Der DEATH METAL Thread

Re: Der DEATH METAL Thread

Beitragvon Drumtier » Samstag 3. März 2012, 19:11

Julian Rohrer hat geschrieben:Ich muss sagen, dass der "Death Metal an sich" für mich gar nicht so spannend ist. Da gehts mir wie mit Thrash Metal - allzu oft kommt mir die Musik zu tumb, zu dumm, zu stumpf daher - da liegt mein Anspruch einfach woanders. Nichtsdestotrotz gibt es ein paar Bands, die ich nicht missen möchte:

Wie oft hörst du eine Aussage in diese Richtung wenn du sagst, dass du Metal hörst? ;-)

Kann ich wenig überraschend von dir so nicht wirklich verstehen, von Außenstehenden bin ich es halt gewöhnt. Aber gerade Death Metal ist ja eine Musikrichtung die so derartig breit gefächert ist, dass eine generelle Aussage dazu kaum zu treffen ist, wie du ja dann auch noch einschränkst.
Aber wir reden hier von Musik die von CYNIC über UNLEASHED bis hin zu ORIGIN reicht, ich bin wahrscheinlich voreingenommen, aber außer Black Metal bringt doch kein Metal-Genre eine derartige Spannweite an Schattierungen zusammen.
Was mich auch noch ein wenig wundert ist das Fehlen von OPETH in diesem Thread bis jetzt, die ja auch noch eine gewaltige Fanbase haben. Dass sie jetzt nicht das sind, was man typischerweise unter Death versteht is klar, aber ganz außen vor würd ich sie jetzt auch nicht lassen.

Nun denn, kommen wir zu meiner Geschichte. Es gab/gibt einmal einen Thread wie denn die einzelnen User in diese schöne Metal-Welt gekommen sind, da hab ich glaub ich eh noch nie was geschrieben, aber nachdems sehr eng mit Death Metal zusammenhängt, werd ichs einfach hier her packen:

Mit 11, 12, 13 oder so hab ich wie so ziemlich jeder Mensch im Radio oder damaligen Musikfernsehen Linkin Park gehört und so kennen- und lieben gelernt. Das war damals noch eine recht beschränkte Liebe, auch wenn nach und nach andere Bands aus der NuMetal-Ecke dazu kamen. Somit hab ich bis heute noch zwei Scheiben von Limp Bizkit daheim...^^
Durch den Einfluss eines damaligen Freundes und dem der Pubertät wollte ich dann auch so "harte" Musik hören. Das führte dann zu immer noch sehr ähnlichen Bands wie Slipknot, Soulfly oder Ill Niño, wobei ich die letzten beiden auch heute zumindest noch manchmal höre. Zu dieser Zeit trieb ich mich dann auch schon ein wenig im Internet herum und hörte somit von Bands wie IN FLAMES oder CANNIBAL CORPSE und im Bestreben danach möglichst hart zu sein hab ich mir dann ins Blaue hinein deren damals neue Alben gekauft. Ich war damals 14 und was ich so ungefähr gehört habe, hab ich gerade dargelegt, ihr könnt euch also meine Reaktion vielleicht so ungefähr vorstellen ;-)
Ich war entsetzt. Der Kreischgesang von Anders Friden war für mich unerträglich und die Musik, es war einfach viel zu schnell. IN FLAMES konnten aber zumindest mit den ruhigeren Stücken und dem Klargesang punkten. Vor CANNIBAL CORPSE hatte ich einfach nur Angst. Das war für mich eine undurchdringliche Wand aus Lärm, aus nicht als Gitarren erkennbaren Gitarren, aus nicht als Mensch erkennbarem Gesang und einem viel zu schnellen Schlagzeug...

