Cruachan

Cruachan

Beitragvon Rüdiger Stehle » Donnerstag 18. Dezember 2014, 02:00

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Dass wir hier im Forum noch keinen Cruachan-Thread haben, das beschämt mich gerade ein wenig, denn es wäre doch längst meine Aufgabe gewesen, den zu eröffnen. Aber es ist ja noch nicht zu spät.

Die meisten Forenbewohner werden Cruachan aus meinen Bestenlisten, von meinen Wichtelsamplern usw... bereits kennen. Daher zur Vorstellung nur ganz kurz: Für mich ist die Band - trotz Primordial - nach wie vor die mit großem Abstand beste und wichtigste irische Metalband, und davon abgesehen ein echter Pionier in Sachen Folk-Einflüsse im Black Metal. Wenn ich mich recht entsinne, war ich ca. 1994/95 fürs "Circle of the Tyrants" (nach dem "Ablaze") der zweite deutsche Schreiberling, von dem es ein Interview mit der Band gab. Ohne Gewähr, aber ich kenne kein weiteres aus der Zeit davor. Bin also Fan der ersten Stunde, quasi von VÖ des ersten Demos "Celtica" an.

Die Band war auf dem Demo und dem Debüt "Tuatha Na Gael" (1995) noch sehr harsch unterwegs etwa zwischen frühen Kreator, Sabbat/Skyclad, 90er-BM und eben keltischem Folk mit entsprechenden Instrumenten. Dann war lange Zeit Funkstille, bis die Band 2000 mit Sängerin (Karen Gilligan, eine meiner Lieblingssängerinnen überhaupt) und stärkerer Folk-Schlagseite zurück kam. Die Phase währte über die Alben "The Middle Kingdom" (2000), "Folk-Lore" (Meisterwerk von 2002), "Pagan" (2004) und "The Morrigan's Call" (2006), bis Karen schließlich 2008 ausstieg, und die Band sich die Band danach wieder in harschere Gefilde aufmachte.

Inzwischen gibt es zwar noch weibliche Gastauftritte, aber ansonsten übernimmt Bandleader Keith Fay den Gesang irgendwo zwischen Mille, Tompa Lindgren und Martin Walkyier wieder fast ausschließlich selbst. In dem Outfit entstanden dann "Blood on the Black Robe" (2011) und nun eben das neue Album "Blood for the Blood God" (2014), das für mich das beste Album der Band seit ihrem Überflieger "Folk-Lore" ist, gleichzeitig aber auch das härteste seit dem Debüt.

Meine Rezi ist etwas überschwänglich, aber ich stehe dazu:
http://powermetal.de/review/review-Crua ... 25239.html

Und hier könnt ihr das neue Material mal antesten:
https://www.youtube.com/watch?v=HIoTc5mrlZo
https://www.youtube.com/watch?v=FY4lPNUpCAY

Und dann noch mein ewiger Lieblingssong "Ossian's Return" von der "Folk-Lore" (2002):
https://www.youtube.com/watch?v=rhiRW-u8yEI

Und für THE POGUES- und Shane MacGowan-Fans noch ein weiterer Hit:
https://www.youtube.com/watch?v=cBYKdmgB2Ro


Freunde exotischer und archaischer, nicht gesampelter Originalinstrumente kommen bei Cruachan übrigens immer auf ihre Kosten.
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Re: Cruachan

Beitragvon Jhonny » Donnerstag 18. Dezember 2014, 16:17

Spannende Band - ich habe drei oder vier Alben, die ich sehr schätze. Ich würde die Jungs nicht zwingend vor Primordial einsortieren - und definitiv hinter Thin Lizzy.
Aber gutklassiger Metal ists auf jeden Fall!
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Re: Cruachan

Beitragvon Raphael Paebst » Freitag 19. Dezember 2014, 18:28

Ja, eine tolle Band. Bisher habe ich nur "Folk Lore" und "The Morrigan's Call", von denen ich ersteres klar besser finde. Das neue Album finde ich aber auch super und bei günstiger Gelegenheit werden sicher noch mehr Tonträger der Truppe in meine Sammlung wandern.
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Re: Cruachan

Beitragvon Feamorn » Dienstag 6. Januar 2015, 20:05

Ich ziehe hiermit mal um:


Rüdiger Stehle hat geschrieben:
Feamorn hat geschrieben:Uuuuund zu der Cruachan kamen mir beim ersten Antesten unter Kopfhörern im Bett heute Nacht folgende Gedanken:

- Ich verstehe Rüdigers 10.
- Eventuell der beste Folk-Metal, den ich die letzten Jahre gehört habe...
- Wie die sich wohl mit Primordial verstehen?
- Ob Alestorm wohl Cruachan-Fans sind?
- Warum zum Henker ist das eigentlich erst mein zweites Cruachan-Album?

