Der "Tod der B-Seite"

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Der "Tod der B-Seite"

Beitragvon Loomis » Dienstag 5. April 2022, 16:03

Hier mal ein Gedankengang der mich seit einer Weile bewegt:
Immer wieder wird (meiner Meinung nach zurecht) geklagt, dass die neuen Alben vieler alter Bands viel zu lang sind. Eine Spielzeit von über einer Stunde oder auch mal 14 Songs auf einem Album sind keine Seltenheit. Da wird dann gesagt, dass kompakte 45 bis 50 Minuten besser wären als 65 Minuten die sich irgendwann ziehen, wie Kaugummi.

Doch warum machen die Bands das dann?
Da gibt es wohl zwei Gründe:
Zum einen lässt eine einzelne CD heute bis zu 80 Minuten Spielzeit zu, bei Streaming ist die Spieldauer sogar quasi unbegrenzt.

Zum anderen - und damit komme ich nun auf den Punkt - liegt es am "Tod der B-Seite". Denn auch früher haben Bands schon mal 14 Songs oder 65 Minuten pro Album aufgenommen. Allerdings kam eine Handvoll Songs davon dann nicht auf das Album sondern wurde als B-Seiten der Singles verwendet. Sei es, weil die Spielzeit einer Vinyl-Scheibe ausgereizt war oder weil man absichtlich Material für B-Seiten in der Hand haben wollte.

Heutzutage werden auch noch quasi Singles "ausgekoppelt", aber da die meist digital only veröffentlicht werden, gibt es keinen Grund, "B-Seiten" dazu zu packen. Und so landen die Songs, die dafür prädestiniert gewesen wären, eben auch auf dem Album.

Was meint ihr dazu?
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Re: Der "Tod der B-Seite"

Beitragvon Peter Kubaschk » Dienstag 5. April 2022, 16:10

Ja, stimmt alles und finde ich im Grunde gut so. Leider hat das andere Blüten nach sich gezogen wie exklusive Bonussongs für Handelsketten ("13" von Sabbath war ein Paradebeispiel), exklusive Songs für Vinyl oder gar für den digitalen Download (bei TOOL z.B.). Dennoch - dass die physische Single nahezu ausgestorben ist, finde ich überhaupt nicht schlimm und wenn dadurch die Alben länger werden, ist das auch nicht weiter wild. Ich beschwere mich aber auch selten über die Länge von Alben, ich höre ja Prog. :)
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Re: Der "Tod der B-Seite"

Beitragvon Jens Wilkens » Dienstag 5. April 2022, 16:57

Ich finde, es kommt immer auf die Dramaturgie des Albums an. "Impera" von GHOST hat z.B. eine perfekte Abfolge der Songs, da würde ein zusätzlicher Song bestimmt stören. Wenn eine Band aber das Potenzial hat, die Spannung über 70 bis 80 Minuten zu halten, fine by me. Da ich ganz gerne Vinyl kaufe, muss ich aber sagen, dass ein Album mit drei Schallplatten wie bei MAIDEN einfach nur nervig ist. Da würde ich in Zukunft eher zur CD greifen. Aber gerade bei den letzten beiden MAIDEN sind das ja auch wieder zwei CDs. :?

Singles habe ich wirklich gern, obwohl sie viel Platz beanspruchen. Es ist aufregend, wenn eine Band noch kein Album veröffentlicht hat und als erstes Produkt eine Vinyl-Single auf den Markt wirft. Das kann mich schon begeistern (wie 'The Fear' von BLOOD STAR, 'Cold Front' von FREEWAYS oder 'Citadel' von TANITH). Auch auf Konzerten habe ich ab und zu Singles gekauft.
Da ich neben Metal auch ganz gerne mal Northern Soul aus den Sechzigern höre, kommt noch ein Faktor hinzu. Selbst Nachpressungen klingen oft gigantisch. Diese Dynamik kenne ich nur vom 7''-Format. Bei Metal könnte ich da allerdings kein Beispiel nennen.
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Re: Der "Tod der B-Seite"

Beitragvon TobiasDahs » Dienstag 5. April 2022, 17:27

Ich finde den Trend der immer länger werdenden Alben auch fürchterlich ... für mich ist die perfekte Länge eines Albums zwischen 8 und 10 Songs, mein Lieblingsbeispiel ist hier immer "Master Of Puppets". Lieber kurz, knackig und ohne Füller als Überlang und zwei Skip-Songs mit dabei.

