Um mal auf die
Gruppentherapie einzugehen:
Die bereitet mir nämlich zu ziemlich großen Teilen Kopfschmerzen. Was da wieder für Aussagen getätigt werden. Aua, aua, aua!
Ich gehe das mal kurz durch:
Die Aussage, dass „Sodom“ für einen selbst nicht funktioniert ist völlig legitim und bis dahin kann man das als Fan der Band schon verstehen. Was da aber im nächsten Absatz vom Stapel gelassen wird, lässt mich, wie Rüdiger das beschrieben hat, zusammenzucken.
Das „Sodom“ in den letzten 30 Jahren ihren Sound immer mal wieder in andere Richtungen gelenkt haben, dürfte auffallen, wenn man die Band verfolgt. Da man aber bekanntlich mit der Band nichts anfangen kann, frage ich mich schon, wie man zu so einer Aussage kommt? „Get What You Deserve“, „Better Off Dead“, „'Til Death Do Us Unite“…klingelts?
Und was daran ein Schmäh sein soll, muss man mir mal erklären. Melodien gibt es auf dem neuen Album zuhauf. Nicht so offensichtlich wie auf den letzten Alben. Aber es gibt sie. Gerade in „Euthanasia“ nach der ersten Strophe. Oder man nimmt „Occult Perperator“ in den Strophen, „Glock 'N' Glory“ im Refrain.
Wie die Band hier teilweise agiert ist so abwechslungsreich wie auf keinem anderen Album der Band. Die punkigen Einschläge in „Indoctrination“ oder „Dehumanized“. „The Harpooner“ zum Beispiel, dass wie Rüdiger schon sagt das dommigste ist was die Band bis dato gemacht hat. Das Geballer am Anfang von „Nicht Mehr Mein Land“ das in den groovigen Part übergeht. Großartig!
Wie man also hier von wenig Abwechslung, ja gar von Schmäh schreiben kann, will mir echt nicht in die Birne. Ebenso die Band stehe seit 30 Jahren auf einer Stelle. Jetzt habe ich mich wiederholt.
Zu „Nicht Mehr Mein Land“. Über die Thematik richtig oder falsch lässt sich streiten. Aber warum, sobald eine Metal Band einen deutschen Text hinzufügt, immer die Assoziationen zu den anderen genannten Bands fällt will mir ebenfalls nicht reinlaufen. Weils ein deutscher Text ist? An der Musik kann es nicht liegen. Wenns tatsächlich nur an einem deutschen Text liegt, dann wäre mir das zu einfach. Aber ich habe auch kein bock Onkelz Texte und Sodom Texte gegenüberzustellen und aufzubröseln. Ich sehe da ehrlich gesagt wenig Gemeinsamkeiten.
Das „Sodom“ „Detruction“ und „Kreator“ unterlegen sind halte ich ebenfalls für ein Gerücht. Bloß weil die Band technischer Unterwegs sind heißt es doch nicht automatisch das deshalb die Qualität drunter leidet. Für mich zählt hier absolut die Authentizität, bei der Sodom den anderen Bands ganz klar voraus ist. Songs von vor allem „Kreator“ haben schon seit Jahren nicht mehr die Durschlagkraft eines jeden Sodom Songs. Da kann noch so technisch und filigran an der Gitarre rumgefiedelt werden. „Kreator“ versteifen sich seit Jahren auf die Refrains, alles drumherum scheint weniger wichtig zu sein und das hört man den Songs auch an.
Wie man sieht stehe ich hier so ziemlich auf der Seite von Rüdiger und kann hier eigentlich jeden Punkt unterschreiben.
Für mich ein erwartetes starkes Album. Der interne Wechsel hat gutgetan. Da hat der gute Tom einen richtigen Riecher gehabt und mir ein zusätzlich positives und gutes Gefühl gegeben. Ich war gegenteilig zu anderen Meinungen immer ganz entspannt und wollte einfach eine neue Platte haben. Was ich mir nämlich unter diesem Album erhofft habe, hat sich nämlich völlig bestätigt. Für mich war die letzte Besetzung mit Makka und Bernemann die schwächste aller Bandphasen und irgendwie merkte man das den Scheiben an. Auch wenn die letzte wieder dreckiger klang. Die Scheiben sind weit davon entfernt schlecht zu sein. Das Feeling das ich mit der neuen Scheibe hab ist da einfach nicht gegeben.
Das Album strotzt nur so vor Spielfreude. Yorck, der an dem Album stark beteiligt war, macht hier einen hervorragenden Job. Den Spirit der 80er wieder zu erwecken hat hier in der Attitüde und der Herangehensweise wunderbar funktioniert. Sodom besinnen sich auf ihre Stärken mit dem Blick auf die Vergangenheit, ohne aber auch nur das Gefühl zu haben, man mache das an ein Album fest. So nachdem Motto: „Lasst uns mal die „Obsessed By Cruelty“ wiederholen.“. Aber das Album darauf runterzubrechen wäre ziemlich unfair. Da hat „Genesis XIX“ doch um einiges mehr zu bieten. Wer nämlich denkt, dass das hier reines gerumpel ala „In The Sign Of Evil“ oder gar „Obsessed By Cruelty “, hat sich halt nun einmal sagenhaft geschnitten. Steht ja oben alles.
Ich erhöhe Rüdigers Note um einen halben Punkt und sagte:
9,5 mit Tendenz zur 10. Tatsächlich!!!