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von Rüdiger Stehle » Donnerstag 4. März 2021, 01:40
Dass der Thread jetzt ausgerechnet von mir kommt, ist ja fast schon grotesk, aber mir war heute danach. Ich habe vor über 20 Jahren mal irgendwo eine Reportage über die Wurzeln des Grunge gesehen, und da wurde GREEN RIVER als der Archetypus, der Ursuppenlurch schlechthin angepriesen, war die 1984 gegründete und nur bis 1987 aktive Band ja immerhin die erste Heimstatt solch illustrer Grunger wie Mark Arm & Steve Turner (beide später MUDHONEY), sowie Jeff Ament & Stone Gossard (beide später PEARL JAM). Nun, was ich damals in der Doku von der Band gesehen und gehört habe, fand ich eigentlich total genial, aber entweder hatte ich noch kein Internet, oder ich fand dort damals noch nichts dazu, und habe das dann wieder vergessen, weil Grunge und Alternative ja nie meine Steckenpferde waren. Im Hinterkopf ist die Band aber doch irgendwie immer gewesen, und sie galt mir immer als Beispiel dafür, dass ich Grunge oder dessen Prototypen durchaus doch auch mögen kann. Da wir gerade im Bezug auf den kommenden Soundcheck intern ein wenig darüber diskutiert haben, dass das Genre "Grunge / Post-Grunge / Alternative Rock" ja auch recht weit gefächert ist, auch wenn die in der Wolle gefärbten Metaller wie ich das gerne alles in einen Topf werfen, habe ich mal wieder darüber sinniert, was bei mir wohl den Auslöser dafür liefert, dass ich manche Sachen aus dem Bereich total gut finde, andere aber eher völlig öde oder bestenfalls nett zum nebenher hören, und ich kam dann irgendwie an den Punkt, dass ich denke, dass ich Grunge/Alternative mag, wenn er irgendwie abgefuckt, nihilistisch, abgedreht, krass, angepisst, punkig ist, und dass ich ihn nicht mag oder eher langweilig finde, wenn er einfach nur auf durchaus ästhetisch schöne Weise schmachtend, melancholisch, emo-mäßig, radiorocktypisch ist... Letzteres ist dann irgendwie die NICKELBACK-Schule für mich, auch wenn ich dadurch manchen Bands nicht gerecht werden mag, wobei ich ergänzen will, dass ich nun keiner bin, der NICKELBACK generell doof oder schlecht fände. Wird ja gerne mal drüber gelästert, habe ich nie so recht verstanden. Egal, zurück zum Thema, weil ich es nimmer auf mir sitzen lassen wollte, dass ich GREEN RIVER immer als Beispiel für geilen Alternative Rock im Kopf habe, aber die Alben nicht besitze, habe ich heute nochmal einen tollen Livegig der Truppe auf YT angeschaut, und dann einfach 45,- Euro in die Hand genommen, und mir endlich das Backprogramm der Band bestellt. Sind im Endeffekt nur zwei Alben und 'ne Single-Compilation... ich freue mich riesig drauf, denn das wird meine dritte Alternative-Band, die ich komplett zu Hause habe (nach ALICE IN CHAINS und FAITH NO MORE). Coole Sache. Hier der Hammergig (one-off Reunion-Show mit Guests & Friends): https://www.youtube.com/watch?v=BNebefuXujQAch ja: Muss ich jetzt mit MUDHONEY, PEARL JAM, SOUNDGARDEN und dem NIRVANA-Rest weitermachen? Dammit... wo soll das alles nur enden?
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von Eike » Donnerstag 4. März 2021, 02:48
Im Prinzip magst du also den kompletten, stilprägenden Seattle-Grunge der ersten Welle in all seinen Facetten. Und bloß den vom Marketing vereinnahmten und auf mittels Stadionrock- & Indiepop- Einflüsse erweiterten/verwässerten/aufgeweichten Ettikettierungsbegriff und was darunter dann noch alles subsumiert wurde lehnst du ab. OK, dann mach weiter mit allem, was vor 1990 schon aktiv war.
