Das tut's! Gerade im Vergleich der Alben untereinander kann man aus den Texten viel mitnehmen.
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DeathRe: DeathWas die "Leprosy" für mich ausmacht, ist, dass sie wirklich das ultimative Death-Metal-Fundament legt und vorweg nimmt, wofür Death Metal in den kommenden zehn Jahren stehen sollte. Wie du sagst, war die "Scream Bloody Gore" in gewisser Weise schon noch ein Thrash-Album, das gewisse Facetten des brutalen Thrash Metals besonders betont und ausarbeitet. Mit "Leprosy" geht Chuck ein gutes Stück weit neue und eigene Wege, entfernt sich aus der Thrash-Metal-Heimat, indem er unter anderem im eröffnenden Titelstück und noch mehr im folgenden "Born Dead" sehr schön das definiert, was für mich der klassische Death-Metal-Panzerketten-Sound ist, der für Truppen wie Morgoth, Bolt Thrower, Obituary oder auch God Dethroned definierend wurde. Eine finstere, unbarmherzige und zerstörerische Dynamik, die keine Gefangenen macht. Auch der Gesang ist wegweisend: Höre dir John Tardy und Marc Grewe an, und du weißt, wer sie ein Stück weit beeinflusst hat, so zu singen. Ein ganz starkes Stück Stahl, das ultimativ definierend für ein ganzes Genre war.
alias Hugin der Rabe.
Ravnen fra steinfjellet. Háv. 38
Re: DeathWas mich noch interessiert: Du sprichst davon, dass Chuck Einflussgeber war, aber gerade im Zusammenhang mit "Leprosy" auch Verarbeiter von neuen Einflüssen. Kannst du festmachen, welche Einflüsse (neben der eigenen Kreativität) dazu geführt haben könnten, sich von "Scream Bloody Gore" zu "Leprosy" weiter zu entwickeln?
alias Hugin der Rabe.
Ravnen fra steinfjellet. Háv. 38
Re: DeathWitzige Sache, genau dieselbe Frage hab ich mir nämlich auch gestellt
Also zuerst hab ich halt so geschrieben, dass er viele beeinflusst hat und dass er da selber auch beeinflusst geworden ist, war für mich irgendwie klar, weil, naja, jeder wird beeinflusst. Aber dann hab ich auch gezögert und überlegt, wer denn da gewesen sein könnte. Irgendein großartiges Beispiel is mir aber nicht eingefallen, deswegen hab ichs einfach so stehen gelassen und jetzt holt mich diese Nachlässigkeit ein... Als Spätgeborener hab ich da ein wenig das Problem, dass ich nicht wirklich einschätzen kann wie groß manche Bands wirklich waren und noch weniger was in den USA groß war. Ansonsten würd ich auf jeden Fall Sepultura als großen Einfluss sehen. Ihre jeweiligen Debüts waren ja noch relativ ähnlicher, mit den Zweitlingswerken gingen sie aber beide viel gereifter und überlegter an die Sache heran. Auch wenn sich natürlich die Death-Wurzeln auf der Schizophrenia nur mehr andeuten und sie sich damit eindeutig zum Thrash Metal entwickelt haben und Death die genau entgegengesetzte Richtung genommen haben, würd ich vermuten, dass das ein Einfluss gewesen sein könnte. Zu den Einflüssen die nicht dem Death Metal zugerechnet werden, also Sachen wie Kreator, Venom, Sodom oder so, kann ich nichts sagen, weil ichs viel zu wenig kenne. Vorstellbar wärs aber. Was auf jeden Fall einen gewissen Einfluss gehabt haben wird, sind sicher andere kleine Death Metal Bands. Aber das is natürlich schwierig nachzuvollziehen wieviel er da beispielsweise von irgendwelchen Demos vor den ersten regulären Alben mitbekommen hat oder von Konzerten oder Bands die es nie an die Oberfläche geschafft haben und unbekannt blieben. Nachdem Chuck aber viel in der Gegend rumgereist ist, wird er da sicher einiges an Konzerten, Demos, etc erlebt haben, an Namen festmachen könnt ichs nicht. Hättest du an bestimmte Bands gedacht?
Re: Death
Nein. Die Frage war nämlich nicht gedacht, um deine Argumentation zu testen, sondern ich habe echt gehofft, dass du mir da Anhaltspunkte liefern kannst, was neben dem Reifeprozess Chucks den Schritt auch von außen beeinflusst haben könnte. Die Bands hätten mich interessiert, wenn du da was im Auge gehabt hättest. Die ersten Demos von MORBID ANGEL waren schon raus, als "Leprosy" erschien. Aber die sind ja schon noch fünf Ecken räudiger als das, was Chuck damals machte. Andererseits kann ich mir auch gut vorstellen, dass Chuck ein Musiker war, der hinter den Soundbrei hören konnte und so auch in der Lage gewesen sein dürfte Inspirationen aus etwas zu ziehen, was an sich noch unterhalb seines Levels spielte. alias Hugin der Rabe.
