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von Jhonny » Donnerstag 23. Februar 2012, 23:25
Am liebsten wäre mir ein Sound und v.a. ein Songwriting wie Anfang der 90er. Aber das ist wohl utopisch - der Sound liese sich vielleicht wiederherstellen, aber das Songwriting-Niveau wohl nur schwerlich...
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von Rüdiger Stehle » Donnerstag 23. Februar 2012, 23:40
Ich kopiere mal meine Eindrücke von meiner anderen Wirkungsstätte herüber, dann hast du eine erste grobe Einschätzung: Ich bin jetzt endlich, endlich, endlich auch beim ersten Durchlauf, und nun bei Song 2 angekommen.
Als erstes fällt der Sound sehr positiv auf, der wirklich Power hat, ohne dabei im Trommelbereich so steril zu klingen wie auf dem Sieg und der Bruderschaft. Der Bass ist ziemlich laut in Szene gesetzt, ohne dass er spielerisch allzu sehr auffallen würde. Aber im Klangbild ist er sehr präsent. Rolfs Gesang ist natürlich dat Tollste annet Janze, und schlicht und ergreifend schon Grund genug für die Reunion. Wäre doch schade, wenn man diese coole und völlig eigenständige Stimme nicht mehr hören dürfte.
Was das Songwriting angeht, ist der erste Song 'Piece Of The Action' in der Tat ein Good-Time-Rocker, aber ganz sicher kein klebriger oder zu fluffiger. Für mich klingt das schon nach Running Wild, und an sich auch nur nach Running Wild. Das ist beim folgenden ersten Piraten-Thema-Song 'Riding On The Tide' sogar noch deutlicher.
'I Am Who I Am' klingt im Hauptriff und in den Strophen auch ausschließlich und 100% nach RUNNING WILD, der Refrain ist allerdings völlig anders und da kann ich dann auch die Hardrock-Assoziationen der Kollegen hier ganz gut nachvollziehen. Der Refrain ist mir da auch ein bisschen zu aufdringlich ausgewalzt, aber der Song geht auch noch klar.
#4 - 'Black Shadow' Ein wuchtiger Stampfer scheint sich anzubahnen. Rolf singt in der Einleitung ziemlich ungewöhnlich. Erst im zweiten Vers werden die Hooks etwas RW-typischer. Weiß noch nicht, was ich davon halte.
#5 - 'Locomotive' Ich find, dass hier Rolfs altbekannter THIN-LIZZY-Einfluss ein wenig durchbricht. Solche Songs gab's auch schon zu Zeiten von "Blazon Stone". Hardrock, ja, aber klassisch und heavy, nicht happy oder glamourös. Das ist ein Song der nicht das urtypische RW-Riffing hat, aber schon auch eine Seite offenbart, die RW schon früher immer wieder mal zeigte.
#6 - 'Me + The Boys' Jo. Hier haben wir in der Tat einen Song der Marke BONFIRE meets QUIET RIOT meets TWISTED SISTER. Brät von den Gitarren her zwar auch sehr heavy, aber trotzdem wirkt's ein bisschen albern. Na ja, aber auch lustig... Allerdings wird der Refrain dafür viel zu lange ausgewalzt. Und wie Rolf im Chor mit sich selbst singt ist auch etwas seltsam.
#7 - 'Shadowmaker' Das ist ein 100%-typischer RW-Uptempo-Stampfer mit relativ klassischem Rock-Groove und einer ordentlichen "Indianer-Rhythmik", wie sie Rolf auch schon öfters verwendet hat. Vielleicht insgesamt ein wenig zu viel Druck auf einmal, aber sicher ein schöner Titelsong mit einigen hübschen Leadparts.
#8 - 'Sailing Fire' Wieder ein typischerer RW-Song mit den keltischen Shanty-Gitarrenmelodien, zu denen man sich die Augenklappe umschnallt und den Enterhaken auswirft. Simpel, fein zum Mitgrölen, jo... passt...
