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Musik und EmotionMusik und EmotionOftmals gibt es ja hitzige Diskussionen darüber, ob eine Band berührt oder verkopft ist. Nun - was muss Musik in euren Augen haben, um zu berühren? Welche Bands, welche Alben berühren euch auf einer elementaren Ebene, ganz unabhängig von Stil, Technik usw?
"Rock journalism is people who can't write interviewing people who can't talk for people who can't read." - Frank Zappa
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Re: Musik und EmotionIch kann das sehr elementar mit einem Wort umreißen: "Faustfaktor"
Musik, die mich richtig berührt, kommt nur ganz selten ohne den Faustfaktor aus. Mir gefällt auch vieles, dem der Faustfaktor abgeht, aber das ist dann meist nur Bewunderung oder bloß Gefallen und "schön"-Finden. Einen richtig tiefen emotionalen Nexus habe ich im Prinzip fast ausschließlich zu Musik, zu der man die Faust ballen und in die Luft recken kann. Letztlich genau das, was für mich die Grenze von Metal zu anderer (guter) Musik ausmacht. Das mag jetzt unbeholfen klingen, aber genau so fühlt es sich an, und ich denke das war es auch, was du wissen wolltest, oder? Darüber hinaus sollte klar sein, dass mir natürlich nicht jedes Band mit "Faustmusik" auch automatisch emotional nahe geht, aber das ist so etwas wie eine Grundvoraussetzung. Ob dann wirklich eine große persönliche Nähe zur Musik entsteht, wird von anderen Attributen der Musik und natürlich von begleitenden Umständen bestimmt. Ein eigenständiger, origineller Sänger ist ebenfalls fast zwingend nötig, daneben ist die Stimmung in der ich auf eine Band aufmerksam werde, sehr wichtig. Bands die ich zu einer Zeit entdecke, in der sie sehr gut meine aktuelle Stimmung widerspiegeln, wirken immer besonders intensiv auf mich. Letztlich können natürlich auch Texte die mir nahe gehen, eine solche Verbindung erzeugen. Motörheads "1916" ist solch ein Beispiel. alias Hugin der Rabe.
Ravnen fra steinfjellet. Háv. 38
Re: Musik und EmotionEmotional finde ich Musik recht oft... selbst dann oft, wenn sie mir nicht gefällt.
Hymnisch... das ist ein guter Ausdruck... ein Ohrwurm, der mich tagejang lagt, mag er auch noch so simpel sein. Das berührt mich. Ansonsten darf Musik gerne Spaß machen - wie Helloween oder Edguy z.B. Es sollte auf gar keinen Fall immer alles nur ernst sein - ich hasse es oft sogar, wenn Musik versucht, intellektuell zu sein. Das will ich gar nicht, und das tötet jede Emotionen. Wenn ich etwas intellektuelles will, geh ich in die Uni-Buchhandlung. Aber nicht zum CD-Schrank. Musik sollte v.a. unterhalten - das weckt bei mir Emotionen. Der Text juckt mich bekanntlich kaum. Den "Faustfaktor" von Rüdiger kann ich jedenfalls gut nachvollziehen, das gilt aber im Grunde nur für Metal. Metal darf nicht klugscheißerisch sein... das nervt mich manchmal etwas an Atlantean Kodex. Metal sollte fürs einfache Volk sein, geil, rockig, emotional eben. AC/DC ist für mich deshalb, obwohl es musikalisch kein Metal ist, das größte Beispiel. Back In Black lauthals mitschreien, Luftgitarre spielend durchs Zimmer hüpfen, jeden hohen Ton von Mr. Johnson treffen... das ist für mich emotional. Bei nicht-metallischer Musik ist es meist etwas anders... die soll schön sein, ruhig, berührend, aber wie immer am wichtigsten ist eine schöne, meist eher simple Melodie. Die ins Ohr geht. Toll ist für mich immer, wenn ein Pianist am Start ist, da ich ja selber auch Klavier spiele - das berührt dann gleich etwas mehr. Billy Joel wäre da ein gutes Beispiel. Natürlich kann auch relativ anspruchsvolle Musik emotional sein - da denke ich an "Supper's Ready" von Genesis oder an "Metropolis Part 1" von Dream Theater. Allerdings habe ich da immer das Gefühl, dass da ein herzerwärmender Gesang und songdienlich (!) eingesetzte Superinstrumentalisten das Herz des Zuhörers berühren wollen. Verschrobene Klänge, die einen eher in die Müllabfuhr als in das Wunderland entführen lassen mich dagegen persönlich eher kalt.
