber er singt, als wenn er nur eine Rolle spielt.
alias Hugin der Rabe. Ravnen fra steinfjellet. Háv. 38
-

Rüdiger Stehle
- Musikredaktion
-
- Beiträge: 35285
- Registriert: Samstag 6. Februar 2010, 22:52
- Wohnort: Schwabenland
-
von Jesus » Sonntag 4. September 2011, 18:46
Um vielleicht etwas zur eigentlichen Diskussion beizutragen, damit Alex mich nicht für ein Vollzeitarschloch hält (weil ich nur Teilzeit arbeite), picke ich mir mal eine interessante Frage raus: Alex hat geschrieben:Wie erklärt ihr als gläubige Christen euren Geschwistern, dass ihr Metal hört?
Ich kann zwar nicht für die gläubigen Christen sprechen, doch stellt sich mir die Frage, warum ich meinen Musikgeschmack jemandem "erklären" sollte. Das klingt so, als würde ich eine kriminelle Handlung rechtfertigen wollen. Müssen andere Christen ihren Geschwistern auch erklären, warum sie Dance Pop oder Fusion Jazz hören? Hoffentlich nicht. Es macht mich ein wenig traurig, wenn Metal trotz seiner inhärenten kritischen Distanz zur Religion - speziell dem Christentum - von Christen gegenüber anderen Genres als "guilty pleasure" bzw. "kleine Sünde" angesehen wird. Nicht nur gibt es reichlich Bands mit eskapistischen oder sonstigen für Christen harmlosen Texten; die kritische Auseinandersetzung mit dem eigenen Glauben kann dem einen oder anderen Christen auch nicht schaden. Nicht, dass dies ihn/sie unbedingt vom Glauben abbringt - das wäre unwahrscheinlich - aber vielleicht wird man sich etwas demütiger seines Platzes in der Gesellschaft und der Weltordnung bewusst. Eine Religion, die für sich die einzige Wahrheit und Gültigkeit beansprucht, kann hin und wieder von etwas Bescheidenheit und Zurückhaltung profitieren und sich so auf seine gerne angepriesen, doch nicht immer praktizierten Tugenden konzentrieren und weniger auf die Einhaltung seiner Dogmen. Im Endeffekt ist Metal auch nur Musik und wenn er mir gefällt, brauche ich den Grund dafür niemandem zu erklären. Unser Jhonny ist Christ und hört auch reichlich nichtchristliche bzw. areligiöse Metalbands und sogar den einen oder anderen antichristlichen Black Metal. Ich kann und muss ihm hier zugute halten, dass er keinerlei Probleme damit hat, seinen Musikgeschmack und seine Weltsicht zu vereinen bzw. die eigene Überzeugung und die Freude an der Musik strikt zu trennen, selbst wenn der im Metal präsentierte lyrische Inhalt sich nicht immer mit seinen eigenen Überzeugungen deckt. Und da empfehle ich Dir, Alex, auch einfach mal eine entspanntere Haltung gegenüber einer Unterhaltungsform. Genau das ist Musik nämlich. Unterhaltung. Sie beschwört keine bösen Geister, schreibt einem nicht vor, was man zu glauben hat und soll einfach nur Freude bringen. Wenn man ein schlechtes Gewissen bekommt, weil man die eigenen Ansichten nicht mit den lyrischen Inhalten einer Band vereinbaren kann, hört man einfach eine andere, musikalisch ähnliche Band mit anderen Texten. Nur weil man nicht mit allen Bands konform geht, muss ich doch nicht gleich die Liebe zu einem ganzen Genre rechtfertigen. Höre, was Dir gefällt und lasse Dir da von niemandem reinreden. So einfach ist das. Alex hat geschrieben:alle Anderen, die einfach nur ihren "Schaf- und Trommelsenf" dazugeben wollen, schweigen!
Freies Land, freie Meinungsäußerung. Mit diskussionswürdigeren Topics wie diesem kommt man beim alten Grummelschaf besser an. Nachträglich willkommen und Entschuldigung fürs harsche Anpflaumen im anderen Thread. War zwar bei dem naiv formulierten Thema nicht ganz unverdient, aber ich bin ja eigentlich recht nett. Wie man meinem flauschigen Äußeren entnehmen kann.
-

Jesus
- Super-Duper-Mega-Ober Metaller
-
- Beiträge: 10890
- Registriert: Dienstag 9. Februar 2010, 13:20
- Wohnort: Das Herz Preußens
von frankjaeger » Sonntag 4. September 2011, 20:28
Hatten wir schon TROUBLE (erste drei Alben) und natürlich STRYPER? Die sind zwar als Vertreter des tieffliegenden Bible-Metals fragwürdig, aber das letzte Album ist wirklich klasse.
-

frankjaeger
- Musikredaktion
-
- Beiträge: 16786
- Registriert: Sonntag 7. Februar 2010, 22:29
- Wohnort: Burtenbach
-
von Jesus » Sonntag 4. September 2011, 20:30
Wow. Die großartigen TROUBLE im selben Satz wie die lächerlichen STRYPER. Mein Gehirn ist gerade explodiert.
-

