Jazzmetal

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Beitragvon Eike » Dienstag 31. August 2010, 15:58

Hier hat sich jemand über Jazz, Metal und Jazz-Metal ausgelassen - in etwas waghalsiger Form, wie ich finde, aber nicht uninteressant. Was haltet Ihr von dem Artikel, und wie ist Eure Sicht auf Jazz-Metal-Hybride?
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Re: Jazzmetal

Beitragvon Jesus » Dienstag 31. August 2010, 18:31

Schlimm genug, dass Du anus.com annähernd ernst nimmst, jetzt kommt das auch noch in die News? Anus ist größte pseudophilosophische Scheiß. Selbstverliebte Stubenhocker, die glauben, Musik analysieren zu können, sobald sie 2 Seiten Nietzsche gelesen haben. Eine seriöse Musikseite wie pm.de sollte sich nicht mit diesen möchtegernintellektuellen Vollpfosten beschäftigen.
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Re: Jazzmetal

Beitragvon Peter Kubaschk » Dienstag 31. August 2010, 19:25

Nur Eike beschäftigt sich damit. Nicht PM.de
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Re: Jazzmetal

Beitragvon Eike » Mittwoch 1. September 2010, 07:44

Ich glaube, Du hängst das alles etwas zu hoch, Jesus. Es ist ja nicht so, dass POWERMETAL.de hier irgendein komplettes Glaubenssystem im Paket einkauft, adelt, und sämtliche Leser zur Konversion aufruft. Sondern ich habe auf einen einzelnen Artikel verlinkt, der mir nicht uninteressant bzw. zumindest kurios erschien. Meinetwegen könnte anus.com von einer Horde Mondsüchtiger geleitet werden, die sich mit Affenscheiße beschmieren, aber darum geht es hier doch gar nicht, und was da sonst noch so geschrieben wird interessiert mich auch nicht sonderlich. Zurück zum konkreten Artikel: Dieses Gerede von einer hot-cold-Dichotomie finde ich auch arg merkwürdig, to say the least... Es bleibt auch schwurbelig, wieso Jazz in seiner Gesamtheit(?) gerade kühl sein soll. Aber bezogen auf das Herauslösen von dem, was heute unter Jazz läuft, aus dem was als Blues bzw. Rhythm 'n' Blues fortbesteht und vermarktet wird, obwohl sich das in seinen Wurzeln alles mal aus einem gemeinsamen Pool speiste, verglichen mit Death Metal als Abspaltung aus dem, was vorher einfach Heavy Metal genannt wurde, fand ich die Gedankengänge eben nicht völlig schwachsinnig. Ich bin nun wahrlich kein DM-Experte, aber dass da eben auch mehr Wert auf Dekonstruktion von konventionellen Strukturen gelegt wurde, vergleichbar mit Free Jazz etc., ist das wirklich so abwegig? Interessant genug, um es hier zur Diskussion zu stellen - auch wenn es schwiemelig geschrieben ist -, fand ich den Artikel dann doch. Und wenn es bessere zu dem Thema gibt, dann immer her damit!
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Re: Jazzmetal

Beitragvon Julian Rohrer » Mittwoch 1. September 2010, 12:21

Von Dekonstruktion würde ich da nicht sprechen, eher von einer destruktiven Konstruktion. Denn schließlich ist der Death Metal in seiner (Gesamtheit?) doch eine extrem progressive und energ(et)ische Musikrichtung, oder? An sich würde ich aber behaupten, dass der Heavy Metal am ehesten damit begonnen hat, sich mit sozialen Konventionen zu beschäftigen, sie zu analysieren und auf verschiedenen Graden neu zu kontextualisieren, respektive sie paradox und mit neuen, kritischen Atributen angereichert umzuarrangieren, um so eine polarisierende Kritik zu erreichen.