#9 - 'Into The Black' Hier höre ich wieder ein bisschen THIN LIZZY heraus. Allerdings durch Rolfs klassische Stampfnote ein wenig simplifiziert.
#X - 'Dracula' Hier versucht sich Rolf ansatzweise an "creepy vocals" und einer düstereren Stimmung, was etwas gewöhnungsbedürftig kilngt, aber nicht schlecht. Cool ist die Passage mit dem "Doom"-Riff. So etwas hab ich von RW jetzt auch nicht im Kopf...
Erste kleine Zwischenbilanz:
Nach einmaligem Hören kann ich mich mehr oder weniger hinter Oli einreihen. Die Scheibe klingt gut, Rolf singt toll, die Songs sind ungewöhnlicher und somit schon etwas spannender als auf den letzten paar Alben, weil man eben nicht andauernd denkt: "Ach, genau das hatten wir da, und das hatten wir da, und das da..."
Allerdings fehlen richtige Speed-Songs und es fehlt über weite Strecken in der Tat ein Schuss Düsterkeit, wobei eben jener zuletzt ja auch nicht mehr allzu präsent war, bei Rolfs Kogge. Alles in allem eine gesunde Mischung aus enorm viel RUNNING WILD, ein bisschen Stadion-Hardrock und noch ein bisschen THIN LIZZY.
Positiv gegenüber den Vorgängern ist auf jeden Fall mal der verbesserte Sound, das Abweichen vom Schema F und ein ganz ordentlicher Schuss mehr Spaß an der Sache. An sich ist es auf jeden Fall mal positiv zu werten, dass es kein Nummer-sicher-ich-kupfere-mich-selbst-ab-Album ist, das insgeheim jeder erhofft hat, und das nachher doch wieder alle zerrupft hätten, weil es "eben doch nicht mehr so ist wie früher".
Daher kann ich die Position "klingt komplett ehrlich" durchaus teilen. Und nein, Kameraden, es klingt für mich ganz und gar nicht wie TOXIC TASTE auf RW getrimmt. Wirklich nicht. Und die AC/DC-Assoziation von Schöwe hab ich auch nicht.
Ich sag mal so: Ein neuer Klassiker wird's sicher nicht. Aber cool ist die Scheibe nach dem ersten Eindruck schon. Es läuft der zweite Durchgang. Ich freu mich einfach, dass Rolf wieder singt, und dass das Album auf jeden Fall mal kein Rohrkrepierer ist.
Alles weitere wird sich weisen.
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von scumi » Freitag 24. Februar 2012, 15:44
Ich bin nach Rüdigers Ausführungen mal vorsichtig optimistisch.
Mal ernsthaft, ich erwarte ja weder eine Revolution, noch ein weiteres Pile of Black Hand Masquerade und schon gar keinen Genre-Meilenstein. Aber wenn Rolf noch ein gut rockendes RuWi-Album in Petto hat, dann immer her damit.
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von Holger Andrae » Freitag 24. Februar 2012, 22:02
Habe die jetzt auch einmal durch. Meine grundsätzliche Meinung zu der "Band" habe ich ausreichend geäußert. Aber wer jetzt absolute Genörgel erwartet, wird enttäuscht. Das ist eine gefällige Platte, die allerdings eher als harte Rockscheibe, denn als Heavy Metal Scheibe durch geht. Bei den ersten Takten dachte ich sogar spontan an diese typischen 80er Jahre Rocksachen wie Hooters, U2, Big Country etc. Danach wird es aber schon härter, keine Bange. Hängen geblieben ist noch nicht so viel. Ohne Rolfs Gesang wäre ich nie und nimmer darauf gekommen, dass das RW sein könnten. Vielleicht finde ich sie ja auch deshalb ganz ordentlich. Verdrehte Welt.
Wenn ich vier Ohren hätte, könnte ich länger schlafen.
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von Rüdiger Stehle » Samstag 25. Februar 2012, 02:11
Holger Andrae hat geschrieben:Ohne Rolfs Gesang wäre ich nie und nimmer darauf gekommen, dass das RW sein könnten.
