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Pop, Jazz, Elektronika, Rap, Volksmusik...
von Eike » Mittwoch 7. Januar 2015, 16:29
Kommt sicher auf die Phase an. Der hat sich schon etwas gemausert. Auf jeden Fall aber nicht über 5/10 - in keinem einzigen mir bekannten Track. Und wenn man an die Blindes-Huhn-Regel denkt, ist das schon sehr schwach. Zumal er sich Hochglanzproduktionen leisten kann, wo man noch einiges rausholen kann, und soviele Takes hinlegen kann, wie er will. Im Durchschnitt würde ich ihn aber deutlich unter 5 einordnen. Klar, sowas ist immer subjektiv, jede Bewertung, und gerade bei Rap gibt es ganz unterschiedliche Ansätze. Ich kann das gar nicht mal aufdröseln, was bei mir am stärksten wirkt (Takt treffen, flüssig Abliefern, Stimme, Abwechslungsreichtum, eigenen Stil entwickeln, Reimqualität, originelle Sprachbilder, whatever...) Nun ja, das Gesamtbild zählt, und es gibt sicher einige, die das völlig anders sehen, aber für mich rangiert der in Sachen Können ziemlich weit hinten, und das einzige Alleinstellungsmerkmal, wenn man so will, ist für mich bei ihm die ständige Provokation bei gleichzeitigem Ranwanzen an die deutsche Non-Hiphop-Promiwelt, und dass er sich klamottentechnisch von der jeweils angesagten Hip Hop Mode immer ferngehalten hat. Da ist er aber auch wieder nicht ganz der Einzige mit. Ok, vielleicht mit der Promi-Jetset-Akzeptanztour, aber auf die hat er jetzt ja auch schon keinen Bock mehr. Musikalisch konnte der für mich noch nie glänzen. Der letzte megaerfolgreiche Longtrack von ihm, 'Leben und Tod von irgendwem', war halt die übliche Abrechnung mit ehemaligem Weggefährten mit typischem Gangstarapvideo dazu; und, ja, dazu muss ich schon sagen: Seit 'Sonnenbankflavour' hat er was dazugelernt technisch. Aber 'Sonnenbankflavour' war in seiner Doofheit und dem immerhin souveränen Umgang mit seiner technischen Limitiertheit halt auch der einzige Track von ihm, den ich sonst ansatzweise respektieren kann. Der Rest ist für mich Vollgrütze bis teils fremdschämunterhaltsamer Durchschnitt. Ich schätze mal, ein BUSHIDO hatte es aber auch nie wirklich nötig, zu üben und zu feilen an seiner Stimme, der hatte seine Gefolgschaft, seinen wichtigen Ruf, immer genügend Umsatz, und vor allem darum ging es ihm wohl neben dem Respekt von ein paar Leuten, die alles von ihm abfeiern würden, einfach weil's von ihm kommt. Ich glaube, der sieht sich auch nicht wirklich als Künstler, außer halt, dass er seine Rap-Person von seinem privaten Ich trennt, und dass dafür "Künstler" halt ein gängiges Etikett ist. Ist ja okay, gehört zum Phänomen Hip Hop irgendwie dazu, dort sieht man das nicht so verbiestert, wenn jemand nur oder in erster Linie für's Geld im Spiel ist, irgendwie hat diese Lockerheit was, aber als Rapper kann ich BUSHIDO trotzdem nur bedingt ernst nehmen. Klar, er mag manche Anfänger inzwischen gegen die Wand rappen können (umgekehrt allerdings auch!), aber dafür, dass er solange im Geschäft ist, find ich ihn wirklich ziemlich mau. Und so wirklich verstehen kann ich den Hype um ihn nicht. Vielleicht muss man dafür die Frühphase in Berlin live miterlebt haben... Um es mal knapp auf den Punkt zu bringen: Ich vermute, dass nahezu jeder, der seit ein paar Jahren aktiv im Rapbereich mitmischt, mit ein wenig Übung einen BUSHIDO-Flow imitieren könnte. Umgekehrt ganz sicher nicht. A propos Styles biten: Da muss ich gerade mal wieder an ' Meine Lieblingsrapper' von BLUMIO denken. Ich weiß nicht, ob das wirklich seine Lieblingsrapper sind, oder einfach die, die ihm lagen, oder die er als Herausforderung sah. Aber mit BUSHIDO hätte er sich wohl kaum derart profilieren können.