Ein spontaner Griff in die Playlist:

https://www.youtube.com/watch?v=iwJaE_CUsyE


1.
Schön, dass du dir die Scheibe gekauft hast. Aus rein musikalischen Gründen ist die Digibook-Edition auch nicht unbedingt zwingend, zumal ja das Rerecording auch auf dem regulären Digipack ist, und die anderen sechs Boni nur Demoversionen sind.

2.
Dass du meine 10 verstehen kannst, das freut mich sehr, zumal ich ja ab und zu mal den Vorwurf vernehme, zu schnell die 10 zu geben. Ein Stück weit grüble ich darüber natürlich schon nach, und daher ist es schön, wenn hin und wieder die Antwort kommt, dass man die Note nachvollziehen kann. Und deine Ansage "eventuell der beste Folk Metal der letzten Jahre" - die ich teile - rechtfertigt eine solche Note ja auch, ganz gleich, ob man nun leichter oder weniger leicht die 10 zückt: Wenn man eine Scheibe für ein potentielles Mehrjahreshighlight eines ganzen Genres hält, dann kann eine solche Note fallen.

3.
Da ich in all den Jahren nie eine "Primordial vs. Cruachan"-Geschichte gehört habe, und mir Keith Fay 1995 im Interview auch Primordial als interessante irische Band empfohlen hat, gehe ich davon aus, dass die beiden Bands sich respektieren. Sie kommen von den gleichen Wurzeln im folkig-keltischen Black Metal her, haben sich dann unterschiedlich entwickelt, Primordial mehr in Richtung Doom und Epic Metal, Cruachan erst mehr in Richtung Folk Rock, dann wieder zurück zum Celtic Black Metal. Konkurrenten sind sie nicht wirklich, trotzdem denke ich, dass es viele Leute gibt, die beide Bands gerne haben. Ich fand Cruachan immer noch spannender und für den Folk Metal auch genreprägender, aber ich mag auch Primordial sehr gerne. Daneben zähle ich dann noch Waylander zum erweiterten Kreis der wirklich großen irischen Metalbands.

4.
Bei Alestorm gehe ich davon aus, dass sie Cruachan zumindest kennen und ggf. auch als Einfluss haben. Wobei auch gut sein kann, dass das nur den Anschein hat, weil sie - wie eben auch Cruachan - Einflüsse von Skyclad und Sabbat ziehen. Cruachan ist aber in meinen Augen eine deutlich ernsthaftere und anmutigere Band als Alestorm, ganz ohne dass ich ein Alestorm-Basher wäre.

5.
Falls du weitere Scheiben angeln willst, empfehlen sich für die härtere Gangart "Blood on the Black Robe" und für die folkigere Gangart mein absolutes Lieblingsalbum der Band: "Folk-Lore".



Der dritte Gedanke war eher rhetorisch gemeint. Ich habe da nämlich stellenweise plötzlich Primordial im Kopf gehabt, das sind Parallelen, die mir bisher nicht bewusst waren, ich kenne/hatte ja bisher nur "The Middle Kingdom" und die habe ich auch relativ lange nicht mehr gehört, so lange, dass das noch vor meinem intensiveren Primordial-Kontakt war. Waylander werde ich mir jetzt aber bei Gelegenheit auch mal noch anhören.
Und klar sind Cruachan eine andere Liga als Alestorm, nur hat mich Keith an so einigen Stellen eben fatal an Christopher Bowes erinnert, so wie er jetzt auf Blood for the Blood God klingt (bzw. halt vermutlich anders herum), und auch musikalisch habe ich ein paar Mal gedachte "wenn Alestorm es besser machen würden, könnte sowas dabei heraus kommen". Alestorm kaspern halt einfach zuviel herum, die haben einige tolle Ansätze gehabt (ich kenne/habe nur die ersten beiden Alben bisher), aber daraus dann zu wenig gemacht. Wenn die mit "echten" Instrumenten anfingen und weniger Konzentration auf's Saufen legen würden, könnten da durchaus größere Sachen heraus kommen, leider scheint diese Schiene nicht gefahren zu werden. :-/

Ich habe die neue Cruachan leider noch immer kaum gehört, muss aber sagen, dass ich nach dieser Platte fast denke, dass der Abgang von Karen Gilligan der Band keineswegs geschadet hat, wie ich ursprünglich mal befürchtet hatte. (Vielleicht sogar eher im Gegenteil... Wobei ich sie auf The Middle Kingdom auch mochte!)

