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von Rüdiger Stehle » Sonntag 18. April 2021, 20:56
Wenn Schwarze Feder sich gen Ende des 45. Lebensjahres erstmals in seinem Leben am Erscheinungstag das Debütalbum einer jungen Hardcore-Band kauft, dann ist das vielleicht einen eigenen Thread wert. Man weiß es nicht. Jedenfalls sind sich die Gelehrten nicht so recht einig, ob das wirklich gute Musik ist, was uns das US-Quartett hier auftischt. Im Soundcheck ist das Album "In Transmission" als Vorletzter durchgefallen, aber Kollege Jakob hat es in seiner Einzelrezension durchaus ordentlich gelobt; die besten Noten (jeweils 8,0) haben indes Marcel und ich gezückt. Dabei bringt mich eine "Acht aus dem Stand" in der Regel nicht direkt dazu, eine neue Sammelflanke aufzutun. Was also hat dazu geführt, dass hier direkt die Vorbestellung folgte? Nun, ich finde, dass das Album etwas Wahnhaftes und Angepisstes hat, das seinesgleichen sucht, und das die halbe Stunde Spielzeit so intensiv wirken lässt, dass man danach im positiven Sinne ziemlich erschöpft ist. Die Riffs sind richtig heavy und packend, die Rhythmusgruppe bricht gerne Knochen und Nacken, und Sängerin Crow Lotus brüllt dich einfach eine halbe Stunde volles Rohr an. Aber in einer Art und Weise, die nicht so seelenlos ist, wie das auf mich bei der "üblichen" Metalcore-Band wirkt, Hauptsache aggro... nein, natürlich ist auch Crows Darbietung mega-aggressiv, aber dadurch, dass die Lyrics eben sauber artikuliert werden, und die Stimme immer noch durch und durch menschlich klingt, ist das einfach anders. Konkreter, persönlicher, ja, auch unangenehmer, aber auf eine besondere Art und Weise. Auf eine solche, dass du dich dem Rant und dem Scolding nicht entziehen magst. Die junge Lady erteilt dem Hörer einen garstigen und völlig aggressiven, aber nicht hysterischen Monolog darüber, was so alles falsch läuft, und man kann sich nicht so recht entziehen... Keine Ahnung. Komisch. Hat mich im Soundcheck komplett abgeholt, dieser Abriss. Hört mal hinein: https://www.youtube.com/watch?v=0lOslRG1j48
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von Peter Kubaschk » Montag 19. April 2021, 21:56
Ja, ich höre das sehr ähnlich. Ich mag die klar artikulierte Aggression auch sehr gerne. Kommt auf jeden Fall ins Regal.
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von Rüdiger Stehle » Montag 19. April 2021, 23:03
Dann hättest du die Platte mit einer Soundcheck-Teilnahme sicherlich vom vorletzten Platz gerettet. Aber dann wäre sie im Podcast nicht besprochen worden, von daher... und es gab ja immerhin Menschen mit Geschmack, der die Grazie gerettet hat.
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von Peter Kubaschk » Dienstag 20. April 2021, 00:26
Ja, hätte ich wohl, auch wenn das etwas davon abhängt, wen ich ersetzt hätte. Heavy Feather & Minas Morgul hätten ungehört sicher mehr als einen Punkt (und bei MM deutlich mehr) weniger bekommen. Blackbriar fand ich aber auf den ersten Hör auch besser als der Durchschnitt und Axewitch & Witchbound sind schon ein Stück weg.
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von Jhonny » Dienstag 20. April 2021, 09:06
Die Beschreibung klingt spannend, da werde ich auf jeden Fall mal etwas antesten nachher!
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von Jhonny » Dienstag 20. April 2021, 09:26
Ja, das ist ziemlich cool! Da werde ich auch mal die Augen offen halten.
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von Eike » Mittwoch 21. April 2021, 00:38
Die Stimme hat was. Insgesamt kickt mich das nicht zu 100%, vermutlich eher eine EP- als LP-Band. Geht aber stilistisch sympathisch klar. Den Rüdiger-Appeal kann ich nachvollziehen, vermute aber stark (mächtiges Bauchgefühl) dass es irgendwo da draußen Hardcore-Bands geben wird, die ihn noch stärker flashen könn(T)en, so er sie denn entdeckt(E). Prinzip der um so spitzeren, glänzenderen "Nadeln im Heuhaufen" und so...