Music is the only religion that delivers the goods. (Frank Zappa * 21.12.1940 - 4.12.1993)
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Eike
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von Eike » Mittwoch 7. Januar 2015, 16:47
Um nochmal auf Deine Lieblinge HIGHLAND zurückzukommen: Der Typ kaut sich in 'Bella Stella' halt ziemlich einen dran ab, möglichst wie 2PAC zu klingen. Sowas finde ich eher peinlich. Die Frau klingt zwar auch nicht wirklich eigen vom Stil her, aber da ist es halt nicht ganz so offensichtlich, dass der Stil genau einer Person imitiert werden soll. Ist halt mehr 'ne Mischung aus Flows, die zu der Zeit irgendwie gängig waren, und bei ihr kommt das auch mit mehr Druck dahinter. Aber dieses Zukleistern mit Streichern, das ist halt auch wieder das Gleiche in Grün, was damals schon andere, erfolgreichere, aber damit halt auch innovativere Acts vorgelegt hatten. Dieses Hip Hopera Ding gab es vorher zumindest schon von WARREN G. Und WYCLEF JEAN hat um den Dreh herum oder etwas später auch so was gefahren, bei ihm allerdings mit mehr Eleganz und noch mal eigener interpretiert. 'Se tu voi' ist ja im Prinzip nichts anderes, als noch ein Kitschsong der gleichen Machart, diesmal etwas keltischer angehaucht mit Dudelsack. Das wirkt für mich halt auch total künstlich aneinander geklebt, wenn dann der Rappart einsetzt, copy & paste, was nicht zusammen passt, wird halbherzig passend gemacht. Und dann wieder der Typ, der in jeder Hinsicht versucht, wie 2PAC zu klingen, das ist Leichenfledderei. Das geht bei mir nicht als Hommage durch, das wirkt nicht respektvoll, das wirkt für mich wie Abzocke ohne Selbstrespekt und ohne Respekt vor einem toten Künstler, mit dessen Erfolg man postum die schnelle Mark machen will. Ich find's eklig. 'Dimmi Perche' habe ich mir aus Masochismus dann trotzdem auch noch gegeben. Ich finde, die hätten den Kerl rausschmeißen sollen, nicht die Rapperin. Immerhin verkneift er sich den 2PAC diesmal, aber da bleibt dann halt auch nicht mehr viel übrig. Ansonsten hätte man sich das Comeback aber auch komplett klemmen können. Bei sowas frage ich mich schon: What's the point? (€uros, schon klar...) Siehst Du da denn irgendeinen Mehrwert gegenüber den alten Sachen?
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von IridiumKaiju » Donnerstag 8. Januar 2015, 11:25
Danke für deine ausführlichen Antworten. Mit Bushido konnte ich offen gesagt auch noch nie sonderlich viel anfangen... Bella Stella fand ich früher sehr schön und ich respektiere mein früheres Ich, es ist wahrscheinlich gar nicht so sehr dieses Lied, sondern die Erinnerungen, die daran hängen. Als Bella Stella im Radio lief, war ja auch das Millenium und ab dann hat sich mein Musikgeschmack so langsam gewandelt. Ich hörte auf, die Charts aktiv zu verfolgen und bewegte mich langsam, aber stetig richtig Metal. Und diese Entwicklung war auch gut so! Aus theoretischer Perspektive finde ich Highland inzwischen recht interessant, denn sie wiederholen in Kurzform (wie im Kleinen, so im Großen!  ) die Entwicklung des 90s-Trash (Eurodance/Eurorap und Konsorten): Man schaue sich um, was gerade in den Charts gut ankommt, tranchiere die wesentlichen bzw. hervorstechendsten Merkmale heraus und werfe sie alle zusammen in einen Topf. Nein, diese Melange wird nicht auf kleiner Flamme köcheln gelassen! Denn das würde ja Zeit kosten und Zeit ist Geld! Und überhaupt ist unsere Zeit sehr schnelllebig, was heute angesagt ist, kann schon morgen kalter Kaffee sein, daher können wir uns diesen "Luxus" nicht leisten! Deshalb drehen wir die Herdplatte