Megadeth

Re: Megadeth

Beitragvon Eike » Montag 2. Februar 2026, 00:46

Pillamyd hat geschrieben: Wer die Band kennt, weiß: MEGADETH war nie eine Gesangsband.
[...]
Teemu MÄNTYSAARI tut ihm leid, und er hofft, der gute Gitarrist findet bald eine Band mit einem „vernünftigen Sänger“. Er hebt es extra hervor – dabei übersieht er, dass Mustaines Stimme das Wesen der Band prägt und Teemu trotzdem glänzt.
Dazu fällt mir irgendwie kein sinnvoller Zusammenhang ein...
Music is the only religion that delivers the goods.
(Frank Zappa * 21.12.1940 - 4.12.1993)
Benutzeravatar
Eike
Metaller mit zu viel Zeit
 
Beiträge: 24502
Registriert: Montag 1. März 2010, 16:30

Re: Megadeth

Beitragvon Eike » Montag 2. Februar 2026, 00:48

Pillamyd hat geschrieben:Und jetzt zurück zum Bonustrack „Ride the Lightning“. Unnötig? Für mich nicht. Ich sehe den Song emotional und historisch, nicht einfach als Cover. Mustaine erzählt, dass sich damit ein Kreis schließt – und das nehme ich ihm ab.
Fair.
Music is the only religion that delivers the goods.
(Frank Zappa * 21.12.1940 - 4.12.1993)
Benutzeravatar
Eike
Metaller mit zu viel Zeit
 
Beiträge: 24502
Registriert: Montag 1. März 2010, 16:30

Re: Megadeth

Beitragvon Pillamyd » Montag 2. Februar 2026, 01:02

Chris Schantzen hat geschrieben:Heyho, ich mische mich hier auch mal ein – primär weil ich grad eh nichts besseres zu tun hab. :D

Vorweg sei erstmal gesagt, dass ich mich Rüdigers Worten komplett anschließe – was den Zweck der Gruppentherapien betrifft, nicht unbedingt der Bewertung des Albums. ;)
Und so find ich es super, wenn eine GT dann zu einer Diskussion und tieferen Auseinandersetzung mit einem Album führt. Und wenn dann die Meinung von Kolleg*innen oder mir einen Diskurs anstößt, ist das ja umso besser.
Gleichzeitig finde ich es dann aber auch wichtig, bei so einer Diskussion bei den Fakten zu bleiben, denn der Kollege hat z.B. nicht gesagt, dass er nur 2 Alben von Megadeth kennt, sondern besitzt. Genauso wird nicht das Album als „Vollkatastrophe“ bezeichnet, sondern Mustaines Gesang. Beides, meiner Meinung nach, durchaus nicht unwichtige Entscheidungen.

Wo ich euch aber ganz energisch widersprechen möchte, sind die Aussagen, dass Mustaines Gesang keine Abwertung rechtfertigt, weil Megadeth nunmal keine Gesangsband ist, und, dass „wenn man eine Band doof findet und auch keine Ahnung von der Band hat“, sich am besten gar nicht erst an einer GT beteiligt.

Denn eine GT ist ja nicht nur für die Leser*innen da, die die entsprechende Band eh bereits in- und auswendig kennen, sondern auch für Neuentdecker*innen und Ersthörer*innen.
Wenn jetzt jemand daher kommt und mit Megadeth bisher noch keine großen Berührungen hatte, dieser Person aber der Gesang bei einer Band durchaus wichtig ist, ist es absolut relevant, auch mal anzusprechen, dass dieser nunmal nicht das Gelbe vom Ei ist. Und da Megadeth keinen „Warning: contains bad vocals“-Sticker auf die CD klebt, ist es doch super, dass das mal angesprochen wird.
Klar, für langjährige Megadeth-Fans ist das bestenfalls irrelevant und schlimmstenfalls nervig – aber nicht jede*r ist langjähriger Megadeth-Fan.

