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von Jesus » Freitag 20. September 2013, 17:23
Martin van der Laan hat geschrieben:Das passt wohl am besten in diesen Thread... Kennt jemand die russische Band ELDERWIND und hat eine Meinung zu der?? Ich habe deren Album "The Magic Of Nature" gehört und war recht angetan. Kann das Gehörte aber nicht so richtig einordnen, weil ich mich in dem Genre nicht so gut auskenne.
Ja, kenn ick. So ganz typischer Öko-BM, der wohl gerne KRODA wäre. Ist eher dritte Liga wie LUSTRE und ISKON. Martin van der Laan hat geschrieben:Mein Eindruck war: Wer die ruhigen Momente auf BURZUM-Platten mag, könnte ELDERWIND toll finden.
Naja, so gut ist es dann doch nicht. Man kann über den Count sagen, was man will, aber er war durchaus mal ein begabter Komponist.
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Jesus
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von Martin van der Laan » Samstag 21. September 2013, 14:46
Öko-BM... soso. Jedenfalls schon mal Danke! für die Einordnung. Habe mir vorgenommen mich hier mal ein bisschen "fortzubilden". Ich mag FOREST OF STARS, TODTGELICHTER, VED BUENS ENDE, NEGURA BUNGET und FLEURITY etc. sehr gern... mit LANTLOS und SPECTRAL LORE z.B. kann ich hingegen nicht viel bis gar nichts anfangen. Schade, dass das Thema hier so abgedriftet ist - ich hatte mir mehr tiefere Einsichten versprochen, gerade weil mein Interesse an diesem Stil z.Zt. recht groß ist. Stattdessen habe ich mich hier die ganze Zeit gefragt, wie jemand auf die bekloppte Idee kommen kann, dass man die Weiterentwicklungen und Reifungen eines Genres nur dann großartig finden darf, wenn man auch das räudige Gerumpel der Anfangstage entsprechend würdigt...
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von Rüdiger Stehle » Samstag 21. September 2013, 16:59
Man kann und darf alles gut finden, aber es ist halt mitunter für die Leute aus der Ursuppe des BM relativ schwierig nachzuvollziehen, worauf es Leuten genau ankommt, die quasi Quereinsteiger in die Avantgarde des BM sind. Ich mag den Avantgarde-BM ja teilweise auch, aber eben weil ich seinen Werdegang von Anfang an verfolgt habe und mit den jeweiligen Bands mitgewachsen bin (MAYHEM, DHG, BURZUM, VED BUENS ENDE, FLEURETY, SATYRICON, EMPEROR usw...). Da fehlt mir dann im Zweifel die Perspektive, welche dir und deiner Sichtweise tiefere Einblicke verschaffen könnte.
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von Martin van der Laan » Samstag 21. September 2013, 21:15
Ist das so schwer zu verstehen? Komisch... mir war und ist der urtümliche BM (meistens) zu eindimensional und zu extrem. Das siehst du ganz anders, das weiß ich, aber ich kann's nicht nachvollziehen, vermutlich weil die entsprechende emotionale Frequenz bei mir nicht freigeschaltet ist, keine Ahnung. Wenn man jetzt nicht darauf besteht, dass VENOM, POSSESSED und letztlich MERCYFUL FATE den Black Metal erfunden haben, dann kann ich durchaus behaupten, ich habe die Bewegung auch ziemlich von Anfang an verfolgt, konnte mich aber nie so recht darin zurecht finden (wiederum bestätigen eine Ausnahmen die Regel). Das gab es so manches, das klang wirklich wie zwei Kater im Kampf auf Leben und Tod ineinander verkeilt und im Hintergrund surrte ein Staubsauger. Wenn sich aber das aus meiner Sicht Spannende und Schöne an der Idee Black Metal wieder der Musikalität öffnet und sich vom Lärm distanziert, dann bin ich wieder dabei. So einfach ist das.
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von Nils Macher » Samstag 21. September 2013, 21:22
"Schön" ist wohl eines der am seltensten zugesprochenen Attribute, wenn es um Black Metal geht. Kannst du das weiter ausführen?
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von the seeker » Samstag 21. September 2013, 21:43
ich find bm auch schön 
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von Rüdiger Stehle » Samstag 21. September 2013, 22:47
Natürlich ist Black Metal schön. Eine der schönsten und reinsten Kunstformen, die ich mir vorstellen kann. Für mich ist Black Metal fast immer schön im Sinne von ästhetisch, wie ein "danse macabre" oder ein Gruselmärchen, einfach schaurig schön. Sowohl in der archaischen Form, als auch in der avantgardistischen Form. Klar, es gibt Ausnahmen, aber ich meine die stilistischen Grundlagen, die mich ansprechen und berühren. Auch bei ELDERWIND finde ich eine sehr angenehme Ästhetik, schöne Klangfarben... Martin van der Laan hat geschrieben:Ist das so schwer zu verstehen? Komisch... mir war und ist der urtümliche BM (meistens) zu eindimensional und zu extrem. Das siehst du ganz anders, das weiß ich, aber ich kann's nicht nachvollziehen, vermutlich weil die entsprechende emotionale Frequenz bei mir nicht freigeschaltet ist, keine Ahnung.
