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von Havoc » Freitag 27. September 2019, 22:31
Interessante Gruppentherapie. Finde ich aber ehrlich von Dir Rüdiger, dass du dann trotzdem 9,5 Punkte gegeben hast. Weil du es einfach schon auch toll findest. Am besten finde ich aber die Aussagen von Daniel Lindhorst. Natürlich zählt an erster Stelle die Musik. Wenn der Rest auch noch stimmt, dann ist das wirklich toll und setzt dem ganzen noch ein Sternchen auf. Aber wenn die Musik nur 9,0 ist, dann kann das Drumherum das Ganze doch nicht auf eine 10 hochziehen. Andersherum ist doch ein Album, bei dem die Musik eine 10 ist doch auch eine 10, wenn das Artwork die letzte Grütze ist. Muss gerade, ohne, dass ich die Musik des Albums kenne, an Metal Church (Hanging In...) denken. 
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Havoc
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von Peter Kubaschk » Freitag 27. September 2019, 23:00
Nun, ich finde schon, dass das "Drumherum" ein Album schon aufwerten kann. Vielleicht nicht einen ganzen, aber zumindest einen halben Punkt. Allerdings spielt das halt eben doch eine untergeordnete Rolle, da bin ich ganz bei Daniel. Und dein (korrektes) Metal Church-Beispiel zeigt, dass es andersrum eben doch wichtiger ist.
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Peter Kubaschk
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von Pavlos » Samstag 28. September 2019, 00:10
Ein Hype, auch ein klitzekleiner im Underground, kann einem schon mal gehörig auf die Nerven gehen, das ist klar.
Was aber, wenn besagter Hype gerechtfertigt ist, und der den Hype kritisierende Reviewer selbst fast die Höchstnote zuckt?!
Schwierige Situation, sowohl für Schreiber als auch Leser.
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von Mr. Know-It-All » Samstag 28. September 2019, 00:11
Havoc hat geschrieben:Interessante Gruppentherapie. Finde ich aber ehrlich von Dir Rüdiger, dass du dann trotzdem 9,5 Punkte gegeben hast. Weil du es einfach schon auch toll findest. Am besten finde ich aber die Aussagen von Daniel Lindhorst. Natürlich zählt an erster Stelle die Musik. Wenn der Rest auch noch stimmt, dann ist das wirklich toll und setzt dem ganzen noch ein Sternchen auf. Aber wenn die Musik nur 9,0 ist, dann kann das Drumherum das Ganze doch nicht auf eine 10 hochziehen. Andersherum ist doch ein Album, bei dem die Musik eine 10 ist doch auch eine 10, wenn das Artwork die letzte Grütze ist. Muss gerade, ohne, dass ich die Musik des Albums kenne, an Metal Church (Hanging In...) denken.  
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von Rüdiger Stehle » Samstag 28. September 2019, 04:30
Pavlos hat geschrieben:Ein Hype, auch ein klitzekleiner im Underground, kann einem schon mal gehörig auf die Nerven gehen, das ist klar.
Was aber, wenn besagter Hype gerechtfertigt ist, und der den Hype kritisierende Reviewer selbst fast die Höchstnote zuckt?!
Schwierige Situation, sowohl für Schreiber als auch Leser.
Ich finde die Situation gar nicht so schwierig, aber ich fand sie verarbeitungswürdig, sowohl redaktionell als auch im foralen Diskurs. Deshalb hab ich das in der Weise thematisiert. Was mich einfach immer nervt, sind Verabsolutierungen, Superlative und Überhöhungen, die einem objektivierenden Duktus folgen. Das finde ich ätzend. Für mich geht auch nichts über Cirith Ungol, und für mich kann man Metal nicht besser machen, aber ich erwarte halt irgendwie, dass man in solchen Erhöhungen seiner Lieblinge zumindest auch sprachlich andeutet, dass einem bewusst ist, wie subjektiv solche Bewertungen sind. Klar kann man sagen, "das ist doch eh klar, muss man nicht immer dazu schreiben". Ja, muss man vielleicht nicht immer dazu schreiben, kann man sich auch manchmal denken, aber wenn wirklich mit der ganz groben Kelle die Vergötterungen verteilt werden, von wegen "beste deutsche Metalband seit 1837", "kann man nicht besser machen", "anbetungswürdig" usw..., dann ist mir das einfach zu viel des Guten, wenn da kein "für mich" mitgeliefert wird und das auch nicht als Hauch von Selbstironie oder dergleichen irgendwie mitschwingt. Vor allem denke ich halt, dass das oft den so angebeteten Bands mehr schadet als nutzt, weil das Fanverhalten dazu führt, dass manch weniger ekstatischer und lobhudelnder Betrachter eher peinlich berührt als angefixt ist. Man kann mir schon abnehmen, dass ich meine Bands nicht weniger toll finde, als die Hyper die ihren... und ich bin sicher der Letzte, der mit Lob und Anerkennung für tolle Bands geizt, aber man muss halt auch mal die Kirche im Dorf lassen können. Wenn da dann von "best ever" und so die Rede ist, dann denke ich halt immer, was dann mit all den Göttergaben der letzten 50 Jahre der Rockmusik ist, wenn das Ding jetzt "best ever" sein soll. Egal wo jetzt die Präferenzen liegen, aber wir reden von hunderten oder tausenden von Klassikeralben. Da ist ein "best ever" zu einer Scheibe, die man seit einem Monat als Promo kennt, oder vom fünfmaligen Hören am Erscheinungstag einfach, ja, sorry, das ist mir irgendwie zu viel Überschwang und auch zu unreflektiert.