Und weiterhin bin ich auch absolut der Meinung, dass man sich eine Meinung zu einem Album bilden und diese auch äußern(!) darf, wenn man die Band nicht so pralle findet, oder überhaupt nicht kennt. Genau dafür sollten GTs ja da sein;
„was sagt denn die Person, die eigentlich ne andere Musikrichtung bevorzugt, zu diesem Album?“
„Person X mochte die letzten Alben nicht, hat dieses ihre Meinung geändert?“
„was sagt denn Metalcorehörer*in Y zu diesem 40 Jahre alten Juwel, welches in der Ecke verstaubt? gibt es einen Zugang zu dieser Musik?“

Klar, dies führt wahrscheinlich öfters mal zu einem Verriss (welcher i.d.R. dann durch die anderen Meinungen ausgeglichen wird), manchmal aber auch zu einer überraschenden Erkenntnis, dass jemand unerwarteter Weise ein Album doch ganz dufte findet. Ich hätte z.B. nicht gedacht, dass ich Heir Apparent gar nicht mal so schlecht finden würde...

Genau diese Aspekte machen eine GT doch erst für Schreiberlinge und Leser*innen interessant, oder? Ich behaupte zumindest mal, dass es uns allen ziemlich schnell langweilig werden würde, wenn sich nur noch Personen zu Alben äußern würden, die auf jeden Fall mindestens 9 Punkte vergeben würden.


Chris Schantzen hat geschrieben:Und ob man den Zugang zu einer Band via J.B.O., Weird Al oder Bravo Hits gefunden hat, ist doch komplett irrelevant, oder?
Ich behaupte mal, dass die wenigsten von uns bereits im Kinderbett nur mit der Crème de la Crème des Metals beschallt wurden ^^


Danke für die Rückmeldung und die Einordnung. Zwei Dinge vorab: Ja, korrekt – der Begriff „Vollkatastrophe“ bezog sich auf den Gesang, nicht explizit auf das gesamte Album. Das habe ich im Eifer des Gefechts zugespitzt, nehme die Klarstellung aber so mit.

Worum es mir allerdings von Anfang an nicht ging – und was hier mehrfach vermischt wird – ist die Frage, ob man den Gesang kritisieren darf oder ob sich auch Nicht-Fans an solchen Artikeln beteiligen sollten. Beides halte ich für völlig legitim und wichtig. Genau davon lebt dieses Format.

Mein Kritikpunkt war ein anderer: Ton, Gewichtung und Argumentationsführung. Wenn sich ein Text fast ausschließlich am Gesang und an teils schiefen, erzwungenen Vergleichen abarbeitet, während das Album selbst – Songwriting, Struktur, Details – kaum stattfindet, wirkt das auf mich weniger wie eine Einordnung für Ersthörer, sondern eher wie eine persönliche Abrechnung.

Auch der Verweis auf JBO oder WEIRD AL ging an meinem Punkt vorbei. Es ging mir nie darum, woher jemand seinen Zugang gefunden hat, sondern darum, wie bewusst man diesen Zugang im eigenen Urteil berücksichtigt. Ein sehr indirekter oder parodistischer Einstieg ist kein Problem – er sollte nur mitgedacht werden, besonders wenn man zu sehr harten Urteilen greift. Das ist keine Abwertung, sondern Einordnung.

Natürlich ist es sinnvoll, Neueinsteiger darauf hinzuweisen, dass Mustaines Stimme polarisiert. Aber zwischen einer hilfreichen Einordnung und einem dauerhaften Draufhacken liegt ein klarer Unterschied – und genau dieser Unterschied wurde hier für meinen Geschmack überschritten.

Was mich dabei zusätzlich gestört hat: Ein Teil der Kritik an meiner Position setzt an Aussagen an, die ich so weder getroffen habe noch treffen wollte. Hier hätte man genauer differenzieren können – einiges habe ich selbst bereits relativiert oder eingeräumt.

Vielfalt an Meinungen, Reibung und auch Verrisse machen solche Artikel spannend. Polemik ersetzt für mich aber keine Auseinandersetzung mit dem Album. Und genau deshalb haben andere Beiträge in diesem Artikel das für meinen Geschmack deutlich besser gelöst.
Benutzeravatar
Pillamyd
Metaller mit zu viel Zeit
 
