Watain

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Beitragvon Havoc » Donnerstag 13. Oktober 2011, 21:29

Hat die Band echt noch keinen Thread? Seltsam. Bietet die Band doch so einiges an Gesprächsstoff. Viele werden sie verehren und einen Kult um sie herum aufbauen. Andere wiederum machen sich über sie lächerlich, ob ihrers Geschwafels und ihrer Show. Naja. Wie ich zu all dem stehe. Mir ist es völlig Schnuppe. Mich interessiert nämlich nur die Musik. Und was auf "Lawless Darkness" geboten wird ist aus meiner Sicht schier der Wahnsinn. Das Album reißt mich über die komplette Spielzeit so was von dermaßen mit wie kaum ein anderes Album aus dem Sektor Black Metal. Wobei man sich schon fast fragen muss ob das überhaupt Black Metal ist. Hier ist jedenfalls ein riesiger Spritzer Heavy mit eingemischt worden. Und gerade das bringt wohl den letzten Kick in diesen schwarzen Sog, der einen direkt in die schwarze Hölle (oder doch den Heavy Metal Himmel?) reißt. Endgeiles Album.
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Re: Watain

Beitragvon Teichfrosch » Donnerstag 13. Oktober 2011, 22:38

Allerdings ein sehr geiler Album. Schade, dass der Vorgänger so garnicht auf dem Level ist... den hör ich grade mal wieder und muss sagen: das ist einfach im Vergleich einfach langweiliger. Ist aber immernoch ein gutes BM Album, insbesondere weils wirklich BM ist und nicht Blackened Heavy Metal wie "Lawless Darkness". Kompositorisch ist "Lawless Darkness" deutlich schlüssiger, wenn auch eingängiger und weniger schroff.

Und weil ich grad nichts besseres zu tun habe, hier ein on-the-fly Einzelreview zu den Songs von der bisher deutlich weniger besprochenen Platte "Sworn To The Dark":

"Legions Of The Black Light": Schon der Opener ist in meinen Augen ziemlich misslungen, zwar nicht im ganzen, aber im Refrain, aber dafür dort so richtig. Da frage ich mich bis heute was die Band geritten hat aus diesem am Anfang starken Song so ein lahmes Gestampfe zu machen. Dann wirds zum Ende hin wieder gelungen, und dann kommt zum Abschluss nochmal dieser unsägliche Refrain... Übel übel. Zum Auftakt direkt einer der schwächsten Songs der Platte.

"Satan's Hunger": Schön wütend und gelungen, wenn ich mich jetzt doch nur bei Drums gut genug auskennen würde um diese Technik zu beschreiben... naja, klingt jedenfalls sehr druckvoll und maschinengewehrsalvenartig. Guter Track, aber auch hier ist der Refrain eher mau ... Dennoch, nach dem vorherigen Song ein guter Track und einer der besseren des Albums.

"Withershins": Zwischenspiel. Nett.

"Storm Of The Antichrist": Schon während der Track anfängt muss ich an den gräuseligen Refrain denken... whuä, der ist so uninspiriert und platt... 'Jetzt machen wir mal so richtig Krach und erschrecken Muttis!', naja. Recht eintöniger Füllertrack, kann man sich geben, muss man aber nicht.

"The Light That Burns The Sun": Einer der langsameren Tracks des Albums, vielleicht auch grade deshalb einer der besseren Tracks. Hat was doomiges. Mir persönlich fehlt hier ein wenig das zwingende Element um den Track wirklich gut zu finden, teilweise plätschert er etwas dahin. Trotzdem, recht gelungen.

"Sworn To The Dark": Der Titeltrack fängt ziemlich amtlich an und bollert gut vorwärts, aber dann gelingt es der Band mal wieder, mit dem Refrain wirklich alles zu verhunzen. Nicht nur dass dass "Sworn To The Dark" mehrmals wiederholt wird, nein, obendrauf gibt es noch "To the death and far beyond". Au Backe. Und das ganze wird noch nichtmals mit einer ordentlichen musikalischen Leistung abgefedert. Vielleicht der blödeste Track der Albums... ich persönlich hab nach der Hälfte keine Lust mehr, und da ich das Album ja schon kenne mach lieber den nächsten Track an.