Zum Glück hatte ich damals einen guten Freund der nicht müde wurde mir auch den traditionellen Metal anzupreisen, Thunder hieß er als er hier aktiv war. Somit kannte ich auch einige der klassischen Bands, von denen aber bei den meisten nicht viel mehr als der Name hängen blieb und ich vor allem lange "gehindert" war mir die entsprechenden Alben auch tatsächlich nachzukaufen weil ich sie ja eh schon gebrannt gehabt hatte. Zumindest waren mir so aber dann Namen wie IRON MAIDEN, JUDAS PRIEST, BLACK SABBATH, SAVATAGE usw ein Begriff und andere, wie beispielsweise ICED EARTH sollten auch noch eine sehr bedeutende Rolle einnehmen. Dieses traditionelle Standbein blieb aber hauptsächlich auf IE beschränkt und durch den Einfluss von Soulfly und damit SEPULTURA wurde ich aber immer weiter in die härtere Ecke "gedrängt". Ich habe also den "normalen" Weg, dass man vielleicht ein paar alte Rock-Platten vom Vater kennen lernt und so langsam und vielleicht sogar chronologisch in den Metal kommt, vollkommen übersprungen und hab quasi mit Death Metal begonnen. Und weil ich mich irgendwann dann auch mit CC angefreundet hab, wollte ich auch mehr davon, allerdings (mit fließendem Übergang ;-) ) irgendwann nicht mehr um noch härter zu werden, sondern weils mir wirklich gefiel. Vorherrschend damals war aber eindeutig die Melodic Death Schiene, hab recht bald alles von In Flames besorgt und auch DARK TRANQUILLITY und AT THE GATES waren unter meinen Favoriten.

Daneben entdeckte ich ein klein wenig auch den Black Metal für mich, der aber bis auf einige Ausnahmen doch meistens mehr oder weniger nahe am DM war, zB BELPHEGOR oder BEHEMOTH. Also zurück zum threadbenennenden Thema:
Ausgehend von den Klassikern wie MORBID ANGEL, POSSESSED, DEICIDE, etc (DEATH hab ich ja bekanntlich erst recht spät so wirklich für mich entdeckt) führte mich mein Weg dann schon erstaunlich früh nach Kanada und in extremere Gefielde. CRYPTOPSY oder GORGUTS hab ich schon gehört, da hatte ich noch keine einzige Scheibe von IRON MAIDEN ;-)
Der (franko)kanadische Death Metal hatte und hat aber für mich den Vorteil, dass er mit Technik, Melodie und Progressivität alles vereint was Death Metal für mich ausmacht. Somit hab ich dann irgendwann auch jenen Bands wieder etwas mehr Aufmerksamkeit geschenkt die ich früher halt als "Pflichtprogramm" kannte aber mich nicht wirklich mit ihnen beschäftigte. CYNIC, OPETH, ATHEIST oder so, und diese Bands haben dann Hand in Hand mit den in dieser Hinsicht Pionieren von ICED EARTH auch dazu geführt, traditionellen Metal oder generell solchen mit Klargesang (iiiieeeehhhhh!!) zu entdecken. Langsam, sehr langsam ;-)

Somit bin ich über Death Metal zu traditionellem gekommen und hab parallel zur Entwicklung in extremere DM-Gefilde auch ausgehend von DM den Weg in die langsame Welt eingeschlagen. Wieder denkbar ungewöhnlich, weil ich von BLACK SABBATH damals auch noch nichts hatte und traditioneller Doom für mich ziemlich uninteressant war. Aber Death/Doom bot sich natürlich an. MY DYING BRIDE waren hierbei eine Band mit immensen Einfluss, hab mir ihr Debüt besorgt weil ich gehört hatte, dass dieses noch gänzlich ohne klaren Gesang auskam. Als ich sie schließlich hörte war das zwar gerade zu der Zeit als ich mich gerade mit dem Gedanken anzufreunden begann, dass Menschen auch normal singen können, ich war aber dennoch einfach überwältigt. Verwandte Bands wie ANATHEMA und PARADISE LOST blieben dabei zwar auf jeweils ein Album beschränkt, aber die Lust an der Trauer war geweckt. Wie für mich üblich, musste das aber extrem geschehen. Also hab ich begonnen mich im extremeren Death/Doom und Funeral Doom umzusehen. Nur zur Erinnerung, das war immer noch zu einer Zeit, also ich kein einziges originales Album von IRON MAIDEN oder METALLICA hatte, sprich normal ist auf meiner Entdeckungsreise gar nichts abgelaufen ;-)

