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Hier geht es um das alles, was den Rocker / Metaller / Goth so bewegt.
von Drumtier » Mittwoch 16. September 2015, 14:48
Peter Kubaschk hat geschrieben:Hmm, ich finde eure Einstellung da schon schade. Die Bands, die darauf zurückgreifen, tun das meist nicht, weil sie sich ihr teures Hobby auch so leisten und die stellenweise enorme Vorfinanzierung locker stemmen können. Und letztendlich liefern sie ihr Produkt eben nicht nur für sich, sondern auch für uns Fans ab. Wenn da also eine Band, die ich sehr gut finde und deren Album ich sowieso kaufen werde, nach einem Vorschuss fragt, warum sollte man das nicht machen? Das Risiko ist - wie Havoc richtig festgestellt hat - praktisch null und hat idR noch diverse Vorzuüge, die es eben im Laden nicht gibt. Und wenn es nur die frühzeitigere Lieferung (und wenn es ein DL ist), ein Patch oder sonst ein Gimmick ist. Damit ist es ja auch keine Spende, sondern eine Vorauszahlung mit einem gewissen Vertrauensvorschuss.
Davon abgesehen, motiviert das die Bands ungemein den Fans das bestmögliche Produkt/die beste Show/etc. zu bieten. Wenn ihr glaubt, dass heute ein Label noch massiv in Vorleistungen für Albumproduktionen oder Touring geht, seid ihr völlig falsch gewickelt. Das ist mittlerweile leider nicht mehr die Regel, und wenn wird ganz massiv mitbestimmt (z.B. Dauer im Studio, Songreihenfolge, Coverartist & -artwork etc. etc. etc.)
Auch das mit den Spendenaufrufen für Touren oder Equipment finde ich völlig verständlich. Gerade die Musiker, die das semi-professionell betreiben und von der Musik zwar halbwegs leben, aber damit nicht wirklich etwas verdienen, können sich eben nicht neues Studioequipment leisten, wenn ein Hurricane übers Haus gefegt ist, wie es bei JOLLY der Fall war. Wenn ich als Fan dann also daran interessiert bin, dass die Band nicht erst wieder in 10 Jahren etwas veröffentlicht, nachdem sie sich mühsam ihr Equipment wieder zusammengespart hat, dann kann ich doch 5,- EUR, die ich übrig habe, auch meinem Hobby spendieren.
Zum Glück ist das offensichtlich auch die generelle Sichtweise, denn es gibt genügend Crowdfunding-Kampagnen, die erfolgreich verlaufen und wo am Ende sowohl die Fans als auch die Bands sehr glücklich mit dem Produkt sind.
This! Ich hab mittlerweile schon ein paar mal bei Crowdfunding-Projekten mitgemacht und werd es wieder tun. Einige Einstellungen zu diesem Thema lösten bei mir eben ungläubiges Kopfschütteln aus, alleine die Verwendung des Wortes "spenden". In allen mir bekannten Projekten war das ganze nichts anderes als ein Vorab-Kauf der aufzunehmenden CD. Also nichts anderes als der schon gebrachte Vergleich mit dem Konzertticket oder auch der Kauf einer CD ohne vorheriges Reinhören. Und wenn ich eine CD sowieso kaufe, weil ich die Band mag und auf ihre Qualität vertraue, warum sollte ich dann nicht die Band direkt unterstützen und den Umweg über Labels und die Gefahr des darin versickernden Geldes, vermeiden? Beispiel CRYPTOPSY, einer der größten Namen im Technical Death Metal, haben seit einigen Jahren kein Label mehr und arbeiten als völlig eigenständige Band, organisieren (und bezahlen gegebenenfalls) meines Wissen jede Tour, jede Werbung, jedes Recording selbst. Durch den dadurch entstehenden Aufwand haben sie sich entschieden statt eines ganzen Albums drei zusammenhängende EPs aufzunehmen um ihre Fans schneller mit Musik versorgen zu können, anstatt sie 3-4 Jahre warten zu lassen. Siehe Organisationsaufwand und so. Diese EPs wollten sie mit Crowdfunding finanzieren. Lies: preordern der CD. Übrigens mit der Garantie, dass natürlich jeder Käufer je nach Betrag die CD (logisch, weil preorder =/= Spende) und mehr oder weniger dazu erhält bzw außerdem die CD sowieso aufgenommen und produziert wird, unabhängig davon ob das Ziel erreicht wird. Wenn es nicht erreicht wird, bezahlen sie es halt aus eigener Tasche. Unabhängig vom Geldbetrag haben alles zusammen ganze 359 Personen in irgendeiner Form bezahlt. Dreihundertneunundfünfzig. Will mir irgendjemand erzählen, dass tatsächlich nur 359 Personen eine neue CRYPTOPSY-CD ungehört kaufen würden, wäre sie auf herkömmlichem Weg entstanden? Also für mich ist Crowdfunding eine absolut sinnvolle Möglichkeit junge, kleine Bands zu unterstützen. Ja, bei ihrem Hobby, aber nein, ich verlange kein Geld für meine Briefmarkensammlung weil andere Leute ja nichts davon haben, ich hab jedoch etwas von der Musik, die andere Leute für mich machen. Einzelfälle mit schwarzen Schafen gibt es anscheinend auch bei so etwas, ist traurig, mir aber noch nicht passiert. Mit Einzelfällen gegen ein generelles Thema zu argumentieren ist mir ebenfalls noch nie passiert. Eins noch: Havoc hat geschrieben:Man kennt es halt so einfach nicht...für eine CD zu zahlen die noch nicht mal aufgenommen ist. Mhhhhh.
#neuland?