"Underneath The Cenotaph": Beginnt wieder vielversprechend, wenn man WATAIN eins nicht vorwerfen kann, dann dass sie nicht wissen wie man Spannung erzeugt. Danach wird erstmal wieder ordentlich rumgebollert... und diesmal hält die Band nichtnur die Spannung sondern steigert sie sogar noch. Ganz klar für mich einer der besten Songs des Albums, vielleicht sogar der beste. Wütend, abwechslungsreich, melodisch, überraschend, fies, dunkel... klasse!

"The Serpent's Chalice": Ich sags direkt vorweg, für mich war dieser Song lange Zeit der beste des Albums, was aber subjektiv gesehen auch mit dem tollen Song, welcher direkt vor diesem Song auf dem Album seinen Platz gefunden hat, zusammen hängt. Fast schon die Ballade des Albums, Midtempo und zum Ende hin tolle Riffs... und vorallem ist man gespannt was wohl als nächstes kommt und bleibt das auch. Dass der Song sehr catchy ist hat zumindest bei mir sicher einen guten Teil dazu beigetragen dass ich ihn von Anfang an gut fand. Besonders zum Ende wirds gänsehäutig: dieser Riff ist ganz, ganz großes Tennis. U.a. wegen diesem Track stehen Blackmetal-Puristen natürlich alle pechschwarzen Haare zu Berge, lustige Adjektive wie "untrve" fallen da schonmal gerne in Onlineforen...

"Darkness And Death": Der Track hält sich garnicht erst mit einer Einleitung auf, hier gibts direkt auf die Omme. Gibt zwar anfangs ordentlich Gas, hat aber wenig Spannung. Leider ein weiterer Füller, der nichts besonderes aufweist. Geht rein und wieder raus. Klar, gut gemacht ist das, und andere Blackmetalbands spielen nichtmal annähernd auf dem Niveau, aber die Band kann es besser. Nach dem garstigen Anfang dudelt der Track jedenfalls vor sich hin und langweilt hauptsächlich.

"Dead But Dreaming": Intermezzo. Hübsches Füllmaterial, dessen eigener Trackname irgendwie unnötig erscheint... hätte man auch als Anfang zum folgenden Track umbauen können.

"Stellarvore": Chöre! Abwechslung! Man ahnt schon mit dem Anfang, hier hat man es mit dem Finaltrack zu tun, da wird Epik aufgefahren, und zwar in großen Portionen. Dementsprechend dauert es bis der Track losgeht, aber dafür bleibt er recht spannend. Wenn man den direkten Vergleich mit dem Finaltrack des Nachfolgers ziehen will kann man hier zwar nur müde lächeln, isoliert betrachtet bzw. auf das Album bezogen ist das dennoch einer der interessanteren Tracks, trotz (oder wegen?) seiner Länge.

Tjo, soweit meine Eindrücke. Insgesamt würde ich eine 7/10 vergeben für ein gutes, aber insgesamt viel zu spannungs- und abwechslungsarmes Album. Nur zwei wirklich starke Tracks reißen nunmal nichts raus, vorallem, weil ihnen gegenüber Füllmaterial und / oder richtig missratene Tracks gestellt werden. Wenn man es so liest erscheint eine 7/10 schon fast zu hoch gegriffen, aber Tatsache ist: das Album ist gut. Leider aber nicht mehr, und absolut kein Vergleich zum grandiosen Nachfolger.
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Re: Watain

Beitragvon Jesus » Freitag 14. Oktober 2011, 11:02

Ich bin bei "Lawless Darkness" häufig etwas unentschlossen. Einerseits ist das Songwriting schlüssiger, die Songs selbst abwechslungsreicher und das Spiel selbstsicherer als bei den Vorgängern. Das macht Spaß und man kann es rund um die Uhr hören, ohne in einer speziellen Stimmung dafür sein zu müssen. Zudem fällt einem die lange Spielzeit nicht auf, da gehen die 70 Minuten rum wie 40. Andererseits enthält das Album poppigen 80er Heavy Metal, Bierzeltmitgröhlrefrains und flutscht ziemlich glatt durch die Gehörgänge. Dadurch ist es leichter zu hören, aber eben auch unschwärzer und flacher als von mir erhofft. Doch immerhin noch spürbar schärfer geschrotet als bei DARK FORTRESS, deren Mischungsverhältnis von Black Metal zu Schlagermetal für meinen Geschmack etwas zu sehr in die glattgelackte Richtung geht. Ohne die Band jetzt schlechtreden zu wollen, die machen ihre Sache auch ganz ordentlich.