Im (Free) Jazz geht es um eine Loslösung von musikalischen Konventionen hin zu einer Dekonstruktion auf musiktheoretischer Basis, einer Neuinterpretation anderer, neuer, letztlich aber nicht weniger dogmatischer Konventionen. Strukturen werden doch spätestens dann starr, wenn man versucht, sich ihnen definitorisch oder analytisch zu nähern - versucht man sie nicht zu fassen, kann man ihre Grenzen und Eigenschaften auch nicht verstehen. Und so bleibt für mich letzendlich immer der Punkt bestehen, dass eine DEKonstruktion in der Musik eher als Innovation zu bezeichnen ist und in ihrer Eigenart eben höchstens destruktiv mit der Einschränkung des potentiellen Entertainments niemals die Macht einer echten Dekonstruktion entfalten kann.

Aber das ist nicht in Stein gemeißelt und ich lasse mich mit den richtigen Beispielen gerne eines besseren belehren, da ich nunmal auf dieser wissenschaftlichen Eben von der Literatur schließe, was durchaus zu kurz oder falsch gegriffen sein könnte.
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Re: Jazzmetal

Beitragvon Eike » Mittwoch 1. September 2010, 12:28

Da (2. Absatz) komme ich nicht mehr mit.
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Re: Jazzmetal

Beitragvon Julian Rohrer » Mittwoch 1. September 2010, 12:32

Schade. Warum genau? Folgende Frage: Wie "schafft" Musik Dekonstruktion?
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Re: Jazzmetal

Beitragvon Eike » Mittwoch 1. September 2010, 12:40

Warum genau? Mir ist nicht klar, was Du mit dem Absatz ausdrücken willst. Vielleicht kannst Du den ersten Satz ja nochmal anhand eines Beispiels erläutern, der bleibt mir gegenwärtig ziemlich unklar. Dem zweiten würde ich so nicht zustimmen: Nur, weil man den Aufbau von etwas versteht oder ihm einen Namen gibt, muss man sich ja nicht starr an diese Blaupause klammern. Und den dritten Satz verstehe ich überhaupt nicht: Wieso ist für Dich musikalische Dekonstruktion per se schon etwas Innovatives? Warum, wenn es doch Innovation ist, zugleich auch immer destruktiv? Und warum keine "echte Dekonstruktion"?

Zu Deiner Frage: Zerlegen in Bestandteile, Aufmerksammachen auf Strukturprinzipien.
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Re: Jazzmetal

Beitragvon Julian Rohrer » Mittwoch 1. September 2010, 12:41

Doch am ehesten durch die Limitierung auf Gegebenes durch die Schaffung von Neuem auf einer anderen/neuen Eben, oder? Das wäre aber nur eine Art der Innovation, keine Dekonstruktion. Musik könnte durch die Schaffung von Metaebenen sich selbst dekonstruieren, aber dann auch nur in Genregrenzen, womit wir wiederum eine Limitierung vorfinden würden. Ein weit destruktiverer Ansatz wäre es zu versuchen, die Ästhetik zu dekonstruieren, wie es der Death Metal vlt. versucht, im Zuge des Entertainments zeigt sich allerdings, dass das keine Dekonstruktion der Ästhetik sondern vielmehr das Schaffen einer neuen darstellt. Wiederum keine Dekonstruktion. Grenzen werden nicht niedergerissen im streng wissenschaftlichen Sinn, sondern lediglich verschwoben oder ignoriert, allerdings nur, um sich neue Grenzen aufzuerlegen. Natürlich kann man Genres dekonstruieren. Aber das ist ja ein interpretatorischer Prozess, kein Prozess, der von der Kunst ausgeht; auch wenn natürlich ein beiderseitiger Einfluss besteht.
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Re: Jazzmetal

Beitragvon Julian Rohrer » Mittwoch 1. September 2010, 12:44

Du musst zwei Dimensionen unterscheiden: 1. Die theoretische, interpretatorische Sucht - darüber müssen wir denke ich nicht diskutieren. 2. Die "Selbst-"Dekonstruktion der Kunst. Also der Moment des auf sich selbst und darüber hinaus gerichteten Schaffensprozesses. Nicht weniger wichtig und das, worüber ich rede. Denn darum geht es eigtl. auch wenn das viele aufgrund Unkenntnis nicht als solches benennen.
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