Ich muss mich mit den weiteren Alben auf jeden Fall mal beschäftigen. Vor allem Folk-Lore hatte ich eigentlich immer mal wieder auf dem Radar. Ich habe schlicht keine Erklärung dafür, warum das irgendwie doch nie etwas wurde.
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Re: Cruachan

Beitragvon Jhonny » Dienstag 6. Januar 2015, 20:13

Hier läuft grad die neue Cruachan zum dritten Mal. Den starken Vorgänger scheint sie sogar zu schlagen, könnte 2014 ein Treppchen-Album sein!
Wahnsinn!
Schön, dass der BM-Anteil wieder zunimmt. Folk Metal ohne Fremdschäm-Momente :D
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Re: Cruachan

Beitragvon Rüdiger Stehle » Dienstag 17. März 2015, 00:23

Falls ihr den ersten offiziellen Videoclip noch nicht gesehen haben solltet, hier ist er:

https://www.youtube.com/watch?v=gEH0j9KsjCw

Ziemlich brutales Ding, wie ich finde. Weniger die Bilder an sich, als vielmehr das Wissen um das, was hier vorgeht.
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Re: Cruachan

Beitragvon Drumtier » Donnerstag 19. März 2015, 01:05

Stimmt, war ja St Patrick's Day gestern ;-)

Kinderopfer fand ich bei Abraham schon nicht so dufte und mein Mitgefühl hält sich auch hier in Grenzen. Aber angesehen und angehört hab ichs mir trotzdem, wobei ich sagen wollte, dass das halt so gar ned mein Fall ist. Jedoch tut sich ab ca 2 Minuten etwas. Entweder ich hab mich an die Musik gewöhnt oder sie haben ebendiese ein paar Level nach oben geschraubt, jedenfalls gefällt mir das gar nicht schlecht :dafuer:
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Re: Cruachan

Beitragvon Rüdiger Stehle » Donnerstag 19. März 2015, 02:11

Jo, was heißt Mitgefühl? Das ist historisch und bringt mich jetzt nicht zum Weinen, aber eine Gänsehaut löst es irgendwie schon aus. Gerade wenn man sieht, dass Leute auch heute noch sich selbst oder ihre Kinder aus religiösen Motiven oder Überzeugungen heraus opfern. Für mich, der ich ja durchaus eine gewisse Faszination für das europäische Heidentum habe, ist das irgendwie faszinierend und bedrückend zugleich. Wie gesagt, nicht so, dass mich das jetzt ernsthaft plagen würde, aber ja, schon irgendwo bewegend.

Schön, dass du es musikalisch in Ordnung findest.
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Re: Cruachan

Beitragvon Rüdiger Stehle » Mittwoch 29. April 2015, 22:33

Habe gerade auf der Startseite von dem Shitstorm gelesen, den Cruachans Statement zu der relativ krassen Copyright-Aktion von Debauchery bei Letzteren ausgelöst hat, und wollte mich als 20-Jahre-Cruachan-Fan schon ereifern, aber nachdem das Ding mal boomerangmäßig so derbe bei Debauchery selbst eingeschlagen ist, will ich das einfach mal genießen. Trotzdem schade um den Ärger für die sympathischen Iren und ihr Label:

http://powermetal.de/news/news-Shitstor ... 36875.html

Es ist tragisch, welche Unfassbarkeiten durch mangelnde Flexibilität des Marken- und Urheberrechts verursacht werden.
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Re: Cruachan

Beitragvon Schaf » Donnerstag 30. April 2015, 10:07

Ich suche gerade im Bücherregal meinen Thesaurus zwecks weiterer Synonyme für kleinlich, pedantisch, haarspalterisch und pingelig.
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