voll auf und schmelzen die Elemente ein, die inzwischen zähflüssige bis geronnen Masse wird dann in ein Prokrustesbett gegossen, was nicht passt, wird eben passend gemacht! Das Ergebnis wird dann vermarktet und wenn es ein Erfolg ist, wird es leicht abgewandelt nochmal vermarktet. Damit das dann auch wie am Fließband geht, wird das Prokrustesbett zur Formel geadelt und es werden Lieder nach Schema F produziert: Highland haben hier den ohnehin schon formelhaften Liedaufbau des Eurodance zum XS getrieben: Alle Singles dieser Band sind gleich aufgebaut und fühlen sich gleich an! Und weil es ja mal cool war, kommt dann nach der Jahrtausendwende, wenn die Welt sich weitergedreht hat, noch ein Revival, das allerdings in die Hose geht, weil sich der Musikgeschmack des Mainstream deutlich gewandelt hat und vielleicht auch, weil inzwischen die handwerklichen Mängel zu Tage getreten sind: Ja, jetzt wo du es sagst, fällt es mir wie Schuppen von den Augen: Der Rapper von Highland klingt tatsächlich wie ein 2Pac-Klon und dass Nicole Heiland (!) die lateinischen, italienischen, französichen und russischen Texte teilweise falsch ausspricht, ist inzwischen nicht nur einem Hörer aufgefallen.
"wie Tom seiner Überzeugung Ausdruck verlieh, 'dass dieser Mord das Werk von Aktivisten war'. Ich hätte ihn ja zu gern gefragt, wie er es geschafft habe, so schonungslos die Möglichkeit auszuräumen, dass dieser Mord das Werk von Passivisten sei"
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von Eike » Donnerstag 8. Januar 2015, 11:56
IridiumKaiju hat geschrieben:Aus theoretischer Perspektive finde ich Highland inzwischen recht interessant, denn sie wiederholen in Kurzform (wie im Kleinen, so im Großen!  ) die Entwicklung des 90s-Trash (Eurodance/Eurorap und Konsorten): Man schaue sich um, was gerade in den Charts gut ankommt, tranchiere die wesentlichen bzw. hervorstechendsten Merkmale heraus und werfe sie alle zusammen in einen Topf. Nein, diese Melange wird nicht auf kleiner Flamme köcheln gelassen! Denn das würde ja Zeit kosten und Zeit ist Geld! Und überhaupt ist unsere Zeit sehr schnelllebig, was heute angesagt ist, kann schon morgen kalter Kaffee sein, daher können wir uns diesen "Luxus" nicht leisten!  Deshalb drehen wir die Herdplatte voll auf und schmelzen die Elemente ein, die inzwischen zähflüssige bis geronnen Masse wird dann in ein Prokrustesbett gegossen, was nicht passt, wird eben passend gemacht!  Das Ergebnis wird dann vermarktet und wenn es ein Erfolg ist, wird es leicht abgewandelt nochmal vermarktet. Damit das dann auch wie am Fließband geht, wird das Prokrustesbett zur Formel geadelt und es werden Lieder nach Schema F produziert: Highland haben hier den ohnehin schon formelhaften Liedaufbau des Eurodance zum XS getrieben: Alle Singles dieser Band sind gleich aufgebaut und fühlen sich gleich an! Und weil es ja mal cool war, kommt dann nach der Jahrtausendwende, wenn die Welt sich weitergedreht hat, noch ein Revival, das allerdings in die Hose geht, weil sich der Musikgeschmack des Mainstream deutlich gewandelt hat und vielleicht auch, weil inzwischen die handwerklichen Mängel zu Tage getreten sind