Jesus
- Super-Duper-Mega-Ober Metaller
-
- Beiträge: 10890
- Registriert: Dienstag 9. Februar 2010, 13:20
- Wohnort: Das Herz Preußens
von Drumtier » Sonntag 4. September 2011, 22:16
Teichfrosch hat geschrieben:Ach, QUO VADIS sind auch christlich inspiriert? Ist mir als ich mich durch deinen Thread gehört hab garnicht aufgefallen. Interessant.
Hab ja auch keinen Grund gehabt das sonderlich zu betonen und es ist ja zum Glück keineswegs durchgehend so und auch eher subtil und kein Auspacken des Missionshammers. Falls sie das aber für dich interessanter macht freuts mich 
-

Drumtier
- Metalhead
-
- Beiträge: 3315
- Registriert: Sonntag 7. Februar 2010, 00:43
-
von Jhonny » Sonntag 4. September 2011, 22:37
Jesus hat geschrieben:Wow. Die großartigen TROUBLE im selben Satz wie die lächerlichen STRYPER. Mein Gehirn ist gerade explodiert.
Musikalisch sind Stryper ganz schön geil, wenn man auf solche Musik steht Dass Bibelwerfen nicht soo cool ist ist ganz klar (haben die mal bedacht, dass sich dabei jemand verletzen könnte?!?) von Trouble brauch ich auch unbedingt mal ne Scheibe.
-

Jhonny
- Musikredaktion
-
- Beiträge: 36886
- Registriert: Sonntag 7. Februar 2010, 16:48
- Wohnort: Landshut
von Rüdiger Stehle » Sonntag 4. September 2011, 23:21
So, Leute, ich hab mein möglichstes getan, das Kuddelmuddel hier halbwegs zu sortieren. Das Pro und Kontra zum Christentum und missionierenden monotheistischen Religionen ab sofort bitte hier: viewtopic.php?f=25&t=2021Und im vorliegenden Thread bitte dann nur noch die Diskussion zu christlichen Metalbands. P.S.: Wenn ihr so etwas noch einmal macht, dann bitte so, dass sich das sauber trennen lässt und nicht die Beiträge durcheinander On-Topic und Off-Topic sind. 
alias Hugin der Rabe. Ravnen fra steinfjellet. Háv. 38
-

Rüdiger Stehle
- Musikredaktion
-
- Beiträge: 35285
- Registriert: Samstag 6. Februar 2010, 22:52
- Wohnort: Schwabenland
-
von Martin van der Laan » Sonntag 4. September 2011, 23:44
Wieder in diesen Thread rübergerettet: Ich glaube, die großartigen SEVENTH ANGEL wurden noch nicht genannt, oder? Eindringlicher, melancholischer, kantiger Thrash mit Doom-Schlagseite, heftigst christliche Texte und ein Sänger, der seine Seele auf der Zunge zu tragen scheint. Unbedingt mal antesten. "Lament For The Weary" (1992) am besten oder den Vorgänger "The Torment". Es gibt auch ein aktuelles Album aus dem Jahre 2009, das aber in meinen Augen nicht ganz die alte Klasse der Band erreicht.
Ach ja, und TOURNIQUET finde ich ebenfalls fantastisch!
668 - Neighbor of the Beast
-

Martin van der Laan
- Musikredaktion
-
- Beiträge: 7658
- Registriert: Sonntag 21. Februar 2010, 21:41
von Jhonny » Montag 5. September 2011, 08:47
Bisher gar nicht genannt wurde Rob Rock, ein hervorragender Melodic Metal Shouter. Er singt auf diversen Avantasia-Scheiben, der Dawnrider-Scheibe... v.a. aber auf gutklassigen Solo-Scheiben, von denen ich viel zu wenige besitze.
-

Jhonny
- Musikredaktion
-
- Beiträge: 36886
- Registriert: Sonntag 7. Februar 2010, 16:48
- Wohnort: Landshut
von Martin van der Laan » Montag 5. September 2011, 13:13
Jhonny hat geschrieben:Bisher gar nicht genannt wurde Rob Rock, ein hervorragender Melodic Metal Shouter. Er singt auf diversen Avantasia-Scheiben, der Dawnrider-Scheibe... v.a. aber auf gutklassigen Solo-Scheiben, von denen ich viel zu wenige besitze.
Yepp! Vor allem das "Holy Hell"-Album von 2005 ist ziemlich klasse.
668 - Neighbor of the Beast
-

Martin van der Laan
- Musikredaktion
-
- Beiträge: 7658
- Registriert: Sonntag 21. Februar 2010, 21:41
Zurück zu Die Rockbar
Wer ist online?
Mitglieder in diesem Forum: MarioDahl und 6 Gäste
Powered by phpBB © 2000, 2002, 2005, 2007 phpBB Group
Deutsche Übersetzung durch phpBB.deTime : 0.146s | 11 Queries | GZIP : Off
|
|