Re: Musik und EmotionDas mit der emotionalen Bindung ist schwer erklärbar. Grundsätzlich berührt mich Musik schneller, wenn ich mich beim Anhören in irgendeiner Weise mit dem Gehörten indentifizieren kann. Da spielt grundsätzlcuh erstmal das Kopfkino eine gewisse Rolle. Musiker, die ich aus irgendeinem Grunde unsympathisch finde, haben es da schwer(er) als die netten Typen von Nebenan.
Manchmal sind es Texte, Textfragmente (die aus dem Zusammenhang gerissen einen sehr persönlichen Bezug darstellen können) und im Idealfall natürlich die Kombination Musik/Text. Vor allem, wenn ich ein besonderes Erlebnis mit irgendeinem Song hatte, entsteht eine besodnere Beziehung. Die Musik(richtung) an sich ist da etwas nebensächlich, wobei es natürlich vorwiegend Metal ist. 'Winter' von Tori Amos, 'The Man With The Chold In His Eyes' (Kate Bush), 'I Walk The Line' (Live covern Johnny Cash), 'Come Sail Away' (Styx) oder 'Faithfully' (Journey) wären da jetzt mal Beispiele für Nicht-Metal. Wenn ich vier Ohren hätte, könnte ich länger schlafen.
Re: Musik und EmotionIch sehe das im ersten Teil ähnlich wie Holger. Auch bei mir sind das Textfragmente bzw. Die Zusammensetzung des Song und Textes. Das kann sich heftig auswirken wie bei Pain of Salvation mit Remedy Lane, oder auch Anathema mit Judgement. Kann aber auch gänzlich ohne Text auskommen.
Es kann aber auch aus besonderen Ereignisse eine Emotion zu Alben entstehen. Sei es weil ein Song bzw Album einen durch eine gewisse Zeit begleitet, oder man damit besondere Ereignisse verknüpft. So ein Album ist bei mir Opeths Damnation, das ich damals öfter nach dem Tod meines Opas gehört hab. Hör ich deswegen heute auch nicht mehr so oft, weil es mich an den Tod erinnert von meinen Opa. Irgendwie unschön. Aber eine bestimmte Faustformel wann mich ein Album emotional tief berührt gibt es nicht.
Re: Musik und Emotion
In den Kontext zu meinem Beitrag gebracht, gefällt mir der Begriff Faustformel sehr gut. ![]() alias Hugin der Rabe.
Ravnen fra steinfjellet. Háv. 38
Re: Musik und EmotionGanz pauschal würde ich mal sagen, dass alle Gefühle, die in mir angelegt sind, potentiell durch Musik erreicht werden können. Als besonders krass erlebe ich allerdings, wenn bestimmte basale Gefühle aus der vorsprachlichen Zeit erreicht werden. Da fehlen mir dann logischerweise sprichwörtlich die Worte und die Gefühle können einen überwältigenden Charakter bekommen. Das kann zugleich verstörend sein und, wie Freud es beschrieb, ein "ozeanisches" Gefühl erzeugen. Emo-Tsunami wäre vielleicht ein zeitgemäßer Ausdruck.
Ob es sich bei der auslösenden Musik um eine Melodie, ein Riff, Gesang, einen Text, oder was weiss ich handelt, ist dabei genauso unerheblich wie der Stil des Musik.
Re: Musik und EmotionHmm... tief emotional berührt mich in 98% der Fälle Musik dann, wenn sie einfach melancholisch/traurig ist oder eine bestimmte, meist tiefsinnige Botschaft enthält - zu Happyface Musik gehe ich abzappeln oder mich besaufen, aber das berührt mich nicht, außer ich habe mich zu einem bestimmten Lied verliebt oder solch unnötiger Emokram... ihr wisst schon
Die restlichen 2% gehören zu den Liedern, die einfach eine bestimmte Situation wiederspiegeln in der ich die Musik erlebt habe. Erlebnisse während der Jugendzeit spielen hier sicher eine herausragende Rolle, aber auch neure Ereignisse sind da gleichsam vorhanden. "Glückliche" Musik berührt mich meist nicht besonders, einfach weil ich da nichts verspüre. Schwer zu beschreiben, aber musikalisch zieht mich alles vertrackte, verzweifelte, melancholische, verträumte, absonderliche, eigenartige, dunkle, verstörte und seltsame an, und Happyface Musik ist hier kolossal unterrepräsentiert.