Nein, es ist nicht schwer zu verstehen, dass du diese Art von BM lieber magst, und auch nicht warum du sie lieber magst. Aber es ist unheimlich schwer, heraus zu finden, was genau der Punkt ist, der erreicht sein muss, um für dich BM zugänglich zu machen. Das ist für mich der Grund, warum ich nicht weiß, ob ich dir in diesem Thread zu irgendwelchen neuen oder tieferen Einsichten verhelfen kann, was ich sehr gerne tun würde, obwohl ich im Post-Black-Metal sehr wenig Einblick habe, weil es für mich ja beim atmosphärischen BM genau umgekehrt wie bei dir ist, denn bei mir ist es das BM-Element, das mir mitunter den Zugang zu diesen postrockigen, shoegazigen Klanglandschaften ermöglicht, die ich ohne Keiftierchen, pechschwarze Ästhetik und Nebelschwaden aus dem Bergwald wohl nie aufnehmen würde. Wenn man jetzt nicht darauf besteht, dass VENOM, POSSESSED und letztlich MERCYFUL FATE den Black Metal erfunden haben, dann kann ich durchaus behaupten, ich habe die Bewegung auch ziemlich von Anfang an verfolgt, konnte mich aber nie so recht darin zurecht finden (wiederum bestätigen eine Ausnahmen die Regel). Das gab es so manches, das klang wirklich wie zwei Kater im Kampf auf Leben und Tod ineinander verkeilt und im Hintergrund surrte ein Staubsauger. Wenn sich aber das aus meiner Sicht Spannende und Schöne an der Idee Black Metal wieder der Musikalität öffnet und sich vom Lärm distanziert, dann bin ich wieder dabei. So einfach ist das.
Das habe ich schon verstanden, aber in diese Sichtweise hinein zu finden, um vielleicht ergründen zu können, was man dir weiter empfehlen könnte, das ist das Schwierige. Wenn du jetzt z.B. bei ELDERWIND den Vergleich zu BURZUM ziehst, dann drängt der sich mir mal so überhaupt nicht auf, weil ELDERWIND zwar das Naturmystische und das Mantrische hat, aber das Wahnhafte, das Verzweifelte, den schonungslosen, abgrundtiefen Seelenstriptease nicht bietet, der BURZUM ist oder zumindest lange Zeit war. Nicht falsch verstehen, damit will ich nicht sagen, dass der Vergleich generell oder objektiv unpassend ist, sondern nur illustrieren, wie verschieden wir in diesem Stilbereich zu ticken scheinen. Warum ich das geschrieben habe? Nun, weil ich den Eindruck hatte, dass du dabei warst, den Thread so langsam als für dich gescheitert zu betrachten, weil etwas seltsames Feedback kam. Es wäre schade, wenn der Thread scheitern würde, weil wir in BM-Dingen so unterschiedlich ticken. Das wollt ich sagen. 
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von Martin van der Laan » Sonntag 22. September 2013, 11:34
Nils Macher hat geschrieben:"Schön" ist wohl eines der am seltensten zugesprochenen Attribute, wenn es um Black Metal geht. Kannst du das weiter ausführen?
