Uuuuund ab dafür!
"Violent Revolution"Die Platte ist super. Hier deutet sich in vielerlei Hinsicht bereits die melodische Schlagseite an, die Mille in den folgenden 15 Jahren immer mehr forcieren würde. Trotzdem fühlt sich das Teil noch richtig nach Thrash an und macht durchgängig Laune! So weit - so gut. Warum das Album von den meisten allerdings so überschwänglich positiv aufgenommen wird - gerade im Vergleich zu anderen KREATOR-Scheiben - verstehe ich ehrlich gesagt nicht so ganz. Für mich ist das ein 8,5-9,0-Kandidat mit einigen Hits (der Titelsong samt Vorspiel, 'All Of The Same Blood' oder mein Favorit von früher, 'Ghetto War') und durchgängig gutem Niveau; aber vollkommen eskalieren tue ich jetzt nicht. Mögliche Erklärung: Ich habe "Violent Revolution" erst retrospektiv kennengelernt ("ernsthaft" habe ich mich mit Metal auch erst 2004 oder so befasst), wodurch dieser Flash, dass KREATOR endlich wieder brettern wie eine Holzfabrik, einfach wegfällt. Zumindest ist das eine Vermutung, die irgendwie naheliegt. Vielleicht ist es aber auch tatsächlich schlichtweg persönlicher Geschmack.
"Enemy Of God"Wie ich schon vermutet habe, finde ich "Enemy Of God" unfassbar gut! Spontan eine 9,5/10. Warum? Tjo, für mich thrasht das Ding noch deutlich mehr als der Vorgänger - auch wenn die Melodien in ähnlichem Maße sprießen - und hat in der Breite einfach die besseren Songs am Start: der Titelsong ist riesig; 'Impossible Brutality' und 'Suicide Terrorist' ebenfalls; 'Voices Of The Dead' hat einen geilen Drive; 'The Ancient Plague' bietet den wunderbar epischen Ausklang... Ja, hier stimmt wirklich alles. Doch auch hier muss man vielleicht die Umstände betrachten, war "Enemy Of God" damals doch mein persönlicher Einstieg in den KREATOR-Kosmos. Mutmaßlich ein nicht unwesentlicher Faktor.
"Hordes Of Chaos"Man muss schon sagen, dass die Entwicklung KREATORs hier noch eher schleichend verläuft. In eine deutliche Richtung, aber nicht in großen Schritten. "Hordes Of Chaos" ist - nicht nur aufgrund seiner Spielzeit - wirklich kompakt und wirkt auf mich am ehesten wie ein Patchwork-Album mit vielen unterschiedlichen Songs. Das sei an dieser Stelle klar als ein Lob zu verstehen, denn dieses Maß an Abwechslung von 'Hordes Of Chaos' (ein durchaus typischer, guter KREATOR-Song) über 'Amok Run' (klarer Favorit der Platte!) und 'Destroy What Destroys You' (leider ein Ausfall) bis hin zu 'To The Afterborn' (geiler Song mit schwach gesungener Bridge/Hook) und dem finalen 'Demon Prince' ist schon amtlich. Gefällt mir nach dem Wiederhören 'ne ganze Ecke besser als erwartet. In Punkten: 8,5-9,0/10.
"Phantom Antichrist"Auf "Phantom Antichrist" ist der Sprung schon viel deutlicher. Mehr Melodei denn je, weniger klassischer Thrash, und Mille versucht häufiger große Hooks zu singen, was einfach nicht gelingen will. Daher ist hier die Bandbreite zwischen überragenden ('Phantom Antichrist', 'Civilisation Collapse') und grottigen Nummern ('From Flood Into Fire' = Totalausfall... dieser Refrain... Hilfe...) extrem groß. Das Niveau ist insgesamt ein gutes, jedoch merkt man schon, dass der Biss alter Tage hier (bis auf o.g. Ausnahmen) tatsächlich fehlt. Das Teil habe ich bei Erscheinen noch anders eingeschätzt, inzwischen hat's allerdings schon deutlich abgebaut. Note: 7,5-8,0/10
"Gods Of Violence"Beim direkten Nacheinanderhören wird die Erkenntnis noch einmal umso deutlicher: "Gods Of Violence" ist der absolut logische, konsequente Nachfolger zu "Phantom Antichrist". Noch mehr Sami, noch etwas weniger Biss, noch etwas mehr Konformität im Sound... Alles drei sind Dinge, die KREATORs Musik nicht zwingend gut tun. Gerade Yli-Sirniö, so begnadet der Mann auch sein mag, ist für mich echt ein rotes Tuch, weil er in dieser Band wirklich total am falschen Platz ist. Lichtblicke gibt es aber auch auf dem aktuellen Output der Essener: 'Totalitarian Terror' ist schön räudig, in 'Fallen Brother' funktioniert die melodische Hook-Orientierung wenigstens mal und 'Death Becomes My Light' ist ein famoser Abschluss der Platte. Dazwischen tummeln sich viele nette Songs, einige richtig tolle Ideen, aber eben auch zu viel nerviges Gedudel und eben Milles krampfhafter Versuch, große Refrains zu schreiben. Den Langzeittest muss die Platte noch bestehen (vielleicht wächst sie ja sogar?!), aber derzeit würde ich sie wohl nach wie vor bei 8,0 Punkten einsortieren.
Daraus ergibt sich folgende Rangordnung:
#1 "Enemy Of God" (9,5)
#2 "Violent Revolution" (8,5-9,0) & "Hordes Of Chaos" (8,5-9,0)
#3 "Phantom Antichrist" (8,0) & "Gods Of Violence" (8,0)
Überraschend war für mich persönlich die Stärke von "Hordes Of Chaos".
Abseits meiner persönlichen Einschätzung offenbart sich die - ohnehin offensichtliche - Entwicklung KREATORs in seiner ganzen Pracht, wenn man die Alben mal chronologisch hört.
Hat Spaß gemacht, diese kleine Reise!
