Quo Vadis (Can)

Quo Vadis (Can)

Beitragvon Drumtier » Sonntag 27. Juni 2010, 01:20

Obwohl ich befürcht, dass auch dieser hier das Drumtier'sche Threadschicksal erleidet, muss es nach wochenlangem mehr oder weniger intensiven Hören doch wieder mal sein.

Einige von der Redaktion kennen die Band ja so viel ich weiß und lieben sie dementsprechend. Sonst sind sie ja doch immer noch relativ unbekannt, obwohl sie vor nem Jahr oder so mit Kataklysm auf Europa-Tour waren. Dass ich sie damals nicht gesehen hab, weils in Wien war und ich niemanden davon überzeugen konnte, kommt auch in die viel zu lange Liste "Dinge-bei-denen-Drumtier-das-nächste-Mal-drauf-scheißt-und-alleine-macht". Kenn ihr erstes Album also eigentlich auch schon ziemlich lange weil ichs damals gekauft hab wie ich so immer mehr in die technische Death-Ausrichtung und damit nach Kanada gerutscht bin. Aber aus irgendeinem Grund hab ichs nie geschafft mir die andern beiden zu besorgen, weil es sie dann doch nicht allzu häufig wo gibt und geldmäßig gönnt man sich halt dann auch vielleicht doch lieber ein, zwei vermeintliche Schnäppchen. Aber vor gut zwei Monaten wars mir dann egal und ich war die Sucherei leid und habs stattdessen direkt bei der Band bestellt. Was eine der besten Eintscheidungen meiner bisherigen musikalischen Karriere war. Unkompliziert, billig (!), schnell.

Ein kurzer Abriss mit je zwei Hörproben:

Forever... (1996)
Hab mich für die als meinen Erstkontakt entschieden weil ich in einem Review was von melodisch, technisch, Geigen und weiblichen Gesang gelesen hab. Solche Attribute lassen mir immer noch das Wasser im Mund zusammen laufen und sie hat mich auch keineswegs enttäuscht. Is tatsächlich ziemlich genau an dem Punkt zwischen melodischem und technischem Death an dem ich mich damals gefand und mich wohl auch eingependelt hab.
http://www.youtube.com/watch?v=r3cFWftIxqk
Opener und einer der besten Songs überhaupt (eine Phrase, die ich hier noch öfter gebrauchen werden ;-) ), man beachte besonders das Drumming das diese Band so auszeichnet und unter jeder anderen Band herausstechen lasst, sowie das Solo welches auch zu einem der besten zählt und den ruhigeren Teil gegen Ende. Auch etwas das sehr typisch für die Band ist.
http://www.youtube.com/watch?v=hcMhx1LrMmw
Hier dann der Song mit der Frau am Mikro, begleitet von den anderen beiden Sängern, die, das muss man schon dazusagen, für mich ein klein wenig gewöhnungsbedürftig waren. Gibt aber einen extrem geilen Effekt, da die drei großteils dieselben Melodien singen. Wunderschönes, langes akustisches Intro.

Day Into Night (2000)
Ähnlich wie das Debüt, die schon davor nur selten eingesetzte Geige und der weibliche Gesang sind ganz weg, was bleibt ist ein hochmelodisches, ultimativ headbangtaugliches, komplexes und technisches Stück Musikgeschichte, das so ganz nebenbei mit "Dream" auch noch das beste je geschriebene Instrumental enthält. Vielleicht sollte ich ja das nehmen um diejenigen mit Angst vor Death-Vocals an die Band heranzuführen, aber ich denke nicht, dass das Sinn macht, weil die Musik ja eh auch hinter den Vocals hervorkommt und Dream dann eben die ganzen Merkmale bis auf den Gesang vereint.
http://www.youtube.com/watch?v=-4y3mdnT_yQ
Mörderischer Ohrwurm, melodisch bis dorthinaus, rhythmisch hochinteressant, man beachte vor allem den Schluss an dem das Hauptthema zerhackt, abgebrochen und verändert wird, dass es eine Freude ist.
http://www.youtube.com/watch?v=3wmr_evkO9k
Wir kommen zu einem weiteren "Highlight" (ich möchte das Wort eigentlich vermeiden, weil jeder einzelne Song wenn es sich denn tatsächlich um Licht handeln würde, so hell scheinen würde, dass die gesamte Menschheit auf ewig blind wäre. Was streng genommen egal wäre, könnte man weiterhin diese Musik hören) und dem vielleicht GEILSTEN Riff der wiederum je einem Menschen eingefallen ist. Der einzige Grund den ich akzeptieren könnte, dass dieser Riff jemanden nicht zum hemmungslosen Headbangen, Luftgitarre-Spielen, noch mehr Headbangen und schlichtem Genießen zwingen könnte ist ärztliche zertifizierte Taubheit. Attest bitte einscannen und per PN an mich schicken. HULD!