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von Rüdiger Stehle » Donnerstag 22. April 2021, 00:53
Oh ja, es gibt genug tolle HC-Bands, da brauch ich nur mit den bekanntesten anfangen, die ich kenne aber noch nicht zu sammeln angefangen habe. Agonstic Front, Sick Of It All. Von Cro-Mags habe ich einiges, ebenso von The Exploited.
Amygdala wurde mir kürzlich empfohlen, habe ich geordert.
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von Rüdiger Stehle » Donnerstag 5. Oktober 2023, 23:40
Weil der Holg und ich es gerade im Mother-Duell-Thread davon hatten, dass diese Band hier ziemlich toll ist, sei an dieser Stelle erwähnt, dass "Errors", das zweite Studioalbum der Lotuskrähe und ihrer Mannen aus Louisiana, am morgigen Freitag in die Läden rollt. Zwei bretthart-brachiale Hörproben sind schon auf YouTube, und zwar "Tied Up!" und "Human Commodity", letzteres singt Crow im Duett mit Candace Puopolo von WALLS OF JERICHO: https://www.youtube.com/watch?v=_CiwikTSoJ4 - "Tied Up!" https://www.youtube.com/watch?v=CgO3AMJWjfI - "Human Commodity" Kommt natürlich wieder ins Haus, denn so darf Hardcore, wenn er bei aller zum bersten angestauten Aggression trotzdem eben noch Melodie und Metal aufbringen kann und menschlich und lebendig klingt. 
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von Rüdiger Stehle » Freitag 6. Oktober 2023, 01:01
Äh, ja, ich schon wieder... Ich will hier Holgs Kommentar zu meinem verlinkten CAPRA-Song im Spieleforum nochmal aufgreifen, weil er in so vielerlei Hinsicht einfach bemerkenswert ist. Also, der Holg, der Kommentar und der Stoff, um den es geht, natürlich auch: Holger Andrae hat geschrieben:Rüdiger 9: Capra -'Red Guillotine'
Huch, was ist das denn für ein modernes Post-Harcore-Female-Gebrülle? Der Rabe ist heute andauernd mit Overrushings am Start. I like! Das hat wunderbar Feuer im Arsch und ist obendrein auch noch musikalisch arschgeil. Kaufliste!
Es stimmt natürlich, dass ich für vielerlei Dinge hier nicht gerade im Ruf stehe, namentlich dafür, ein großer Fan von a) Core im Allgemeinen zu sein, b) ein ebensolcher für modernere Sounds von jungen Bands, und c) auch keine bekannte Schwäche für Dinge zu haben, die in den Promokampagnen mit "female fronted" beworben werde. Warum also CAPRA, und warum nicht nur als Eintagsfliege mit Überraschungseffekt vom Debüt im Soundcheck, sondern warum nachhaltig, und warum kommt mir auch die Sophomore am Erscheinungstag ins Haus? Verdammt, weil Holg einfach mit all seinen kurzen und knappen Worten Recht hat! Das hat Feuer im Arsch, ist musikalisch absolut überzeugend, und es hat für mein Gefühl so viel mehr Seele und Wärme als ein Großteil des überproduzierten, konturlos zerschossenen und auf ultra-aggro gebürsteten kommerziellen Metalcore, obwohl es ja im Wortsinne auch genau das ist, Hardcore mit starker Metal-Schlagseite und natürlich auch unglaublich aggressiv. Aber eben auf natürliche Weise, mit dem klassischen Instrumentarium erzeugt. Die Rhythmik ist rattenscharf, und die Breaks, welche die Rhythmusgruppe hier aufs Parkett legt sind atemberaubend. Gerade die Stops/Pausen am Bass sind verstörend gut. Da braucht's keinen Effektoverkill, keine Samples, kein konturloses Geprügel, keine Blasts, keine Pigsqueals etc... Die Typen und die Typin bringen das in meiner Wahrnehmung einfach direkt und schnörkellos aufs Parkett, wie weiland die Plasmatics oder The Exploited, und genau das macht für mich den Punk und den Hardcore aus, den ich mag. Sound, der einfach so auf der Bühne im Club funktioniert, wenn die Vögel nur ihre Instrumente in die Verstärker einstöpseln und loslegen. Ohne Produktionszauber. Addendum: Mir ist übrigens völlig klar, dass das für viele andere - von mir weitgehend unentdeckte - junge Punk- und Hardcore-Bands ebenso gilt, aber Capra war für mich in der Hinsicht vor zwei Jahren ein absoluter Türenöffner, and those I hold very dearly and close to my heart.
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