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von Eike » Donnerstag 4. März 2021, 03:02
Die haben sich teils ja schon deutlich weiterentwickelt. Aber alles was von der alten Garde vor 2000 rauskam, da wirst du irgendwie noch mitgehen können. Vielleicht nicht immer vollauf begeistert, aber jede Scheibe sollte mindestens ein, zwei Songs dabei haben, die du dir schön hören kannst, da bin ich mir ziemlich sicher. Vor allem, wenn du chronologisch vorgehabt und beim Hören auch der "neueren" (Neunziger-)Sachen im Hinterkopf behältst, wo die ursprünglich herkamen. So ganz ist diese Verbindung im alten Jahrtausend nämlich nie abgerissen, auch wenn das Spektrum erweitert wurde. Die meisten der Bands waren neben anderem durchaus Fans von einigen klassischen (Hard-) Rock-Bands, sie wollten eben bloß nicht Epigonen sein. Aber Anti-Rock wie teils Polemisiert wurde, waren sie keineswegs. Die hatten teils halt auch Punk-Einflüsse, was manchen verknöcherten Opas halt sauer aufstieß. Aber das war es dann auch schon. MELVINs wären auch noch interessant in dem Zusammenhang. Nicht Kern-Grunge, aber alles, was in den Achtzigern (bis Neunzigern) irgendwie progressiv und abgefuckt mit Garage/Punk/Hardcore/Hardrock/Rock experimentierte war, wenn nicht direkt, dann um ein oder zwei Ecken von denen beeinflusst, und die nahmen das dann auch wieder als Feedback/Input auf. Die waren stilistisch all over the place. Und falls du nicht bloß mit Green River, sondern auch mit SOUNDGARDEN und PEARL JAM irgendwas anfangen kannst, unbedingt TEMPLE OF THE DOG holen: Ist nur eine Scheibe, und schon etwas schwülstiger, aber begnadete Gitarrenarbeit, und Chris Cornell singt da wie ein junger Gott.
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von Eike » Donnerstag 4. März 2021, 03:09
Absolut kultig natürlich "Bleach" von NIRVANA: Saucoole Kaputtnikscheibe mit Produktion deutlich unter 1k $. Klingt aber (oder auch darum?) schon geil. Punk auf Steroid und Teenage Angst. Schön schräg groovend eingetrümmert.
Gerade PEARL JAM, die ja später einige eingängige Sachen gemacht haben, brachten in den '90ern einiges sperrig-experimentelles an Songs raus. Das ist allerdings dann schon weiter weg vom klassischen Hardrock meets Punk(derivate), viel weirde Percussion und windschiefer Gesang und so. Aber halt auch abgefucktes Herzblut drin. Insekten unterm Bett und so...
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von Jhonny » Donnerstag 4. März 2021, 18:27
Rüdiger Stehle hat geschrieben:Dass der Thread jetzt ausgerechnet von mir kommt, ist ja fast schon grotesk, aber mir war heute danach. Ich habe vor über 20 Jahren mal irgendwo eine Reportage über die Wurzeln des Grunge gesehen, und da wurde GREEN RIVER als der Archetypus, der Ursuppenlurch schlechthin angepriesen, war die 1984 gegründete und nur bis 1987 aktive Band ja immerhin die erste Heimstatt solch illustrer Grunger wie Mark Arm & Steve Turner (beide später MUDHONEY), sowie Jeff Ament & Stone Gossard (beide später PEARL JAM). Nun, was ich damals in der Doku von der Band gesehen und gehört habe, fand ich eigentlich total genial, aber entweder hatte ich noch kein Internet, oder ich fand dort damals noch nichts dazu, und habe das dann wieder vergessen, weil Grunge und Alternative ja nie meine Steckenpferde waren. Im Hinterkopf ist die Band aber doch irgendwie immer gewesen, und sie galt mir immer als Beispiel dafür, dass ich Grunge oder dessen Prototypen durchaus doch auch