Defiant Imagination (2004)
Der Durchbruch. Bzw leider-doch-nicht-Durchbruch. Warum fragt ihr mich? Ich weiß es nicht, es liegt zwar sicher auch an den Line-Up-Schwierigkeiten die man auch an der Regelmäßigkeit der Veröffentlichungen ablesen kann aber ansonsten wär das wieder ein Fall für ne Publikation. Sie unterscheidet sich deutlich von ihren Vorgängern, vor allem weil der ursprüngliche Haupt-Songwriter abgesprungen ist und diese Songs großteils vom andren Gitarristen geschrieben wurde, der früher für die härteren Sachen zuständig war. Da somit auch der Hauptsänger verloren ging, übernahm für dieses Album ein Neuer den Platz hinterm Mikro und der macht das verdammt gut. Wo bei den ersten beiden Alben die Sänger für manche vielleicht ein klein wenig zu sehr nach Carcass klingen ist dieser hier absoluter Death-Metal-Konsens. Klingt für mich ungefähr wie eine Mischung aus Mikael Stanne (Dark Tranquillity) und Frank Mullen (Suffocation), selbiges gilt natürlich auch grob für die Musik. Man kann sich also nach einem kurzen Checken dieser Bands in meiner Sammlung auch denken, warum dieses Album für mich schon nach zweimonatigem Besitz einen derartigen Ausnahmestatus hat. Dieses Album fällt deutlich düsterer, brutaler und dumpfer aus, jedoch nicht ohne die bandeigene Melodie zu verlieren, sie kommt hier halt nur subtiler und nicht ganz so göteborgisch. Aber musikalisch ist das eine einzige Offenbarung. Hier wird einfach jeder einzelne Grund warum ich Metal höre vereint. Technisch anspruchsvoll, melodisch, komplex, perfekt produziert von dem kanadischen Produzenten dessen Wirken eine 1:1 umsetzbare Kaufempfehlung ist (Pierre Remillard für die Interessierten), headgangtauglich (gibt es denn kein besseress Wort dafür?), interessant und schlichtweg faszinierend. Als hätte es noch ein Kaufargument gebraucht, hier kommt jedenfalls noch eines: Steve DiGiorgio...
http://www.youtube.com/watch?v=iKo0M8qgC4I
http://www.youtube.com/watch?v=ep_9S9WH ... re=related
Zu diesen beiden Songs will ich auch gar nichts mehr sagen, die Musik kann das viel besser, nur ein Abschluss-Statement ist noch drinnen:

Es gibt Bands die sind den Göteborgern zu hart, den Brutal Deathern zu weich und den Tech Deathern zu langweilig. Quo Vadis nicht. Quo Vadis sollte Fans aus allen Lagern die Ohren öffnen und damit meine ich ganz explizit nicht nur Death Metal Hörer. Jeder der Heavy, Power oder Prog hört, sollte der Band zumindest eine vernünftige Chance geben und kann dann, sollte es tatsächlich der Fall sein, eine wissenschaftliche Publikation schreiben warum ihm die Band nicht gefällt, denn nur so werd ichs verstehen.
Inzwischen ist ja leider auch der großartige und einer der besten (im Double Bass Bereich für mich sogar DER beste) Schlagzeuger ausgestiegen was Grund zur Sorge sein könnte, weil er der Band für einen Schlagzeuger außergewöhnlich stark den Stempel aufgedrückt hat. Er wurde ersetzt durch Patrice Hamelin, der Genre-Kenner von den Landsleuten Martyr ein Begriff ist und mit der Zunge schnalzen lässt. Somit kann man sagen, dass rein sachlich die Qualität der Drums bestimmt nicht abnimmt, die Frage wird nur sein ob er versuchen wird den Stil zu kopieren, seinen Eigenen rein zu bringen oder ganz emotionslos seine Fähigkeiten einsetzt. Aber Bandkopf und letztes verbliebenes Gründungsmitglied Bart Frydrychowicz hat mehr als einmal bewiesen, dass personelle und gesundheitliche Schwierigkeiten kein unüberwindbares Hindernis für ihn darstellen und ich bin mir zu 100% sicher, dass das neue Album, sollte es denn irgendwann in diesem oder nächsten Jahr kommen, wieder ein absoluter Knaller wird.
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Re: Quo Vadis (Can)