Ich hab es noch nie so betrachtet, aber wahrscheinlich ist der Trend wirklich mit dem Aussterben von physischen Singles verbunden, denn für B-Seiten gibt es ja wirklich keinen relevanten Platz mehr. Also packen die Bands alles aufs Album, was gerade in meinen Ohren nicht vielen Alben gut tut.
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Re: Der "Tod der B-Seite"

Beitragvon Jens Wilkens » Dienstag 5. April 2022, 17:48

Früher haben die Singles das Interesse an einem Album wach gehalten. Das bedeutet natürlich auch einen gewissen Aufwand - angefangen bei den Artworks. Der Aufwand lohnt sich wohl nicht mehr bei den niedrigen Verkaufszahlen physischer Tonträger.
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Re: Der "Tod der B-Seite"

Beitragvon Peter Kubaschk » Dienstag 5. April 2022, 18:14

Der Aufwand steckt heute dann in den Videos, die ja mittlerweile jede Band produziert. Zum Teil eben auch extrem aufwendig.
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Re: Der "Tod der B-Seite"

Beitragvon Rüdiger Stehle » Mittwoch 6. April 2022, 01:08

Die Videoclips haben durch YouTube ja quasi eine Renaissance erlebt, nachdem sie mit dem Verschwinden der klassischen Metalformate im Musik-TV auch eine Weile fast ausgestorben waren. Aber inzwischen gibt es zu fast jedem Album einer halbwegs bekannten Band 1-3 Videoclips zu sehen. Bei Metallica sogar zu allen 14 Songs, oder wie viele "Self-Wired" auch gehabt haben mag. Diesen Trend mag ich, denn für mich spielten die Videoclip-Formate wie Mosh!, Headbangers Ball und Metallah eine riesengroße Rolle in meiner Metal-Sozialisation. Ich hatte über 100 VHS-Tapes voll davon mitgeschnitten, und ich liebe Videoclips noch heute.

Single-B-Seiten machen in der Tat nur noch wenige Bands, doch manche gibt es noch, die das Spiel treiben. Helloween zum Beispiel. Da hat quasi jede Albumsession noch B-Seiten, oder inzwischen eben auch/stattdessen Digipak- oder Japan-Boni. Andere Bands machen noch (oder erstmals, oder wieder) die "Zwischendurch-EP". Wobei ich die Single-B-Seiten zwar teils schon gut fand, aber das Format an sich natürlich schon lästig, da eben Fanmelken. Die Bonustracks verschiedener Editionen desselben Albums sind genau dasselbe in grün.

Richtig schön finde ich aber nach wie vor die Zwischendurch-EP oder 12"-Single bzw. MCD mit Non-Album-Tracks. So wie das bei VENOM in den Achtzigern war. Da waren sämtliche Single-Tracks a) so gut wie nie auf den Alben und b) zum Großteil auch noch mindestens so gut wie die Albumtracks. Teils echte Hymnen wie 'In League With Satan', 'Manitou', 'Nightmare', 'Seven Gates Of Hell', 'Warhead', 'Die Hard', 'In Nomine Satanas' u.v.m. So konsequent cool hat das fast keine mir bekannte Band durchgezogen.
alias Hugin der Rabe.
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Re: Der "Tod der B-Seite"

Beitragvon Loomis » Sonntag 10. April 2022, 23:28

Danke für eure Rückmeldungen. Auch interessant, wie unterschiedlich das Format “Single (mit B-Seite)“ ankommt.
Dass da nicht zuletzt auch Geldmacherei ein Grund war, wieso Plattenfirmen Singles herausbrachten ist klar und das stößt auch mir sauer auf. Andererseits mag ich nicht unbedingt jede Coverversion auf einem Album haben. Beispiel: Judas Priest hatten “Johnny B. Good“ auf der “Ram it Down“. Gefällt mir im Albumkontext nicht besonders, aber als B-Seite fände ich den Song voll in Ordnung...
Also ist es wie überall: Es kommt halt drauf an... :grins:
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Re: Der "Tod der B-Seite"

Beitragvon Loomis » Montag 11. April 2022, 09:13

Während ich auf The Green Manalishi auf Killing Machine natürlich ungern verzichten würde. Ja ja, man kanns nie recht machen... :grins:
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