Ravnen fra steinfjellet. Háv. 38
Re: DeathWollt eh nicht den Eindruck erwecken als hätt ichs als Testfrage verstanden und hab auch noch versucht gegenzusteuern weil ich gemerkt habe, dass sich das jetzt anhören könnte
Hab auch die MA rauf- und runtergeklickt, Atheist hätten auch schon ein Demo draußen gehabt, das kenn ich zwar genauso wenig aber da könnt ich mir auf jeden Fall vorstellen, dass das musikalisch schon ein gewisses Einflusspotential gehabt haben könnte. Aber wie gesagt, da bleibt halt dann immer die Frage wie sehr er das mitbekommen hat. Ich kann mich da einfach überhaupt nicht reinversetzen... ![]()
Re: DeathWeiter gehts mit dem dritten Album (welches von vielen ja oft als das entscheidende für die Karriere einer Band angesehen wird) namens Spiritual Healing:
Konnte man bei der Leprosy davon sprechen, dass die Thrash-Einflüsse gegenüber der Scream Bloody Gore viel geringer wurden, der Gesang tiefer und die Arrangements durchdachter so könnte man sich die Sache hier einfach machen und einfach sagen, dass das alles noch verstärkt wurde. Was ja auch stimmt, es ist von Anfang an reiner Death Metal, der Gesang klingt richtig, richtig fett und aggressiv und die Songs sind alle so angelegt, dass sie keine Sekunde zu lang dauern, aber alle Teile genug Zeit bekommen um wirken und ihren Beitrag zum Song leisten können. Die Instrumente spielen füreinander und nicht einfach nur zufällig zur selben Zeit. Und wenn man auch noch nicht sagen könnte, dass Spiritual Healing technisch wäre, so merkt man doch schon deutlich die Weiterentwicklung die auf der spielerischen Ebene innerhalb der zwei Jahre nach Leprosy passierte. Vielleicht ist es ja auch gerade diese noch vorherrschende Rohheit die dieses Album als Bindeglied zwischen Leprosy und Human so besonders macht. Denn auch wenn die Klasse und Einzigartigkeit einer Human völlig unbestritten ist, so ist sie trotzdem technisch und diese Mischung aus progressiv und technisch haben (wenn auch natürlich mit einer komplett anderen Herangehensweise) z.B. Atheist zur etwa selben Zeit auch gemacht. Aber diese Mischung aus rohem, wütendem Old School Death Metal und melodischen Riffs und Soli kenne ich in der Form jetzt nur auf Spiritual Healing. Somit ist sie wahrscheinlich auch die perfekte Scheibe für all jene denen entweder das frühere Material zu ungestüm oder das spätere zu technisch oder gar verkopft ist. Ich für meinen Teil habe jedenfalls auf Spiritual Healing das erste Mal in der Geschichte von DEATH vollkommen das Gefühl, dass die Band/Chuck genau unter Kontrolle hat was passiert und warum. Man könnte nie den Eindruck bekommen, dass sie von ihren eigenen Ideen überholt werden und manches ein wenig zu schnell passiert. Jeder Song fließt in sich dahin, die Riffs führen ineinander als wären sie in einem Guss erschaffen worden und das Schlagzeug macht schon einige richtig coole Sachen an vermeintlich einfachen Rhythmen oder Fills die beinahe untergehen könnten weil sie einfach derartig logisch klingen. Ein Wort muss ich noch zu den Soli loswerden, denn die würden sich auch auf einer Symbolic nicht so schlecht machen würden, ganz großes Kino! Was dieser Chuck an musikalischem Instinkt und Gefühl für gute Melodien hatte würde für eine ganze Armee an Gitarristen reichen! Sehr gutes Album, wärmstens empfohlen!
Re: Death
Das Review kannst du mit oder ohne Note machen. Wenn du eine Note geben willst, dann hänge sie einfach unten an den Text an. Zum Beispiel "Note: 10/10". Ein extra Notenfeld zum Ausfüllen gibt es bei den Leserreviews nicht. Dafür gibt es ja die Sternchenwertung für Leser oben bei den Kopfdaten des Reviews. alias Hugin der Rabe.