Beiträge: 14149
Registriert: Freitag 19. Februar 2010, 22:44

Re: Megadeth

Beitragvon Pillamyd » Montag 2. Februar 2026, 01:11

Eike hat geschrieben:
Pillamyd hat geschrieben:Wenn von einem „unnötigen“ Cover des METALLICA-Songs die Rede ist und im gleichen Atemzug der Weg über JBO zu möglichem Interesse an der Band beschrieben wird, während er dann nur die Alben von 1992 und 1994 kennt – frage ich mich: „Was darf Satire?“ Das ist wie wenn ich sage, ich sei über WEIRD AL zu MICHAEL JACKSON gekommen – und jetzt bewerte „Thriller“.
Nö. 'Thriller' ist keine Coverversion. Es ist eher als bewerte man das ZODIAC MINDWARP-"Cover" von 'Feed My Frankenstein', das von ZODIAC MINDWARP geschrieben wurde, aber von ALICE COOPER zuerst veröffentlicht. Und dafür ist egal, ob man über eine covernde Dorfband zu ZODIAC MINDWARP gekommen ist oder über ALICE COOPER, oder über einen Metalsampler, oder weil man einen Artikel über den durchgeknallten Leadsänger gelesen hat und wissen wollte, wie dessen Band wohl klingt, oder ob man als Kind mit der Nichte des Produzenten zusammen "Mein kleines Pony" gespielt hat und dann irgendwann eine CD im Briefkasten oder in der Schultüte hatte. Es geht einfach nur um den Vergleich von zwei Einspielungen eines Songs.


Ich glaube, du liest meinen Vergleich zu wörtlich. Mir ging es nicht um eine exakte musikhistorische Analogie oder um die Definition von Coverversionen.

Der Vergleich war bewusst satirisch gemeint und zielte auf die Haltung hinter dem Urteil: sehr harte Abwertung bei gleichzeitig wenig reflektiertem Kontext.

Natürlich ist es egal, wie man zu einer Band kommt – mir ging es darum, wie man diesen Zugang im eigenen Urteil mitdenkt, besonders wenn man stark polemisiert.

Das ist eine Frage des Tons und der Argumentation, nicht der musikalischen Legitimation.
Benutzeravatar
Pillamyd
Metaller mit zu viel Zeit
 
Beiträge: 14149
Registriert: Freitag 19. Februar 2010, 22:44

Re: Megadeth

Beitragvon Pillamyd » Montag 2. Februar 2026, 01:33

Eike hat geschrieben:
Pillamyd hat geschrieben: Wer die Band kennt, weiß: MEGADETH war nie eine Gesangsband.
[...]
Teemu MÄNTYSAARI tut ihm leid, und er hofft, der gute Gitarrist findet bald eine Band mit einem „vernünftigen Sänger“. Er hebt es extra hervor – dabei übersieht er, dass Mustaines Stimme das Wesen der Band prägt und Teemu trotzdem glänzt.
Dazu fällt mir irgendwie kein sinnvoller Zusammenhang ein...



Ich sehe hier keinen Widerspruch. Wenn ich sage, „MEGADETH war nie eine Gesangsband“, meine ich: Der Fokus liegt auf Riffs, Spider-Chords, Songwriting, Rhythmik und dem typisch jazzigen Touch der frühen Alben – nicht auf schönem Gesang. Trotzdem ist Mustaines Stimme ein unverwechselbares Wiedererkennungsmerkmal und prägt den Charakter, die Attitüde, die grummelige Aggression der Band. Wer sich einen „vernünftigen Sänger“ wünscht, will damit im Grunde eine andere Band – das ist keine neutrale Kritik. Und damit das, was ich inhaltlich so unsäglich finde.
Benutzeravatar
Pillamyd
Metaller mit zu viel Zeit
 
Beiträge: 14149
Registriert: Freitag 19. Februar 2010, 22:44

Re: Megadeth

Beitragvon Stefan_Rosenthal » Montag 2. Februar 2026, 16:20

Hallo Pillamyd,

erstmal danke, dass du dir so viel Zeit nimmst auf einen Beitrag von mir im Rahmen der GT zu "Megadeth" zu reagieren. Wie meine Kollegen wissen, bin ich beileibe kein Forum-Nutzer, aber in diesem Fall möchte ich schon antworten und deinen Aufwand auch wertschätzen. Leider funktioniert bei mir das Antworten auf bestimmte Satzbausteine nicht so wirklich, so dass ich auf die einzelnen Punkte Bezug nehme und hoffe man kann mir folgen:

Wenn von einem „unnötigen“ Cover des METALLICA-Songs die Rede ist und im gleichen Atemzug der Weg über JBO zu möglichem Interesse an der Band beschrieben wird, während er dann nur die Alben von 1992 und 1994 kennt – frage ich mich: „Was darf Satire?“ Das ist wie wenn ich sage, ich sei über WEIRD AL zu MICHAEL JACKSON gekommen – und jetzt bewerte „Thriller.
Erstmal darf Satire meiner Meinung nach alles, wobei ich hier garkeinen bewussten satirischen Ansatz gewählt habe. Ich habe tatsächlich über ‚Symphonie der Verstopfung‘ MEGADETH kennengelernt. Wie meine Kollegen schon aufgezeigt haben, sollte aber der Weg wie man zu einer Band findet, aber kein Ausschlusskriterium für einen Kommentar sein. Unabhängig davon habe ich geschrieben, dass ich nur die Alben von 1992 und 1994 „besitze“. Du triffst daraus die Schlussfolgerung, dass ich die anderen nicht kenne. Das stimmt allerdings nicht. Bis auf "Super Collider" habe ich alle Alben auch schon mehrmals gehört.

Die Argumentationskette zur "Vollkatastrophe", wie er das neue Album nennt, sei der Gesang. Dave Mustaine könne keinen Zentimeter singen, und wie man dann eine 8-10/10 geben kann? Ja, „WTF?“. Klar, Mustaines Stimme ist polarisierend, das weiß jeder, sogar er selbst. Aber hier wird es albern. Wer die Band kennt, weiß: MEGADETH war nie eine Gesangsband. Der -1,5-Punkte-Abzug für den Gesang wirkt wie ein Symbol, um Polemik zu inszenieren. Dass er damit „noch gut bedient“ sei, wirkt einfach nur seltsam.
Wie ebenfalls schon erkannt ist das Album keine Vollkatastrophe, sondern nur der Gesang. Das ist punktetechnisch auch genauso berücksichtigt. Natürlich ist MEGADETH keine "Gesangsband" – aber was soll ich bitte machen, wenn Gesang für mich persönlich der wichtigste Faktor ist? Dann muss man für sich abwägen, wie sehr schränkt einen der Genuss der Platte dieser Aspekt ein. In unserer Wertungsskala müsste ich dann eigentlich 1.0-3.0 Punkte vergeben. Das wird der restlichen Darbietung aber nicht gerecht, so dass 5.5 Punkte schon das Maximum sind, was ich für mich vertreten kann. Immerhin noch kurz vor "ordentlichem Album", oder?

Wer nach 40 Jahren Bandgeschichte plötzlich den Gesang als KO-Kriterium entdeckt, bewertet nicht MEGADETH, sondern sein eigenes Unbehagen – und das Bewertungssystem scheint er selbst nicht zu verstehen. Interessant nur, dass derselbe Kritiker dann HEINZ RUDOLF KUNZE abfeiert. Wie funktioniert der eigentlich in seiner Musik? Ach, da war ja was.
Ja, ne. Jetzt interpretierst du etwas zu scharf. Ich entdecke nicht plötzlich den Gesang als KO-Kriterium, sondern würde den in ähnlicher Form auf nahezu allen Alben anmerken. Auch "Peace Sells…" ist aus diesem Grund kein Klassiker für mich. Wenn dieses Album trotz dem Gesang bei mir auf 8,0 Punkte kommt, dann werden doch die 5,5 bei "Megadeth" immer valider. Zum Bewertungssystem hab ich ja oben was geschrieben. Interessanter Vergleich mit HRK und ich denke in der Tat, dass Heinz der deutlich bessere Sänger ist. Das ich seine Musik aber insbesondere auf textlicher Ebene wesentlich stärker finde, ist auch kein Geheimnis.

Natürlich darf ein weiterer Namedropping-Versuch nicht fehlen: DREAM THEATER und James LaBrie. Ein Vergleich, der völlig schiefläuft, denn LaBrie wird primär live kritisiert, nicht auf Studioalben. Wer hier Mustaine und LaBrie in einem Atemzug bewertet, stützt nur seine Polemik. Dann folgt die Aussage, dass man keinen Song hören könne, ohne sich über den Gesang zu ärgern – und gleichzeitig liege das Songwriting des neuen Albums weit hinter den eigenen Highlights. Ernsthaft? Wenn der Gesang so ablenkt, wie kommt msn da überhaupt darauf?
Ich kenne jede Menge DT-Fans die auch auf Platte James immer als Achilles-Verse bezeichnen. Zwei Sänger miteinander zu vergleichen ist auch sicherlich keine Polemik, sondern nur eine Begründung, warum ich nicht verstehe, warum der Punkt MEGADETH-Fans so egal ist und bei DREAM THEATER auf eigentlich ganz solide Leistungen ständig eingedroschen wird. Klar stört der Gesang, aber ich kann mich doch trotzdem auf das Songwriting konzentrieren und das mit der eigenen Historie vergleichen. Und Dave hat ja auch schonmal Nummern wie 'Hangar 18' geschrieben.