Bei "Sworn to the Dark" macht sich die Spielzeit eher bemerkbar, dafür wird man größtenteils vom Heavy Metal verschont. Obwohl ich dem Frosch so gerne trotze, weil er von Black Metal keine Ahnung hat ;), würde ich ihm doch teilweise bei seiner Einschätzung zu dem Album recht geben. Es gibt hier Punkte, wo beim Nachfolger doch ordentlich aufpoliert wurde. Dort wurden viele der hier noch vorhandenen Fettränder abgeschnitten.

"Casus Luciferi" ist da wesentlich trver und dank seiner Kürze besser verdaulich. Allerdings ist es in seiner Größe, seiner Vision noch recht klein geraten. Gerade habe ich die eingelegt und man hört eben, dass die Band die gleiche Formel immer mehr und mehr verfeinert hat, ohne von ihrem Stil abzuweichen. Gerade beim Vergleich des überlangen Titelsongs mit 'Stellarvore' und 'Waters of Ain' zeigt sich, wie die gleiche Idee immer mehr ausgebaut und verbessert wurde. Alles in allem auch gut gemacht, aber der Kult, der Tumult, der (Achtung, böses Wort!) Hype um die Band vor der "Lawless Darkness" ist mir nicht so wirklich verständlich.

Nun ja, ich gebe mich dem Amphibium geschlagen, schwenke die weiße (schwarze?) Fahne und lasse die böse Trveness mal hinter mir. Wird ja auch irgendwie seinen Grund haben, dass ich die "Lawless Darkness" schätzungsweise mindestens 50mal gehört habe. Ein bisschen mehr Schwärze und Evilness könnte dem nächsten Album trotzdem nicht schaden.
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Re: Watain

Beitragvon Teichfrosch » Freitag 14. Oktober 2011, 12:45

Ich versteh absolut was du meinst, aber mMn sind diese Elemente schon ziemlich ausgeprägt auch auf den Vorgängeralben. Man kann "Lawless Darkness" dafür verspotten, ABER immerhin ist die Band so selbstbewusst auf diesem Album keine Kompromisse mehr zu machen und die Stampfmetal-Refrains auch catchy zu gestalten. Anders gesagt, wenn man schon solche stumpfen Mitklatsch-Stampf-Refrains wie "Sworn To The Dark" macht, dann sollte man sie wenigstens sehr gut machen wie bei "Malfeitor" beispielsweise (der is furchtbar catchy).

Und natürlich hab ich von BM keine Ahnung, zum Glück sag ich da nur: sonst könnt ich die neue KEEP OF KALESSIN nicht feiern :grins:
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Re: Watain

Beitragvon Jesus » Freitag 14. Oktober 2011, 12:55

Teichfrosch hat geschrieben:Anders gesagt, wenn man schon solche stumpfen Mitklatsch-Stampf-Refrains wie "Sworn To The Dark" macht, dann sollte man sie wenigstens sehr gut machen wie bei "Malfeitor" beispielsweise (der is furchtbar catchy).


Gutes Argument. Mir wäre es ganz ohne zwar lieber, aber wenn man mir keine andere Wahl lässt...

Teichfrosch hat geschrieben:Und natürlich hab ich von BM keine Ahnung, zum Glück sag ich da nur: sonst könnt ich die neue KEEP OF KALESSIN nicht feiern :grins:


Brrrr... schauder... wo ist Fabis Kotz-Smiley?
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Re: Watain

Beitragvon Rüdiger Stehle » Freitag 14. Oktober 2011, 13:18

Das ist echt schlimm, mit euch. Da wird ausgerechnet das zum Makel, was letztlich dazu führt, dass WATAIN endlich mal eine klassische BM-Band ist, die auch über die reinen Genregänger hinaus begeistern kann. Black Metal ist verdammt noch mal eine der klassisch(st)en Metalspielarten und hat ihre Wurzeln ganz tief in den Achtzigern. Natürlich hört man diese Einflüsse bei klassisch orientierten BM-Bands heraus, und "poppig" und "Bierzelt" ist da mal gar nichts. Dass Eingängigkeit bei Musik inzwischen auch schon ein negatives Attribut geworden ist, macht das alles fast schon makaber.
alias Hugin der Rabe.
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Re: Watain

Beitragvon Peter Kubaschk » Freitag 14. Oktober 2011, 13:27

Manchmal habe ich dabei das Gefühl, als ob das eher ein sich selbst gegeüber zu verteidigendes Prinzip ist, als eine echte Meinung.