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von Mr. Know-It-All » Samstag 28. September 2019, 12:02
Danke, Rüdiger, das war dein bester Beitrag zu dem Thema bisher. Deckt sich absolut mit meiner Meinung; jedoch wäre ich nicht in der Lage gewesen, es so treffend in Worte zu fassen.
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von Erasmus » Samstag 28. September 2019, 13:12
Ich finde die Situation gar nicht so schwierig, aber ich fand sie verarbeitungswürdig, sowohl redaktionell als auch im foralen Diskurs. Deshalb hab ich das in der Weise thematisiert.
Was mich einfach immer nervt, sind Verabsolutierungen, Superlative und Überhöhungen, die einem objektivierenden Duktus folgen. Das finde ich ätzend. Für mich geht auch nichts über Cirith Ungol, und für mich kann man Metal nicht besser machen, aber ich erwarte halt irgendwie, dass man in solchen Erhöhungen seiner Lieblinge zumindest auch sprachlich andeutet, dass einem bewusst ist, wie subjektiv solche Bewertungen sind. Klar kann man sagen, "das ist doch eh klar, muss man nicht immer dazu schreiben". Ja, muss man vielleicht nicht immer dazu schreiben, kann man sich auch manchmal denken, aber wenn wirklich mit der ganz groben Kelle die Vergötterungen verteilt werden, von wegen "beste deutsche Metalband seit 1837", "kann man nicht besser machen", "anbetungswürdig" usw..., dann ist mir das einfach zu viel des Guten, wenn da kein "für mich" mitgeliefert wird und das auch nicht als Hauch von Selbstironie oder dergleichen irgendwie mitschwingt.
Vor allem denke ich halt, dass das oft den so angebeteten Bands mehr schadet als nutzt, weil das Fanverhalten dazu führt, dass manch weniger ekstatischer und lobhudelnder Betrachter eher peinlich berührt als angefixt ist. Man kann mir schon abnehmen, dass ich meine Bands nicht weniger toll finde, als die Hyper die ihren... und ich bin sicher der Letzte, der mit Lob und Anerkennung für tolle Bands geizt, aber man muss halt auch mal die Kirche im Dorf lassen können. Wenn da dann von "best ever" und so die Rede ist, dann denke ich halt immer, was dann mit all den Göttergaben der letzten 50 Jahre der Rockmusik ist, wenn das Ding jetzt "best ever" sein soll. Egal wo jetzt die Präferenzen liegen, aber wir reden von hunderten oder tausenden von Klassikerlaben. Da ist ein "best ever" zu einer Scheibe, die man seit einem Monat als Promo kennt, oder vom fünfmaligen Hören am Erscheinungstag einfach, ja, sorry, das ist mir irgendwie zu viel Überschwang und auch zu unreflektiert.
Was du schreibst kann ich unterstützen. Allein ich finde auch nach mehrmaligem Lesen keinen der erwähnen Negativpunkte sprachlich in in unserer GT realisiert. Selbst die euphorischsten Schreiber haben gewisse Punkte angesprochen, die man auch als Kritik verstehen könnte. Was aber meines Erachtens wenig Sinn ergibt, ist die Ansicht, dass nicht auch ein 10 Punkte Album subjektiv negative Aspekte haben kann oder gar soll. Denn das trifft, finde ich, auch auf die unbestreitbaren Klassiker zu (falls es sie denn gibt). Zuletzt: Der Blick in die Vergangenheit ist sicher teilweise entlarvend, aber Musik (wie alle Kultur) findet auch unmittelbar für und zu ihre(r) Zeit statt. Will heißen: Ein "In Rock" oder "Master Of Puppets" mag genial sein, wirkt auf mich aber eben nicht so direkt wie ein neu erscheinendes Album.
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von Havoc » Samstag 28. September 2019, 14:53
Erasmus hat geschrieben:Will heißen: Ein "In Rock" oder "Master Of Puppets" mag genial sein, wirkt auf mich aber eben nicht so direkt wie ein neu erscheinendes Album.