Re: Musik und EmotionWieder ein höchst interessantes Thema! Emotional berührt mich Musik meistens ähnlich wie bei Teichfrosch, sprich wenn sie schon von der Grundstimmung her nachdenklich oder traurig ist. Unabhängig davon, ob das jetzt musikalisch einfach oder doch wieder progressiv oder doomig ist. Hängt natürlich auch wieder stark vom Sänger ab, was aber nicht wirklich einzugrenzen ist, es muss da einfach passen, dass ich einem Sänger die vermittelten Emotionen abkaufe. Beispielsweise berührt mich Primordial viel mehr als Candlemass und das obwohl man wahrscheinlich Doom Metal eher trauriger einschätzen würde als Black. Bringt mich aber auch gleich wieder zum nächsten Thema, den Texten, die passen halt auch bei Primordial meistens viel mehr zu meiner Einstellung als bei abstrakteren unkonkreteren Sachen wie Candlemass. Deshalb kann ichs auch überhaupt nicht verstehen, wenn gerade bei einer Diskussion um die Emotion gesagt wird, dass jemanden die Texte nicht jucken. Und da gehts auch gleich weiter:
AC/DC emotional? Jedes verdammte Streichholz ist emotionaler?! Und ja, ich habe deine Erklärung gelesen, aber das heißt für mich nur, dass dir die Musik gefällt und genau deinen Geschmack trifft um Party zu machen. Nichts davon hat mit Emotion zu tun. Wenn ich eine Monotheist von Celtic Frost, Ordo Ad Chao von Mayhem oder Obscura von Gorguts höre, dann is das für mich emotional, weil ich höre wie sich die Macher hineingefühlt haben in die Musik und ihr Herzblut und ihre Empfindungen hineingesteckt habe. Alle drei Beispiele sind dabei keineswegs Doom wo dieser Eindruck sicher noch öfter mal entsteht. Aber bei AC/DC hör ich ein Programm das heruntergespult wird um gefallende Musik zu machen. Emotion? Fehlanzeige! Und nochmal auf speziell auf
Metal fürs einfache Volk?! Ohne hier eine unnötige Elitarismus-Debatte vom Zaun zu brechen, aber ich denke schon, dass in Metal, Jazz oder Klassik durchschnittlich betrachtet doch eher weniger Hörer des "einfach Volkes" sind. Zum Beispiel berühren mich Behemoth enorm tief, aber nicht weil ich dazu mitschreien und headbangen kann, sondern weil sie einen halt auch intellektuell so weit fordern, dass man sich ein wenig Gedanken macht. Und unter der rauhen, abstoßenden und hässlichen Hülle von Nergal erkennt man in den Texten auch sehr viel von seiner Gefühlswelt. Dasselbe auch bei Immolation die vielleicht noch ein Stück weit klugscheißerischer agieren, aber man hört eben auch wieder, dass sie nur verzweifelt versuchen ihren Standpunkt, ihre Sicht der Welt darzubringen. Und wenn ich dann ein Lied wie "Father, You're Not A Father" höre, das aus der Sicht eines kirchlichen Missbrauchsopfers geschrieben ist, dann kann mir doch kein Mensch erzählen, dass das nicht emotional sei?!
Re: Musik und Emotion
Vom Geschmack unabhängig denke ich, dass du den Aussies hier ein wenig Unrecht tust. Was die Scheiben der letzten 25 Jahre angeht, kann ich die Wahrnehmung gut nachvollziehen, aber was die Band in der Bon-Scott-Zeit gemacht hat, und auch noch kurze Zeit nach dessen Tod, war teilweise schon sehr emotional und mit viel Feeling herüber gebracht. Ich bin auch kein allzu riesiger AC/DC-Fan, aber ich finde schon, dass man vielen AC/DC-Songs bis mindestens "Back In Black" anmerkt, dass die Band aus ihrem Leben erzählt. Was die Frage "fürs einfache Volk" vs. "intellektuell und klugscheißerisch" angeht, finde ich, dass beides gleichermaßen emotional sein kann, wenn man der Band abnehmen kann, dass es um ihre eigenen Gefühle geht. Da ist es dann egal, ob es um Basales, Triviales oder Hochgeistiges geht. Man kann über eine verflossene Liebe genau so emotional singen wie über den Weltfrieden oder den Sinn des Lebens, man kann aber all das auch emotionslos und flach machen. Da ist immer entscheidend, ob die Band selbst von ihrem Inhalt bewegt wird, oder ob sie etwas "für die Kundschaft" macht. Da schließt sich dann der Kreis zu dem, was ich über die zweite BM-Welle in meinem Top-100-Thread gesagt habe. Das Zeug ist so emotional, weil man den Leuten abnehmen kann und muss, dass sie wirklich die Welt in ihren Grundfesten erschüttern und Chaos verbreiten und nicht nur den bösen Haldemann für pubertierende Emos spielen wollten. alias Hugin der Rabe.
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