Denn:
Jesus hat geschrieben:Wird ja auch irgendwie seinen Grund haben, dass ich die "Lawless Darkness" schätzungsweise mindestens 50mal gehört habe.
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Re: Watain

Beitragvon Jesus » Freitag 14. Oktober 2011, 13:30

Natürlich sind Bierzeltrefrains im Black Metal negative Attribute. Black Metal entstand als Gegenbewegung zum immer poppiger werdenen Schlagermetal der 80er. Black Metal ist anti und führt die Tradition der ersten Metalbands aus den frühen 70ern fort, die eben zu hart und böse für den damaligen Mainstream waren. Das ist ja das Schöne an BM: Er steht in der Tradition des Urmetals und ist somit mehr Metal als das Gejodel eine Schublade weiter oben. Dass Watain trotz dieses Makels ein tolles Album gemacht haben bzw. aus diesem negativen Element etwas Gutes gewinnen konnten, zeugt von ihren kompositorischen Fähigkeiten. Und Black Metal, der "auch über die reinen Genregänger hinaus begeistern kann", wird von mir eher mit Argwohn betrachtet. Black Metal soll doch nicht irgendwelche Pop-Metal-Hörer ansprechen; denn wenn er das tut, macht er doch irgendwas falsch.

Peter Kubaschk hat geschrieben:Manchmal habe ich dabei das Gefühl, als ob das eher ein sich selbst gegeüber zu verteidigendes Prinzip ist, als eine echte Meinung.


:narf: Prinzipien basieren doch auf Meinungen, nicht oder?
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Re: Watain

Beitragvon Jhonny » Freitag 14. Oktober 2011, 13:53

Manchmal ist es echt witzig hier...

da spielen Watain Black Metal, der Metallastiger wird und werden dafür als pop-lastig dargestellt. Schon witzig.
Und der Metal der 80er war Bierzelt-Metal... schon klar. Wenn man sich nur Bon Jovi als Vergleich anschaut vielleicht...


Hach, manchmal hab ich das Gefühl, man braucht nur irgendeinen Grund, um gegen etwas zu sein, was bei anderen gut ankommt.
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Re: Watain

Beitragvon Teichfrosch » Freitag 14. Oktober 2011, 14:02

Grundsätzlich bin ich ja oft und gerne bei Jesus was Mitgröhl/Stampfmetal angeht, aber in diesem Thread hier habe ich es mit keinem Wort negativ konnotiert dass die Band sich auf "Lawless Darkness" für die konsequente Ausgestaltung ihres eingeschlagenen Weges entschieden hat, nein, ich finde grade das ja so gelungen. Das macht WATAIN ja aus! Man hört das schon auf den vorherigen Alben, nur ist es auf der aktuellen eben mit Abstand am besten gelungen.

Ich hör ja selber das, was ich gerne als "Stampf/Mitgröhlmetal" bezeichne, nicht immer, aber immer öfter, zuletzt mit METAL CHURCH (die sind super). Keine Ahnung ob euch das einfach entgeht oder ob ihr es nicht sehen wollt. Ich behandel solche Begriffe eben auch (selbst)ironisch, aber das heißt nicht automatisch dass ich es schlecht finde... Das alles ändert natürlich nichts daran dass manche Bands guten Stampfmetal spielen und andere schlechten/furchtbaren.

So oder so, ich finde die neuste WATAIN von vorne bis hinten großartig und die 10/10 von Rüdiger nach wie vor mehr als gerechtfertigt. Kann man so eine Note ernsthaft vergeben wenn es (wiederkehrende) Elemente gibt die einen wirklich stören? Ich glaub nicht.

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