Das ist aber eine völlig typische Reaktion für Leute, die keine RW-Freaks sind. Kubi hat das ja auch so geschrieben. Ich höre allerdings bei fast jedem Song (Ausnahme: "Me & The Boys") und bei mindestens 70% der Riffs sofort die Rolf-Handschrift heraus. Das ist für RW zwar ein ungewöhnlich arrangiertes und zusammengestelltes Album, aber die Hooks, Riffs und Leads an sich sind weitgehend mindestens genauso 100% RW wie Rolfs Gesang. Finde ich zumindest. Bei den ersten Takten dachte ich sogar spontan an diese typischen 80er Jahre Rocksachen wie Hooters, U2, Big Country etc.
Jup. Bei den ersten zehn Takten unterschreibe ich das. Ab Sekunde 31 ist aber spätestens klar, wer hier die Klampfe schwingt.
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von scumi » Samstag 25. Februar 2012, 17:14
Ihr macht mich ja schon sehr neugierig. Ich bin ja echt mal gespannt, wie ungewöhnlich (oder auch nicht) das für mich klingen wird. Wenn Rüdiger Recht hat, müsste ich es ja auch recht schnell als Running Wild heraushören aber die Aussicht auf ein paar Veränderungen, klingt für mich auch nicht so schlecht.
Was die "Band" oder besser das Projekt Running Wild und seine Erscheinungsform im Jahre 2012 nun anbelangt, kann man sicherlich eine kritische Haltung haben aber letztlich ist ja nur entscheidend was hinten raus kommt. Den Kasparek und seine Art wird man ja in diesem Leben eh nicht mehr ändern.
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von Rüdiger Stehle » Samstag 25. Februar 2012, 17:46
scumi hat geschrieben:Wenn Rüdiger Recht hat, müsste ich es ja auch recht schnell als Running Wild heraushören
Da mach dir mal bitte überhaupt gar keine Sorgen. scumi hat geschrieben:aber die Aussicht auf ein paar Veränderungen, klingt für mich auch nicht so schlecht.
Jo, eben. Mal ehrlich: Wenn Rolf einmal mehr ein 100%-Old-School-RW-Album machen würde, dann müsste er wirklich auch dafür sorgen, dass es ein absoluter Killer wird, der sich mit "Pile Of Skulls", "Death Or Glory" und "Port Royal" messen kann. Das zu erwarten, wäre unrealistisch. Da habe ich es dann echt lieber, wenn er das Ganze ein bisschen anders ausrichtet, als wenn nachher wieder fast jeder sagt: "Jo, das ist schon ganz nett, aber dasselber hat er schon vor 20 Jahren viel besser gemacht!"
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von Siebi » Samstag 25. Februar 2012, 18:13
Mein Bedarf an RW ist bestens gedeckt, bis zur "Rivalry" mehr oder minder alles Topalben, die immer gerne laufen und einfach ein zufriedenes Lächeln auf mein Gesicht zaubern. Welche Band/Projekt hat schon so viele Alben auf solch einem hohen Niveau zu bieten? Das ist schon respektvoll. Das neue Teil wird sicher irgendwann mal gehört und als Geschenk gerne genommen.
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von scumi » Sonntag 26. Februar 2012, 15:35
Der letzte echte Hammer aus dem Hause Running Wild war "Masquerade" und das ist nun schon ne Zeitlang her. Dannach merkt man mit jedem Album deutlicher, dass sich die Formel nur noch wiederholt. Zwar gibt es immer noch Songs, die man gut hören kann aber die wow-Effekte wurden deutlich geringer. Immerhin muss ich aber sagen, dass ReV rein songwriterisch für mich die stärkste Platte mindestens seit "The Rivalry" war, nur soundtechnisch halt unter aller Sau. Das zeigt aber, dass Rolf doch noch gute Songs schreiben kann.
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von Jesus » Freitag 9. März 2012, 07:40
edit: Ignoriert und löscht mich. Late news is late.
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