Sehr schön auf den Punkt gebracht! Eine gute Freundin von mir hört hin und wieder die Songs dieser Zeit und dieses Genres. Was mir dabei auffällt: Diejenigen, die bei ihr den Test der Zeit überstanden haben, oder vielleicht sind es auch die, die ihr von vorneherein am ehesten oder überhaupt gefallen haben, ich weiß es nicht, sind alles welche, die sehr upbeat sind, von der ganzen Stimmung her, Rhythmus UND Melodie, also im weitesten Sinne Gute-Laune-Songs, schon ganz unabhängig von den Texten, aber in der Regel bevorzugt sie auch da mehr so den happy Kram. Da trennt sich dann quasi Spreu von Weizen. In der Regel sind das dann auch (Zufall?) die weniger direkt abgekupfert klingenden Teile, aber auf jeden Fall halt auch welche mit hohem Wiedererkennungswert, und vermutlich auch dem, worin neben der Vermarktbarkeit die eigentlich Stärke der besseren Tracks lag/liegt: Fröhlich daherzukommen, mitreißend zu sein und verdammt eingängig, leichte Kost für leichte Momente (oder um schwierige Momente zu erleichtern), im besten Fall also beschwingende Funktionsmusik zum Nebenbeihören. Und vermutlich lag genau darin auch die hohe Vermarktbarkeit begründet: Zeitgeist trifft Massengeschmack, zündet nach geringstmöglicher Einhörzeit, klingt schnell vertraut, taktet den Alltag etwas schneller, lässt alles leicht und einfach wirken, grenzt Negatives weitgehend aus, und hält sich in der Aufdringlichkeit halbwegs zurück (Gegenbeispiele gibt es zuhauf in dem Genre, zum Beispiel diese 'Macarena'-Scheiße, aber die hört besagte Freundin auch nicht). Trotz allem Kalkül dahinter hatten viele Stücke doch auch etwas sehr Naives an sich. Und ich vermute, dass gerade das teilweise auch die Leute angesprochen hat, die nicht einfach nur mitlaufen wollten, sondern das wirklich gut fanden. Der Rest ist halt Nostalgie. Aber selbst dabei zeigt sich, dass der Zahn der Zeit am meisten kräftig genagt hat.
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von IridiumKaiju » Freitag 16. Januar 2015, 12:43
Stilistisch dreist zusammengeklaut aus allem, was damals irgendwie mal erfolgreich war.
Da habe ich nochmal drüber nachgedacht, ist das wirklich möglich soviel aufzunehmen und in ein Lied reinzupressen? Schauen wir mal, was da so drinne ist und was für populäre Vorbilder es damals gegeben haben mag. - Electro/Techno: war damals allgegenwärtig... - männlicher Rap für die Strophen, weiblicher Gesang für den Refrain, im Hintergrund Techno: das typische Eurodance-Schema - männlicher Rap: Da gab es viele erfolgreiche Interpreten, z. B. Warren G, 2Pac, Coolio - weiblicher Rap: auch da gabe es mehrere erfolgreiche Stars, z. B. TLC, Lauryn Hill (ex-Fugees), Yound Deenay, Sabrina Setlur, Tic Tac Toe. Wenn ich "Bella Stella" höre, dann erinnert mich Lady Scars druckvoller Rap stark an Tic Tac Toe. Das ist mir vorher nie aufgefallen, weil beide in unterschielichen Sprachen rappen. - Rap mit Strings (klingt schweinisch, ich weiß  ): Coolio - C U when U get there; Xzibit - Paparazzi (beide Rapper haben hier ein klassisches Stück für Strings gesamplet) - Operatic female Vocals: Rapsody feat. Warren G feat. Sissel: Prince Igor; Sarah Brightman, schöne hohe Frauenstimmen hatten auch die Sängerin von C-Block in dem Lied "Eternal Grace", Madonna in "Don't cry for me Argentina) und Celine Dion. Das ist ja schon eine ganze Menge! Leider sind sie in die gleiche Falle gegangen wie die meisten Eurodance-Interpreten. Sie haben das alles in eine starre Formel gepresst, die kaum Möglichkeiten für Variationen und Weiterentwicklungen bietet. Zunächst hat das ja auch Erfolg gehabt, Bella Stella war auf Platz 8 in den Charts und hat sich etliche Woche in den Charts gehalten. Aber bereits 1 Jahr später war der Ofen aus. Es lassen sich aber auch Beispiele für musikalische Elemente finden, die nicht von Highland verwurstet worden sind: - Neue Deutsche Härte: auch dieser Stil war damals in den Charts (Rammstein, Witt). - Latino Pop - Deutsche Texte (z. B. Freundeskreus, Falco)
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