Dieses zweite Standbein im Doom hat aber immerhin dafür gesorgt, dass ich mit immer mehr klarem Gesang in Berührung kam und auf ewig für melancholische, traurige Musik vorgeprägt wurde. Dass es dazu im Endeffekt Death Metal gebraucht hat, ist vielleicht bezeichnend für meine Situation ;-)

Viel bleibt mir nicht mehr zu sagen, vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass ich rein quantitativ im Vergleich mit so manchen hier wahrscheinlich sogar weniger DM-CDs habe, also immer noch viel zu entdecken habe. Und ganz wichtig noch, dass ich bei allen Brutalo-Exzessen so wie jeder andere nur jene Bands wirklich gut finde, die mich auch emotional berühren. Und Death Metal bietet da halt ein sehr großes Spektrum an Emotionen. Vor gar nicht allzu langer Zeit wurde mir wieder bewusst, wie gern ich so richtig aggressive Musik höre, DEICIDE oder MALEVOLENT CREATION sind da für mich im Death federführend. Einfach nur schnelle Musik, die so nebenbei vorbeirauscht aber keine Aggression oder sonst halt andere Emotion hervorrufen kann, bleibt dabei uninteressant. In diese Rubrik fällt dabei das meiste was ich bisher an schwedischem Death gehört habe.
Diese anderen Emotionen sind vielleicht von manchen Bands so gar nicht gewollt und für außenstehende überhaupt nicht nachvollziehbar, aber NECROPHAGIST oder MARTYR, um zwei typische und dafür oft kritisierte Tech-Bands zu nennen, sind für mich gefühlsmäßig bei weitem berührender als irgendeine schöngeistige, melodische Band wie IRON MAIDEN.

Bei dieser Gelegenheit und weils im Eingangspost erwähnt wurde, ein Video:
http://www.youtube.com/watch?v=2H76LUCBIUg
Hab nämlich letztens iTunes-Shuffle gehört um Zeit zu überbrücken in der sich kein ganzes Album ausgeht und bin dabei auf Fermented Offal Discharge von NECROPHAGIST gestoßen. Ich hab danach nicht mehr weitergehört, weil ich dieses Gefühl nicht gleich wieder verjagen wollte und stattdessen geschaut ob es dazu nicht vielleicht ein Video gibt um zu sehen wie es denn aussieht wenn jemand sowas spielt. Und dieses gut eineinhalb Minuten lange Solo vereint eben genau die vorher schon einmal erwähnten Attributen von Technik, Melodie und Progressivität, gepaart mit einer ordentlichen Portion Gefühl. Was vielleicht für einige beim besten Willen nicht nachvollziehbar ist, aber ich könnt heulen so schön ist das ;-)
Also weils hier erwähnt wurde, ja, Epitaph gehört in jede Sammlung von interessierten Hörern, aber auch der Vorgänger ist keineswegs zu verachten!

