Als dieser Thread eröffnet wurde, habe ich, wie man an meinem Schweigen sieht, kein besonderes Interesse für die Bodom-Kinder gehegt, und das war an sich die ganze Zeit über so, die ich gemeinsam mit Alexi Laiho & Co. in der Szene verbracht habe. Das Debüt habe ich durchaus wohlwollend aufgenommen, und auch beachtlich gefunden, aber irgendwie saß die Band für mich damals zu sehr zwischen den Stühlen. Nicht finster und böse genug für die schwarzmetallischen Elemente des Sounds, nicht brutal genug und zu melodisch für den Death-Metal-Aspekt und für den finnischen Melodic-Metal-Aspekt zu derb. Ich fragte mich, ob ich Stratovarius mit garstigem Gesang brauchte, und habe die Frage für mich zunächst einmal mit "Nein!" beantwortet, auch wenn mich die Band immer wieder doch angezogen hat. Live, aber auch durch die Reaper-Artworks, die Monochrom-Varianten, ja. Irgendwann hat's dann mal für die "I Worship Chaos" gereicht, die der Saturn im Sondernangebot hatte, und ein Rerelease des Debüts lag mir mal zur Rezension vor, doch der letzte Schubser über die Schwelle zum Fandom kam nicht.
Vor ein paar Monaten, als sich die fünf Kollegen Dahs, Rohrer, Ehmke, Rapp und Dahl in der Redaktion daran machten, einen Diskographie-Check zu machen, hätte ich sehr gerne mitgespielt, aber wenn man nur zwei Alben hat, dann fällt das etwas schwer, derer zehn in eine Reihe zu bringen. Zum Nachkaufen oder online alles Nachhören fehlte mir in dem Moment die Zeit, und dann war das auch schon gelaufen. Tobias' Artikel habe ich mit großem Interesse gelesen, und mir noch gedacht: Jetzt musst du das aber auch mal anpacken! Zu Weihnachten haben die Kollegen zusammen mit Pia dann einen sehr schönen Podcast zur Bandgeschichte veröffentlicht, der mich in der Absicht bestärkt hat. Und eine Woche später erfahren wir, dass Alexi Laiho mit nur 41 Jahren verstorben ist. Vier Jahre jünger als ich es bin.
Da sitzt man dann da, und denkt sich, dass man die Zeit, in der Alexi da war, hätte besser nutzen können, um sich mit seinem Schaffen zu befassen. Denn das Interesse war immer da, nur die Kurve hat man nie gekriegt, man war zu oberflächlich, was die Band angeht. Fühlt sich ziemlich bescheiden an, wenn man das Gefühl hat, dass ein toller Musiker erst sterben musste, bevor ich mich dazu bequemt habe, ihn richtig zu erhören, obwohl man sich 23 Jahre die Szene, die Festivals, die Magazine geteilt hat, und es genug Gelegenheiten gab, die eigene Ignoranz zu überwinden. Klar, das bleibt nie aus, weil niemand in der Lage ist, jede gute Band so zu würdigen, wie sie es verdient hat. Trotzdem macht mich dieser besondere Fall gerade ziemlich traurig.
Ruhe in Frieden, Alexi!
Sorry for being late.


!
Es freut mich zu lesen, dass der Nachruf Alexi halbwegs gerecht geworden ist und nochmal Interesse an seinem Werk geweckt hat.