Beitragvon Drumtier » Sonntag 27. Juni 2010, 01:22

Holla die Waldfee, so lang war der gar nicht geplant. Hätt mir zwar eh nach einer halben Stunde als ich ca bei der Hälfte war denken können, dass es jetzt dann reicht, aber andererseits, wer weiß wie oft ich noch die Chance bekomme meine Jubelorgien loszulassen^^
Reinhören! ;-)
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Re: Quo Vadis (Can)

Beitragvon OldSchoolFreak » Sonntag 27. Juni 2010, 10:55

huh die Jungs haben Musikalisch einiges drauf!!!aber nicht so meine Musik,einfach zu verspuhlt für meinen Geschmack.Ein bisschen weniger Gefiddel und ein bisschen mehr Dampfhammer würde den ganzen nicht schaden!!
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Re: Quo Vadis (Can)

Beitragvon Drumtier » Sonntag 27. Juni 2010, 23:48

Okay, ich hätt mir wirklich Mühe gegeben, aber auch Dr. Google konnte mir nicht mit Sicherheit sagen, was denn nun "verspuhlt" bedeutet. ^^
Verspielt, verkopft, Tippfehler? :grins:

Und Dampfhammer? Da?
Also ich mag Dampfschmiederei, aber das ist als würdest dir bei Death mehr Dampfhammer wünschen ;-)
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Re: Quo Vadis (Can)

Beitragvon Peter Kubaschk » Dienstag 29. Juni 2010, 23:33

kann es eigentlich sein, dass die gerade ein neues Album veröffentlicht haben (oder bald werden) oder sind das andere QV?
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Re: Quo Vadis (Can)

Beitragvon Drumtier » Mittwoch 30. Juni 2010, 00:18

Müssen andere sein, es is zwar seit Jahren ein Neues geplant und ne kurze Hörprobe gibts auch schon seit Ewigkeiten auf MySpace, das einzige was noch fehlt is ein fixer Termin... :(
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Re: Quo Vadis (Can)

Beitragvon OldSchoolFreak » Mittwoch 30. Juni 2010, 09:45

@ Drumtier: also mit " verspuhlt" meinte ich das mir einfach zuviel in den songs drin ist :-) also zuviel technik gefrickel :-) ich mags halt gerne geradliniger und viel fetter vom sound her :-)
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Re: Quo Vadis (Can)

Beitragvon Drumtier » Sonntag 18. Juli 2010, 18:05

Ich sollte mir vielleicht einen zweiten Account zulegen unter dem ich dann Threads eröffne, anscheinend wirke ich hier doch zu abschreckend. Oder es liegt auch einfach nur an der Hitze. Oder an der Urlaubszeit. Oder am schlechten Musikgeschmack hier. Huch, entschuldigt das letzte. Wobei, liest ja eh keiner hier, also doch nicht, war schon so gemeint :grins:
Also reinhören ignorantes Pack! ;-)
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Re: Quo Vadis (Can)

Beitragvon Hagen Kempf » Sonntag 18. Juli 2010, 18:47

sehr gute band, außerdem sehr sympathisch. defiant imagination ist großartig, mir gefallen bei quo vadis die neueren platten ein wenig besser als die erste, die neueren sind irgendwie straighter. live habe ich sie damals mit kataklysm gesehen, war ne tolle show in frankfurt. würde ich gern mal wieder sehen
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Re: Quo Vadis (Can)

Beitragvon Regina Löwenstein » Sonntag 18. Juli 2010, 20:06

Quo Vadis gefallen mir sehr! Gerade bin ich ja auf diesem Technical/Progressive-Death-Trip, bin in diesem Kontext auf sie gestoßen, vorerst nur oberflächlich mit der Band beschäftigt, aber ihr Stil taugt schon mal! :dafuer:
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