mögen kann. Da wir gerade im Bezug auf den kommenden Soundcheck intern ein wenig darüber diskutiert haben, dass das Genre "Grunge / Post-Grunge / Alternative Rock" ja auch recht weit gefächert ist, auch wenn die in der Wolle gefärbten Metaller wie ich das gerne alles in einen Topf werfen, habe ich mal wieder darüber sinniert, was bei mir wohl den Auslöser dafür liefert, dass ich manche Sachen aus dem Bereich total gut finde, andere aber eher völlig öde oder bestenfalls nett zum nebenher hören, und ich kam dann irgendwie an den Punkt, dass ich denke, dass ich Grunge/Alternative mag, wenn er irgendwie abgefuckt, nihilistisch, abgedreht, krass, angepisst, punkig ist, und dass ich ihn nicht mag oder eher langweilig finde, wenn er einfach nur auf durchaus ästhetisch schöne Weise schmachtend, melancholisch, emo-mäßig, radiorocktypisch ist... Letzteres ist dann irgendwie die NICKELBACK-Schule für mich, auch wenn ich dadurch manchen Bands nicht gerecht werden mag, wobei ich ergänzen will, dass ich nun keiner bin, der NICKELBACK generell doof oder schlecht fände. Wird ja gerne mal drüber gelästert, habe ich nie so recht verstanden. Egal, zurück zum Thema, weil ich es nimmer auf mir sitzen lassen wollte, dass ich GREEN RIVER immer als Beispiel für geilen Alternative Rock im Kopf habe, aber die Alben nicht besitze, habe ich heute nochmal einen tollen Livegig der Truppe auf YT angeschaut, und dann einfach 45,- Euro in die Hand genommen, und mir endlich das Backprogramm der Band bestellt. Sind im Endeffekt nur zwei Alben und 'ne Single-Compilation... ich freue mich riesig drauf, denn das wird meine dritte Alternative-Band, die ich komplett zu Hause habe (nach ALICE IN CHAINS und FAITH NO MORE). Coole Sache. Hier der Hammergig (one-off Reunion-Show mit Guests & Friends): https://www.youtube.com/watch?v=BNebefuXujQAch ja: Muss ich jetzt mit MUDHONEY, PEARL JAM, SOUNDGARDEN und dem NIRVANA-Rest weitermachen? Dammit... wo soll das alles nur enden?
Also, NIRVANA ist natürlich einfach, da es nur drei Studioalben gibt (und die MTV-Unplugged mit nahezu komplett eigenen Songs). Und das gibt es auch immer sehr günstig. Die Frühwerke von PEARL JAM und SOUNDGARDEN werden dir mit Sicherheit auch gefallen.
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von Rüdiger Stehle » Donnerstag 4. März 2021, 19:05
Und wie findet ihr GREEN RIVER?
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von Jhonny » Donnerstag 4. März 2021, 19:41
Rüdiger Stehle hat geschrieben:Und wie findet ihr GREEN RIVER?
Poste doch mal 2-3 einzelne Lieder 
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von Jhonny » Freitag 5. März 2021, 10:06
Danke dir Finde da alles sehr gut. Teils gehts von den Gitarren ja noch sehr in ne 70er Richtung, bei 'This Town' musste ich da auch an LED ZEPPELIN denken. Sonst ist das vom Sound her ja irgendwo zwischen SOUNDGARDEN und ALICE IN CHAINS, und das ist nicht die schlechteste Melange. Fein.
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von Rüdiger Stehle » Sonntag 7. März 2021, 22:43
Nachdem ich Mark Arm für einen grandiosen Frontmann halte, und die beiden Video-Livemitschnitte von den Reunion-Gigs phänomenal gut gefunden habe, die ich bei YT gefunden habe, wird wohl mittelfristig an MUDHONEY (und auch an PEARL JAM) kein Weg mehr vorbei führen. Schon doof, wie eine Jahrzehnte lang gepflegte True-Metaller-Karriere hier den Bach runter geht, was? 
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