Klar. Das spielt auf jeden Fall auch eine Rolle. Anfang der Achtziger war der Metal ja insgesamt als solches noch ziemlich neu. Als da auf einmal Bands wie Slayer, Venom oder Metallica um die Ecke kamen, da war das halt etwas ganz Neues. Heute hören sich die Einsteiger vielleicht auch zuerst Watain oder sowas an und zucken dann vielleicht mit den Achseln, wenn sie Venom einlegen. Die Zeit spielt natürlich auch eine Rolle. Ein Zehn Punkte Album kann vielleicht schon auch etwas an Kritik vertragen, aber sicherlich nicht viel. Rüdiger hat alles sehr gut getroffen. Und ich finde, er macht das bei seinen Reviews auch echt sehr gut. Zum Beispiel bei seinem seitenlangen Review zur neuen MANOWAR-EP. 
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Havoc
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von Rüdiger Stehle » Samstag 28. September 2019, 15:59
Erasmus hat geschrieben:Ich finde die Situation gar nicht so schwierig, aber ich fand sie verarbeitungswürdig, sowohl redaktionell als auch im foralen Diskurs. Deshalb hab ich das in der Weise thematisiert.
Was mich einfach immer nervt, sind Verabsolutierungen, Superlative und Überhöhungen, die einem objektivierenden Duktus folgen. Das finde ich ätzend. Für mich geht auch nichts über Cirith Ungol, und für mich kann man Metal nicht besser machen, aber ich erwarte halt irgendwie, dass man in solchen Erhöhungen seiner Lieblinge zumindest auch sprachlich andeutet, dass einem bewusst ist, wie subjektiv solche Bewertungen sind. Klar kann man sagen, "das ist doch eh klar, muss man nicht immer dazu schreiben". Ja, muss man vielleicht nicht immer dazu schreiben, kann man sich auch manchmal denken, aber wenn wirklich mit der ganz groben Kelle die Vergötterungen verteilt werden, von wegen "beste deutsche Metalband seit 1837", "kann man nicht besser machen", "anbetungswürdig" usw..., dann ist mir das einfach zu viel des Guten, wenn da kein "für mich" mitgeliefert wird und das auch nicht als Hauch von Selbstironie oder dergleichen irgendwie mitschwingt.
Vor allem denke ich halt, dass das oft den so angebeteten Bands mehr schadet als nutzt, weil das Fanverhalten dazu führt, dass manch weniger ekstatischer und lobhudelnder Betrachter eher peinlich berührt als angefixt ist. Man kann mir schon abnehmen, dass ich meine Bands nicht weniger toll finde, als die Hyper die ihren... und ich bin sicher der Letzte, der mit Lob und Anerkennung für tolle Bands geizt, aber man muss halt auch mal die Kirche im Dorf lassen können. Wenn da dann von "best ever" und so die Rede ist, dann denke ich halt immer, was dann mit all den Göttergaben der letzten 50 Jahre der Rockmusik ist, wenn das Ding jetzt "best ever" sein soll. Egal wo jetzt die Präferenzen liegen, aber wir reden von hunderten oder tausenden von Klassikerlaben. Da ist ein "best ever" zu einer Scheibe, die man seit einem Monat als Promo kennt, oder vom fünfmaligen Hören am Erscheinungstag einfach, ja, sorry, das ist mir irgendwie zu viel Überschwang und auch zu unreflektiert.
Was du schreibst kann ich unterstützen. Allein ich finde auch nach mehrmaligem Lesen keinen der erwähnen Negativpunkte sprachlich in in unserer GT realisiert. Selbst die euphorischsten Schreiber haben gewisse Punkte angesprochen, die man auch als Kritik verstehen könnte. Was aber meines Erachtens wenig Sinn ergibt, ist die Ansicht, dass nicht auch ein 10 Punkte Album subjektiv negative Aspekte haben kann oder gar soll. Denn das trifft, finde ich, auch auf die unbestreitbaren Klassiker zu (falls es sie denn gibt). Zuletzt: Der Blick in die Vergangenheit ist sicher teilweise entlarvend, aber Musik (wie alle Kultur) findet auch unmittelbar für und zu ihre(r) Zeit statt. Will heißen: Ein "In Rock" oder "Master Of Puppets" mag genial sein, wirkt auf mich aber eben nicht so direkt wie ein neu erscheinendes Album.
Die thematisierte Vergötterung fand auch nicht in unserer GT statt. 
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von Havoc » Samstag 28. September 2019, 16:58
Im RockHard ist die Scheibe "nur" auf Platz 2 des Soundchecks (hinter Opeth!). Und nur einer hat die Zehn gegeben. Skandal!!! 
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