Und um alle Klischees zu erfüllen, zieht er natürlich noch METALLICA ins Feld: „72 Seasons“ sei dem neuen Album weit überlegen. Lyrisch kann man darüber sicher unterschiedlich denken – fair. Produktionstechnisch aber? Nein. MEGADETHs warmes, transparentes Klangbild schlägt das OP-Raum-ähnliche Ambiente von „72 Seasons“ meilenweit.
Welche Klischees denn bitte? Ein Vergleich zwischen METALLICA und MEGADETH? Es scheint mir nicht so, als wolle Dave dieser Diskussion aus dem Weg gehen. Und statt immer die Klassiker gegeneinander aufzubauschen, ergibt sich ein Vergleich beider aktuellen Werke doch viel eher. Und wer mich verfolgt, wird auch nicht über meine Produktionstechnische Einschätzung stolpern. Mit meinen von Pop-Musik und Metalcore verseuchten Ohren, haben warme Klänge schon einen schweren Stand. Dabei ist das Klangbild in erster Linie eine Entscheidung. Will ich einen transparenten Sound wie von dir beschrieben oder die vertonten Skalpelle im OP. Wenn ich mich dann entschieden habe, dann kommt die Qualität zu Tage. In dem von METALLICA entschiedenen Spielraum, ist das Album Weltklasse. In der Kategorie warmen, transparenten Sound bei MEGADETH gibt es aber viele Bands, die noch besser Ergebnisse liefern.

Dann die Pointe der persönlichen Abwertung: Teemu MÄNTYSAARI tut ihm leid, und er hofft, der gute Gitarrist findet bald eine Band mit einem „vernünftigen Sänger“. Er hebt es extra hervor – dabei übersieht er, dass Mustaines Stimme das Wesen der Band prägt und Teemu trotzdem glänzt. Das habe ich nicht übersehen, sondern trotz Dauerbeschallung von Mustaine, glänzt er eben. Umso geiler für mich, wäre es doch, wenn ich ihm zuhören dürfte mit einer Stimme welcher mir auch gefällt.

Der Track ist kein Gimmick, kein Füllmaterial, sondern ein Statement: ein Rückblick, ein Abschluss, ein „Danke an die eigene Vergangenheit“. Wer das als „unnötig“ bezeichnet, übersieht genau den Punkt, an dem MEGADETH emotional und künstlerisch Sinn stiftet – und das ist genau die Perspektive, die Kritiker oft vermissen, wenn sie nur Polemik, Namedropping und persönliche Abneigung in ihr Review packen.
Punkt für dich. Für die Band ist es sicherlich ein schöner Kreis, der dort geschlossen wird. Vielleicht hätte eine eindeutige Kategorisierung als Bonustrack oder besser noch beigefügte Single dann eine höre Wertigkeit erzielt. So habe ich nun zwei Versionen, die sich nicht so stark unterscheiden, dass man zwingend beide braucht. Nur kann ich bei der neueren leider mit dem Gesang nicht umgehen. Grundsätzlich gehe ich aber immer davon aus, dass eine Band mit ihrer Veröffentlichung Sinn stiften möchte. Deshalb auch der Hinweis, dass ich nicht in Marcels Haut stecken möchte. In ein paar Wochen muss ich dann vielleicht eine Band, welche mir etwas bedeutet „schönhören“ und andere Kollegen können/dürfen/sollen draufhauen. Das macht der Sinn dieses Formates doch aus.

