
Nachdem die Band, die seit inzwischen bald acht Jahren im veröffentlichungstechnischen Dornröschenschlaf weilt, völlig überraschend in einem YT-Duell zwischen Holg und Firestarter auftauchte, und nachdem der Forenmessias die Sache aufgriff, ist es vielleicht an der Zeit, dieser Band einen eigenen Thread zu widmen.
Für mich ist die Truppe aus Stavanger jedenfalls ein echter Mythos, der 1993 just zu einer Zeit auftauchte, als die im Entstehen befindliche BM-Szene hungrig wie Werwölfe auf jede Regung im norwegischen Unterholz reagierte. Dabei schaffte es die Band bereits mit ihrer EP auf dem Kultlabel Necromantic Gallery, die BM-Szene stilistisch voll zu bedienen, dabei aber stante pede eine eigenen Nische zu besetzen, die eben so bis dahin noch nicht ausgefüllt worden war.
Sie verband rasenden und klirrenden Black Metal der norwegischen Spielart mit anmutigen Keyboards, ohne aber dabei majestätisch wie die Emperor jener Zeit, oder mystisch-melancholisch wie die jungen Dimmu Borgir zu sein. Gehennas Ansatz war okkult, sinister, hinterhältig und doch zauberhaft. Nicht aufgesetzt, nicht kommerziell, aber doch eingängig, melodisch und mitreißend. Eine morbide, hexenhafte Atmosphäre schwarz und stählern glänzender Kammermusik.


"Ancestors Of The Darkly Sky" - Necromantic Gallery 1994 - 7"EP
"First Spell" - Head Not Found 1994 - MCD/MLP
http://www.youtube.com/watch?v=LcZKT7fa0gE
http://www.youtube.com/watch?v=isvMef10Gro
-> So bösartig und majestätisch wie Black Metal nur sein kann. Ein Manifest des Norwegerstahls, und die Quintessenz des Black Metals anno 1994. Für mich ist "Angelwings & Ravenclaws" der beste BM-Song des Jahres, und das will wahrlich etwas heißen, im Jahre 1994 a.y.p.s.

"Second Spell - Through The Veils Of Darkness" - Cacophonous Records 1995 - CD/LP
http://www.youtube.com/watch?v=aV3SPb57nSQ
http://www.youtube.com/watch?v=ZfLMFf01WDI
Die Härte der Riffs nimmt zu, Bathory-Einflüsse aus der "Under The Sign"-Phase kommen hinzu. Bei Vinterriket hilft Garm von Ulver mit. Die Melodien bohren sich so tief ins Hirn... wahnhaft, wahnsinnig, rasend.

"Malice - Our Third Spell" - Cacophonous Records 1996 - CD/LP
http://www.youtube.com/watch?v=ixTO0hducDE
http://www.youtube.com/watch?v=Sg7RJWUiwZg
Das Keyboard wird weiter reduziert, die Stimmung wird schwerer, getragener, die Heaviness nimmt zu, das Klangbild ist weniger klirrend, wuchtiger und zermalmender. Durch das Purgatorium gen Gehenna. Wahnwitzige Schreie, Sear Bliss Majestät, Sighsche Verschrobenheit, kranker Wahn.


"Deadlights" - Moonfog 1998 - MCD
"Adimiron Black" - Moonfog 1998 - CD
http://www.youtube.com/watch?v=dhdashejPWU
http://www.youtube.com/watch?v=8FsG9TO4SMM
Der Wechsel zu Moonfog bringt eine Verschiebung im Klangbild und in der Stilistik. Gehenna wird wieder straighter, nochmals härter und wuchtiger, die Nähe zum Death Metal wächst mehr und mehr, doch die Schwärze bleibt erhalten. Wie bei Darkthrone und Satyricon lugt hier und da auch ein rockiger Drive durch, doch ein militaristischer, marschierender, kalter und gnadenloser Drive. Gehenna bleibt völlig eigenständig und beinhart. Ein großartiges Album, das wegen des Artworks im Roch Streng "ein bisschen Boykottaufruf" nach sich zog.

"Murder" - Moonfog 2000 - CD
http://www.youtube.com/watch?v=QRh7oKZ0RCA
http://www.youtube.com/watch?v=6WSPhSofqD4
Das Album, das aus der Art schlägt. Hier meinten die Norweger wohl kurzfristig, dem Black Metal vollends den Rücken kehren zu müssen. Das Ergebnis war prügelharter, leidlich technischer, relativ kakophonischer und verrauscht produzierter Death / Thrash Metal, dessen gurgeliger Gesang jedes Charisma der früheren Werke verloren hatte. Für das nun gewählte Genre ein vielleicht ordentliches Werk, aber weit entfernt von der Qualität der wahren Meister dieses Fachs, und als Gehenna-Album eine arge Geduldsprobe.

"WW" - Moonfog 2005 - CD
http://www.youtube.com/watch?v=2ESnrdA8NEA
http://www.youtube.com/watch?v=z0ly8kHSII4
Die erste lange Pause der Bandgeschichte war wohl zur Reorientierung nötig, und so führt uns das Comeback in etwa zurück zum Stil der "Adimiron Black", der wohl als der nun gefundene Stil der Band gelten dürfte. Militärisch anmutender, kalter, marschierender Black Metal, wuchtig, Trommelfeuer, Flakgeschütze, Stukas... Ein solides Werk, das rundum zu gefallen weiß, "Murder" komplett zerbröckeln lässt, das aber dennoch nicht ganz an die Alben 1-4 heran kommt.
Daher als Fazit:
Eine tolle, rundum eigenständige Band, die eine spannende Entwicklung hingelegt hat, und deren erste vier Alben absolute Essentialia des Norwegerstahls sind. Wer es archaisch und kultig mag, greift zu den Spells 1 und 2, wer es wuchtig und finster mag, der ist bei den Werken 3 und 4 perfekt aufgehoben. Wer die letzte Phase verlängert haben möchte, der greift zu Nummer 6, und wer dann immer noch nicht genug hat, der besichtigt auch noch kurz die Sackgasse bei Album Nummer 5.
Danke für die Aufmerksamkeit!



