Michael Sommer hat geschrieben:...und für ASPHYX sollte es sowieso einen eigenen Thread geben.
Das ist hiermit geschehen, und zwar nicht wegen deiner Aufforderung, die du ja längst mal selbst in die Tat hättest umsetzen können, sondern weil ich gerade eben angefangen habe, die Geschichte von Asphyx mal intensiver für mich musikalisch aufzuarbeiten. Das eine oder andere Album kannte ich ja bereits im Vorfeld, aber bei mir ist es ja immer so eine Sache, dass ich nicht so recht loslegen will, mit meinen Erkundungstrips durch ein Bandschaffen, so lange das selbige nicht komplett im Regal steht. Zu groß ist die Sorge, zu sehr begeistert zu sein, und dann noch ewig nach den fehlenden Scheiben suchen zu müssen. Daher wie so oft, so auch hier: Wenn die letzte Lücke geschlossen ist, dann kommt die chronologische Aufarbeitung, und die beginnt heute als Betthupferl der Nacht vom Montag auf den Dienstag.
Den Anfang macht eben "Embrace The Death", das gerade in den letzten Umdrehungen seines ersten Durchlaufs liegt, und - was soll ich sagen - bereits dieser Erstkontakt macht mir klar, dass es durchaus ein Fehler war, Asphyx so lange etwas stiefmütterlich zu behandeln. Das Album, das 1988/1989 geschrieben, 1990 aufgenommen und dann nicht veröffentlicht wurde, weil die damalige Plattenfirma in die Pleite ging, wurde ähnlich wie Motörheads "On Parole" dann einige Jahre später, 1996, von der neuen Plattenfirma Century Media nachveröffentlicht, und ja, Leute, es wäre eine himmelschreiende Höllenschande gewesen, dieses Album der Öffentlichkeit vorzuenthalten.

Denn ja, auch wenn seine Entstehungs- und Aufnahmebedingungen nicht gerade rosig waren, und auch wenn die Aufnahmen selbst nur als Maxell XL II 90 Kassette überlebt hatten, ist dieses Werk gerade auch für die Zeit in welcher es entstand, wahrlich monumental. Je ein mystisch-elegisch-sphärisches Intro und Outro rahmen ein Album ein, das wirklich alles kann. Wuchtiger, unbarmherziger, zähflüssiger Death Metal mit massiv doomiger Schlagseite, auch wenn es natürlich an vielen Stellen rasende, schnelle Ausbrüche gibt. In der Tat, das Album hat sehr vieles von dem, was erst in den folgenden Jahren zum Trademark der einen oder anderen Death-Metal-Truppe werden sollte, wie etwa "Sorrow Leads", die den Death Doom alsbald prägen sollten. Theo Looman (R.I.P.) präsentiert uns dazu ein finster gurgelndes Organ der Extraklasse, und das Gitarrenspiel mit Riffing zwischen Celtic Frost, tiefergelegtem Thrash Metal und erhabenen Doom-Akkorden, und eben diese magischen Sorrow-Leads wie sie etwa 'Streams Of Ancient Wisdom' adeln, das alles sorgt dafür, dass "Embrace The Death" ein ziemlich eindrucksvoller Beweis dafür ist, wie früh diese veritable Holland-Death-Legende zu echten Death-Metal-Großtaten in der Lage war.
Die 2009er-Neuauflage von Century Media, die es heutzutage überall recht günstig zu kaufen gibt, enthält übrigens beide Demos "Enter The Domain", "Crush The Cenotaph", die 7"-EP "Mutilating Process", ein Venom-Cover und diverse Rehearsals und Outtakes als voll gepackte Bonus-Scheibe. Für Death-Metal-Archäologen also eine mehr als nur lohnende Anschaffung, würde ich meinen.