Du fasst es doch genau passend zusammen:
Wenn ich sage, „MEGADETH war nie eine Gesangsband“, meine ich: Der Fokus liegt auf Riffs, Spider-Chords, Songwriting, Rhythmik und dem typisch jazzigen Touch der frühen Alben – nicht auf schönem Gesang. Trotzdem ist Mustaines Stimme ein unverwechselbares Wiedererkennungsmerkmal und prägt den Charakter, die Attitüde, die grummelige Aggression der Band. Wer sich einen „vernünftigen Sänger“ wünscht, will damit im Grunde eine andere Band – das ist keine neutrale Kritik. Und damit das, was ich inhaltlich so unsäglich finde.
Ich höre MEGADETH nicht und werde sie auch zukünftig nicht hören, weil für mich der Gesang eben extrem wichtig ist – egal wie der gewünschte Fokus der Band nun gelegt wird. Nur mal als Vergleich: In ein paar Wochen machen wir vielleicht eine GT zu einer Black Metal-Scheibe. Dann gibt es von einem Redakteur 3 Punkte, weil er mit gutturalem Gesang nichts anfangen kann und von einem anderen 4,5 Punkte, weil ihm das satanische Image übel aufstößt. Das sind im subjektiven Kontext valide Begründungen und rechtfertigen niedrige Noten, auch wenn ich es persönlich anders sehen würde. Aus deiner Sicht bliebe dann nur noch eine Teilnahme an GT von Alben, dessen Genre oder USP man mag. Wäre doch auch schade und steht nicht für Diversität.

Viele Grüße
Stefan
Benutzeravatar
Stefan_Rosenthal
Musikredaktion
 
Beiträge: 786
Registriert: Sonntag 17. Januar 2021, 19:59

Re: Megadeth

Beitragvon frankjaeger » Montag 2. Februar 2026, 16:58

Pillamyd hat geschrieben:Dave Mustaine könne keinen Zentimeter singen


Nur für's Protokoll: Das war ich, nicht Stefan, er hat mich nur zitiert. Das ist übrigens eine Hommage an das Rock Hard, das diesen Spruch mal vor Jahrzehnten (echt, solange ist das her) gebracht hat, Dave "könne keinen Zentimeter singen". Ich musste laut lachen damals. Und obwohl ich die ersten Alben toll und die meisten anderen sehr gut finde, ist die Aussage im Kern leider völlig richtig. Weder das "Eye of the tornadoooo"-Gejodel noch das Agent-Mulder-Gebrummel seiner letzten Liveauftritte würde ich als guten Gesang titulieren, egal, wie gut seine Lieder sonst waren und sind.

Er ist aber auch nicht der einzige Frontmann in der Szene mit fragwürdiger Stimmakrobatik. Deshalb sorgt das bei mir nicht für Abwertung, ich kann aber nachvollziehen, wenn man unseren Quietsche-Dave eher als schwierig auszuhalten empfindet.
Benutzeravatar
frankjaeger
Musikredaktion
 
Beiträge: 16786
Registriert: Sonntag 7. Februar 2010, 22:29
Wohnort: Burtenbach

Re: Megadeth

Beitragvon Havoc » Montag 2. Februar 2026, 17:05

Alles sehr interessant. Danke Stefan für die Erläuterungen. Habe noch einmal ein wenig darüber nachgedacht. Rüdiger hat natürlich recht damit was er sagt. Und Chris grundlegend auch. Klar sollten auch KollegInnen an der Gruppentherapie teilnehmen die sich noch nicht so sehr mit der Materie auskennen. Gerade das bringt ja auch Würze mit rein. Da habt ihr recht. Ich ziehe meinen folgenden Satz damit zurück. Vor allem auch, weil ich halt nicht wusste wie viel du tatsächlich von der Band kennst. Hätte ich auch so nicht schreiben sollen.

„Das geht echt gar nicht. Wenn man eine Band doof findet und auch keine Ahnung von der Band hat, dann beteiligt man sich besser auch erst gar nicht an so einer Gruppentherapie.“

Dennoch finde ich insbesondere die folgenden Sätze einfach schwierig.

In diversen Foren wird James LaBrie regelmäßig als Schwachstelle seiner Band ausgemacht und sorgt zuverlässig für Abwertungen bei DREAM THEATER-Alben und hier winken wir Mr. Grumpy himself einfach durch, obwohl ich kaum einen Song schaffe ohne mich aufzuregen?

