Dritte und letzte E. P. aus dem Jahre 2010:
Fünf Stücke Alternative/Indie Pop/Rock mit folkigen, postrockigen & klassischen Singer/Songwriter-Einflüssen.

Die E. P. beginnt mit der titelgebenden, unaufdringlichen Postrockhymne 'Dark Storm'. Dies ist ein Stück, wie es wohl nur THE JEZABELS schreiben können. Es bündelt sowohl die ätherische wie auch die rockige Schaffenskraft, die eine PJ Harvey wohl auf zwei unterschiedliche Songs verteilt hätte. Doch diese Kraft bleibt zunächst noch verhalten: Percussion, Klavier, Rockinstrumentarium, Gesang, alles greift hier perfekt ineinander, mit tänzerischer Leichtigkeit und meditativer Langsamkeit; ein Crescendo deutet sich an, schichtet sich auf, stürzt wie ein Wasserfall in bodenlose Freiheit, löst sich in Elemente auf, die sanft davon schweben. Erst danach wird es tatsächlich etwas rockiger, bleibt dabei aber immer noch auch dem klassischen Singer/Songwriter-Genre verhaftet: 'Mace Spray' ist etwas basslastiger, rückt aber das Klavier und den Gesang noch stärker in den Vordergrund. Denkt man an die ersten beiden Stücke, so rücken als fremdkünstlerische Referenzen noch am ehesten "Transatlanticism" von DEATH CAB FOR CUTIE und "To Venus And Back" von TORI AMOS in die Nähe des Horizonts. Das Drumming in den ersten beiden Songs ist als "filigran und beinahe jazzig" nicht allzu schief umschrieben.
Weiter behutsam sich steigernd wird die E. P. mit dem dritten Song noch einmal etwas tiefenlastiger und eingängiger, tragender, aufwühlender, offener, und im Drumming auch offensiver. Hier, in 'Sahara Mahala', tritt dann auch das hymnenhafte Element, welches im Opener bereits latent angelegt war, deutlich selbstbewusster und euphorischer, aber auch leidenschaftlich angefasster, endgültig in den Vordergrund. Als dritte Referenz zieht damit für mich SHAKESPEARS SISTER herauf.
Etwas balladesker wird es zu Beginn des vierten Stücks, 'A Little Piece', das sich als eine folkig und post-rockig beeinflusste, letztlich jedoch pop-rockig opulente Schmachtnummer entpuppt, die das Paradoxon des "subtilen Bombasts" perfekt illustriert, und als nächste und letzte Referenzen DARK DARK DARK (mit einer klitzekleinen Prise OF MONSTERS AND MEN) auf den Plan ruft. Als finales Stück zitiert 'She's So Hard' in seinem Titel den Titel der im Jahr zuvor erschienenen zweiten E. P. von THE JEZEBELS. Nach der vorliegenden dritten E. P. sollte dann die Album-Ära der Band anbrechen. Auch dies ist wieder ein Song, wie ihn wohl nur THE JEZABELS schreiben können: Zart, schwebend, spröde, und doch so kraftvoll wie eine natürliche Urgewalt. Der Gesang wirkt hier teils zurückgenommen und kontrolliert, dann wieder tanzt er völlig frei. Dabei ist alles in stetem, ruhigem Fluss. Doch stille Wasser sind tief...
Die Rahmung des eingängigsten Songs durch jeweils zwei daraufhin führende und daraus ausleitende Stücke macht die Reise durch die wunderschöne Klanglandschaft dieser E. P. ähnlich wie bei einem Longplay-Album zu mehr als der Summe ihrer Wegabschnitte. Das Werk lässt sich besonders gut am Stück genießen, auch wenn jeder Song für sich genommen bereits ein Hochgenuss ist.
Besetzung:
Sam Lockwood (guitar)
Hayley Mary (guitar, vocals)
Heather Shannon (keyboard, piano)
Nik Kaloper (drums, percussion)
Produktion: Lachlan Mitchell & The Jezebels @ Oceanic Studios & Production Ave Studios (Sydney)
Mastering: Oscar Gaona @ Studio 301
Spielzeit: 23:55 Minuten