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von frankjaeger » Mittwoch 16. September 2015, 15:18
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von Nils Macher » Mittwoch 16. September 2015, 19:12
Ich hätte nicht geahnt, dass man dem Thema so kritisch gegenüberstehen kann. Ich betrachte Musik nicht nur als Konsumgut, sondern ein einigen Fällen als persönliche Bereicherung. Bands, die gewisse Lebensphasen geprägt haben und bei denen ich quasi gar nicht an eine Kosten/Nutzen-Rechnung denke. Bei sicherlich einem Dutzend Bands oder Künstler würde ich sofort kickstarten, denn auf der einen Seite beschweren wir uns so gerne über die Kommerzialisierung der Musik, auf der anderen Seite soll das Album so toll wie möglich produziert und aufgemacht zum Schleuderpreis auf dem Wühltisch sein.
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von Holger Andrae » Mittwoch 16. September 2015, 19:17
Nils Macher hat geschrieben:Ich hätte nicht geahnt, dass man dem Thema so kritisch gegenüberstehen kann. Ich betrachte Musik nicht nur als Konsumgut, sondern ein einigen Fällen als persönliche Bereicherung. Bands, die gewisse Lebensphasen geprägt haben und bei denen ich quasi gar nicht an eine Kosten/Nutzen-Rechnung denke. Bei sicherlich einem Dutzend Bands oder Künstler würde ich sofort kickstarten, denn auf der einen Seite beschweren wir uns so gerne über die Kommerzialisierung der Musik, auf der anderen Seite soll das Album so toll wie möglich produziert und aufgemacht zum Schleuderpreis auf dem Wühltisch sein.
Danke, Nils.
Wenn ich vier Ohren hätte, könnte ich länger schlafen.
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von Siebi » Mittwoch 16. September 2015, 20:25
Puh, schön, dass viele hier das so entspannt und freudestrahlend sehen. Wenn ihr nur gute Erfahrungen damit gemacht habt, ist das fein. Wie gesagt, ich habe es fünfmal versucht und fünfmal war's nix und zweimal wurde mit Müh und Not die Kohle wiedergesehen, wobei sich da paypal doppelt freute. Aber gut, ein gewisses Risko besteht, aber die Kunst bereichernde Fanbrille fristet bei mir eher im Etui ihr Dasein als auf der Nase sitzend.
Weil die Endsumme nicht erreicht wurde, gab's nix. Wobei ich mich in einigen Fällen gefragt habe, warum denn 10.000 USD oder mehr zusammenkommen muss, damit man Musik aufnimmt und in einem Format wie industrieller CD veröffentlicht. Fragt mal bei den bekannten Künstlern nach, was die letzten beiden Sieges Even-CDs kosteten. Für 10.000 USD würde sich ein Oli Holzwarth jeden Finger zehnmal abschlecken.
Wie gesagt, ich kaufe nach dem positiven Reinhörtest mittlerweile auch Downloads von unbekannten Bands oder zahle bei "for free"-Angeboten. Gerade auf den Doom Metal Front-Samplern findet man eine Fülle an Kleinoden an die Freude.
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von Rüdiger Stehle » Mittwoch 16. September 2015, 20:38
Nils Macher hat geschrieben:Ich hätte nicht geahnt, dass man dem Thema so kritisch gegenüberstehen kann. Ich betrachte Musik nicht nur als Konsumgut, sondern ein einigen Fällen als persönliche Bereicherung. Bands, die gewisse Lebensphasen geprägt haben und bei denen ich quasi gar nicht an eine Kosten/Nutzen-Rechnung denke. Bei sicherlich einem Dutzend Bands oder Künstler würde ich sofort kickstarten, denn auf der einen Seite beschweren wir uns so gerne über die Kommerzialisierung der Musik, auf der anderen Seite soll das Album so toll wie möglich produziert und aufgemacht zum Schleuderpreis auf dem Wühltisch sein.
Es gibt da einen Musiker von dem kaufe ich auch Bücher, DVDs und Rollenspiele; nicht primär, weil ich die haben will, sondern primär, weil ich möchte, dass der Mann seine sechsköpfige Familie ernähren kann. Bei der Mark Shelton-Platte und der Manilla Road-Live habe ich auch den Vorab-Download gekauft, obwohl ich wusste, dass ich das später noch auf CD und auf Vinyl kaufen werden, weil ich einfach wollte, dass der Mann und diese Band direkt das volle Geld bekommen. Das mache ich nicht für jede Band, aber ein paar Bands möchte ich gerne auf diese Weise für das danken, was sie mir seit Jahrzehnten gegeben haben, und besonders gerne solchen, die Eigenpressungen machen, und die eben nicht eh schon alle Schäfchen im Trockenen haben, sondern für das Überleben als Band und ggf. auch für ihren Lebensunterhalt kämpfen müssen. Das soll keine "barmherziger Samariter"-Selbstbeweihräucherung sein, ganz im Gegenteil, denn für mich sind das keine Almosen und eben keine Spenden, sondern ein dankbarer Sold für Jahre und Jahrzehnte währende Verbundenheit. Oder in anderen Fällen eben auch ein Vertrauensvorschuss, der dabei helfen soll, etwas zu stemmen, auf das ich mich freue.
alias Hugin der Rabe. Ravnen fra steinfjellet. Háv. 38
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von frankjaeger » Donnerstag 17. September 2015, 08:14
Siebi hat geschrieben:ich habe es fünfmal versucht und fünfmal war's nix und zweimal wurde mit Müh und Not die Kohle wiedergesehen,
Solltest du mal wieder irgendwo mitmachen, bitte hier posten, dann sehe ich davon ab. Du scheinst ja echt der Pech-Magnet zu sein, was Crowdfunding angeht Ich hatte noch nie auch nur ein Problem.
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