Sowohl LaBrie und Dave sind ganz einfach die (einzigartigen) Stimmen der Band. Und die meisten Fans werden sich hier wahrscheinlich gar keinen anderen Sänger wünschen oder vorstellen können. Ich denke es sind halt eher Nichtfans der Band, die das kritisieren. Proggies, die DT instrumental toll finden, aber mit dem Gesang nicht können. Aber keine DT-Anhänger. Ähnlich wird es wohl auch bei Megadeth sein. Mal davon abgesehen finde ich den Begriff Gesangsband aber auch komisch. Pilly hat es zwar gut erklärt, aber aus meiner Sicht gibt es nicht wirklich eine Gesangsband. :) Pilly sagt: „MEGADETH war nie eine Gesangsband“, meine ich: Der Fokus liegt auf Riffs, Spider-Chords, Songwriting, Rhythmik und dem typisch jazzigen Touch der frühen Alben – nicht auf schönem Gesang.. Ja. Verstehe ich. Und trotzdem behaupte ich, dass echt viele Leute den Gesang total mögen und auch durchaus genau wegen dem Gesang Megadeth geil finden. Ich würde mich z.B. dazuzählen. Ich mochte seinen Gesang schon immer. Von daher könnte selbst Megadeth bei manchen Leuten als Gesangsband durchgehen. Aber der Begriff ist tatsächlich etwas seltsam. :grins:

Es tut mir ehrlich gesagt auch leid für Teemu Mäntysaari (siehe Foto oben), der einen richtig guten Job macht und hoffentlich in Zukunft mit einem vernünftigen Sänger durchstarten kann, denn der Junge kann was.

Teemu tut Dir leid? Ich wette für den Jungen war es eine riesige Ehre ein bzw. das letzte Megadeth Album einzuspielen. Aber gut. Du hast es ja erklärt. Ist dann halt aus einer anderen Sicht.
Kommunikation. Gedanken. Viel Spielraum für Interpretation.

Aber egal. Alles gut. Immerhin hat dieser Text zu viel Leben im Forum geführt. Und dazu sind diese Gruppentherapien ja wohl da. Und diese hier über das neue Megadeth-Album war echt sehr interessant. Und zudem wohl auch ein wenig emotionaler aufgeladen als normal, da es nun mal das wohl letzte Album einer Legende ist. Mich wundern hier übrigens in der Tat auch die vielen recht durchschnittlichen Bewertungen. Mein Review folgt dann sicher später noch.

Ach ja. Noch etwas. Chris…in deinem Beitrag war auch ein interessanter Satz zu lesen.

"Megadeth" ist ok. Geiler Einstieg mit 'Tipping Point' und danach immer wieder super Momente, die genau das wiedergeben, wofür MEGADETH schon immer stand. Dazwischen viel, wenn auch hochwertiges, Füllmaterial.

Was ist denn hochwertiges Füllmaterial? Oder anders gesagt. Wenn es hochwertig ist, kann es dann noch Füllmaterial sein? ;-) :P
Benutzeravatar
Havoc
Metaller mit zu viel Zeit
 
Beiträge: 23746
Registriert: Sonntag 7. Februar 2010, 12:10

Re: Megadeth

Beitragvon Martin Schneider » Montag 2. Februar 2026, 17:31

Das find ich sehr lustig, weil ich vor kurzem dieses Video einer Sängerin/Gesangstrainerin gesehen habe. Der Titel ist:
This Is Why I Hate Megadeth
https://youtu.be/DTM3wNNhFx4?si=_LxCgu43wOfjIah6

Megadeth ist die Lieblingsband ihres Mannes.
Aber ja, mich hat der Gesang auch immer abgeschreckt.
Benutzeravatar
Martin Schneider
Kuttenträger
 
Beiträge: 4267
Registriert: Sonntag 7. Februar 2010, 12:41

Re: Megadeth

Beitragvon Rüdiger Stehle » Montag 2. Februar 2026, 19:38

Stefan_Rosenthal hat geschrieben:von einem anderen 4,5 Punkte, weil ihm das satanische Image übel aufstößt.

O_o
Solche Leute haben wir hier?
alias Hugin der Rabe.
Ravnen fra steinfjellet.
Háv. 38
Benutzeravatar
Rüdiger Stehle
Musikredaktion
 
Beiträge: 35285
Registriert: Samstag 6. Februar 2010, 22:52
Wohnort: Schwabenland

VorherigeNächste

Zurück zu Thrash / Death / Black Metal

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 3 Gäste