Und nochwas. In meiner pösen Teenie-Zeit hab ich schon einmal einen Versuch einer Band gestartet, mangels Alternativen damals noch in der Grunge-Richtung, ohne es dabei aber auf mehr als ein paar halbherzige Proben zu bringen. Der Gitarrist hörte glücklicherweise ebenfalls Metal und mit dem vorher erwähnten Thunder gelang dann schon der viel ernsthaftere Versuch einer Power (!) und später Black Metal-Band. Die eigentlich auch ziemlich gut war, ganz ehrlich, ich glaube die hätte Zukunft gehabt. Zerlief sich zwar wieder, aber bei einem Konzert mit dieser Band wurden wir von einem Fremden angesprochen, der eine Band für eine Geburtstagsfeier bei einem Freund suchte. Da haben wir zwar gespielt, das konnte aber den Untergang nicht mehr aufhalten. Stattdessen sollte dieser Fremde in der nächsten Reinkarnation einer Band der Sänger sein. Wieder konnte der Gitarrist mitgenommen werden und diese Band sollte dann unter dem Namen COMMANDMENT sogar eine CD unter der Führung von gar nicht so unbekannten Szenegrößen aufnehmen. Auch das konnte zwar den mangels Interesse und Engagement schicksalhaften Niedergang nicht verhindern, aber wer will kann hier (http://www.myspace.com/commandmentkill) immer noch reinhören und mir sagen ob wir eine Millionärskarriere aufgegeben haben ;-) CDs gibts für Interessierte selbstverständlich noch ;-)

PS: Sorry, für den überlangen Post, einfach aufteilen und an ein paar Tagen lesen, dann gehts ;-)
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Re: Der DEATH METAL Thread

Beitragvon Holger Andrae » Samstag 3. März 2012, 21:24

Drumtier hat geschrieben:
Julian Rohrer hat geschrieben:Aber wir reden hier von Musik die von CYNIC über UNLEASHED bis hin zu ORIGIN reicht, ich bin wahrscheinlich voreingenommen, aber außer Black Metal bringt doch kein Metal-Genre eine derartige Spannweite an Schattierungen zusammen.


Mit der NWoBHm hast Du dich noch nicht beschäftigt oder woher stammt diese wundervolle Ansicht?
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Re: Der DEATH METAL Thread

Beitragvon Drumtier » Sonntag 4. März 2012, 14:25

Holger Andrae hat geschrieben:
Drumtier hat geschrieben:Aber wir reden hier von Musik die von CYNIC über UNLEASHED bis hin zu ORIGIN reicht, ich bin wahrscheinlich voreingenommen, aber außer Black Metal bringt doch kein Metal-Genre eine derartige Spannweite an Schattierungen zusammen.

Mit der NWoBHm hast Du dich noch nicht beschäftigt oder woher stammt diese wundervolle Ansicht?

Nein, hab ich nicht, und lass mich auch gern eines besseren belehren, aber eine gewisse Grundskepsis, dass sie ein Gebiet wie jenes von CYNIC zu ORIGIN und BEHEMOTH zu INTO ETERNITY umfasst hab ich schon ;-)
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Re: Der DEATH METAL Thread

Beitragvon Jesus » Sonntag 4. März 2012, 14:33

Drumtier hat geschrieben:eine gewisse Grundskepsis, dass sie ein Gebiet wie jenes von CYNIC zu ORIGIN und BEHEMOTH zu INTO ETERNITY umfasst hab ich schon ;-)


Zwar bin ich hier generell eher bei Drumtier als bei Holger, aber wenn man 2 Bands mit aufzählt, die bestenfalls 5% DM-Elemente enthalten, kann man sich natürlich die Bandbreite des Death Metal schönreden. So gesehen enthalten diese Bands allesamt auch Elemente der NWoBHM ;)
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Re: Der DEATH METAL Thread

Beitragvon Jesus » Sonntag 4. März 2012, 16:24

Ohne Kontext betrachtet ist Holgs Post mit der fetten Überschrift Re: Der DEATH METAL Thread irgendwie amüsant.
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Re: Der DEATH METAL Thread

Beitragvon frankjaeger » Sonntag 4. März 2012, 17:16

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Re: Der DEATH METAL Thread

Beitragvon Jesus » Sonntag 4. März 2012, 17:22

Tja, Drumtier. Du darfst halt nichts Schlechtes über die NWoBHM sagen. Sonst spammen die alten Säcke Deine Threads mit ihrer Opa-Musik voll.
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Re: Der DEATH METAL Thread

Beitragvon Holger Andrae » Sonntag 4. März 2012, 17:27

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Re: Der DEATH METAL Thread

Beitragvon firestarter » Sonntag 4. März 2012, 17:31

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