Rüdigers erster Absatz enthält vieles, was ich dazu ausführen könnte... Ich interessiere mich für die menschliche Natur, die menschliche Seele - und zwar in allen Facetten, auch für solche die die Mehrheit der Bevölkerung lieber ignoriert oder wegdiskutiert. Black Metal kann potentiell einen bestimmten Teil dieser Natur hervorragend ausdrücken. Und zwar einen so wichtigen und zentralen und offenbar furchteinflößenden, dass die Christenheit es für untragbar hielt, diesen Teile der Seele auf dasselbe höhere Wesen zu projezieren wie alles andere und dafür extra ein den Teufel erfunden hat. Muss also spannend sein. Ich weiß nicht, ob ich es jemandem wünschen soll zu erfahren, aber im Schmerz und in der Verzweifelung, in der inneren Auflehnung gegen die ganze Welt steckt etwas sehr Reines, Erhabenes und Schönes. Letztlich hat mir die Erkenntnis dieser Schönheit, dieser Ästhetik des Schmerzes, sehr geholfen solche Emotionen nicht nur zu ertragen, sondern sie zu akzeptieren als Teil von mir. Es gibt nur wenige Künstler die diese Untiefen der Seelen wirklich nachfühlbar auszudrücken vermögen. Die meisten davon sind wohl Maler und Zeichner. In der Musik gelang das wenigen, z.B. Sergei Prokofjew in seinem Violinkonzert von 1917, da glaubt man den Schmerz förmlich im Raum stehen zu sehen. Ich habe es z.B. auch auf dem "Redefining Darkness"-Album von SHINING gehört. Früher übrigens auch bei SATYRICON, das aktuelle Werk in meilenweit davon entfernt... Black Metal sucht im allgemeinen aber den sehr direkten Weg zum Ziel, manchmal erfolgreich, oft vergeblich. Es gibt sehr faszinierende Musik in diesem Genre (in seiner erweiterten Definition), z.B. von BURZUM oder von den bereits angesprochenen VED BUENS ENDE oder NEGURA BUNGET. Und das hat bei mir nichts damit zu tun, ob irgendwelche oberflächlichen Schlüsselreize bedient werden oder nicht. Ich suche nach diesem Kammerton der Traurigkeit und des Schmerzes. Und den erreicht man weder, indem man überwiegend cineastisch geprägte Klischees bedient (läuft dann oft unter Dark Metal), noch indem man besonders authentisch nach dem wilden Kratzen einer Gabel in einem Aluminiumtopf zu klingen versucht, und auch nicht, indem man als Marionette an den Schnüren des christliche Glaubens den vorgegebenen Satans-Part übernimmt (Mephistopheles ist und bleibt ein Würstchen!). Aber, und jetzt kommen wir endlich zu des Pudels Kern, genau aufgrund dieses speziellen Zugangsweges erschließe ich mir Black Metal (in seiner erweiterten Definition) nicht so sehr als Subgenre des Heavy Metal, sondern über die Philosophie. Somit sind mir die Verwandschaftverhältnisse der einzelnen Gitarrengriffe auch ziemlich egal. Leider scheitern BM-Musiker aber deutlich häufiger an ihrem selbst gewählten hohen Anspruch. Da muss man halt woanders suchen. Es gibt z.B. in der alten kreolischen Musik sehr schöne, intensive Stücke, die diesen angesprochenen Kammerton ganz wunderbar einfangen... aber das führt hier zu weit. Ich werde mich jetzt mal in die Küche begeben und meine Famiie bekochen! Gute Sonntagstradition bei uns!
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von Nils Macher » Montag 23. September 2013, 23:46
Ok, wenn ich das richtig verstehe ist dieser "Schönheitsbegriff" die seriöse Variante des Wortes "böse", das im Zusammenhang mit BM ja quasi immer irgendwie fällt. Ich kann zumindest deinen Zugang zur Musik sehr gut nachvollziehen. In dieser Hinsicht rangieren bei mir persönlich viele Komponisten der klassischen Musik über sehr sehr vielem, was unter U-Musik (also auch Metal) läuft.
Und ganz ehrlich: Musik, die die von dir genannten Ansprüche bedienen kann, ist äußerst rar gesät. Im Black Metal gelingt das den Klassikern der zweiten Welle und vielleicht noch einer Hand voll Alben danach. Denn eine extreme Kunstform erzeugt nur solange die Aura des Bösen, wie sie das auf eine noch nicht da gewesene Form tut.
In meinen Anfangsjahren der harten Musik fand ich die von dir genannte vertonte Traurigkeit zum Beispiel auf den früheren LACRIMOSA-Werken, selbst auf den orchestralen Werken gelingt das stellenweise noch.
Für mich übrigens die absolute Referenz in Sachen Schmerz: Sibelius' "Finlandia". Mag daher rühren, dass ich dazu eine sehr emotionale Verbundenheit und viele Erlebnisse im Kopf habe, aber wenn ich ein Stück Musik für "Elegie" angeben müsste, wäre es dieses.
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von Martin van der Laan » Dienstag 24. September 2013, 00:04
Nils Macher hat geschrieben:Für mich übrigens die absolute Referenz in Sachen Schmerz: Sibelius' "Finlandia". Mag daher rühren, dass ich dazu eine sehr emotionale Verbundenheit und viele Erlebnisse im Kopf habe, aber wenn ich ein Stück Musik für "Elegie" angeben müsste, wäre es dieses.
Das ist interessant!! Wobei ich bei 'Finlandia' eigentlich eine eher erhabene, feierliche Traurigkeit wahrnehme. Das Donnergrollen der Celli am Ende des ersten Drittels geht schon unter die Haut. Der Choralteil am Ende ist wunderschön... Wie stehst du denn zum 'Requiem' von Gabriel Faure? Aber wir schweifen schon wieder ab!
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