Ravnen fra steinfjellet. Háv. 38
Re: DeathOkay, ich hör mich gerade durch die Human und da fällts mir schon schwer noch halbwegs sachlich zu bleiben und nicht einfach nur in seitenlanges Schwärmen auszubrechen. Aber ich versuchs halbwegs nüchtern:
Ein weiterer kompletter Austausch der Mannschaft führt von Spiritual Healing, welches schon einen gewaltigen Fortschritt darstellte innerhalb eines Jahres zum vorläufigen (und für jede andere Band auch auf ewig unerreichbaren) Höhepunkt des Schaffens: Human Schon beim Opener Flattening Of Emotions merkt man, dass sich einiges getan hat. Das Potential, das man Chuck in seinem Schaffen immer schon und mit der Zeit immer deutlicher anmerkte wird durch seine Mitstreiter zum ersten Mal zur Gänze ausgeschöpft: Sean Reinert (Drums) und Paul Masvidal (Gitarre) von CYNIC und dazu noch Bass-Mastermind Steve DiGiorgio, ein Line-Up das vielversprechend klingt und jedes Versprechen hält. Der erwähnte Opener besticht durch sehr wütende und gleichzeitig (so absurd das auch klingen mag) irgendwie melancholische Vocals und das in einer eigentlich recht einfach gehaltenen Songstruktur, die aber dennoch durch geschickte Breaks zersetzt, dabei aber nie unterbrochen wird. Allein der Song zertrümmert alles was sich ihm in den Weg stellt, aber dazu kommen noch sieben weitere vom selben Kaliber! Auf dieser Human ist es dann auch soweit, dass man wirklich davon sprechen kann, dass DEATH jetzt technischen Death Metal spielen. Das Schlagzeug ist einfach ein Festmahl für sich genommen. Jeder der CYNIC kennt, weiß eh was dieser Mann kann, wer ihn nicht kennt, sollte das mit diesem und dem ersten Album von CYNIC schnellstmöglich ändern! Er weiß einfach ganz genau was er wann zu tun hat, so drischt er beispielsweise bei Flattening Of Emotions die Viertelnoten mit einer beängstigenden Eindringlichkeit in die Felle nur um im nächsten Moment mit geschickten und geradezu melodischen Fills vom Gas zu gehen und seinen drei begnadeten Kollegen den Platz an der Sonne zu überlassen. Die Riffs sind da genauso. In der einen Sekunde schnell und richtig böse, dabei aber selbstverständlich nie billig sondern immer mit diesem gewissen Etwas und in der nächsten ein Break und eine Melodie, das es einem eine Gänsehaut aufzieht. Diese Melodien sind auch die große Stärke nicht nur dieses Albums sondern des gesamten Schaffens von Chuck Schuldiner, er konnte es einfach wie kein anderer Death Metal Riffs zu schreiben die Melodien in sich versteckten um bei jedem Hören neu entdeckt zu werden. Und in den Soli dann kommt diese melodische Herangehensweise natürlich noch deutlicher zum Vorschein. Egal wie schnell und technisch sie auch klingen mögen, sie sind dabei immer so melodisch und emotional, dass einem warm ums Herz wird, ganz große Klasse! Eine weitere, bedeutende Komponente die dieses Album so groß macht, habe ich bis jetzt nur kurz erwähnt: Steve DiGiorgio. Der Mann ist einfach ein Meister seines Fachs. Egal ob er die Riffs einfach nur unterstützt oder was eigenes spielt (wobei man oft das Gefühl hat, der Rest der Band würde sich fast schon an ihm ausrichten) man hört den Bass immer schön heraus und kann jede Note nachvollziehen. Er spielt nicht um zu zeigen was er kann, er spielt um zu zeigen, was die Musik kann! Hört euch alleine den Anfang des grandiosen Lack Of Comprehension an, ruhig, fast jazzig, sehr entspannt und plötzlich gehts los mit einer Intensität und einer Wucht die einen auf den Boden wirft und nach mehr flehen lässt. Oder nehmt das übermächtige Instrumental, Cosmic Sea, und den "Neubeginn" in der Mitte des Songs. Cooler kann man doch gar nicht Bass spielen, oder? Aber bevor ich jetzt Seiten mit Superlativen zu diesem erhebenden, melancholischen, hoffnungsvollen und todtraurigen Cosmic Sea fülle (und das könnte ich, jeder der's je gehört hat könnte das!) beende ich meine Ausführungen mit einem einfachen Dank an DEATH, dass ich zu diesem erschreckend geringen Anteil der Menschheit gehören darf, die Human gehört haben. Ihr solltet auch dazugehören!
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