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von Pillamyd » Samstag 22. Februar 2025, 11:14
Rüdiger Stehle hat geschrieben:Weiß ich auch nicht. Alte Männer, die ihre eigene Jugend verpasst haben, weil sie in einer permanenten Metamorphose von Infantilität zur Senilität gefangen waren und keine Zwischenschritte zulassen wollten?
Einen solchen Gedanken hatte ich definitiv nicht. Es hat mich nur interessiert. In etwa so wie du über die OBSCURA Thematik Rüdiger Stehle hat geschrieben:Hmm. Interessante Reflexion hierüber.
Kann dir auch nicht genau sagen, warum, aber für mich ist die Befassung mit dieser Phase der Rockmusik und mit einem lyrischen Themenkreis, den ich in meinem Leben nie zugelassen habe, schon auch irgendwie eskapistisch. Vielleicht mehr als Tod, Teufel und Wodan. Auf der anderen Seite, zeigen sich aber auch ein paar Berührpunkte zu dauerhaften und bewährten Vorlieben, wenngleich mit einem dezent anderen Anknüpfungspunkt. Spekulativ vielleicht folgende Gedanken dazu:
1. Nun, die Nibelungentreue, eine trotzige Beharrlichkeit im getreulichen Beistande, sind schon Themen, die mich immer wieder und immerdar packen. Das haben wir bei Manowar ja auch immer und immer wieder (Carry On, Brother...); oder auch bei Cirith Ungol (I'm Alive); bei Goethe (der König in Thule, gar treu bis an das Grab).
2. Ein Romantiker bin ich ja schon. Ein platonischer zwar, aber melancholische Stücke über Verlust und Opfer für den Saxnot, den Schwertbruder, den Freund im Sturm haben mich immer berührt. Dass das inzwischen auch mit dem einen oder anderen richtigen Lovesong funktioniet, erschrickt mich selbst massiv, aber es ist so. Ich erinnere an meinen letztjährigen Perlen-Artikel, in dem ich "A Little Sacrifice" von Freya Allan aus dem "Witcher"-Soundtrack als Song des Jahres nominiert habe, der ja um die unglückliche und ungleiche Liebe von Prinz und Meerjungfrau aus dem Märchen geht, die von dem einen oder der anderen "just a little sacrifice" verlangt "swap surf for turf", "trade foot for fin". Es mag auch mit meiner eigenen schreiberischen Tätigkeit zu tun haben, die mich verstärkt dazu zwingt, mich ganz intensiv mit den Gefühlsrealitäten fiktiver Figuren zu befassen und diese auch zu verbalisieren, und die mir aber auch gezeigt hat, dass das sehr bereichernd sein kann, sich dieser Thematik zu öffnen. Siehe oben: Alt musst ich werden, dafür.
3. Vielleicht ist das Thema der romantischen Liebe und der damit einher gehenden Folgeproblematiken meiner seit Anbeginn der Zeit konsequent gelebten Realität tatsächlich so unfassbar weit entrückt, dass es sich irgendwie auch wie Fantasy anfühlt. Jedenfalls habe ich weitaus mehr Zeit meines Lebens mit dem Lernen von Klingonisch verbracht als mit Beziehungsfragen, und ich kann nur noch drei oder vier Wörter. Aber ich mag Fantasy.
Wie toll ich das finde, wenn du auf so etwas immer ausschweifend reagierst. Das meine ich vollkommen ernst. Ich habe das immer völlig abgegrenzt in deinem Fall. Alle Beispiele fallen mir leichter zu assoziieren, als die musikalische Andersartigkeit im Falle AVRIL LAVIGNE. Sicher, die gibt es auch. Ein Ast hat ja nicht nur einen Zweig. Sind aber wohl nicht so offensichtlich.
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Pillamyd
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von Eike » Samstag 22. Februar 2025, 13:34
Mir ist klar geworden, dass ich einfach nur zwei Singles kenne aus einer mittlerweile ja doch nicht eben kurzen Karriere. Und wie (mis-) repräsentativ Singles für ein Gesamtwert sein können, das kennen wir ja alle. Vielleicht lohnt Stöbern ja auch hier. Kanada ist nicht die schlechteste Adresse für Musik, ganz allgemein.
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von Rüdiger Stehle » Sonntag 23. Februar 2025, 12:40
Eike hat geschrieben:Mir ist klar geworden, dass ich einfach nur zwei Singles kenne aus einer mittlerweile ja doch nicht eben kurzen Karriere. Und wie (mis-) repräsentativ Singles für ein Gesamtwert sein können, das kennen wir ja alle. Vielleicht lohnt Stöbern ja auch hier. Kanada ist nicht die schlechteste Adresse für Musik, ganz allgemein.
Ich hab kürzlich mal eine kurze YouTube-Retrospektive über Avrils Karriere gesehen, die ich recht cool fand. Der Ersteller knüpfte am Debüt an, und vor allem daran, dass damals alle peripher tangierten oder angeschnittenen Musikszenen (Rock, Metal, Alternative, Punk) die junge Dame als künstliches Plattenindustrie- oder Casting-Projekt, als Teenie-Phänomen oder als zu erwartendes One-Hit-Wonder abstempelten, kaum einer, der sich als Teil einer dieser Szenen verstand, zugegeben hätte, dass er das Zeug gut fand, dass aber a) Avril es doch bis heute, über 23 Jahre durchgezogen hat, und sich sowohl treu geblieben ist, als auch dennoch ziemlich viel variiert hat und eine große stilistische und emotionale Bandbreite abdeckt; und dass b) sich heute dann doch sehr viele Leute in besagten Szenen an die doch recht vielen Hits erinnern, die den Test of Time letztlich absolut bestanden haben, auch wenn sie unverkennbar den Spirit der Jahrtausendwende atmen. Ich finde gerade vor allem die letzten beiden Scheiben sehr stark: "Head Above Water" (2019) gilt als extrem persönliches, reflektiertes Album mit relativ ernsten Themen, mit dem sie wohl ihren sehr langwierigen Genesungsprozess von der Lyme-Borelliose aufgearbeitet haben soll, an der sie 2013 schwer erkrankte, nicht wusste, ob sie überleben wird, und wohl auch monatelang bettlägerig war. Darum geht auch der Titeltrack: Den Kopf über Wasser zu halten. https://www.youtube.com/watch?v=EKF6ghfcQic - Head Above Water "Love Sux" (2022) ist dann wieder etwas frontaler, rockt etwas härter, fühlt sich aber auch ziemlich persönlich an. Dazu gehört in dem Fall auch ein gewisser poppiger bubblegum skate punk Hau, aber ja, ich denke, das hatte sie die ganze Karriere über immer wieder, so dass das halt auch mit 41 noch zu ihr passt: https://www.youtube.com/watch?v=l_wvt9bk0gc - Break Of A Heartache https://www.youtube.com/watch?v=j-a8An12QDs - Avalanche
alias Hugin der Rabe. Ravnen fra steinfjellet. Háv. 38
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von frankjaeger » Sonntag 23. Februar 2025, 17:03
Die neuen Scheiben habe ich noch gar nicht, sollte ich wohl mal ändern. Das mit dem "Casting-Projekt" war mir immer wurscht, DEEP PURPLE ist auch eins. Ich war nie ein großer Fan, aber die Alben sind alle guter Rock - AOR - Hardrock.
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von Jhonny » Sonntag 23. Februar 2025, 18:34
Ich mag die letzten beiden Alben auch sehr gern, "Head Above Water" vielleicht sogar etwas lieber.
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